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Grogger, Paula #


* 12. 7. 1892, Öblarn (Steiermark)

† 1. 1. 1984, Öblarn (Steiermark)


Erzählerin, Schriftstellerin

Paula Grogger
Paula Grogger

Paula Grogger wurde am 12. Juli 1892 als Tochter eines Landkaufmanns in Öblarn geboren, wo sie auch aufwuchs und die Volksschule besuchte. Nach der Schulzeit begann sie 1906 im elterlichen Geschäft zu arbeiten, ab 1907 besuchte sie die Lehrerinnenbildungsanstalt der Ursulinen in Salzburg, wo 1912 (als eines von damals wenigen Mädchen) maturierte.

Sie erhielt ihre erste Anstellung als Aushilfslehrerin in Wörschach, 1914 wurde sie Lehrerin in ihrem Heimatort Öblarn, nach Ende des Krieges war sie als Handarbeitslehrerin in Öblarn und Niederöblarn tätig. Krankheitsbedingt musste sie ihren Beruf oft unterbrechen – in diesen Zeiten begann sie zu schreiben. Ihrer ersten Geschichte ("Das Christkindl im Steirerland"), die sie 1917 in einer Zeitschrift veröffentlichte, folgte ein Krippenspiel und 1920 ihre "Spinnstubenlegende“.

Den literarischen Durchbruch schaffte sie mit dem zwischen 1918 und 1925 verfassten Roman "Das Grimmingtor", der bis 1930 bereits 40 Auflagen und zahlreiche Übersetzungen erlebte. Das Buch, das in neun Sprachen übersetzt wurde und ihr mit seiner urwüchsig-bildstarken Sprache internationale Anerkennung eintrug, wurde ein triumphaler Erfolg. (Alte Bergsagen und die eigene Familiengeschichte sind in dieses Volksepos aus der Steiermark einbezogen, das zur Zeit des Kampfes von Andreas Hofer gegen Napoleon spielt.) 1928 erhielt sie für diesen Roman von der Schillerstiftung die Zinsen des Ebner-Eschenbach-Fonds zuerkannt.

1929 wurde Paula Grogger wegen ihrer labilen Gesundheit in den Ruhestand versetzt und erhielt eine Ehrenpension des Landes Steiermark. Dadurch war – neben den Einkünften aus den literarischen Erfolgen – ihre Existenz gesichert und sie konnte sich nun ganz ihrer schriftstellerischen Tätigkeit widmen.

Ihr zweites bedeutendes Werk war "Die Hochzeit"[1] - das Spiel um Erzherzog Johann, das erstmals 1936 in Öblarn aufgeführt wurde.


Paula Grogger fühlte sich zeitlebens der unmittelbaren Heimat und ihren Menschen stark verbunden; sie wird gerne auch als "weiblicher Rosegger" bezeichnet. In ihren Gedichten, Legenden, Spielen, Aufsätzen und vor allem in ihrer Prosa fand sie aber - trotz aller verwendeten Klischees - zu eigenständiger Form. Nach 1945 stand ihr Schaffen im Zeichen der autobiographischen Auseinandersetzung mit der Kindheit und dem Leben als Schriftstellerin.

(Paula Grogger wurde als Vertreterin eines bodenständig-bäuerlichen Schrifttums erst vom österreichischen Ständestaat, dann vom Nationalsozialismus umworben; sie trat auch der Reichsschrifttumskammer bei.)

Aus den Einkünften ihres Romanes "Das Grimmingtor" hatte sie bereits 1933 ein Wohnhaus in Öblarn erbauen lassen, das die verehrte Heimatschriftstellerin bis zu ihrem Tod bewohnte und wo sie auch von vielen Lesern und Verehrern besucht wurde.
(Im Testament stand ihr Wunsch, dieses Haus in seinem Zustand zu erhalten. Mit Unterstützung des Landes Steiermark erwarb die Marktgemeinde Öblarn das Gebäude, das vom Verein Festspielgemeinde Öblarn als museale Gedenkstätte gestaltet wurde.)

Paula Grogger starb am 1. Jänner 1984 im 92. Lebensjahr in Öblarn.


[1]Paula Groggers Schauspiel "Die Hochzeit" wird alle 5 Jahre in Öblarn aufgeführt und verwandelt den ganzen Ort in eine Bühne. Über 300 Laienschauspieler wirken im Stück mit, in dessen Mittelpunkt Erzherzog Johann steht, der 1821 als Brautführer zu Gast in Öblarn war und die Hochzeit zu einer Begegnung mit seiner Herzensgeliebten Anna Plochl nutzte.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Österreichisches Verdienstkreuz für Kunst und Wissenschaft I. Klasse, 1936
  • Medaille der Stadt Wien, 1936
  • Peter Rosegger-Preis des Landes Steiermark, 1952
  • Enrica Handel-Mazzetti-Sonderpreis
  • Silberne Erzherzog-Johann-Plakette
  • Ehrenring des Landes Steiermark, 1961
  • Verleihung des Titels "Professor", 1966

Werke (Auswahl)#

  • Das Christkindl im Steirerland, 1917
  • Das Grimmingtor, 1926
  • Die Sternsinger, 1927
  • Das Gleichnis von der Weberin, 1927
  • Das Röcklein des Jesukindes, 1932
  • Das Spiel von Sonne, Mond und Sternen, 1933
  • Der Lobenstock, 1935
  • Die Hochzeit (Uraufführung des Erzherzog Johann-Spiels), 1936
  • Bauernjahr, 1947
  • Der Antichrist und Unsere Liebe Frau, 1949
  • Gedichte, 1954
  • Die Reise nach Salzburg, 1958
  • Aus dem Paradeisgarten, 1962
  • Späte Matura oder Pegasus im Joch, 1975
  • Sieben Legenden, 1977
  • Die Räuberlegende, 1977
  • Der himmlische Geburtstag, 1977
  • Der Paradeisgarten, 1980
  • Die Reise nach Brixen (posthum), 1987
  • Selige Jugendzeit (posthum), 1989

Weiterführendes#

Literatur#

  • F. Mayröcker, Von den Stillen im Lande, 1968
  • P. Umfer, P. Groggers "Grimmingtor". Sprache und Stilmittel (Dissertation), 1979

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl




Gogger Paula Bild und Textsammlung

-- Mayer Bruno, Sonntag, 15. Mai 2011, 18:35