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Hainisch, Michael#

* 15. 8. 1858, Aue bei Schottwien (Niederösterreich)

† 26. 2. 1940, Wien


Staatsmann, Sozial- und Wirtschaftspolitiker


Hainisch, Michael
Michael Hainisch. Foto, 1929
© Ch. Brandstätter Verlag, Wien, für AEIOU

Michael Hainisch wurde am 15. August 1858 in Aue bei Schottwien als Sohn der Frauenrechtlerin Marianne Hainisch, geb. Perger, geboren.

Nach seiner juristischen Studien an den Universitäten Leipzig und Wien, die er 1882 mit der Promotion zum Dr. jur. in Wien beendete, studierte er in Berlin Nationalökonomie.


Hainisch trat 1886 nach seiner Gerichtspraxis in den Staatsdienst ein (Finanzprokuratur, Unterrichtsministerium), den er aber nach 4 Jahren verließ, um sich in den folgenden drei Jahrzehnten (1890 bis 1920) mit volkswirtschaftlichen, agrar-, sozial- und bevölkerungspolitischen Problemen zu beschäftigten.

Er gestaltete seinen Besitz in Jauern (bei Spital am Semmering) als Musterbetrieb aus (seine Zuchtkuh "Bella" erlangte mit Rekordmilchleistungen Berühmtheit!), nahm Anteil an landwirtschaftlichen Berufsorganisationen und wurde 1920 zum Präsidenten des Direktoriums der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft gewählt.


In seiner näheren Heimat Gloggnitz erwarb er sich vielfältige Verdienste: so war er u.a. Bezirksarmenrat, Mitglied des Gemeindeausschusses, Vorstand der örtlichen Sparkasse.



Michael Hainisch besaß ein ausgeprägtes soziales Gewissen; so befürwortete er die sozialreformatorischen Bestrebungen der Sozialdemokratie; die Hebung der Volksbildung war ihm ein wichtiges Anliegen. Er organisierte Volksbildungsvereine, wirkte an der Gründung der Wiener Zentralbibliothek und der Deutschen Turnerschaft in Wien (1890) mit.


In seiner politisch-weltanschaulichen Haltung war er liberal und später großdeutsch gesinnt, blieb aber parteilos.

Er gehörte zur "Wiener Fabier Gesellschaft", ein 1893 nach englischem Vorbild in Wien gegründeter Verein, der sich um soziale Reformen bemühte, unter anderem zur Förderung der Volksbildung oder der Frauenbewegung (aufgelöst 1901).


Michael Hainisch wurde am 9. Dezember 1920 zum ersten Bundespräsidenten der Ersten Republik (Verfassung von 1920) gewählt und hatte dieses Amt für zwei Amtsperioden bis 10. Dezember 1928 inne.

Er förderte die Landwirtschaft, die Elektrifizierung der Eisenbahnen, den Fremdenverkehr, den österreichisch-deutschen Handel, das ländliche Brauchtum und die Schaffung des Denkmalschutzgesetzes.

Durch seine korrekte und sparsame Amtsführung verschaffte er sich in den schwierigen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg in allen politischen Lagern Anerkennung.

Nach seiner zweiten Amtsperiode als Bundespräsident fungierte er 1929/1930 als parteiloser Handelsminister in der Regierung Schober. 1938 sprach er sich für den Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland aus.

Auszeichnungen, Ehrungen(Auswahl)#

  • Ehrendoktorate der Universitäten Wien, Graz, Innsbruck, Thübingen, der Hochschule f. Bodenkultur in Wien
  • Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften
  • Wilhelm-Exner-Medaille

Werke (Auswahl)#

  • Die Zukunft der Deutschösterreicher, 1892
  • Heimarbeit in Österreich, 1906
  • Statistik der Deutschösterreicher, 1909
  • Die Landflucht, 1924
  • Aus mein´ Leb´n, 1930 (Gedichte)
  • Was Z´samklabts, 1935
  • 75 Jahre aus bewegter Zeit, 1978

Literatur#

  • F. Weissensteiner, Die österreichischen Bundespräsidenten, 1982
  • Neue Österreichische Biographie

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl