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Habsburg, Otto - Biographien

Habsburg-Lothringen, Otto#

(Otto Franz Josef)


* 20. 11. 1912, Reichenau auf Schloß Wartholz(Niederösterreich)

† 4. 7. 2011, Pöcking (Bayern)


Politiker, Publizist


Habsburg-Lothringen Otto
Otto Habsburg-Lothringen. Foto.
© Votava, Wien, für AEIOU

Otto Habsburg kam am 20. November 1912 in Reichenau/Niederösterreich als Sohn von Erzherzog Carl von Österreich (dem späteren Kaiser Karl I., König von Ungarn) und Erzherzogin Zita, geborene Prinzessin von Bourbon-Parma, zur Welt. Sein vollständiger Name lautete Franz Josef Otto Robert Maria Anton Karl Max Heinrich Sixtus Xaver Felix Renatus Ludwig Gaetan Pius Ignatius von Habsburg.

Er war der letzte Kronprinz (1916-18) der österreichisch-ungarischen Monarchie.


Nach der Zerstörung der Donaumonarchie am Ende des Ersten Weltkrieges 1918 verzichtete Kaiser Karl auf seinen Anteil an den Regierungsgeschäften, widerrief jedoch diesen Verzicht beim Verlassen Österreichsa in Feldkirch, und die Familie zog sich nach Eckartsau im Marchfeld zurück. Im März 1919 wurden die "Habsburgergesetze" verabschiedet: es wurden nicht nur die Herrscherrechte und sonstigen Vorrechte des Hauses Habsburg-Lothringen aufgehoben, sondern auch festgelegt, dass alle Mitglieder, die sich nicht als 'getreue Staatsbürger' bekannten, des Landes verwiesen wurden.

Die kaiserliche Familie emigrierte daraufhin in die Schweiz. Nach zwei Restaurationsversuchen in Ungarn wurde Kaiser Karl (mit seiner Familie) auf die Insel Madeira verbannt, wo Kaiser Karl am 1. April 1922 an der Spanischen Grippe starb.

Otto wuchs in Spanien auf, studierte ab 1929 in Belgien Sozialpolitik und Staatswissenschaften und promovierte 1935 an der Universität in Löwen.


Seit dem 20. 11. 1933 war Otto das Oberhaupt des Hauses Habsburg-Lothringen und widmete sich in den darauf folgenden Jahren dem Kampf gegen den Nationalsozialismus und gegen den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Da die Habsburger 1918 nicht auf den Kaiserthron verzichtet hatten, versuchte er im Februar 1938 eine Restauration und forderte Bundeskanzler Schuschnigg auf, angesichts der Hitlerschen Erpressungspolitik, ihm die Regierungsgeschäfte zu übergeben.

1939 reiste er zum ersten Mal in die USA und knüpfte Kontakte zu Präsident Roosevelt und der politischen Szene in Washington. Als die Deutschen Belgien und Frankreich überfielen, mussten die Habsburger endgültig in die USA fliehen.

Während des Zweiten Weltkriegs wirkte er in den USA für die Wiederherstellung Österreichs, engagierte sich gegen die Vertreibung der Deutschen aus dem Sudetenland und den deutschen Ostgebieten sowie für die Selbstbestimmung Südtirols.

Nach dem Krieg kehrte er nach Europa zurück, doch das Wiederinkraftsetzen der alten österreichischen Verfassung und damit des Habsburgergesetzes im Jahr 1945 verhinderte seine Rückkehr nach Österreich, und er ließ sich 1950 in Bayern nieder.


Am 10. 5. 1951 heiratete er in Nancy Prinzessin Regina von Sachsen-Meiningen (mit der er 7 Kinder bekam) und übersiedelte 1954 nach Pöcking am Starnberger See.

Obwohl ihm die niederösterreichische Landesregierung am 8. 5. 1956 die österreichische Staatsbürgerschaft bestätigte, das Innenministerium am 8. 2. 1957 den Namen Dr. Otto Habsburg-Lothringen festlegte und er selbst am 21. 2. 1958 seine erste Verzichtserklärung auf Herrschaftsansprüche und sonstige Vorrechte der Familie abgab, löste seine am 5. 6. 1961 der Bundesregierung übergebene Loyalitätserklärung vom 31. Mai die sogenannte Habsburger-Debatte aus.


Am 20. 7. 1965 stellte die niederösterreichische Landesregierung für ihn und seine Gattin einen Staatsbürgerschaftsnachweis aus und am 1. 6. 1966 das Innenministerium einen österreichischen Reisepass.

Die Wiedereinreise nach Österreich wurde nach jahrelangem Rechtsstreit erst 1966 durch eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes möglich - und so reiste er am 31. 10. 1966 erstmals bei Kufstein für wenige Stunden nach Österreich ein; am 5. 7. 1967 besuchte er Wien.


Im Mai 1973 wurde Habsburg-Lothringen als Nachfolger von Richard Coudenhove-Kalergi Präsident der Paneuropa-Union (Ehrenpräsident ab 2004) - die Idee eines vereinten Europas war seine neue Mission.

Otto Habsburg erkannte, dass dieses Projekt der Einigung der Europäischen Staaten eine neue, zeitgemäße Übersetzung des Habsburgischen Vielvölkerreiches sein konnte - ein freiwilliger Zusammenschluss von Demokratien. Für diese Idee setzte er sich unermüdlich ein.


Dr. Otto Habsburg veröffentlichte 37 Bücher in neun Sprachen zu Themen der Geschichte, der Gesellschafts- und Sozialpolitik, sowie insbesondere der Europapolitik; daneben verfasste er zahllose Buch-, Zeitschriften- und Zeitungsbeiträge.


Im Juni 1978 erhielt Habsburg-Lothringen unter Beibehaltung der österreichischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft.


1979 wurde er als Spitzenkandidat der bayrischen CSU Abgeordneter zum Europäischen Parlament und blieb für über 20 Jahre als Obmann der christdemokratischen EVP-Fraktion im außenpolitischen Ausschuss, als Präsident und Vizepräsident der Ungarn-Delegation sowie als Alterspräsident des Parlamentes tätig.


1989 war er Initiator und Schirmherr des Paneuropäischen Picknicks an der österreichisch-ungarischen Grenze (bei dem 700 DDR-Deutsche die erste große Massenflucht wagten).


Nach dem Tod seiner Frau im Februar 2010 hatte sich Dr. Otto Habsburg aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und lebte im Kreis seiner Familie in Pöcking am Starnberger See.

Er verstarb (98-jährig) am 4. Juli 2011 in seiner Villa in Pöcking am Starnberger See (nahe München) im Kreise seiner Kinder und fand seine letzte Ruhestätte in der Kapuzinergruft in Wien (neben seiner Ehefrau Regina).


Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl):

  • zahlreiche Ehrendoktorate (Universitäten Milwaukee, Nancy, Tampa, Cincinnati, Jerusalem, Ferrara, Pécs (Fünfkirchen), Veszprém, Budapest, Turku, Osijek, Skopje)
  • Bayerischer Verdienstorden
  • Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
  • Großkreuz des Ordens der Befreiung, Kommandeur der Ehrenlegion, Frankreich
  • Goldene Freiheitsmedaille des Kosovo
  • Großkreuz des Orden von König Dmitar Zvonimir, Kroatien
  • Kommandeur des Orden der drei Sterne, Lettland
  • Kommandeur des Orden Grossherzog Gediminas, Litauen
  • Großkreuz des Nassauischen Hausordens vom Goldenen Löwen, Luxemburg
  • Ehren- und Devotions-Großkreuz-Bailli, Malteserorden
  • Medaille der Königlichen Marokkanischen Akademie
  • Kommandeur mit Stern des Orden vom Großen Führer Hilal-I-Quaid-I-Azam, Pakistan
  • Groß-Kommandeur der Verdienstlegion, Rhodesien
  • Großkreuz des Orden der Heiligen Agatha, San Marino
  • Großkreuz des Orden Carlos III., Spanien
  • Großkreuz des Orden von Afrika
  • Großer Verdienstorden des Landes Südtirol
  • Großkreuz des Verdienstorden der Republik Ungarn
  • Großkreuz des Orden Sankt Gregorius des Großen (St. Gregorius-Orden), Vatikan
  • Großkreuz des Orden Sankt Sylvester, Vatikan
  • Ehrenritter des Deutschen Orden
  • Ehrenkreuz des Stiftes Lilienfeld in Gold
  • Europäischer Karlspreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft, 1970
  • Ehrenplakette für Verdienste um das Volkstumsrecht und den deutschen Osten des Bundes der Vertriebenen
  • Médaille du Mérite Européen von Luxemburg
  • Literaturpreis der Französischen Akademie, 1963, 1970
  • Robert Schuman-Goldmedaille, 1977
  • Goldmedaille der Stadt Paris
  • Konrad Adenauer-Preis, 1977
  • Internationaler Benediktpreis der Stadt Mönchengladbach, 1982
  • Louise Weiss-Preis, 1987
  • International Humanitarian Award der jüdischen "Anti-Defamation League"
  • Europa-Medaille des Freistaates Bayern, 1990
  • Schlesier-Schild der Landsmannschaft Schlesien, 1991
  • Publizistik-Preis der Deutschland-Stiftung
  • Europapreis Coudenhove-Kalergi, 1994
  • Sonderstufe der Europa-Medaille der Paneuropa-Union Deutschland
  • Sankt Nikolaus-Friedenspreis, 1997
  • Ehrenmitglied im kroatischen Drachen-Orden, 1997
  • Gary G. Schlarbaum-Preis, 1998
  • Robert Schuman-Medaille der EVP-Fraktion des Europa-Parlamentes, 1999
  • Ehrenmitglied der Fraktion der Europäischen Volkspartei im Europäischen Parlament
  • Goldene Ehrennadel der Österreichischen Widerstandsbewegung O5, 2000
  • Ehrenteller des Europäischen Militär-Fallschirmsprungverbandes e.V. AEPM Assiette d' Honneur en Etain
  • St. Liborius-Medaille für Einheit und Frieden des Erzbistums Paderborn, 2002
  • Hans Klein-Medaille der Jungen Union Bayern, 2002
  • Steuerzahlerpreis der Taxpayers Association of Europe, 2003
  • Deutsch-Französischer Paneuropa-Preis für Europäische Einigung, 2003
  • Goldene Freiheitsmedaille des Kosovo, 2004
  • Ehrenpräsident der Internationalen Paneuropa-Union, 2004
  • Europamedaille Karls IV. der Fördergesellschaft für Europäische Kommunikation, 2005
  • Eustachius-Medaille des Landesjagdverbands Bayern, 2007)


Publikationen (Auswahl):

  • Entscheidung für Europa, 1953
  • Soziale Ordnung von morgen, 1957
  • Im Frühling der Geschichte, 1961
  • Karl V., 1967
  • Europa - Großmacht oder Schlachtfeld, 1967
  • Politik für das Jahr 2000, 1968
  • Idee Europas, 1977


Literatur:

  • E. Feigl, Otto von Habsburg, Profil eines Lebens, 1992
  • Das große Buch der Österreicher – 4500 Personendarstellungen in Wort und Bild (1987), ed. W. Kleindel & H. Veigl, Verlag Kremayr & Scheriau, Wien, 615 S.


Essay#

Der Kaisersohn, der sich als Europäer präsentierte#

Otto Habsburg-Lothringen im Alter von 98 Jahren gestorben#


Von der Wiener Zeitung (Dienstag, 5. Juli 2011) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.


Von

Georg Friesenbichler


  • Die Zeiten, als er die österreichische Nation spaltete, sind längst vorbei.
  • Repräsentant des politischen Katholizismus.
  • Jahrelanges Einreiseverbot.

Otto Habsburg im Jahr 1972 vor dem Porträt seiner Urgroßtante Elisabeth von Österreich
Otto Habsburg im Jahr 1972 vor dem Porträt seiner Urgroßtante Elisabeth von Österreich, in der "Villa Austria" im bayrischen Pöcking, wo Otto nun starb.
Foto: © epa

Wien. Seine letzte Ruhestätte wird die Kapuziner-Gruft in der Wiener Innenstadt sein. Das wäre in den 1960er-Jahren noch unvorstellbar gewesen - denn da war Otto Habsburg, dem ältesten Sohn des letzten Kaisers von Österreich, den Habsburger-Gesetzen von 1919 entsprechend noch die Einreise nach Österreich verboten. Erst unter der ÖVP-Alleinregierung 1966 bekam er aus Wien einen auch für Österreich gültigen Reisepass, sein erstes Betreten österreichischen Bodens am 31. November 1966 löste Proteste und den Streik von 250.000 Arbeitnehmern aus.

Was SPÖ, FPÖ und KPÖ so lange zu dem Widerstand gegen Habsburg ermunterte, war nicht nur die Erinnerung an den "Völkerkerker" der Monarchie und ihr blutiges Ende im Ersten Weltkrieg, sondern vor allem auch mögliche Restitutionsforderungen des Monarchensprosses. Denn Otto Habsburg hatte zwar 1961 eine Verzichtserklärung unterschrieben, in der er allen Herrschaftsansprüchen entsagte und sich als "getreuer Staatsbürger der Republik" bekannte. In einer Begleitnote behielt er sich aber die "jedem österreichischen Staatsbürger zustehenden Rechte und Pflichten" vor - dies wurde von seinen Gegnern als Wille zu politischer Tätigkeit interpretiert - sowie "Ansprüche wegen der durch das NS-Gesetz erfolgten Vermögensentziehung". Daher wurde die Verzichtserklärung zunächst einmal von den SPÖ-Ministern nicht als ausreichend angesehen.

Erst unter der SPÖ-Alleinregierung trat Entspannung zwischen den Kontrahenten ein. Im Mai 1972 kam es gar zu einem "historischen Handschlag" zwischen Otto Habsburg-Lothringen und Bundeskanzler Bruno Kreisky. Anlass dafür war das 50-Jahr-Jubiläum der Paneuropa-Union, deren Vizepräsident Habsburg seit 1957 war. 1973 wurde er als Nachfolger des verstorbenen Gründers Richard Coudenhove-Kalergi Präsident der Bewegung, die sich seit 1922 für ein vereintes Europa unter christlichen Vorzeichen einsetzt.

Wegweisendes Picknick#

Dies war auch die Basis für die "europäische Gesinnung" Habsburgs, die in den Nachrufen gewürdigt wird. Von 1979 bis 1999 war Habsburg, der 1978 auch die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hatte, als CSU-Vertreter Mitglied des Europaparlamentes. Als solches initiierte er das "Paneuropäische Picknick" am 19. August 1989 an der österreichisch-ungarischen Grenze mit, das 661 in Ungarn urlaubende DDR-Bürger zur Flucht in den Westen nützten. Dies war Auslöser einer Welle von Ereignissen, die letztlich zum Fall der Berliner Mauer führten.

Otto Habsburg in der Kapuzinergruft
Otto Habsburg 2003 in der frisch renovierten Kapuzinergruft, wo nun auch er und seine 2010 verstorbene Frau ihre letzte Ruhe finden werden.
Foto: © APA/Schlager

Viele der Aktivitäten Habsburgs hatten allerdings auch mit eigenen politischen Ambitionen zu tun. So forderte er am 17. Februar, kurz vor dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland, den Ständestaat-Bundeskanzler Kurt Schuschnigg brieflich zur Bildung einer Allparteienregierung auf - und bot an, als Kanzler deren Führung zu übernehmen. Schuschnigg, der 1935 die Landesverweisung der Habsburger aufgehoben hatte, lehnte ab. Otto Habsburg rief in dem Schreiben Schuschnigg zur einer "Befriedung nach links" auf. Die Arbeiter hätten "bewiesen, dass sie Patrioten sind". Der Gesinnung des Austrofaschismus stand Habsburg dennoch nicht fern, wie ein Interview für eine französische Zeitung 1936 belegt: "Ich werde gezwungen sein, in meinem zukünftigen Staat die Sozialistische Partei zu verbieten, weil sie auf dem Boden des Klassenkampfes steht."

"Unternehmen Otto"#

Adolf Hitler nahm die Überlegungen der Austrofaschisten, Otto als Oberhaupt einer neu zu konstituierenden Monarchie wieder auf den Thron zu setzen, indessen durchaus ernst. Den Einmarschplänen nach Österreich wurde der Code-Name "Unternehmen Otto" verpasst und der Namensgeber kurz nach dem erfolgten Anschluss steckbrieflich wegen Hochverrats gesucht. Habsburgs Familie floh daher über Luxemburg, Frankreich und Portugal in die USA. Von dort aus versuchte Otto eine österreichische Exilregierung aufzubauen und suchte Kontakt zu Präsident Franklin D. Roosevelt. Die US-Außenpolitik maß dem Österreicher aber keine allzu große Bedeutung bei. Mehr Anklang fand er beim britischen Premier Winston Churchill, der sich eine Art Donauföderation als Gegengewicht zur Sowjetunion vorstellte. Die scheiterte aber an der Ablehnung durch Josef Stalin auf der Konferenz von Teheran Ende 1943.

Otto Habsburg Stammtafel
Otto Habsburg Stammtafel.
Foto: © APA

Nach dem Ende des Weltkrieges deklarierte Otto Habsburg rasch, auf welcher Seite des Kalten Krieges er zu Hause war, noch ehe dieser wirklich begonnen hatte. In einem Brief an den neuen US-Präsidenten Harry S. Truman, mit Habsburgerkrone im Briefkopf und unterschrieben mit "Otto of Austria" , warnte er schon am 2. Juli 1945 vor der Anerkennung der provisorischen Staatsregierung unter Leitung von Karl Renner, die er als "kommunistisch beherrschtes Regime" bezeichnete - eine heikle Angelegenheit in einer Zeit, als die Möglichkeit einer Zweiteilung Österreichs in einen West- und Ostteil noch nicht aus den Planungen verschwunden war. Aber auch mit diesem Vorstoß hatte Habsburg keinen Erfolg.

Hoch kontroversiell#

Der Antikommunismus beherrschte auch sein weiteres politisches Leben. Auf seine Initiative hin stand 1979 im Europäischen Parlament ein leerer Stuhl, um auf die Völker hinter dem Eisernen Vorhang aufmerksam zu machen. Und Richtung Osteuropa lenkte Habsburg auch viele seiner Initiativen, mit dem erwähnten Europa-Picknick als Höhepunkt. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks plädierte er für eine rasche EU-Erweiterung.

Sein erzkonservativer Standpunkt sorgte immer wieder für Kontroversen. So sprach selbst die Volkspartei von einem unpassenden Vergleich, als Vater Otto seinen Sohn Karl Habsburg, damals EU-Parlamentarier der ÖVP, mit einem Verweis auf die Judenverfolgung verteidigte. Gegen Karl waren im Zusammenhang mit Veruntreuungen bei World Vision Österreich Vorwürfe der Querfinanzierung aufgetaucht. Otto Habsburg wörtlich: "Karl wird angegriffen, weil er den gewissen gelben Stern trägt, den Namen Habsburg."

2002 ortete Otto Habsburg in einem Interview mit der rechtsnationalen Zeitschrift "Junge Freiheit" anlässlich des bevorstehenden Irak-Krieges eine Zweiteilung der US-Regierung, zwischen dem Pentagon, das "heute eine jüdische Institution" sei, und dem von "Schwarzen besetzten" Außenministerium. Die "Angelsachsen, also die weißen Amerikaner", spielten hingegen "kaum eine Rolle". In der Diskussion um eine europäische Verfassung beharrte er auf einem Gottesbezug.

Im März 2008 erregte er bei einem Gedenkakt der ÖVP zum Anschluss Aufsehen, als er die historisch überholte Rolle Österreichs als erstes Opfer Hitlers betonte. Und 2009 unterschrieb er eine Erklärung "Für Freiheit und Selbstbestimmung - gegen totalitäre Bestrebungen der Lesben- und Schwulenverbände". Dabei waren die Proteste der Verbände gegen die Meinung, dass Homosexualität eine heilbare Krankheit sei, als Einschüchterungsversuche dargestellt worden.

Zu diesem Zeitpunkt war Otto Habsburg schon nicht mehr das Familienoberhaupt der Familie Habsburg-Lothringen. 2007 übernahm sein Sohn Karl diese Rolle. Kurz vor seinem Tod konnte er noch erleben, dass die für Habsburger gültige Einschränkung, nicht für Bundespräsidentschaftswahlen kandidieren zu dürfen, durch den Nationalrat beseitigt

Wiener Zeitung, Dienstag, 5. Juli 2011


Da die Kommunisten Habsburg seine gesamten ehemaligen tranleithanischen Besitzungen wegnahmen, war es naheliegender Weise schon aus praktischen Gründen Antikommunist. Für den Ausfall während der kommunistischen Ära werden Adel und Kirche nun durch großzügige Brachezahlungen der EU entschädigt.

-- Glaubauf Karl, Donnerstag, 14. Juli 2011, 17:47



Essay#

Die vielen Pflichten des Adels#


Von der Wiener Zeitung (Mittwoch, 6. Juli 2011) freundlicherweise zur Verfügung gestellt.


Von

Christoph Rella


  • Karl Habsburg leitet das Erzhaus seit dem Jahr 2007.
  • Seine Aufgaben sind verkuppeln, managen und beten.


Sarg von Otto Habsburg
Auch für den Tod gibt es vorgegebene Regeln: Der mit der Familienfahne bedeckte Sarg von Otto Habsburg steht mit einem Ehrenspalier in der Sankt-Ulrichs-Kirche in Pöcking am Starnberger See, aufgebahrt am Altar.
Foto: © apa/Peter Kneffel

Wien. "Kein Prinz und keine Prinzessin unseres Kaiserhauses darf eine eheliche Verbindung ohne Einwilligung des jeweiligen Familienoberhauptes eingehen." So steht es im Kaiserlich-Österreichischen Familienstatut von 1839. Kaiser Ferdinand I. hatte es erlassen, "damit selbes in unserem durchlauchtigsten Kaiserhause zur bleibenden Richtschnur dienen möge".

Als "Richtschnur" gilt das 61 Paragrafen umfassende Statut bis heute. Das Einzige, das sich seitdem geändert hat, ist der Name des "jeweiligen Familienoberhauptes". Seit 1. Jänner 2007 ist Karl Habsburg Chef des Erzhauses. Zuvor hatte die Funktion sein verstorbener Vater Otto knapp 85 Jahre lang, seit 1922, ausgefüllt. "Wie ich geheiratet habe, habe ich Otto angerufen und er hat die Ehe genehmigt", erinnert sich Familienmitglied Eduard Habsburg im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Um die Zustimmung des Chefs bangen musste er nicht. "Heute ist das viel entspannter, wie ich aber noch jung war, hätte ich wahrscheinlich nur zwei Mädels heiraten dürfen", meint Habsburg schmunzelnd. Früher, zu Zeiten der Monarchie, waren die Auswahlmöglichkeiten nicht besser, galten doch nur 15 Fürstenhäuser als "standesgemäß".

Vom derzeitigen Oberhaupt der Familie hat Eduard Habsburg eine gute Meinung: "Der Karl ist intelligent, herzlich und ein wunderbarer Familienvater", streut der in Niederösterreich lebende Drehbuchautor seinem Chef Rosen. "Er kümmert sich um das Vermögen, vermittelt bei Streitigkeiten, ist Sprachrohr nach außen und hält die Familie zusammen." Ein leichter Job sei das allerdings nicht, zumal ja die Habsburger, in mehrere Linien geteilt, in ganz Europa lebten. "Ich selbst entstamme der ungarischen Linie Erzherzog Josefs", sagt der Adelsspross. "Daneben gibt es aber noch die Toskaner und Wiener Familienangehörigen."

Auch Ordens-Chef#

Trauerfeierlichkeiten
Trauerfeierlichkeiten für Otto Habsburg.
Foto: © apa

Aber es sind nicht nur interne Angelegenheiten, mit denen sich das Familienoberhaupt täglich beschäftigen muss. So trug Otto Habsburg, genauso wie sein Nachfolger Karl, den Titel eines Großmeisters des Ordens vom Goldenen Vlies. Im Jahr 1430 von Philipp dem Guten, Herzog von Burgund gegründet, wurde das Amt des Obersten Souveräns des Ritterordens 1700 an Kaiser Karl VI., dem Vater Maria Theresias, übertragen und in der Folge von Generation zu Generation weitergegeben. Karl Habsburg, der das Großmeisteramt bereits 2000 übernommen hat, steht damit in einer Reihe mit den Kaisern Josef II., Franz II./I., Franz Josef und Karl.

Unter den von den Habsburgern zu Rittern ernannten Mitgliedern finden sich Namen wie König Sigismund von Polen, Prinz Eugen von Savoyen oder Kurfürst August von Sachsen. Das Ziel, das die Mitglieder einte, ist bis heute die Erhaltung des katholischen Glaubens, der Schutz der Kirche und die Wahrung der Ehre des Rittertums.

Eduard Habsburg wiederum hat mit den antiquiert klingenden Zielen der Ritter kein Problem, auch wenn er zugegeben muss, dass die hier definierten Aufgaben theoretisch sind. Ihren nächsten großen Auftritt werden die Ordensritter in wenigen Tagen in Wien bestreiten - und ihrem längstdienenden Großmeister das letzte Geleit geben: Otto Habsburg.


Wiener Zeitung, Mittwoch, 6. Juli 2011


Quellen:




--> Historische Bilder zu Otto Habsburg-Lothringen (IMAGNO)



Redaktion: I. Schinnerl


Kaiser Karl widerrief im März 1919 seine lediglich mit Bleistift (!!!) unterfertigte Verzichtserklärung beim Verlassen Deutschösterreichs. Daher die Habsburger-Gesetze....; die Parlamentswahlen vom Februar 1919 waren für seine Anhänger eine "Minderheitenfeststellung", wozu natürlich die Sixtus-Affäre wesentlich beitrug.

-- Glaubauf Karl, Freitag, 8. Juli 2011, 15:23