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Fischer von Erlach, Johann Bernhard - Biographien

Fischer von Erlach, Johann Bernhard#

* 20. 7. 1656, Graz (Steiermark)

† 5. 4. 1723, Wien


Architekt , Baumeister


Johann Bernhard Fischer von Erlach
Johann Bernhard Fischer von Erlach. Gemälde von A. Manyoki, 1723 (Camera praefecti d. ÖNB)
© Bildarchiv d. ÖNB, Wien, für AEIOU

Johann Bernhard Fischer wurde am 20. Juli 1656 als Sohn des Bildhauers Johann Baptist Fischer und seiner Gattin Anna Maria, der Witwe des Bildhauers Sebastian Erlacher, in Graz geboren.

Fischer von Erlach war zuerst als Bildhauer bei seinem Vater in Graz tätig, mit 14 Jahren ging er nach Rom, wo der große italienische Barockbaumeister Gian Lorenzo Bernini tätig war. Zu den Mitarbeitern am Petersdom gehörte auch der päpstliche Hofmaler Johann Paul Schor, ein Tiroler, der seinen Grazer Schüler in den Kreis um den Meister einführte und ihm auch Zugang zu der Gesellschaft der Künstler und Gelehrten um Königin Christine von Schweden ermöglichte.

Johann Bernhard Fischer beschäftigte sich immer weniger mit der Bildhauerei, sondern interessierte sich immer mehr für die Architektur. Er stand in Rom auch in Verbindung mit dem Theoretiker P. Bellori und studierte die Baukunst F. Borrominis. 1684 führte ihn sein Weg schließlich nach Neapel, bevor er zwei Jahre später nach Graz zurückkehrte.

In diese Zeit fallen die Arbeiten an der Wiener Pestsäule, an der Innenausstattung der Mausoleen in Ehrenhausen und Graz, Entwürfe zu Portalen, Vasen, Altären, Brunnen und Triumphbögen. Sein erstes Meisterwerk ist der Ahnensaal in Schloss Frain (Vranovbei Znaim, Tschechische Republik) von 1688.

Ab 1689 unterrichtete er den späteren Kaiser Joseph I. in der Baukunst, er entwarf für das Wiener Kaiserhaus den Plan für eine barocke Monumentalanlage des Schlosses Schönbrunn, die 1696 begonnen wurde, wenn auch in stark reduzierter Form.

Da er zwar 1694 zum kaiserlichen Hofarchitekt und -ingenieur in Wien ernannt worden war, aber in Wien keine Aufträge erhielt, ging Fischer von 1693 bis 1699 nach Salzburg, wo er einen Großteil der Kirchen erbaute oder umbaute. Während dieser Zeit – im Jahre 1696 – wurde ihm der adlige Namenszusatz „von Erlach“ verliehen (nach dem ersten Mann seiner Mutter, dem Bildhauer Sebastian Erlacher).

1704 reiste er an den preußischen Hof, von dort weiter nach Holland und England und setzte sich dabei mit der klassizistischen Bauweise Westeuropas auseinander.


Um 1705 - nach dem Regierungsantritt Josephs I - erhielt Fischer von Erlach in Wien eine Hofstelle (Inspektor der kaiserlichen Gebäude und damit Leiter des kaiserlichen Bauwesens), jedoch vorerst nur mit kleineren Aufträgen. Ein Meilenstein war die erfolgreiche Teilnahme am Wettbewerb für den Bau der Karlskirche, bei dem er sich gegen mehrere starke Gegner (u.a. Johann Lucas von Hildebrandt) durchsetzen konnte. Die Karlskirche wird heute neben den zahlreichen bedeutenden Bauwerken Fischer von Erlachs als dessen Hauptwerk angesehen. Neben dieser zählen die Salzburger Kollegienkirche, das Winterpalais des Prinzen Eugen (heute Finanzministerium), die Böhmische Hofkanzlei und das Palais Trautson zu seinen bedeutendsten Werken.

Einige seiner Wiener Bauten wurden von seinem Sohn Joseph Emanuel fertig gestellt (Karlskirche, Hofbibliothek).


Fischer von Erlach war in erster Linie ein Meister der Raumkunst; im Gegensatz zum jüngeren J. L. von Hildebrandt stellte er den prunkvollen Dekor immer mehr in den Hintergrund und nahm frühklassizistische Stilelemente auf, so besonders in der kubischen Gestaltung der Baukörper und in den ruhigen, streng komponierten Fassaden.


Er versuchte Lang- und Zentralbau harmonisch zu verschmelzen. Bildnerisch durchformte, körperhaftbewegliche Bauformen verband er mit einem klaren Grundriss und einer weiträumigen Aufgliederung. Diese seine echt österreichische produktive Synthese führte zu einer eigenen Kunstsprache, die alle klassischen Spielarten der europäischen Baukunst beherrschte, dazu trat bei ihm noch ein wegweisendes historisches Interesse, wie sein 1721 veröffentlichtes Stichwerk "Entwurf einer Historischen Architektur" (Kodex 10791 der Handschriftensammlung der Nationalbibliothek), eine erste universal angelegte Architekturgeschichte, zeigt. Seine Baukunst wurde durch ihre politische Funktion zum Vorbild emporgehoben und Ausdruck für das erstarkte Bewusstsein des Habsburgerreichs.


Fischer von Erlach, der gemeinsam mit Andreas Schlüter heute als der Begründer der spätbarocken deutschen Architektur gilt, starb 1723 nach langer Krankheit im Alter von 66 Jahren in Wien.


--> Historische Bilder zu Johann Bernhard Fischer von Erlach (IMAGNO)


Werke (Auswahl):

Steiermark:

  • Entwurf zum Hochaltar und zu den Stuckdekorationen des Mausoleums Ferdinand II. in Graz
  • Entwurf zum Hochaltar von Maria-Straßengel (1687), vermutlich als Frühwerk und Vorstufe zum Saal im Schloß Frain in Mähren
  • Doppelsaalbau des Schlosses Rabenstein bei Frohnleiten
  • Marmorhochaltar der Basilika von Mariazell (1692-1704) (nach seinem Entwurf und unter seiner Bauleitung)
  • ihm wird ferner der Einbau im Innern des Mausoleums Ruprechts von Eggenbergs in Ehrenhausen (vor 1696) zugeschrieben
  • wahrscheinliche Einflussnahme auf den Bau des Meerscheinschlössels in Graz
  • Entwurf von seiner Hand wird für das Atlantenportal des Palais Stubenberg in der Hans-Sachs-Gasse in Graz vermutet
  • auch der Skulpturenschmuck und die Gitter der Gartentore von Schloss Neuschloß bei Graz werden mit seinem Namen in Verbindung gebracht.
  • Goldburg in Murstetten


Dreifaltigkeitskirche
Dreifaltigkeitskirche in Salzburg (1696-1707
© IMAGNO/Oskar Anrather, 1990

Kollegienkirche
Kollegienkirche in Salzburg
© Österreich Werbung, Archiv


Salzburg:

  • Dreifaltigkeitskirche (1694-1702)
  • Johannesspitalskirche mit angrenzendem Spital (1699-1703)
  • Kollegienkirche (1696-1707)
  • Fassade des Hofmarstalles u. Winterreitschule (heute Teile des Festspielhauses)
  • Ursulinenkirche (1699-1705)
  • Hochaltar der Franziskanerkirche (1708)
  • Portal des Hofmarstalls (1694)
  • Schloss Kleßheim (ab 1700)
  • Wallfahrtskirche Kirchental bei Lofer (1694-1701)


Wien:

  • Stadtpalais des Prinzen Eugen (1695 - 97) (von Hildebrandt übernommen)
  • Stadtpalais Strattmann, Lustgebäude für den Grafen Schlick (1692)
  • Böhmische Hofkanzlei (1708-14, 1750-54 von M. Gerl vergrößert)
Schloss Schönbrunn
Schloss Schönbrunn, errichtet nach Originalplänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach (1656 bis 1723), umgestaltet von Nikolaus Pacassi zwischen 1744 bis 1749
© IMAGNO/Gerhard Trumler
  • Karlskirche (1716-23, von seinem Sohn 1723-39 vollendet)
  • Hofstallungen (das heutige Museumsquartier) (ab 1723, nach seinem Entwurf 1719-21)
  • Winterreitschule der Hofburg
  • Stadtpalais Liechtenstein (Seitenportal 1705, Attika)
  • Palais Lobkowitz (1709-11 Veränderungen)
  • Pläne für die Hofbibliothek (Ausführung durch seinen Sohn 1723-26) und das
  • Palais Schönborn-Batthyány auf der Freyung in Wien (1692-93)
  • Entwürfe und erster Bau von Schloss Schönbrunn (2. Projekt um 1695, später Umgestaltung und Fertigstellung durch N. Pacassi)
  • Palais Schwarzenberg (Fertigstellung 1720-22, Innenausgestaltung durch seinen Sohn)
  • Gartenpalais Trautson Neubau (1710-12)
  • Festsaal und Fassade für den barocken Neubau des Stifts Herzogenburg (v. Jakob Prandtauer)
  • Pestsäule am Graben (Sockelreliefs, 1687)

Weitere Werke:

  • Niederweiden (Jagdschloss in Engelhartsstetten, Niederösterreich, ab 1693)
  • Perchtoldsdorf (Sockelreliefs der Pestsäule, 1713)
  • Jagdschloss der Starhemberg in Niederweiden, Niederösterreich
  • "Ahnensaal" der Althan in Frain an der Thaya
  • Reitstallgebäude für Schloss Lednice in Mähren, Tschechei
  • Palais Clam-Gallas in Prag (Fassade)



Literatur:

Fischer von Erlach - Denkmal v. Joseph Cesar
Fischer von Erlach - Denkmal v. Joseph Cesar, am Dr. Karl-Lueger-Ring, Rathauspark, Wien
© Austria Forum

  • Albert Ilg, Leben u. Werke Johann Bernhard Fischer von Erlach, 1895
  • Hans Sedlmayr, Johann Bernhard Fischer von Erlach, Herold, Wien München 1956 / dva, Stuttgart 1997
  • Hellmut Lorenz, Johann Bernhard Fischer von Erlach, Verlag für Architektur, 1992
  • Friedrich Polleroß (Hrsg.), Fischer von Erlach und die Wiener Barocktradition, Böhlau Verlag, Wien Köln Weimar 1995
  • Georg Dehio, Hdb. der Kunstdenkmäler Österreichs, Wien 1954
  • George Kunoth: Die Historische Architektur Fischers von Erlach. Schwann, Düsseldorf 1956
  • H. Aurenhammer Katalog der Austellung Fischer von Erlach (zum 300. Geburtstag) Graz - Wien - Salzburg 1956/57
  • Walter Ernst Buchowiecki, Der Barockbau der ehem. Hofbibliothek in Wien, ein Werk J. B. Fischers v. Erlach, Wien 1957
  • Andreas Kreul: J. B. Fischer von Erlach, 1656–1723. Regie der Relation. Verlag Anton Pustet, Salzburg/München 2006
  • Kohlbach, Baumeister, 201-212
  • Thieme-Becker, XII, 44-49
  • Karl Pallasmann, "Johann Baptist Fischer und die Frühzeit dessen Sohnes J. B. Fischer von Erlach. Ein Beitrag zur Kunstgeschichte Steiermarks", Graz: Univ.-Diss., 1927
  • Anton Adalbert Klein, "Das Heldenzeitalter Österreichs 1648-1740", 59, in der Reihe "Gesch. Österreichs in Einzeldarstellungen", herausg. von F. Tremel
  • List, 1, 124-125
  • NDB (Neue Deutsche Biographie) V, 209 ff.
  • LThK(Lexikon für Theologie und Kirche) IV, 157 f.


Text aus dem Buch "Große Österreicher"#


Johann Bernhard Fischer von Erlach 1656-1723


Es könnte das Porträt eines Herrschers sein: ein klarliniges Profil, die Stirn unter der mächtigen Perücke hoch gewölbt, dominant die Nase, um den Mund ein Zug von herber Entschlossenheit, der Blick gerade. Und ein Beherrschender war dieser Johann Bernhard Fischer von Erlach denn auch, der "Kayserlichen Majestaet sambtlicher Hoff und Lustgebäu Ober-lnspector", der wie es im Hofdekret vom Heiligen Abend des Jahres 1705 heißt "dafür geachtet und intitulirt werden" sollte.

Joseph I., der ihn zu diesem hohen Amt berief, war übrigens sein Schüler gewesen, den er "architecturam civilem reissen zu lehren" die Ehre gehabt hatte: die Habsburger des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts waren den Künsten nicht nur als Förderer gewogen.

"Etwas wie ein Rahmen des Künftigen zeichnet sich schon in den Lebensverhältnissen der Kindheit ab, aus denen der größte Architekt Österreichs und einer der größten Deutschlands; ja Europas erwachsen sollte“, schrieb der Kunsthistoriker Hans Sedlmayr über die frühen Grazer Jahre des Johann Bernhard Fischer, der am 20. Juli 1656 in der Heilig-Blut-Kirche der Stadt an der Mur getauft wurde.

Sein Vater war Bildhauer, sein Großvater Buchhändler, sein Patenonkel kaiserlicher Kammersekretär. Mitbestimmend für das häusliche Milieu muss aber auch der erste Mann seiner Mutter gewesen sein, der als Bürger und Bildhauer ein „ehrenfester, vornehmer und kunstreicher Herr“ genannt wurde. Er hieß Sebastian Erlacher – auf der Höhe des Erfolges hat Johann Bernhard Fischer ihn dann durch das Adelsprädikat „von Erlach“ geehrt.

Die Eltern müssen das Genie des Sohnes früh erkannt haben, denn sie ermöglichten ihm, als er 14 Jahre alt geworden war, eine Studienreise nach Italien, vor allem nach Rom, wo Lorenzo Bernini die Personifikation abendländischer Architektur war. Zu den Mitarbeitern am Petersdom gehörte auch der päpstliche Hofmaler Johann Paul Schor, ein Tiroler, der seinen Grazer Schüler in den Kreis um den Meister einführte und ihm auch Zugang zu der Gesellschaft der Künstler und Gelehrten um Königin Christine von Schweden in ihrer späten römischen Zeit ermöglichte.

Auch in Neapel, wo Schors Sohn am Hof des Vizekönigs wirkte, sammelte der junge Grazer bleibende Eindrücke. 16 Jahre ist er in Italien geblieben, und als er nach Österreich heimkehrte, ging ihm schon der Ruf eines „großen Virtuosi« voraus, den er glänzend festigte in der Zeitspanne bis zur Jahrhundertwende, die als erste Hauptepoche seines Schaffens gilt.

Dann folgten einige Jahre der Unterbrechung, auch des Reisens, gekennzeichnet nicht zuletzt durch eine gewisse Enttäuschung angesichts der Erfolge seines um zwölf Jahre jüngeren Konkurrenten, Lukas von Hildebrandt, dem Prinz Eugen, der größte Bauherr seiner Zeit, so sichtbar den Vorrang gab. Erst gegen Ende des Dezenniums hat sich Fischer von Erlach, dessen äußerer Ruhm, wie schon das zitierte Hofdekret zeigt, nicht gelitten hatte, wieder großen Aufträgen widmen können; die späten Hauptwerke entstanden.

Den Beginn der Tätigkeit in Österreich bildete das mährische Schloss Frain, für den Grafen Althan erbaut, dem der schlossartige Marstall von Eisgrub und das Wiener Gartenhaus des Fürsten Liechtenstein vorangegangen waren. Die Dreifaltigkeits-, Ursulinen- und Kollegienkirche in Salzburg, in Wien das Winterpalais des Prinzen Eugen in der Himmelpfortgasse entstanden, für Mariazell entwarf er den Hochaltar als Abbild der Welt, die Gott gehört. Seine besondere Liebe aber galt den Lustschlössern – ihr anmutigstes ist Niederweiden, für den Türkenhelden Starhemberg nach 1693 errichtet und erst später in den Besitz Prinz Eugens übergegangen.

Eine Reise nach Preußen, wo er sich entgegen ursprünglichen, vagen Plänen nicht zu bleiben entschließen konnte, danach Reisen nach Belgien und England erweiterten seine Kenntnisse, machten ihn auch kritischer der südländischen Ideenwelt gegenüber.

Nach Wien zurückgekehrt, legte er Pläne für einen Neubau der Wiener Hofburg vor – sie wurden nicht akzeptiert. Was nützten alle Ehren und Würden, wenn man ihn nicht bauen ließ? Zudem starb seine erste Frau, die Mutter seiner vier Kinder; er hatte die Regensburger Notarstochter Sophie Constantia Morgner 1690 geheiratet.

1705 ging er eine zweite Ehe ein, die eine bittere Enttäuschung brachte: Francisca Sophia, geborene Lechner, verwitwete Willer, hat den Alternden verlassen, und noch in seinem Testament, 1723, schreibt er bitter, er enterbe sie, weil „sye mich in meinen alter treuloss verlassen, undt sich selbst von mir ohne Einige Ursach separirt und wider meinen wüllen auss den Hauss gegangen«, weggelaufen „wider wüssen undt gewüssen«.

Ob ihr der berühmte Ehemann tatsächlich gar keinen Anlass dazu gegeben hat, wird sich nie mehr eruieren lassen. Wohl bestätigen Zeitgenossen seine freundliche Art« und Liebenswürdigkeit, aber Fürst Adam Schwarzenberg charakterisierte ihn in späteren Jahren so: „der kayserliche Architectus Fischer von Erlach, der wenig seinesgleichen in diesen Landen und doch im Kopf sichtbarlich einen Sparren zu viel hat.«

Nach 1708 sind dann seine späten Paläste entstanden: die Böhmische Hofkanzlei, das Gartenpalais Trautson, das Palais Gallas in Prag, die Hofbibliothek, die Hofstallungen und als Krönung die Karlskirche, vom Vater Maria Theresias nach dem Abflauen der letzten Pestepidemie 1713 zu Ehren des heiligen Karl Borromäus gelobt; die „Reichskirche des barocken römischen Kaiserreiches«, in der er alle Elemente der hohen Baukunst vereint, vom antiken Empfinden der beiden Säulen bis zur hochgewölbten Kuppel als „maßvolle Vermählung von Ruhe und Bewegung«.

Für einen Meister seiner Zeit ungewöhnlich war seine Einfühlung in die Gotik, wie sie sich vor allem am Hochaltar der Salzburger Franziskanerkirche zeigt. In der Wiener Pestsäule wieder wird das bildhauerische Element, seine erste künstlerische Liebe, lebendig.

Seine kühnsten Pläne wurden nicht verwirklicht: die Hofburg in Wien, ein preußisches Königsschloss und schließlich der erste Entwurf für Schönbrunn, in dem er alles übertreffen wollte, was er selbst, aber auch was andere Große der Baukunst erdacht hatten. Vieles ließ er, als er am 5. April 1723 starb, unvollendet zurück – in dem doch trostreichen Wissen, dass es sein Sohn Joseph Emanuel vollenden, freilich auch verändern würde. Im Dom zu St. Stephan ist er am 6. April „in Nachtbegleitung in der Gruft beigesetzet« worden – die genaue Stelle wurde nicht verzeichnet.

Sind seine grandiosen Bauwerke sichtbare Zeugnisse seines unsterblichen Ingeniums, so ist sein kaum minder bedeutendes wissenschaftliches Œuvre kaum über die Fachwelt hinaus bekannt: die erste universale Architekturgeschichte in Bildern, die er nach langjährigen Studien 1712 abschloss, „Entwurf einer Historischen Architektur in Abbildung unterschiedener berühmten Gebäude des Altertums und fremder Völker“. Das Original überreichte er dem Kaiser; die Buchausgabe erschien erst zwei Jahre vor seinem Tode, erreichte sechs Auflagen und wurde auch ins Englische übersetzt. Leibniz schlug ihn dafür zur Aufnahme in eine zu gründende Akademie der Wissenschaften in Wien vor.

Fischer von Erlach ist der Vollkommenheit nahe gekommen, wie es nur wenigen Großen der Kunst vergönnt war, er sprach und spricht in seinen Werken über seine Zeit hinaus, bewundert, nicht immer verstanden. Sedlmayr hat es einmal so formuliert: „Das Vollkommene eines Kunstwerkes ist grundsätzlich Menschen aller Zonen zugänglich. In den wenigen, die sich diesem Vollkommenen aufgeschlossen haben, lebt auch die Kunst Fischers und wird zum europäischen Besitz.


Der biografische Text wurde dem Buch "Große Österreicher" (1985) von Thomas Chorherr entnommen und dem Austria Forum freundlicherweise seitens Ueberreuter Verlag zur Verfügung gestellt. (www.ueberreuter.at)


Essay#

Ein Grazer als kaiserlicher Baumeister #

Johann Bernhard Fischer von Erlach wurde 1656 in der alten Frauengasse in Graz geboren und als monumentaler Barockarchitekt zum Liebling der Habsburger-Kaiser. #


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Schloss Schönbrunn
Schloss Schönbrunn: Erst der zweite sehr stark abgespeckte Entwurf von Fischer von Erlach wurde ab 1696 realisiert.
© KK

Wenn Sie wieder einmal durch die Herrengasse gehen, bleiben Sie doch kurz vor dem Schuhhaus Stiefelkönig Spitz stehen und gehen in die Fischer-von-Erlach-Gasse hinein. Es zahlt sich aus. Ganz abgesehen von den Geschäften dort auch aus einem historischen Grund.

Hier steht das Geburtshaus des bedeutendsten Barockarchitekten im Habsburgerreich. Sein Name: Johann Bernhard Fischer von Erlach. Er wurde am 20. Juli 1656 im Haus Nr. 4 der später nach ihm benannten Gasse geboren und laut Taufbuch am selben Tag in der Stadtpfarrkirche zum Heiligen Blut getauft.

Sein Vater Johann Baptist Fischer war Bildhauer und hatte 1650 die Witwe seines Lehrherren, des Bildhauers Sebastian Erlacher, geheiratet. Diese Anna Maria, eine geborene Kretschmayer, wurde die Mutter von Johann Bernhard. Um 1660 hatte sein Vater eine große Werkstatt mit vier Gesellen und fünf Lehrjungen, von ihm erhielt sein Sohn auch die handwerkliche und künstlerische Ausbildung.

Wiener Karlskirche
Die Wiener Karlskirche (1715–1725) gilt als Meisterwerk Fischers.
© PEUTZ

Auf in die Ewige Stadt #

Mit 14 Jahren brach Bernhard Fischer 1670 für einen 16 Jahre dauernden Studienaufenthalt nach Italien auf. In Rom fand er Anschluss an die Tiroler Künstlerfamilie Schor. Dadurch kam er in Kontakt zur ehemaligen schwedischen Königin Christina, die nach ihrer Abdankung zum katholischen Glauben übergetreten und nach Rom gezogen war. Hier lernte Fischer auch den großen Barockbildhauer und Architekten Gian Lorenzo Bernini kennen, der ihn stark beeinflusste.

Fischer von Erlach-Gasse
Fischer von Erlach wurde in „seiner“ Gasse geboren.
© KK

Kaum waren in seiner österreichischen Heimat die Türkenkriege vorüber und Wien 1683 von der Türkenbelagerung befreit, kam Fischer 1686 wieder zurück nach Graz. Im Auftrag Kaiser Leopolds I. vom 23. Februar 1687 begann er mit der barocken Innenausstattung des Grazer Mausoleums. Diese Stuckaturarbeiten samt Hochaltar sind die einzigen Arbeiten Fischers in seiner Geburtsstadt. Denn schnell zog es ihn in die Kaiserstadt Wien – nur dort warteten wirklich große Aufgaben auf begabte Architekten. In der Metropole des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ war es nach dem Sieg über die Türken zum Aufschwung des künstlerischen Schaffens gekommen. Da war ein junger in Italien ausgebildeter Architekt natürlich sehr gefragt. „Fischer machte in atemberaubendem Tempo Karriere“, heißt es in der Broschüre „Johann Bernhard Fischer von Erlach zum 350. Geburtstag“, die Heimo Kaindl für das Diözesanmuseum Graz herausgegeben hat.

Fischer von Erlach
Johann Bernhard Fischer von Erlach.
© KK

1688 gestaltete Fischer im Auftrag Kaiser Leopolds I. einen geradezu utopischen Entwurf für eine Schlossanlage der Superlative im Westen von Wien, die es mit jener in Versailles aufnehmen konnte. Aber die Finanzkraft des Kaisers konnte da nicht mithalten und so begann Fischer erst 1696 mit einer deutlich abgespeckten Ausführung von Schloss Schönbrunn (Bild oben).

„von Erlach“, bitte sehr #

1694 wird er „Königlicher Hofarchitekt“, 1696 in den Adelsstand erhoben. Dabei gestaltete er seinen Adelsnamen nach dem Lehrmeister seines Vaters, Erlacher. Nach dem Tod seiner Frau ging Fischer 1705 mit Francisca Sophia Lechner eine zweite Ehe ein und wurde sehr enttäuscht. Denn die jüngere Frau verließ schnell den alternden Architekten. 1705 wurde Fischer aber auch „Kaiserlicher Hofingenieur“ und damit oberster Leiter des Bauwesens.

Wie ein roter Faden zieht sich ab nun die Rivalität mit dem Architekten Johann Lukas von Hildebrandt durch sein Leben. So ritterten die beiden führenden Barockbaumeister um die Erbauung der Karlskirche, die Karl VI. nach der Wiener Pestepidemie 1713 errichten wollte. Fischers Pläne erhielten den Vorzug und die Karlskirche wurde zum überwältigenden Hauptwerk seines Schaffens. Als er 1723 starb, vollendete Josef Emanuel Fischer, sein Sohn aus erster Ehe, das unvollendete Werk seines Vaters.




Quellen:



Redaktion: J. Sallacher, A. Geiger, I. Schinnerl