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Conrad von Hötzendorf, Franz (Freiherr, ab 1918 Graf) #

* 11. 11. 1852, Penzing bei Wien

† 25. 8. 1925, Bad Mergentheim (Deutschland)


Öst.-ung. General und Heerführer im Ersten Weltkrieg


Franz Freiherr Conrad von Hötzendorf. Foto, 1914., © Ch. Brandstätter Verlag, Wien, für AEIOU
Franz Freiherr Conrad von Hötzendorf. Foto, 1914.
© Ch. Brandstätter Verlag, Wien, für AEIOU

Conrad von Hötzendorf wurde am 11. November 1852 in Penzing bei Wien als Sohn eines Offiziers geboren.

Das Adelsprädikat "von Hötzendorf" stammte von Conrads Urgroßvater väterlicherseits, Franz Anton Conrad (1738-1827). Dieser war 1815 als kaiserlicher Beamter geadelt worden und hatte den Mädchennamen seiner ersten Frau, Josefa von Hötzendorf, als Adelsprädikat der Conrad übernommen.

Franz Conrad von Hötzendorf absolvierte die Theresianische Militär Akademie in Wiener Neustadt, wurde Jägeroffizier und kam dann in die Wiener Kriegs-(Generalstabs-) Schule. Als Generalstabsoffizier machte er die Okkupation von Bosnien-Herzegowina 1878-79 und die dortigen Kämpfe 1882 mit und wurde mehrfach ausgezeichnet.


Nach verschiedenen Generalstabsdiensten, unter anderem als Lehrer an der Kriegsschule 1888-92 und am Stabsoffizierskurs, übernahm er 1895 das Kommando des 1. Infanterieregiments.


Als Generalmajor führte er 1899-1903 eine Brigade in Triest und ab 1903 eine Division in Innsbruck.

Conrad von Hötzendorf reformierte die taktische Ausbildung und vor allem die Offiziersausbildung der k.u.k. Armee, er unternahm Reisen nach Deutschland, Frankreich, Italien, Rußland und die Balkanstaaten, wurde als Verfasser militärischer Werke schon über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt und wurde 1906 zum Chef des Generalstabes berufen.


Conrad von Hötzendorf erblickte in den offen bekundeten Ansprüchen Italiens und Serbiens auf österreichisches Gebiet hinreichenden Grund, zu den Waffen zu greifen, um einer späteren Gefahr vorzubeugen. Dieser Präventivgedanke stützte sich auf tatsächlich vorhandene Kriegsursachen, die Außenminister von Aehrenthal nicht verkannte, aber trotzdem strikt ablehnte. Diese Meinungsverschiedenheiten mit Aehrenthal führten 1911 zu Hötzendorfs Rücktritt. Doch bereits 1912 – unter Aehrenthals Nachfolger Graf Berchthold - nahm Conrad von Hötzendorf wieder seine frühere Stellung ein.


Bei Kriegsausbruch 1914 stand Conrad von Hötzendorf vor schweren Aufgaben, nach den sehr verlustreichen Sommer- und Winterkämpfen in Galizien 1914 hatte er maßgeblichen Anteil an der Durchbruchsschlacht von Tarnów-Gorlice, der Niederwerfung Serbien-Montenegros 1915, der Abwehr Rumäniens 1916, der Zurückweisung der italienischen Angriffe am Isonzo 1915.

Rückschläge, wie das Scheitern der Südtirol-Offensive 1916 und der russische Durchbruch bei Luck sind ihm aber zumindest teilweise, wenn nicht voll anzulasten.


Er wehrte sich gegen die immer stärker werdende deutsche Dominanz auf allen Kriegsschauplätzen der Mittelmächte, obwohl Österreich-Ungarn dringend der deutschen Hilfe an allen Fronabschnitten bedurfte.

1917 wurde er von Kaiser Karl seines Postens als Chef des Generalstabs enthoben und war bis Juli 1918 als Feldmarschall Kommandant einer nach ihm benannten Heeresgruppe in Italien, danach Oberst sämtlicher Garden.


Er war der meist- und höchstausgezeichnete General der österreichisch-ungarischen Wehrmacht und trat am 1. Dezember 1918 in den Ruhestand.


Als der Feldmarschall Franz Graf Conrad von Hötzendorf am 25. August 1925 starb, bereiteten ihm das Bundesheer der ersten österreichischen Republik und die Kameradschaftsverbände ein Begräbnis, wie es das Zeremoniell der kaiserlichen Armee für die großen Heerführer und Feldherrn vorgesehen hatte: vor dem auf einer sechsspännigen Lafette gebetteten Sarg das Leibpferd, dahinter der geharnischte Ritter. 24 Kanonenschüsse begleiteten die Grablegung des Marschalls.


Es gibt nicht viele Persönlichkeiten in der Geschichte Österreich-Ungarns, die in der Beurteilung ihres Wirkens gegensätzlichere Meinungen hervorriefen, wie Franz Conrad von Hötzendorf. Von den einen als brillanter Taktiker und Stratege geschätzt, von den anderen als einer der Hauptverantwortlichen für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges verachtet. In der Geschichtsschreibung der Zwischenkriegszeit als eine geradezu mythische militärische Gestalt dargestellt, ist man in neuerer Zeit sachlicher geworden.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • wirklicher Geheimer Rat, 1907
  • Freiherr, 1910
  • Großkreuz des Maria-Theresien-Ordens und Kanzler dieses Ordens, 1917
  • Graf, 1918
  • lebenslängliches Mitglied des österreichischen Herrenhauses
  • fünffacher Ehrendoktor
  • Ehrenbürger zahlreicher Gemeinden
  • Ritter des Ordens Pour le mérite mit Eichenlaub
  • In vielen Städten Österreichs sind Straßen nach Conrad von Hötzendorf benannt

Werke (Auswahl)#

  • Mein Anfang, 1925 (Fragment einer Autobiographie)
  • Aus meiner Dienstzeit 1906-18, (5 Bände, 1921-25), teilweise autobiographisch

Literatur#

  • A. Urbanski, Conrad von Hötzendorf, 2/1938
  • O. Regele, Feldmarschall Conrad, 1955
  • Conrad von Hötzendorf, Private Aufzeichnungen, erste Veröffentlichung aus den Papieren des k. u. k. Generalstabs-Chefs, herausgegeben von K. Peball, 1977
  • Sondhaus, Lawrence: Conrad von Hötzendorf, Architekt der Apokalypse, Neuer wissenschaftlicher Verlag, Graz 2003
  • D. Hackl, Der Offensivgeist des Conrad von Hötzendorf, Diplomarbeit, 2009

Weiterführendes#

Quellen#



Redaktion: I. Schinnerl


Der permanent von H. geforderte Präventivkrieg gegen Italien ist schon deshalb mehr als problematisch, da Italien mit Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich seit 1881 ! verbündet war.(Dreibund, weshalb Deutschland einen Krieg gegen Italien nie zugelassen hätte.) Dazu kommt noch die schon imperialistische Annexion Bosnien-Herzegowinas, die im Gegensatz zur Okkupation aufgrund der Beschlüsse des Berliner Kongresses ohne internationale Rechtstitel erfolgte, was Ö-U. an den Rand des Weltkrieges brachte. Stand der Forschung bei Sondhouse, Lawrence,The Architect of the Apokalypsis, siehe Lit. Verz. oben. Der völlig falsche Aufmarsch bei Kriegsbeginn, von dem noch dazu der Kaiser nicht informiert wurde, ist ebenfalls durch ihn verursacht. C. war ganz ohne Zweifel einer der apokalptischen Reiter der Monarchie, wie die neuere Forschung nachweisen konnte. Der Artikel ist deutlich verharmlosend. C. trieb seine Soldaten auch ohne Rücksicht auf schwierigstes Gelände in Offensiven, um der verheirateten Industriellengattin Gina Reininghaus zu imponieren.

Kriegsgrund wie im Beitrag behauptet, gab es keinen, da die Verwirklichung von Conrads Forderungen immer auch einen Weltkrieg bedeutet hätte, den die desolate Monarchie nie riskieren hätte dürfen, auch wenn man aufgrund des Verrates Redls die russischen Streitkräfte um 75 Divisionen (das ist mehr als die ganze Habsburger-Armee !) zu gering einschätzte. Dass die K. u. k. Armee ohne Stahlhelme in den Weltkrieg geschickt wurde, geht ebenfalls auf sein Konto. In der ihm eigenen Überheblichkeit forderte er nach Kriegsbeginn vom Deutschen Bündnispartner 160.000 Stahlhelme, die dieser natürlich selbst dringend benötigte. --Glaubauf Karl, Samstag, 28. August 2010, 19:51