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Fischer , Heinz#

* 9. 10. 1938, Graz


Bundespräsident a.D.

BP Dr. Heinz Fischer
Dr. Heinz Fischer
© Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport

Heinz Fischer wurde am 9. Oktober 1938 als Sohn von Dr. Rudolf Fischer und seiner Frau Emmi in Graz geboren. Noch während seiner Kindheit übersiedelte er mit seinen Eltern nach Wien.

Nach dem Besuch von - aus Kriegsgründen - mehreren Volksschulen, absolvierte er in Wien das Humanistische Gymnasium in der Fichtnergasse.

Als Mittelschüler begeisterte er sich für Sport, vor allem für Fußball, aber auch Politik begann ihn frühzeitig zu interessieren. Die Tatsache, dass sein Vater von 1954 bis 1956 (also während der Zeit des Staatsvertrags-Abschlusses) Staatssekretär in der Regierung Raab/Schärf war, gab seinem politischen Interesse zusätzlichen Auftrieb, und er schloss sich gegen Mitte der fünfziger Jahre der Sozialdemokratischen Mittelschüler-Bewegung an.

Heinz Fischer maturierte 1956, absolvierte nach der Matura einen einjährigen Abiturientenkurs an der Handelsakademie, leistete 1958 seinen Präsenzdienst in Wien und Salzburg ab und studierte ab 1956 an der Universität Wien Rechts- und Staatswissenschaften.

Während seiner Studienzeit war er aktiv in der Österreichischen Hochschülerschaft tätig, sowohl im Hauptausschuss der Universität Wien als auch im gesamtösterreichischen Zentralausschuss der ÖH, bei den Hochschülerschaftswahlen 1961 war er Spitzenkandidat der Sozialdemokratischen Studenten. Im gleichen Jahr beendete er sein Studium mit der Promotion zum Doktor Juris und begann, das Gerichtsjahr zu absolvieren.

Von 1962 bis 1963 arbeitete er als Jurist im Sekretariat des Klubs der Sozialdemokratischen Abgeordneten und Bundesräte.

Damit begann seine eigentliche politische Laufbahn: von 1963 bis 1975 war Heinz Fischer Sekretär der SPÖ-Fraktion im Parlament, 1971 wurde er in den Nationalrat gewählt, dem er bis 2004 angehörte. 1975 bis 1983 war er Geschäftsführender Obmann des Klubs der Sozialdemokratischen Abgeordneten und Bundesräte, 1979 wurde er auch zu einem der stellvertretenden Vorsitzenden der SPÖ gewählt.

Von 1983 bis 1987 war Dr. Heinz Fischer Bundesminister für Wissenschaft und Forschung, anschließend kehrte er von der Regierungstätigkeit wieder ins Parlament zurück und war bis 1990 Obmann des Klubs der Sozialdemokratischen Abgeordneten und Bundesräte. 1990 wurde er zum Präsidenten des Österreichischen Nationalrates gewählt und übte dieses Amt bis 2002 aus, von 2002 bis 2004 war er Zweiter Nationalratspräsident.

Im Jänner 2004 gab er seine Kandidatur für das Amt des österreichischen Bundespräsidenten bekannt und legte seine Parteifunktionen nieder. Im April 2004 wurde Dr. Heinz Fischer zum Bundespräsidenten der Republik Österreich gewählt.

Bei der Wahl 2010 wurde er (mit 79,3% der Stimmen) für eine zweite Periode von sechs Jahren im Amt bestätigt. Diese Amtszeit endete am 8. Juli 2016. Dr. Heinz Fischer wurde mit einem Festakt im Parlament verabschiedet, obwohl kein Nachfolger angelobt werden konnte. (Auf Grund der Aufhebung des zweiten Wahlgangs durch den Verfassungsgerichtshof lag kein gültiges Endergebnis vor.) Die Stelle des Bundespräsidenten ist somit unbesetzt - alle Funktionen werden bis zur Angelobung eines neuen Bundespräsidenten vom Nationalrats-Präsidium übernommen.


Neben seinen politischen Tätigkeiten setzte Fischer auch seine akademische Laufbahn fort, er wurde 1978 als Universitätsdozent für Politikwissenschaften an der Universität Innsbruck habilitiert, wo er auch durch viele Semester hindurch Vorlesungen hielt.

Darüber hinaus hatte und hat Dr. Heinz Fischer aber noch zahlreiche andere Funktionen inne, darunter u.a.

Sonderbriefmarke Heinz Fischer
Sonderbriefmarke Heinz Fischer

  • Mitglied des Nationalen Sicherheitsrates sowie des Rates für auswärtige Angelegenheiten der Republik Österreich (bis 2004)
  • Präsident des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus (1995 – 2002)
  • Vizepräsident des Institutes für Höhere Studien (bis 2004)
  • Präsident der österreichischen Naturfreunde (bis 2005)
  • Präsident des Verbandes der österreichischen Volkshochschulen
  • Präsident des Institutes für die Geschichte der Arbeiterbewegung (bis 2005)

Heinz Fischer wurde bereits mit zahlreichen Ehren- und Verdienstzeichen im In-und Ausland ausgezeichnet, anlässlich seines 70. Geburtstags erschien 2008 eine Sonderpostmarke der österreichischen Post.

Univ.-Prof. Dr. Heinz Fischer ist seit 1968 mit seiner Frau Margit verheiratet, gemeinsam haben sie zwei erwachsene Kinder.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswwahl)#

  • Großes Goldenes Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich, 1979
  • Großes Goldenes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich, 1986
  • Großkreuz des Verdienstordens der Italienischen Republik, 1993
  • Großkreuz des Ordens de Isabel la Católica, 1995
  • Großkreuz des norwegischen Verdienstordens, 1996
  • Groß-Stern des Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich, 2004
  • Großstern des fürstlich liechtensteinischen Verdienstordens, 2004
  • Großkreuz mit der Collane des Ordens des Infanten Dom Henrique, 2005
  • Collane des Verdienstordens Pro Merito Melitensi des Souveränen Malteserordens, 2006
  • Großkreuz mit der Collane des Finnischen Ordens der Weißen Rose, 2006
  • Großkreuz mit der Collane des Verdienstordens der Republik Ungarn, 2006
  • Großkreuz des königlich norwegischen Sankt-Olav-Ordens, 2007
  • Großkreuz mit der Collane des italienischen Verdienstordens, 2007
  • Königlicher Seraphinenorden, 2007
  • Ehrenring des Landes Steiermark, 2008
  • Ehrenbürgerschaft der Stadt Graz, 2008
  • Ehrendoktorat der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Tel Aviv, 2008
  • Ehrendoktorat der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften, 2009
  • Großkreuz mit der Collane des Ordens des heiligen Jakob vom Schwert, 2009
  • Großkreuz mit der Collane des Ordens des Weißen Löwen, 2009
  • Florianiplakette des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes in Gold, 2009
  • Großer Verdienstorden des Landes Südtirol, 2012
  • National Order of Merit, 2012
  • Großkreuz der Französischen Ehrenlegion, 2013
  • Alois Rohrauer Gedenknadel der Naturfreunde Internationale, 2014
  • Cóndor de los Andes en el grado de Gran Collar (höchster bolivianischer Staatsorden), 2015
  • Orden Stara Planina am Bande, 2016
  • Große Goldene Ehrenmedaille der Wirtschaftskammer Österreich, 2016

Publikationen (Auswahl)#

Bücher
  • Kommentar zur Geschäftsordnung des Nationalrates samt Unvereinbarkeitsgesetz (zusammen mit Wilhelm F. Czerny), 1968
  • Positionen und Perspektiven, 1977
  • Die Kreisky-Jahre 1967-1983, 1993
  • Reflexionen, 1998
  • Wende-Zeiten: ein österreichischer Zwischenbefund, 2003
  • Überzeugungen - Eine politische Biografie, 2006

Editionen

  • Zum Wort gemeldet: Otto Bauer, 1968
  • Texte zur österreichischen Verfassung, 1970
  • Das politische System Österreichs, 1974
  • Kreisky Reden, 2 Bände, 1981
  • Rote Markierungen international, 1984
  • Forschungspolitik für die 90er Jahre, 1985
  • Bruno Pittermann: Ein Leben für die Sozialdemokratie, 1985
  • Nationalrats-Wahlordnung 1992: mit Anmerkungen und Nebengesetzen, 1993
  • Texte zur Rechtspolitik: in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Parlamentarischen Gesellschaft, 1997
  • Die Zukunft der Europäischen Sozialdemokratie, 1997
  • Österreich und die Währungsunion: rechtswissenschaftliche und wirtschaftswissenschaftliche Betrachtungen zur Währungsunion, 1998
  • Visions for Europe, 2002

Elektronische Publikationen

  • Die Geschichte der II. Republik (8 CDs), erzählt von Heinz Fischer, Wien: ORF 1999
  • Wahlen und Demokratie, Vorwort für CD-Rom, Innsbruck: Forschungsgruppe MediaWatch,1999
  • Zahlreiche weitere Beiträge für Bücher, Zeitschriften und Festschriften

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl


Eine äusserst gut gelungene und informative Biographie eines exzellenten Prototypen der österreichischen Politik: wissenschaftlich hervorragend ausgewiesen und immer klug und besonnen in der Amtsführung.

--Glaubauf Karl, Dienstag, 10. August 2010, 12:41