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Egger-Lienz, Albin#

* 29. 1. 1868, Stribach (Gemeinde Dölsach) bei Lienz (Tirol)

† 4. 11. 1926, St. Justina-Rentsch bei Bozen (Südtirol)


Maler

Albin Egger-Lienz
Albin Egger-Lienz. Foto, um 1920
© Ch. Brandstätter Verlag, Wien, für AEIOU

Albin Egger-Lienz, Menschenpaar
Albin Egger-Lienz, Mann und Weib (Das Menschenpaar). Gemälde, 1910 (Landesmuseum für Kärnten)
© Landesmuseum für Kärnten, Klagenfurt, für AEIOU

Albin Egger-Lienz wurde am 29. Jänner 1868 als uneheliches Kind von Maria Trojer und Georg Egger geboren.

Albin Trojer wuchs bei seinem Vater und seiner Stiefmutter auf und erhielt 1877 die Bewilligung, den Familiennamen Egger zu führen.

In Lienz besuchte er von 1875 bis 1882 die Volksschule und erhielt seine erste künstlerische Ausbildung von seinem Vater, einem Kirchenmaler und Fotografen.

Der Pustertaler Maler Franz von Defregger wurde sein großes Vorbild, einer dessen Schüler - Hugo Engl - riet Albin, nach München zu gehen, wo er von 1884 bis 1893 an der Münchner Akademie studierte (bei Karl Raupp, Gabriel von Hackl und Wilhelm Lindenschmitt).

1899 heiratete er und übersiedelte mit seiner Frau nach Wien. Ab 1900 war er Mitglied des Künstlerhauses in Wien und von 1908 bis 1910 Mitglied der Wiener Secession. Anschließend lehrte er bis 1913 an der Hochschule für bildende Kunst in Weimar und ließ sich daraufhin endgültig in St. Justina bei Bozen als freischaffender Künstler nieder.

Bei der Entwicklung seines monumentalen, expressiven und symbolhaften Stils waren ihm Franz von Defregger und Ferdinand Hodler Vorbilder. In seinen monumentalen Bildern beschäftigte sich Egger-Lienz mit den Themenkreisen des Krieges, des bäuerlichen Lebens und existenziellen Themen wie etwa dem Tod, oft gibt es mehrere Fassungen von einem Motiv.

Berühmt ist Egger-Lienz für seine eindringlichen, immer reduzierter und zugleich monumentaler werdenden Szenen aus dem einfach-kargen bäuerlichen Leben und Arbeiten und für seine erschütternden Soldaten- und Totenbilder aus dem 1. Weltkrieg.


--> Historische Bilder zu Albin Egger-Lienz (IMAGNO)


Text aus dem Buch "Große Österreicher":#

Albin Egger-Lienz 1868-1926

Klobig und knorrig sind seine Gestalten, klotzig und kantig - sonderbar, man meint ohne den Buchstaben K nicht auszukommen, wenn man beschreiben möchte, was Albin Egger-Lienz gemalt hat. Sie sind erdverbunden und dann doch wieder ins Überdimensionierte verzerrt, unmenschlich, nein: übermenschlich fast, mythische Figuren, oft schon ins Jenseits deutend. Tief gebeugt und doch vorwärts drängend, tragen sie Waffen, zum Angriff, zur Verteidigung und zum Tod bereit - wie in einem seiner berühmtesten Bilder, »Die Namenlosen« genannt.

Albin Egger-Lienz wird von vielen ein Kriegsmaler genannt und deshalb - nun, nicht gerade verachtet, aber auch nicht verehrt. Andere meinen, in ihm einen Künstler der Scholle zu sehen, einen Volkstümler. Dagegen spricht der Lebenslauf des Osttirolers, der väterlicherseits aus Kärnten stammt. Gewiß, dort, wo Albin Egger-Lienz geboren worden ist, haben sich immer schon die Kontraste hart im Raum gestoßen, standen »Welsche« und »Deutsche« in der Vorstellung der Alten einander gegenüber. Aber der Maler, der seine Motive so häufig aus dem Monumentalen der Heimatgeschichte geholt hat, ist noch vor dem Ende des Ersten Weltkriegs in die Gegend von Bozen übersiedelt und dort auch geblieben, als Südtirol italienisch wurde.

Er, der einst so volksbewußte Tiroler, ist nicht nach Österreich zurückgegangen, als die Zwangsitalianisierung unter der faschistischen Herrschaft begann. Er hat weitergemalt - ein Künstler, der die Politik von sich wies. Und doch ist Albin Egger-Lienz nebst Franz Defregger der bekannteste und berühmteste Tiroler Maler der Neuzeit gewesen, umstritten, diskutiert, doch anerkannt. Auch er ist freilich jenen Intrigen nicht entgangen, die in Österreich, in Wien im besonderen, sich immer dann entspinnen, wenn künstlerische Posten zu vergeben, Titel zu verleihen, akademische Ehren zu verteilen sind. Zweimal scheiterte seine Berufung zum Professor an der Akademie in Wien an Einsprüchen von außen; einmal, als der Minister schon unterschrieben hatte, wandte sich ein Mitglied des Kaiserhauses gegen Egger-Lienz' Nominierung, das zweite Mal, 1925, kam der Einspruch aus dem Professorenkreis selbst. Egger-Lienz hat sich gekränkt, doch er zweifelte nicht an seiner Kunst und seiner Befähigung; er wußte, was er wert war, und beugte sich - ungewöhnlich für einen Menschen, der zumindest mütterlicherseits aus Tiroler Bauerngeschlecht stammt.

Albin Egger-Lienz ist ein uneheliches Kind gewesen. Sein Großvater war bürgerlicher Bäckermeister, freilich nebenher auch, wie dies im Tiroler-Kärntner Grenzgebiet so häufig der Fall war, auch »Herrgottschnitzer«. Sein Vater Georg Egger war Kirchenmaler, hat sich aber schließlich in Lienz - daher stammt auch der zweite Name des Sohnes - als Photograph niedergelassen. Eine junge Bauerntochter aus Striebach bei Lienz, Maria Trojer mit Namen, war die Freundin Georg Eggers gewesen, dieser Verbindung entsproß Albin.

Der Vater wandte sich wenig später von Albins Mutter ab und heiratete ein Mädchen aus dem heimatlichen Oberdrauburg, Franziska Rotschopf. Der Bub blieb beim Vater und der Stiefmutter, die - anders als im Märchen - das Kind liebevoll aufzog; bald erhielt Albin durch kaiserlichen Gnadenakt auch den Namen des Vaters. Schroff soll Albin Egger-Lienz gewesen sein und verschlossen schon als Kind. Er war ernst, nachdenklich, gefühlvoll, heißt es in den diversen Biographien. Und er zeigte früh - schon als Zwölfjähriger - seine künstlerischen Neigungen, zeichnete, malte, skizzierte, freilich vor allem sein eigenes Umfeld, Bauernszenen, die alpine Landschaft, alles, was er rundum sah.

Franz Defregger wird sein großes Vorbild, der Maler aus dem Pustertal, er kopiert ihn, zeichnet beispielsweise die Madonna Defreggers in Dölsach nach. Hugo Engl, ein Schüler Defreggers, rät schließlich Georg Egger, den jungen angehenden Künstler, der offenbar soviel Talent hat, nach München, damals die Kunstmetropole des deutschen Sprachraums, zu schicken. Dort herrschte noch die Schule Karl von Pilotys, des realistischen Historienmalers - und auch Egger-Lienz' erste Lehrer waren von Piloty beeinflußt; ganz hat sich Albin Egger-Lienz von diesen ersten künstlerischen Beeinflussungen nie mehr frei machen können, auch wenn er - wie die anderen Kollegen in München - bald auch unter den Einfluß der französischen Strömungen, des Impressionismus zumal, geraten ist.

Was Albin Egger-Lienz zu seinem eigenen höchstpersönlichen, wohl auch unverkennbaren Stil gemacht hat, ist eine Art von historisierendem-realistischem Impressionismus, die Vermengung von Historienmalerei, Realismus und Impressionismus. Auch in München gab es damals, ähnlich wie in Wien, eine »Sezession«; Egger-Lienz blieb aber in der traditionellen Künstlervereinigung, und 1893 - im selben Jahr, da er die Akademie verließ - schuf er mit seinem »Ave nach der Schlacht am Bergisel« nicht nur seinen ersten großen Wurf, sondern gleichzeitig ein Bild, das wegweisend für ein Leben werden sollte. Er ist seiner heimatlichen Stoffwelt nie untreu geworden, für ihn war, wie er selbst sagte, Defregger der »gute Stern«, an den er sich »in der allgemeinen Verwirrung« zu halten gedachte. Das »Ave« begründete seinen Ruhm, die Regierung erwarb es und überließ es dem Ferdinandeum in Innsbruck.

Albin Egger-Lienz war nun das, was man »etabliert« nennen könnte, er sah sich in gesicherter Existenz, übersiedelte nach Wien, heiratete, mietete ein großes Atelier im Nobelbezirk Hietzing. Hier schuf er seine großen Werke, das Historienbild aus dem Naturalismus in eine Art von Monumentalstil bringend. Im »Totentanz 1809«, mehr noch im »Sämann und Teufel« wird dieser Stil deutlich. Da sind keine bunten Farben mehr, es dominieren die Braun- und Ockertöne, die Bilder wirken schwer. Oft hat man Egger-Lienz vorgeworfen, den Schweizer Ferdinand Hodler nachzuahmen, eine Kritik, die freilich völlig unzutreffend ist. Egger, so schreibt Heinrich Hammer, habe »einen neuen Typus seines Volkes« geschaffen, seine Bilder sind zu Bekenntnissen geworden - erst zum Bauerntum, später, im Krieg, den der Maler eine Zeitlang als Standschütze an der italienischen Front mitgemacht hat, Bekenntnisse zum Vaterland, zum Opfergang der Verteidigung.

In diesen Jahren ist Albin Egger-Lienz in der Tat Kriegsmaler gewesen. Er hat das Schreckliche des Kampfes, er hat Leid und Tod eindrucksvoll vor dem Beschauer ausgebreitet, auch das Monumentalfresko der Gedächtniskapelle in Lienz, das er 1925 schuf, zeugt von der Erinnerung an das Furchtbare des Massensterbens. Und immer wieder ist es die Bergwelt, sind es ihre Menschen gewesen, die Egger-Lienz in Beziehung zum großen Geschehen setzte. In seinen letzten Lebensjahren hat er sich dann mehr und mehr auch religiösen Themen zugewandt - der Glaube, daß sich einmal alle Gräber öffnen werden, klingt aus diesen Bildern.

Schon 1913 war der Maler nach Südtirol übersiedelt. 1926 ist er in dem Haus, das er in Rentsch bei Bozen erworben hatte, gestorben. In der Kunstgeschichte lebt er weiter als einer der großen österrei¬chischen Maler des beginnenden 20. Jahrhunderts. Er hat Zeichen gesetzt, die nicht verwittert sind.

Literatur#

  • K. Sotriffer, A. Egger-Lienz, 1983
  • W. Kirschl, A. Egger-Lienz, 2 Bände, 1996

Quellen#



Redaktion: I. Schinnerl