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Gösser, Wilhelm#

* 6. 5. 1881, Mühltal (Leoben)

† 10. 3. 1966, Graz


Bildhauer und Kunsterzieher zweier Generationen von Künstlern


Wilhelm Gösser wurde am 6. Mai 1881 als Sohn des Bildhauers Hans Brandstetter geboren.

Wie sein Vater absolvierte er seine Lehre bei Jakob Gschiel. Von 1905 bis 1912 studierte er an der Wiener Kunstakademie (bei Hans Bitterlich und Eduard Hellmer).

Er wurde 1913 mit dem Rompreis für die Monumentalplastik "Riff" (Auf einer Klippe liegende Frauengestalt) ausgezeichnet. Nach damit ermöglichten Studienreisen durch Italien, nach Paris und Deutschland und seinem Kriegsdienst bei den "Siebenundzwanzigern" kam Wilhelm Gösser nach Graz, wo er von 1920 bis 1945 an der Kunstgewerbeschule lehrte und zum Professor und Leiter einer Meisterklasse für Holz- und Steinbildhauerei ernannt wurde.

Auf Initiative von Offizieren des Infanterieregiments Nr. 27 („Leopold II., König der Belgier“) wurde ein von ihm geschaffener Wehrmann am 15. August 1916 in der Dominikanerkaserne in Graz enthüllt. Diese Figur ist heute im Grazer Garnisonsmuseum am Grazer Schloßberg zu besichtigen.

Wilhelm Gösser schuf zahlreiche Büsten und Porträtreliefs:
- u.a. von Peter Rosegger, Hans Brandstetter (Herz-Jesu-Kirche in Graz), Eckener, Pregl (Zentralfriedhof Graz), Viktor von Hacker (Landeskrankenhaus Graz), Prof. Lieb, Hans Kloepfer, Wilhelm Fischer, Bruno Ertler (St. Leonhard-Friedhof in Graz), Nabl, Mahatma Gandhi (Hotel Post in Mürzzuschlag), Brahms und Beethoven (Windhuek, Namibia), W. Degener (Musikakademie Graz), Viktor Zack u.a. -
sowie zahlreiche Grabdenkmäler am Zentralfriedhof und St. Leonhard Friedhof in Graz.

Seine Arbeiten sind aber auch in österreichischen Museen zu finden, so z.B. der allegorische Mädchenhalbakt "Frühling" (1920, weißer Marmor) in der Ständigen Ausstellung der Neuen Galerie in Graz (Plastikraum).

Überdies machte er Großplastiken für Weiz (Elin), oder eine Bronzeplakette zur Anblasung des dritten Hochofens in Eisenerz 1937 (Bergmann und Hüttenarbeiter).

In der repräsentativen Ausstellung zur Eröffnung des Künstlerhauses in Graz 1952 war er mit seiner Gipsplastik "Dies irae" (jetzt im Hotel "Post" in Mürzzuschlag), der Lindenholzplastik "Freistilringer" und dem Bronzeporträt von Univ.-Prof. Dr. Emich vertreten.

Unter seinen Schülern - einige haben sich später vor allem der Malerei zugewandt - befanden sich Walter Ritter, Rudolf Szyskowitz, Alexander Silveri, Hilde Uray, Franz Rogler, Hans Löschnigg, Werner Seidl, Franz Weiß, Josef Papst, Siegfried Engeljehringer und Erwin Huber. In seinen Arbeiten tritt er uns stets als ein kraftvoller, lebensnaher Gestalter der Wirklichkeit entgegen, der seine eigene Kunst aus dem gründlichsten Studium der alten Meister und aus einem sicheren Handwerk entwickelt hat.

Werke (Auswahl)#

  • Rosegger-Denkmal am Opernring in Graz, 1925
  • Rosegger-Denkmal, Grazer Handelsakademie
  • Rosegger-Denkmal in Mürzzuschlag
  • Hackher-Löwe, Schloßberg Graz, 1965
  • Heldenbrunnen in Leibnitz (mit Bruno Fiedler)
  • Kruxifixus (Auftrag Franz Mayr-Melnhof) auf der Brucker Hochalm
  • zehn Putti für das Mayr-Melnhof-Grabmal bei Frohnleiten
  • Mahnmale in Leoben (Peter-Tunner-Straße)
  • Voitsberg (Pfarrkirche St. Michael, ein Relief aus Aframer Stein, mit den Köpfen eines Weltkriegsheimkehrers und einer politisch Verfolgten)
  • Mürzzuschlag ("Fünf Meter hohe, auf einer Weltkugel thronende Christusgestalt")

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Mehrmals Staatspreise (zuerst 1919 und 1921),
  • Silberne und Goldene Medaille der Stadt Graz (1911 bzw. 1920)
  • Rompreis für Monumentalplastik "Riff" (1913),
  • Bürgerrecht der Stadt Graz (1951).

Literatur#

Kadletz, Willi: Ein Künstlerbuch: Beiträge zur heimatlichen Kunstgeschichte der Gegenwart. - Leoben, 1929, S. 16-17
Kadletz, W.: Heimat und Kunst. Leoben, 1935, S. 26; "Zum 70. Geburtstag W. Gössers" in "Steirerblatt", Graz, 6. Mai 1951
H. M., "Professor Gösser", in "Südost-Tagespost", 17. Nov. 1953
H. Schwarzbauer, "Ein steirischer Meister der Bildhauerkunst", in "Kleine Zeitung", Graz, 6. Mai 1951
W. Kadletz, "W. G. 70 Jahre" in "Obersteirische Zeitung", Leoben, 12. Mai 1951
Kurt Hildebrand Matzak, "W. G. Fünfundsiebzig", in "Südost-Tagespost", Graz, 6. Mai 1956
"Zum 80. Geburtstag W. Gössers", in "Rundbrief des Alpenländ. Kulturverbandes", Graz, 7. Jg., I, März 1960
K. H. Matzak "Dem Achtziger W. G.", in "Südost-Tagespost", 4. Mai 1961
R. List, "Wilhelm-Gösser-Huldigung im Freundeskreis", ebd., 9. Mai 1961
H. Schwarzbauer, "Plastiken von Meister Gösser", in "Kleine Zeitung", Graz, 30. Okt. 1964
R. List, "Meister im Geist der Tradition und der steirischen Heimat", in "Südost-Tagespost", 12. März 1966
List, 1, 176-177

Quellen#


Redaktion: A. Geiger, I. Schinnerl