unbekannter Gast

Gielen, Michael#

* 20. 7. 1927, Dresden (Deutschland)


Dirigent


Michael Andreas Gielen wurde am 20. Juli 1927 als Sohn des österreichischen Theatermanns und späteren Intendanten des Burgtheaters Josef Gielen in Dresden geboren.
Seine aus Polen stammende Mutter Rose war Schauspielerin und die Schwester des Pianisten, Komponisten und Schönberg-Schülers Eduard Steuermann. Da sie Jüdin war, emigrierte die Familie 1939/1940 nach Buenos Aires in Argentinien.


Michael Gielen studierte nach dem Besuch des Gymnasiums drei Semester Philosophie an der Universidad de Buenos Aires und ließ sich im Privatunterricht bei Erwin Leuchter, Rita Kurzmann-Leuchter und Josef Polnauer (ebenfalls Emigranten) ließ in Klavier, Musiktheorie und Komposition ausbilden; das Handwerk des Dirigierens eignete er sich autodidaktisch an.


1949 erregte der erst 22-jährige Pianist Aufsehen, als er das gesamte Klavierwerk von Arnold Schönberg öffentlich spielte. Damals entstanden auch eigene Kompositionen, die stark von der "Zweiten Wiener Schule" um Schönberg beeinflusst waren.
Nach einer Assistenz am dortigen Teatro Colon, wo sein Vater Oberspielleiter war, kehrte er 1950 nach Europa zurück, um als Korrepetitor und Dirigent an der Wiener Staatsoper zu arbeiten.


Mit zahlreichen Uraufführungen von Mauricio Kagel, Karlheinz Stockhausen und György Ligeti erwarb er sich bald den Ruf eines Spezialisten für Neue Musik.


Von 1960 bis 1965 hatte er das Amt des musikalischen Leiters der Königlichen Oper in Stockholm inne, 1969 wurde er zum Chefdirigenten des Belgischen Nationalorchesters in Brüssel ernannt. Ab dieser Zeit gastierte Gielen bei allen großen Orchestern und Opernhäusern Europas und den USA (u. a. beim New York Philharmonic, dem Houston, Cleveland, Pittsburgh und Chicago Symphony Orchestra, an der Berliner Staatsoper und an der Opéra National de Paris).


Zentraler Abschnitt seiner Dirigentenkarriere waren die Jahre 1977 bis 1987 als Direktor und Chefdirigent der Frankfurter Oper. Drei Jahre war er "Principal Guest Conductor" des BBC Symphony Orchestra (1978 bis 1981); weitere wichtige Stationen waren die Ernennung zum Music Director des Cincinnati Symphony Orchestra (1980 bis 1986) sowie die Berufung zum Chefdirigenten des SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg (1986 bis 1999), bei dem er ab 1999 ständiger Gastdirigent war und seit 2002 Ehrendirigent ist. Michael Gielen war regelmäßig bei den Salzburger Festspielen eingeladen, wo er Opern wie "Lulu", "Fidelio" und "Idomeneo" leitete; Auslandstourneen führten ihn nach Australien, Japan und in die Vereinigten Staaten.


Er dirigierte als Gast die Mehrzahl der bedeutenden Orchester Europas - trotzdem arbeitete er in erster Linie in Deutschland: legendär ist sein Zyklus der Beethovensymphonien von Anfang der 1970er Jahre, wo er das Publikum mit Beethovens originalen Tempi überraschte.

Als Generalmusikdirektor und Operndirektor in Frankfurt profilierte er die Bühne als experimentierfreudiges Musiktheater, das für die zeitgenössische Opernästhetik Maßstäbe setzte.

Seine langjährige musikalische Tätigkeit ist auf zahlreichen CD-Aufnahmen dokumentiert, so entstanden mit dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden u.a. Gesamtaufnahmen der Sinfonien Ludwig van Beethovens und Gustav Mahlers.

Michael Gielen lebt mit seiner Frau in Loibichl am Mondsee in Oberösterreich.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Deutscher Kritikerpreis, 1982
  • Adorno-Preis, 1986
  • Österreichischer Würdigungspreis des Ministeriums für Unterricht und Kunst im Bereich Musik, 1991
  • Litteris et Artis Österreich, 1992
  • Großes Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, 1992
  • Großes Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, 1998
  • Frankfurter Musikpreis, 1999
  • Cannes Classical Lifetime Achievement Award, 2002
  • Musikpreis der Internationalen Ernst von Siemens Musikstiftung, 2010
  • Großes Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland, 2010

Literatur#

  • P. Fiebig (Hg.), M. Gielen. Dirigent, Komponist, Zeitgenosse, 1997
  • M. Gielen: Unbedingt Musik. Erinnerungen, 2005

Quellen#



Redaktion: I. Schinnerl