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Hackl, Karl Ing. Prof.#

* 17. 3. 1889, Wien

† 17. 12. 1958, Wien


Psychotechniker


Karl Hackl 1926
Karl Hackl 1926
© Archiv des Psychotechnischen Institutes, Wien

Als Karl Hackl ein halbes Jahr alt war, starb sein Vater. Unter Opfern ermöglichte ihm seine Mutter ein Maschinenbaustudium an der K.K. Technischen Hochschule in Wien. Nach Absolvierung seines Studiums 1911 arbeitete er bei den Niederösterreichischen Landesbahnen. Ab ca. 1920 fand er in dem Berliner Universitätsprofessor Dr. Hans Rupp (einem Österreicher) einen Mentor, der ihn neben seinem Beruf vier Jahre lang zur Psychotechnik hinführte.

  • 1920 Gründung eines privaten Laboratoriums, in dem er psychotechnische Untersuchungen und Tests durchführte.

Von 1926–1938 war Hackl Leiter des Psychotechnischen Instituts der Industriellen Bezirkskommission-Landesarbeitsamt (I.B.K.) Wien. Ein Schwerpunkt lag bei Berufsberatungen und Eignungsuntersuchungen von Arbeitslosen und deren psychologischer Nach- und Umschulung.

In dieser Zeit verankerte Ing. Karl Hackl die Psychotechnik in Österreich in allen wesentlichen betrieblichen, ausbildungsspezifischen, sozialen und politischen Unternehmungen - wie z.B. Gewerbeförderungsvereinen, Zünften, Kaufmannschaft, Wirtschaftsrat, Landwirtschaft, Industrie, Handel, Schulen und Arbeitsämtern in ganz Österreich. Er richtete die Psychotechnischen Abteilungen der Wiener Polizeidirektion und der Städtischen Straßenbahnen ein, und begründete die Heerespsychologische Stelle in Wien.



  • 1927: Gründung der Arbeitsgemeinschaft für Psychotechnik in Österreich auf Betreiben von Ing. Karl Hackl. Er war auch der erste Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Psychotechnik in Österreich (APÖ). Ziel der APÖ war die wissenschaftlich fundierte Anwendung der Psychotechnik in Österreich und die Ausbildung von Psychotechnikern. Es gab eine enge auch interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Psychotechnikern, Psychologen und generell Universitäten in ganz Europa. Es wurden jährliche Tagungen durchgeführt, bei denen viele namhafte Psychotechniker Vorträge hielten.
Das Proponentenkomitee umfasste viele berühmte Namen, wie z.B. Prof. Dr. Charlotte Bühler (Psychologisches Institut der Universität Wien), Reg.Rat.Dr. Otto Conrad – Kammer für Handel, Gewerbe und Industrie in Wien, Doz.Dr. Robert Kauer – Phil.Fakultät der Uni Wien, Doz.Dr. Paul Liebessny – Physiologisches Institut der Universität Wien, Hofrat Prof.Julius Marchet – Hochschule für Bodenkultur Wien, Prof.Dr. Hans Rupp – Psychologisches Institut der Universität Berlin, Hofrat Prof. Anton Schmid – Hochschule für Welthandel Wien, Prof. Dr. Julius Urbanek Technische Hochschule in Wien uvm. Später kamen noch bekannte Psychologen wie Dr. Paul Lazarsfeld (1930) und Prof.Dr. Erismann zur Arbeitsgemeinschaft für Psychotechnik.

Großwäscherei 'Excelsior'
Großwäscherei "Excelsior"
© Archiv des Psychotechnischen Institutes, Wien

Die bedeutendsten Industrieunternehmen Österreichs wie z.B. Österreischische Bundesbahnen, Siemens-Schuckert Werke, Alpine Montangesellschaft, Schöller-Bleckmann Werke, Brevillier&Urban, Böhler Stahlwerke, Grünbacher Steinkohlenwerke betrauten die Arbeitsgemeinschaft für Psychotechnik mit der Durchführung von zahlreichen Eignungsuntersuchungen und Seminaren, der Untersuchung werbepsychologischer Maßnahmen uvm.

Zudem wurden ausführliche Untersuchungen und Tests über Unfallsvermeidung, Unfallschutz, Lenkerprüfungen, Sicherheit am Schulweg usw. entwickelt und durchgeführt. Sogar die Universität von Ohio, Department für Psychologie, bat um Methoden und Informationen über Tests für Autolenkerprüfungen.

Die Arbeitsgemeinschaft für Psychotechnik bot Ausbildungskurse in Arbeitswissenschaft, Arbeitspsychologie und Arbeitspädagogik an und entwickelte ständig neuer Untersuchungssysteme. Dabei kam Prof. Ing. Karl Hackl seine technische Ausbildung sehr zustatten. Es wurden genaue Arbeitsanalysen und Arbeitstechnische Studien erstellt: z.B. in einer Großwäscherei, bei Kellnern/Gastronomiebetrieben, bei Erntearbeitern in landwirtschaftlichen Großbetrieben, bei Schreibmaschinen-Sekretärinnen. Es gab Untersuchungen an Verkäufern, am Drehtisch, am laufenden Arbeitsband uvm. bei der Arbeitshaltung, Sicherheitsfaktoren/Gefahren und auch der psychische Zustand des Arbeitenden und die Freude an der Arbeit analysiert wurden. Jeder Mensch sollte die Arbeit verrichten, für die er qualifiziert war und er sollte sie so verrichten können, dass er körperlich und seelisch keinen Schaden durch die Arbeit davontrug.

Aufgrund dieser Untersuchungen wurden dann die optimalen Arbeitsabläufe gefunden, spezielle Arbeitsbehelfe konstruiert wie z.B. Sitzgelegenheiten für Beingeschädigte. Es gab eigene Untersuchungsreihen für Kriegsversehrte, um diese Gruppe wieder in den Arbeitsprozess einzugliedern.

  • 1927–1932 war er Wissenschaftlicher Berater der Polizeidirektion Wien für Eignungsuntersuchungen. Seit 1934 war Prof. Karl Hackl Vortragender in den staatlichen Reklamekursen (Reklamepsychologie)
  • 1933 Gründung der Vereinigung Österreichischer Psychotechniker.
  • 1934 wurde Ing. Karl Hackl als Führer der Österreichische Psychotechnik ins Direktorium der internationalen Psychotechnischen Gesellschaft gewählt.
  • 1936 verlieh der österreichische Bundeskanzler an Ing. Karl Hackl den Professorentitel.
  • Anfang 1938: wurde Prof. Karl Hackl zum Leiter der Arbeitstechnischen Lehr- und Versuchsanstalt (ATV) des Bundesministeriums für Handel und Verkehr ernannt.
  • Zwischen 1938 und 1944 wurde Prof. Karl Hackl für das nationalsozialistische Regime als politisch untragbar eingestuft und aller Ämter enthoben.
  • 1946 Wiederaufbau der Arbeitsgemeinschaft für Psychotechnik,
  • 1947 Gründung der Zeitschrift „Mensch und Arbeit“, der internationalen Zeitschrift für Arbeitspädagogik, Arbeitspsychologie, Arbeitstechnik, und Betriebswirtschaft, die in 12 europäischen und überseeischen Ländern verbreitet war.
  • 1950: Einladung in ein internationales Gremium von Ärzten, Philosophen und Psychologen zur Internationalen Vereinigung für Berufsethik.


Arbeitshaltung
Arbeitshaltung
© Archiv des Psychotechnischen Institutes, Wien
Geschicklichkeitsprobe
Geschicklichkeitsprobe, links Prof. Hackl
© Archiv des Psychotechnischen Institutes, Wien
Werbepsychologie
Werbepsychologie
© Archiv des Psychotechnischen Institutes, Wien
Drehtisch
Drehtisch
© Archiv des Psychotechnischen Institutes, Wien
Publikationen:

Prof. Karl Hackl hat Zeit seines Lebens an die 100 Publikationen verfasst, häufig in Form von Radiovorträgen, Artikeln in Zeitungen/Zeitschriften und Vorträgen.


Auswahl:

  • Arbeitssitz und Arbeitstisch (1929)
  • Methoden der Menschenbeurteilung (1930)
  • Die Psychologie der sozialen Berufe (1930)
  • Intelligenzuntersuchung (1930)
  • Auswahl und Ausbildung des kaufmännischen Personals (1931)
  • Menschenführung im Betrieb (1931)
  • Über Blutgruppenuntersuchungen (1931)
  • Richtlinien einer bildmäßigen Innenwerbung zur Unfall und Schadensverhütung (ca.1931)
  • Berufsanalyse (1932)
  • Übersicht über die Probleme der sozialen Arbeitswissenschaft (1932)
  • Untersuchungen in der Landwirtschaft (1932)
  • Arbeitswissenschaft (1932)
  • Betriebspädagogik (1932)
  • Die lieben Mitmenschen (1933)
  • Die Psychotechnik im Dienste der Arbeitslosenfürsorge (1934)
  • Wie vermeide ich Streitigkeiten (1934)
  • Zusammenarbeit im Betrieb (1935)
  • Menschentypen (1945)
  • Rationalisierung der Personalwirtschaft im Gewerbebetrieb (1947)
  • Die Psychologie als Helfer in der menschlichen Arbeit (1948)

Quelle#

--> Stadtplanungskonzept für Wien aus dem Jahr 1929 (Essay)


Redaktion: P. Diem