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Dengel, Anna#


* 16. 3. 1892, Steeg

† 17. 4. 1980, Rom (Italien)


Ärztin
Gründerin der "Missionsärztlichen Schwestern"

Anna Dengel wurde am 16. März 1892 als ältestes von neun Kindern in Steeg im Tiroler Lechtal geboren. Später übersiedelte die Familie nach Hall, wo Anna auch die Volksschule besuchte.

Nach dem frühen Tod der Mutter kamen sie und eine Schwester in das Internat und die Klosterschule der "Schwestern der Heimsuchung Mariens" in Hall.
Nach Ende der vierjährigen Schulzeit half sie im väterlichen Geschäft und als Lehrerin im Schulunterricht aus. 1909 ging sie als 17-Jährige nach Lyon in Frankreich, um Deutsch zu unterrichten; nach zwei Jahren kehrte sie wieder in ihre Heimat zurück.

Über Umwege – sie interessierte sich für eine Schule, die Mädchen für die Krankenpflege in Missionsgebieten ausbildete - kam sie mit der schottischen Ärztin Dr. Agnes McLaren in Kontakt. Diese suchte Ärztinnen für Indien und unterstützte junge Frauen Medizin zu studieren, um anschließend in Indien zu arbeiten.

1913 ging sie nach Irland, verbesserte zunächst ihre Englischkenntnisse und absolvierte ab 1914 – wegen des soeben ausgebrochenen Weltkriegs von der Heimat abgeschnitten - an der katholischen Universität in Cork ein Medizinstudium, das sie mit verschiedenen Arbeiten finanzierte und 1919 abschloss. 1920 ging sie (wie vor dem Studium vereinbart) nach Indien, wo sie in Rawalpindi (damals Britisch-Indien, heute Pakistan), als Ärztin tätig war und sich besonders in der Geburtshilfe engagierte.
(In dieser Gegend gab es kaum Ärztinnen - worunter Frauen besonders litten, da sie sich aufgrund religiöser und kultureller Bräuche keinem Mann außerhalb der Familie zeigen durften und folglich nicht zum Arzt gehen konnten.)

Von ihrem Totaleinsatz völlig erschöpft, verließ sie 1924 Rawalpindi und entschloss sich nach einem Heimaturlaub in Tirol und Exerzitien in Rom, eine Ordensgemeinschaft mit missionsärztlicher Ausrichtung zu gründen. (Der Eintritt in einen bestehenden Orden kam für sie wegen des seit 1215 bestehenden kirchenrechtlichen Verbotes für Ordensfrauen, auf dem Gebiet der Geburtshilfe oder als Hebammen tätig zu sein, nicht in Frage.)


Anna Dengel ging in die USA, wo der Bischof der Diözese Baltimore schließlich die Konstitutionen für eine neue Gemeinschaft genehmigte. 1925 gründete sie (zusammen mit einer weiteren Ärztin und zwei Krankenschwestern) in Washington DC die Gemeinschaft der "Missionsärztlichen Schwestern". Wegen des noch immer gültigen kirchenrechtlichen Verbots bildeten die Frauen zunächst eine sogenannte "Pia Societas" (fromme Gemeinschaft) und verzichteten auf die Ablegung öffentlicher Gelübde.

Erst 1936 wurde das Kirchenrecht geändert und auch Ordensleuten der volle medizinische Dienst erlaubt. 1941 legten Anna Dengel und ihre Schwestern die Ewigen Gelübde in ihrer neuen Gemeinschaft ab, die sich danach rasch über Asien, Ostasien, Afrika, Europa und Lateinamerika ausbreitete. (Auch Mutter Teresa war Schülerin der Missionsärztlichen Schwestern in deren Niederlassung in Patna.)

Es wurden Spitäler gebaut, Krankenschwesternschulen errichtet, Ausbildungshäuser in England, Holland und Deutschland entstanden. Das Ordensgeneralat wurde 1958 von den USA nach Rom verlegt (heute befindet es sich in London). 1973 legte Anna Dengel die Leitung der "Missionsärztlichen Schwestern" zurück. Drei Jahre später erlitt sie einen Schlaganfall und blieb teilweise gelähmt. Sie starb am 17. April 1980 und wurde auf dem deutschen Friedhof Campo Santo Teutonico im Vatikan begraben.

Noch zu Lebzeiten wurde Anne Dengel für ihr Werk vielfach gewürdigt; ein Seligsprechungsprozess für sie ist derzeit im Laufen.


Weltweit zählt die Ordensgemeinschaft der "Missionsärztlichen Schwestern" heute rund 600 Schwestern aus 23 Nationen. Ihre Tätigkeit reicht von seelsorglicher Wegbegleitung über Jugendarbeit, Kranken-, Alten- und Gefängnisseelsorge bis hin zu Projekten für AIDS-Kranke und AIDS-Waisen. Niederlassungen der „Missionsärztlichen Schwestern“ gibt es in Afrika, Nord- und Südamerika, Indien, Indonesien, Pakistan und auf den Philippinen, aber auch in europäischen Ländern wie England, Belgien, Holland, Italien und Deutschland.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Ehrendoktorate verschiedener Universitäten
  • Ehrenmitgliedschaft der Katholischen Ärztegilde Österreichs
  • Ehrenmitgliedschaft der Internationalen Chirurgenvereinigung Chicago
  • Ehrenring des Landes Tirol
  • Großes goldenes Ehrenzeichen der Republik Österreich

Weiterführendes#

Literatur#

  • P.M. Plechl, Die Ärztin im Habit, 1988
  • H.P. Rhomberg,Anna Dengel, 1992
  • I. Schödl, Anna Dengel, Das Unmögliche wagen, 2014

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl