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Glück, Harry#


* 20. 2. 1925, Wien


Architekt

Glück, Harry
Harry Glück. Foto, 1995
© Zur Verfügung gestellt von Harry Glück, Foto Schwingenschlögl, für AEIOU

Harry Glück wurde am 20. Februar 1925 als Sohn eines Bankbeamten in Wien geboren.

Noch während der Schulzeit (Kriegsmatura) wurde er zum Kriegsdienst eingezogen; nach dem Krieg absolvierte er ein Regie- und Bühnenbildstudium am Reinhardt-Seminar in Wien. Mehr als zehn Jahre lang war er als Bühnenbildner an verschiedenen österreichischen, deutschen und Schweizer Theatern tätig; daneben arbeitete er auch als Kulissenmaler in den Wiener Rosenhügel-Studios und betätigte sich gelegentlich auch als Innenarchitekt und Möbelplaner.

Während dieser Zeit absolvierte er ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule in Wien, das er 1960 mit dem Diplom bzw. 1982 mit dem Doktorat (Dissertation zum Thema "Höherwertige Alternativen im Massenwohnbau durch wirtschaftliche Planungs- und Konstruktionskonzepte") an der Technischischen Universität Innsbruck abschloss.

Einige Monate lang arbeitete er im Architekturbüro von Josef Hoffmann, ehe er 1966 ein eigenes Architekturbüro in Wien eröffnete. In seinen ersten Jahren als freier Architekt plante er zusammen mit seinem Jugendfreund Carl Auböck eine Siedlung in Kaltenleutgeben und eine Siedlung am Wolfersberg. Ab 1976 führte er sein Büro als "Harry Glück & Partner" (Partner waren u.a. Peter Leibetseder, Thadeusz Spychala, Norbert Neyer), das Anfang der 1980er Jahre zu einem Großbüro mit über 100 Mitarbeitern wuchs. Neben Wohnanlagen wurden Büro- und Geschäftsbauten, Bank- und Verwaltungsgebäude, Hotels und Seniorenheime, Kindergärten und Schulen realisiert.

Kein österreichischer Architekt plante so viele Wohnungen wie er – im Laufe seiner mehr als 50 Jahre langen Karriere setzte er Bauten mit ca. 18.000 Wohnungen um, davon ein Großteil in Wien.

Außergewöhnlich ist, dass die meisten seiner Wohnungen im Rahmen des sozialen Wohnbaus geschaffen wurden - als Gemeindebauten, für gewerbliche Bauträger oder für gemeinnützige Wohnbaugesellschaften.

Bekannt wurde er für seine "Terrassenhäuser", deren erstes 1974 in der Inzersdorferstrasse in Wien entstand. Bereits hier sind einige der charakteristischen Prinzipien, die gerade für den sozialen Wohnbau neue Qualitäten bedeuteten, verwirklicht: privater Grünraum, Gemeinschaftsflächen und Dachschwimmbäder.

Der zwischen 1973 und 1985 errichtete Wohnpark Alt-Erlaa (mit 3.100 Wohnungen und ca. 10.000 Bewohnern) wurde zur Ikone seines Modells eines "menschengerechten" Wohnbaus, wobei die Dachschwimmbäder eine Weltneuheit im sozialen Wohnbau darstellten. Obwohl Glücks Projekte durch die Gebäudekonstruktionen ökonomisch ausgesprochen günstig waren, trugen ihm diese Schwimmbäder den Vorwurf ein, nur luxuriöse Mittelschichtswohnungen zu schaffen.

Diese Terrassenbauten - neben Alt-Erlaa z.B. die Wohnanlagen in der Inzersdorfer Straße, Hadikgasse, Maderspergerstraße, Otto-Probst-Straße oder der Heinz Nittl-Hof - wurden zu seinem Kennzeichen, obwohl sie nur ca. 40% seiner Projekte ausmachten. Weniger bekannt sind seine kleineren Wohnsiedlungen in den westlichen Außenbezirken sowie seine Projekte von autoverkehrsfreien Siedlungen im verdichteten Flachbau. Zu seinen Bauten zählen auch der Franz-Josefs-Bahnhof, das Hotel Marriott und der Bürokomplex Lassallestraße.

Harry Glück, der Doyen des sozialen Wohnbaus in Wien, feiert 2015 seinen 90. Geburtstag.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien, 2015
  • Eröffnung des "Harry-Glück-Parks" in der Wohnanlage Alt-Erlaa, 2015

Werke (Auswahl)#

realisierte Bauten
  • Wohnhaus Pfeilgasse (Geförderter Mietwohnbau), 1969
  • Wohnbebauung Angeligasse (Geförderter Mietwohnbau), 1970
  • Wohnbebauung Puffergasse (Geförderter Mietwohnbau), 1971
  • Wohnanlage Heiligenstädter Straße 131-135 (Geförderter Mietwohnbau), 1972
  • Wohnpark Alt-Erlaa, 1973–1985
  • Wohnanlage Heiligenstädter Straße 131-135, 1972
  • Wohnungen, Rosentalgasse 11, 1974
  • Terrassenhaus Inzersdorfer Straße (Geförderter Mietwohnbau), 1974
  • Terrassenhaus Magdeburgstraße, 1974
  • Terrassenhaus Arndtstraße 21, 1977–1980
  • Wohnanlage Hadikgasse (Geförderter Mietwohnbau), 1976
  • Allianzgebäude, Hietzinger Kai 101, 1977–1979
  • Terrassenhaus Wernhardtstraße 1, 1978
  • Eigentumswohnungen, Trautsongasse 3, 1978
  • Terrassenhaus Maderspergerstraße (Geförderter Mietwohnbau), 1978
  • Pensionistenwohnheim Rosenhügel, Wien-Hietzing, 1978
  • Kaiser Franz Josephs Bahnhof (mit Karl Schwanzer, Franz Requat, Kurt Hlaweniczka, Thomas Reinthaller), 1978
  • Wohnanlage Antonigasse (Geförderter Mietwohnbau), 1979
  • Flachbausiedlung Carabelligasse (Geförderte Eigentumswohnsiedlung), 1979
  • Gemeindebau Heinz Nittel-Hof (Marco Polo-Siedlung) mit rund 1.400 Wohnungen in Floridsdorf, 1980
  • Verdi-Siedlung, Jochen-Rindt-Straße 20, 1980
  • Rechenzentrum der Stadt Wien, Rathausstraße 1., (Abriss oder Umbau für 2015 geplant), 1980
  • Hotel Marriott, Wien-Innere Stadt (mit Peter Czernin), 1982–1986
  • Vollwertwohnen Hartlgasse (mit Wilhelm Holzbauer, Heinz Hilmer & Christoph Sattler), 1985
  • Bürokomplex Lassallestraße, Bank Austria OMV IBM (mit Wilhelm Holzbauer, Kurt Hlaweniczka, Hannes Lintl, Georg Lippert), 1989
  • Wohnpark Wilhelmsdorf, Flurschützstraße 36, 1990–1992
  • Seniorenheim Döbling, 1992
  • Wohnbebauung Langobardenstraße, 1996
  • Wohnanlage, Eichenstraße, 2002
  • Geförderte Wohnhausanlage 21., Rudolf-Virchow-Straße, 2007
  • geförderte Wohnhausanlage "Wohnen am Mühlwasser" in 22., Industriestraße , 2011
  • gefördertes Wohnprojekt zum Thema "Wohnen mit kultureller Vielfalt" auf den ehemaligen Mautner-Markhof-Gründen, 2014

Publikationen

  • Alternativen im Sozialen Wohnbau, 1975
  • Sozialer Wohnbau. Entstehung, Zustand, Alternativen (gem. m. Kurt Freisitzer ), 1979
  • Stadt und Lebensqualität. Neue Konzepte im Wohnbau auf dem Prüfstand der Humanethologie und der Bewohnerurteile (m. I. Eibl-Eibesfeldt, H. Hass, K. Freisitzer, E. Gehmacher), 1985

Literatur#

  • Gerhard Habarta: Wohnen in Wien. Wohnbau mit Gesinnung, 1987
  • Harry Glück. Wohnbauten (Hg. Reinhard Seiß), 2014

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl