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Fritz, Samuel#

* 9. 4. 1654, Trautenau Trautenau (Tschechische Republik)

† 20. 3. 1725, Santiago de La Laguna (Südamerika)


Missionar des Jesuitenordens und Begründer der Südamerika-Forschung


Samuel Fritz wurde am 9. April 1654 in Trautenau in Böhmen geboren.

Nach dem Besuch des Sankt Wenzels Seminar in Prag trat er 1673 in den Jesuitenorden ein. Er studierte an der Universität Prag und beendete 1674 seine Studien mit dem Magistergrad der philosophischen Fakultät; anschließend unterrichtete er einige Jahre an verschiedenen böhmischen Gymnasien.


Nach Abschluss seines Theologiestudiums in Olmütz 1683 wurde er auf eigenen Wunsch als Missionar nach Lateinamerika, an den oberen Amazonas, geschickt. 1684 reiste er mit zwei anderen österreichischen Ordensbrüdern nach Quito im heutigen Ecuador; im November 1685 erreichte er den Marañón, wo er eine umfangreiche Missionstätigkeit begann.


Er bereiste das ihm zur Missionierung zugewiesene Gebiet der Omagua-Indianer, die vorwiegend auf den Flußinseln zwischen Napo und der Einmündung und des Rio Negro siedelten, gründete er an die vierzig Niederlassungen und unterwies die Indios in Ackerbau und Gewerbe.

Mit ihm begann die wissenschaftliche Erforschung Südamerikas, er zeichnete Lebensweise und Gebräuche der Eingeborenen auf und studierte deren Sprachen.


Eine ständige Gefahr für Indianer und Missionare in diesem von den Spaniern beanspruchten Gebieten waren aber die Raubzüge der Portugiesischen Sklavenjäger.

So reiste Fritz 1689 flussabwärts (er befuhr den Amazonas von einer seiner Quellen bis ins Mündungsdelta) - dies war die zweite Durchquerung des Landes von West nach Ost.

Er wollte zum Sitz des Portugiesischen Gouverneurs, um diese Übergriffe zu stoppen; doch die Gegensätze zwischen Spanischer und Portugiesischer Kolonialverwaltung führten dazu, dass er über Jahre dort als vermeintlicher Spion festgehalten wurde.

Erst im Juli 1691 konnte er sich, nachdem er dem Spanischen Gesandten in Lissabon von seiner Lage berichtet hatte, wieder auf den Rückweg machen.

Seine Landkarte, die er auf dieser Rückreise nach Quito zeichnete und die 1893 in Paris neu veröffentlicht wurde, bot aufgrund der Positionsbestimmungen und der Eintragung sämtlicher Nebenflussmündungen das erste wissenschaftliche Profil des Amazonasgebietes.

1704 wurde er zum Superior der Gesamten Marçon-Missionen ernannt. Er konnte aber nichts am Vordringen der Portugiesen und der Verwüstung der von ihm aufgebauten Missionsstationen ändern und wurde 1712 seines Amtes wieder enthoben.

Anfang 1714 zog er sich nach Jéveros zurück, wo er bis zu seinem Tod 1725 als Pfarrer wirkte.


Sein erhalten gebliebenes Tagebuch befindet sich in der Handschriftensammlung der Prager Universität.



Daraus eine Leseprobe:

...Während ich in der Yurimaguasiedlung die bereits vollkommen überschwemmt war, auf einer Pfahlhütten-Plattform wohnte, erkrankte ich an heftigem Fieber und Wassersucht. Volle drei Monate hindurch wurde ich in dieser elenden Behausung festgehalten, ohne einen Schritt tun zu können. Tagsüber plagte mich das Fieber nicht all zu sehr, nach Einbruch der Dunkelheit jedoch begann ich regelrecht zu glühen. Der Mund trocknete mir aus, auf einem Lager, das kaum eine Spanne hoch über dem tobenden Wasser stand. Krokodile belagerten mich, ich konnte ihre glühenden Augen sehen und ihren stinkenden Atem riechen, nahe kamen sie. Ratten nagten sogar meine Essgeräte an, Löffel, Zinnteller und Messergriffe. In einer Nacht kroch ein Krokodil in mein Kanu, dessen Bug zu mir heraufragte. Wäre es weiter vorgedrungen, wäre es mit mir zu Ende gewesen. Doch es flüchtete, als ich einen Kochtopf nach ihm warf. Auch arger Hunger plagte mich. Die Indianer, deren Maniokfelder unter Wasser standen, hatten sich tief in den Wald zurückgezogen und lebten dort von Früchten. Sie konnten mir also nicht helfen. Daher nährte ich mich von Fischen, die ich tagsüber fing. Eine Möglichkeit, sie zu braten, besaß ich nicht. Ich schlang sie roh hinunter. Ein Stück Brot, ein Stück hartes, altes verschimmeltes Brot, Was hätte ich damals darum gegeben!...

Literatur#

  • Koch, Jesuitenlexikon, 1934
  • Grün, Die Eroberung von Peru, Tübingen 1973
  • C. Gargia und andere, Die Entdeckung von Peru 1526-1712, 1996

Quellen#


Redaktion: Hilde und Willi Senft, I. Schinnerl