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Johann, Erzherzog von Österreich#

* 20. 1. 1782, Florenz (Italien)

† 10. 5. 1859, Graz (Steiermark)

Erzherzog Johann als Reichsverweser, 1848. Gemälde, um 1849., © Ch. Brandstätter Verlag, Wien, für AEIOU
Erzherzog Johann als Reichsverweser, 1848. Gemälde, um 1849.
© Ch. Brandstätter Verlag, Wien, für AEIOU

Erzherzog Johann wurde als 13. Kind von Großherzog Leopold von Toskana (später Kaiser Leopold II.), Bruder von Kaiser Franz II. (I.), und dessen Gattin Maria Ludovika in Florenz geboren.

Als sein Vater den Thron bestieg, kam er nach Wien. Obwohl er ursprünglich für die militärische Laufbahn bestimmt war und bereits als junger Mann mit höchsten Kommandoposten in der Armee betraut wurde, entwickelte Johann schon früh Interesse für Natur, Technik und Landwirtschaft; er sammelte Mineralien, war Alpinist und Jäger.

In den Napoleonischen Kriegen war Johann Feldmarschall und Generaldirektor für das Genie- und Fortifikationswesen. Er verlor am 3. 12. 1800 die Schlacht bei Hohenlinden und kämpfte 1805 gegen Franzosen und Bayern. 1808 organisierte er in Tirol und Innerösterreich die Landwehr für den Volkskrieg gegen Napoleon, förderte 1809 den Tiroler Freiheitskampf Andreas Hofers und übernahm den Oberbefehl über die Südarmee gegen E. Beauharnais. Er siegte bei Sacile, wurde aber bei Raab geschlagen.

Wegen seiner Teilnahme am Alpenbund und nach der Niederschlagung des Tiroler Volksaufstands verbot ihm sein kaiserlicher Bruder Franz I., Tirol zu betreten, seine Mitstreiter wurden zum Teil zu hohen Kerkerstrafen verurteilt.

Erzherzog Johann hatte schon in der Jugend öfters auch die Steiermark besucht, deren Naturschätze und Menschen ihn schon früh berührt hatten. Hier wurde er nun nach 1809 sesshaft, 1811 legte er durch Stiftungen und die Schenkung seiner Sammlungen den Grundstein für das Joanneum in Graz.

Erzherzog Johann Denkmal in Bad Aussee
Erzherzog Johann Denkmal in Bad Aussee
Er erwarb 1818 den Brandhof bei Mariazell und schuf daraus ein alpenländisches Mustergut. 1822 erwarb er in Vordernberg zwei Radwerke und wurde Eisengewerke, wobei er auch durch Gründung der Vordernberger Radmeister-Communität Erzabbau und -förderung auf dem steirischen Erzberg revolutionierte (1835 erste Eisenschienenbahn auf dem europäischen Kontinent).

Durch Erwerb einer Blechfabrik in Krems bei Voitsberg und von Kohlengruben bei Köflach wurde er auch zum Fabrikanten und Kohlengewerken. 1841 kaufte er die Herrschaft Stainz mit dem ehemaligen Chorherrenstift, wo man ihn 1851 auch zum ersten frei gewählten Bürgermeister kürte. In Pickern bei Marburg (Slowenien) errichtete Johann ein Weingut und führte Reben aus dem Rheinland ein.

Erzherzog Johann Gedenkstätte
Erzherzog Johann Gedenkstätte im Schloss Stainz, Steiermark
© Österreich Werbung / Trumler
Sein besonderer Verdienst ist die Durchsetzung der Trassierung der Südbahn von Wien nach Triest über den Semmering und durch Mürz- und Murtal nach Graz.

Folgende Institutionen basieren im Wesentlichen auf den Anregungen von Erzherzog Johann:

  • Steiermärkisches Landesarchiv (1817)
  • berg- und hüttenmännische Lehranstalt in Vordernberg (ab 1849 in Leoben, Montanuniversität Leoben)
  • Steiermärkische Landwirtschaftsgesellschaft (1819)
  • Wechselseitige Brandschadenversicherungsanstalt
  • Steiermärkische Sparkasse
  • Landesoberrealschule (1845 - daraus entwickelte sich die Grazer Technische Hochschule, heute Technische Universität Graz, die seit 1975 nach ihrem Gründer den Namen Erzherzog-Johann-Universität trägt)
  • Historischer Verein für Steiermark (1850)

Die Naturverbundenheit Erzherzog Johanns wird auch daraus deutlich, dass er als Alpinist zur Erschließung der Alpen beitrug. Handwerk, Gewerbe und Industrie lagen ihm ebenso am Herzen, sah er in ihnen doch einen Grundstock für den allgemeinen Wohlstand des Volkes.

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Johanns Volksverbundenheit äußerte sich in engen Kontakten zu den Menschen, dem Tragen der einheimischen Tracht (Steireranzug), dem Sammeln und der Förderung der materiellen und geistigen Kultur des Landes. 1829 heiratete er die Ausseer Postmeisterstochter Anna Plochl, deren Nachkommen den Titel "Grafen von Meran" erhielten.

Sein autobiographisches Werk "Der Brandhofer und seine Hausfrau" ist von dieser Lebenshaltung bestimmt. Johann umgab sich mit zahlreichen Künstlern ("Kammermaler") und Wissenschaftlern. 1848 wurde er Stellvertreter des Kaisers und eröffnete den konstituierenden Reichstag in Wien. Die gesamtdeutsche Frankfurter Nationalversammlung wählte ihn 1848 zum Reichsverweser, 1849 legte er jedoch dieses Amt wieder zurück.


Erzherzog Johann starb am 10. Mai 1859 in seinem Palais in der Grazer Leonhardstraße.

Er liegt in Schenna bei Meran (Südtirol) begraben.

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Literatur#

  • A. Schlossar, Erzherzog Johann im Liede, 1882
  • K. L. Schubert, Erzherzog Johann und der Bergbau, 1954
  • W. Koschatzky, Der Brandhofer, 1978
  • V. Theiß, Erzherzog Johann. Der steirische Prinz, 1981
  • G. Klingenstein (Hg.), Erzherzog Johann von Österreich, 2 Bände, 1982
  • O. Pickl (Hg.), Erzherzog Johann von Österreich, 1982
  • B. Hamann, Die Habsburger, 1988

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: H. Maurer, I. Schinnerl