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Ficker, Cenci von#

* 1. 9. 1878, Innsbruck

† 26. 8. 1956, Burg Stauf bei Nürnberg


Bergsteigerin
erhielt den Berg "Uschba" im Kaukasus "zum Geschenk"


Cenci von Ficker
Cenci von Ficker
© Archiv Senft

Cenzi von Ficker wurde am 1. September 1878 in einer Gelehrtenfamilie in Innsbruck geboren.

Schon früh kam sie durch ihren Bruder mit dem Bergsteigen in Berührung und lernte später über ihn zahlreiche bekannte Bergsteiger (u.a. Anton Schönbichler, Otto Ampferer, Karl Berger) kennen, die die hübsche und talentierte Cenzi immer gerne auf schwierige Bergtouren mitnahmen.

Sie war eine der hervorragendsten Bergsteigerinnen ihrer Zeit, galt als kühne Kletterin, war die erste Frau, die den Venediger bestieg und das erste weibliche Ehrenmitglied des Österreichischen Alpenklubs.
Sie war eine der ersten Frauen, die in auch in außereuropäischen Gebirgen kletterte, so war sie mit ihrem Bruder Heinrich von Ficker an vielen Erstbesteigungen im Kaukasus und Pamir beteiligt.


1903 wurde unter der Leitung von Dr. Willi Rickmer-Rickmers eine Kaukasus-Expedition ausgerüstet, an der auch Cenzi von Ficker teilnahm: Ziel war u.a. der wilde und schwierige Südgipfel des doppelgipfeligen, 4698 m hohen Uschba, dem "Matterhorn des Kaukasus".


Der Uschba von Betscho aus gesehen
Der Uschba von Betscho aus gesehen
© Archiv Senft




Von ihrem Mut und Charme begeistert, schenkte ihr der swanetische Fürst Tatarchan Dadeschkiliani, der von den europäischen Bergsteigern als eine Mischung von englischem Lord und Räuberhauptmann bezeichnet wurde, mit schriftlicher Urkunde vom 25. Juli 1903 den Berg Uschba, ein seither in der Alpingeschichte nie mehr wiederholter Fall! Daraufhin nannte man Cenci von Ficker in Bergsteigerkreisen bis an ihr Lebensende liebevoll-respektlos das "Uschba-Mädl".


Cenzi von Ficker gelang zum Abschluss der Expedition noch die Erstbesteigung eines bis dahin namenlosen 3860 Meter hohen Gipfels, der seither als "Tsentsi Tau" im Register des Alpine Club of London vermerkt ist.

Im gleichen Jahr erstieg sie auch mit dem Bergführer Albert Lorenz aus Galtür und Rickmer-Rickmers erstmals mehrere über 5.000 Meter hohe Gipfel im westlichen Pamir.


1908 heiratete sie den Wiener Rechtsanwalt Dr. Hannes Sild, einen ebenfalls sehr bekannten Bergsteiger, und bekam 3 Söhne.

Hannes Sild diente im Ersten Weltkrieg als Offizier und wurde 1917 an der Dolomitenfront schwer verwundet. Er erholte sich von seinen Verletzungen und so konnte das Paar nach Kriegsende wieder in die Berge gehen und dabei auch ihre drei Söhne mitnehmen.


1937 verunglückte der älteste Sohn Uli tödlich im Hochschwab-Gebiet, kurz darauf starb ihr Mann Hannes Sild. Im Zweiten Weltkrieg fielen die beiden jüngeren Söhne Henning und Meinhart.

Vereinsamt zog sie ins Karwendelhaus, wo sie den Bewirtschaftern jahrelang eine wertvolle Hilfe war.
1956 erkrankte sie schwer, wurde von der befreundeten Familie Drexel auf Burg Stauf bei Nürnberg aufgenommen, wo sie kurz vor ihrem 78. Geburtstag verstarb.

Literatur#

  • Herzog, Der Kampf um die Weltberge. München 1934
  • Der Bergsteiger, Heft 11, 1985
  • G. Pfaundler-Spath, Tirol-Lexikon.Ein Nachschlagewerk über Menschen und Orte des Bundeslandes Tirol. Innsbruck 2005

Quellen#


Redaktion: Hilde und Willi Senft