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Harand, Irene #

* 7. 9. 1900, Wien

† 2. 2. 1975, New York


Widerstandskämpferin, Journalistin, Buchautorin


Irene Harand wurde am 7. September 1900 als Irene Wedl geboren und wuchs mit 3 Geschwistern im toleranten Klima eines christlich-protestantischen Elternhauses auf, in dem Politik keine Rolle spielte.

Irene wollte eigentlich studieren, doch dies war durch die wirtschaftlichen Veränderungen nach dem Ersten Weltkrieg nicht möglich. So heiratet sie schon mit 19 Jahren den ehemaligen K.u.K-Offizier Frank Harand, der sich nach dem Krieg als gutbezahlter Manager etablieren konnte. Die Ehe blieb kinderlos.

Irene arbeitete zuerst als Sekretärin, konnte jedoch - dank der wirtschaftlichen Lage ihres Mannes - eigenen Interessen nachgehen und wurde dabei stets von Frank unterstützt.

Ende der zwanziger Jahre lernte sie Moriz Zalman kennen, der Mitte der 1920er Jahre gegen die österreichische Regierung Entschädigungen für Tausende Kleinanleger ('Kleinrentner' genannt) erstritt, die durch die Inflation mittellos geworden waren.

Irene Harand arbeitete bei seinem "Verband der Kleinrentner und Sparer Österreichs" mit, aus dem dann weitere Initiativen hervorgingen. Zunächst war sie Sekretärin, dann stellvertretende Obfrau und schließlich schrieb sie in der "Welt am Morgen", die vom Verband herausgegeben wurde. 1930 gründete sie mit ihm die erste "Österreichische Volkspartei"(nicht mit der später aus der Christlichsozialen Partei hervorgegangenen ÖVP identisch), die sich den Kampf gegen Antisemitismus auf ihre Fahnen heftete.

1933 gründete Harand die "Weltbewegung gegen Rassenhass und Menschennot", die bald als "Harand-Bewegung" international bekannt wurde.  1933 erschien auch, selbstfinanziert, ihre Streitschrift "So oder So – Die Wahrheit über den Antisemitismus" und 1935 ihr Buch "Sein Kampf – Antwort an Hitler", das auch ins Englische und Französische übersetzt wurde und im Deutschen Reich sofort verboten wurde.


Erwähnenswert ist vor allem die "Markenaktion" der Harandbewegung: Diese entstand als Reaktion auf die im Jahr 1937/38 im Deutschen Museum München organisierte Ausstellung "Der ewige Jude". Die Harandbewegung entwarf Briefverschlussmarken, auf denen "Bilder und Leistungen hervorragender jüdischer Persönlichkeiten" abgedruckt waren. So erhoffte man sich, möglichst viele Menschen zu erreichen und damit zu einer gerechteren Beurteilung der jüdischen Mitmenschen beizutragen.


Im März 1938, zur Zeit des Anschlusses, befand sich Irene Harand gerade auf einer Vortragsreise im Ausland, während ihr Mann sich in letzter Minute über die Tschechoslowakei retten konnte. Gemeinsam gingen sie nach New York, wo bereits ihre Schwester wohnte.

Aus dem Ausland half Harand zahlreichen jüdischen Freundinnen und Freunden in Wien ebenfalls zur Flucht.

Ihren langjährigen Mitstreiter Dr. Zalman konnte sie allerdings nicht retten. Er wurde beim Versuch, in die Schweiz zu flüchten verhaftet und starb im Mai 1940 im Konzentrationslager Sachsenhausen.


Auch in der Emigration setzte Irene Harand ihre anti-nationalsozialistische Arbeit fort und wurde ein aktives Mitglied der österreichischen Gemeinde der Emigrantinnen und Emigranten. 1943 entstand in New York unter ihrer Leitung ein Institut für jüdische SchriftstellerInnen und KünstlerInnen aus Österreich, das spätere "Austrian Forum".

Erst spät wurde Irene Harand auch in Österreich geehrt - 1971 erhielt sie das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich -, wenngleich für sie die Auszeichnung mit der Ehrenmedaille "Gerechte unter den Völkern" von der israelischen Holocaust-Gedenstätte "Yad Vashem" (1969) der absolute Höhepunkt war.


Irene Harand starb am 2. Februar 1975 in New York und ist in einem Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.


Nachdem 1990 auf Initiative von Dr. Peter Marboe, ein Gemeindebau in der Judengasse 4 auf "Irene-Harand Hof" getauft wurde, wurde 2008 der Platz vor der Paulanerkirche an der Wiedner Hauptstraße nach ihr benannt.

Werke (Auswahl)#

  • So oder So? Die Wahrheit über den Antisemitismus.
  • Sein Kampf. Antwort an Hitler. Wien 1935
  • F. R. Reiter (Hrsg.), Sein Kampf. Antwort an Hitler, 2005

Literatur#

  • Weinzierl, E., Zu wenig Gerechte. Österreicher und Judenverfolgung 1938-1945, Graz, 1969/1986
  • Christian Klösch (Autor), Kurt Scharr (Autor), Erika Weinzierl, Gegen Rassenhass und Menschennot, Leben und Werk einer ungewöhnlichen Widerstandskämpferin. Irene Harand (1900-1975), Innsbruck 2004.
  • Weinzierl, E. (1991): Christliche Solidarität mit Juden am Beispiel Irene Harands (1900-1975)In: Israel und die Kirche heute. Hg: Marcel Markus, Wien

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl