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Haslinger, Josef#


* 5. 7. 1955, Zwettl (Niederösterreich)


Schriftsteller, Essayist


Josef Haslinger wurde am 5. Juli 1955 in einer Bauernfamilie in Zwettl geboren.

Er besuchte zunächst die Schule des Zisterzienserklosters Zwettl, wo er auch Sängerknabe war, danach das Gymnasium in Horn. Nach der Matura 1973 absolvierte er an der Universität Wien ein Studium der Philosophie, Theaterwissenschaften und Germanistik, das er 1980 mit der Promotion zum Dr. phil. (Dissertation zum Thema "Die Ästhetik des Novalis") abschloss.

Zu dieser Zeit erschien sein erster selbständiger Prosaband "Der Konviktskaktus und andere Erzählungen", der teilweise auf seine Erfahrungen als Klosterschüler im Stift Zwettl Bezug nimmt. Sozialkritische Bezüge zur Waldviertler Heimat stellte auch die Novelle "Der Tod des Kleinhäuslers Ignaz Hajek" her.

Josef Haslingers literarisches Werk zeichnet sich durch gesellschaftspolitisches Engagement aus, sei es in dem vielbeachteten Medienroman und Politthriller "Opernball" oder in Essays wie den bissigen Österreich-Analysen "Politik der Gefühle" (zur Zeit der sogenannten Waldheim-Affäre) oder dem Text "Austrian Spirit". Wie schon vorhergehende Texte setzt sich der Roman "Das Vaterspiel", der 2009 verfilmt wurde, mit den Verbrechen der Nationalsozialisten auseinander und wirft zugleich einen Blick auf die österreichische Sozialdemokratie der Gegenwart. Sein Roman "Jáchymov" beschäftigt sich mit der tschechoslowakischen Nachkriegsgeschichte rund um die Eishockey-Legende Bohumil Modry.

Daneben stellte der Autor nicht nur 'vergessene' Gedichte von Hugo Sonnenschein und die Österreich-Anthologie "Rotweißbuch" zusammen – er war darüber hinaus Mitherausgeber der Literaturzeitschrift "Wespennest" (1976-1992), Generalsekretär der Grazer Autorenversammlung (1986-1989), Mitbegründer der Antirassismus-Initiative "SOS Mitmensch" (1992) und Co-Organisator der "Wiener Vorlesungen zur Literatur" (1986-1994). 2003 hielt er die Eröffnungsrede der "Wiener Karl Kraus Vorlesungen zur Kulturkritik", aus der die Schrift "Am Ende der Sprachkultur? Über das Schicksal von Schreiben, Sprechen und Lesen" hervorging.


International ist Josef Haslinger seit Jahrzehnten als akademischer Lehrer tätig: seit 1989 an verschiedenen Orten der Vereinigten Staaten von Amerika und seit 1996 als Professor für Literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.

Seit 2013 ist Josef Haslinger Präsident des deutschen P.E.N.-Zentrums. Ein Teilvorlass seines Werkes befindet sich im Österreichischen Literaturarchiv.

Josef Haslinger ist verheiratet, Vater von Zwiliingen und lebt mit Familie in Leipzig und Wien.

Auszeichnungen und Ehrungen (Auswahl)#

  • Theodor-Körner-Preis, 1980
  • Staatsstipendium des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für Literatur, 1980
  • Förderungspreis der Stadt Wien für Literatur, 1984
  • Dramatikerstipendium des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst, 1988
  • Preis der Salzburger Literaturzeitschrift "erostepost", 1989
  • Elias Canetti-Stipendium der Stadt Wien, 1993–94
  • Stipendium des Deutschen Literaturfonds, 1994
  • Förderungspreis des Landes Niederösterreich für Literatur, 1994
  • Literaturpreis der Stadt Wien, 2000
  • Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels, 2000
  • Preis der "LiteraTour Nord" für "Das Vaterspiel", 2001
  • Mainzer Stadtschreiber, 2010
  • Rheingau Literatur Preis, 2011

Werke (Auswahl)#

Bücher
  • Der Konviktskaktus und andere Erzählungen, 1980
  • Die Ästhetik des Novalis, 1981
  • Der Tod des Kleinhäuslers Ignaz Hajek. Novelle, 1985
  • Politik der Gefühle. Ein Essay über Österreich, 1987
  • Die mittleren Jahre - Srednja leta. Novelle (Zweisprachige Ausgabe: Deutsch/Slowenisch; Übers. ins Slowen.: France Vrbinc), 1990
  • Wozu brauchen wir Atlantis. Essays, 1990
  • Das Elend Amerikas. Elf Versuche über ein gelobtes Land, 1992
  • Leben in der Asche. Trümmerjahre in Wien 1945-1948 (m. Gerhard Jagschitz, Ill.: Otto R. Groy), 1993
  • Opernball. Roman, 1995
  • Das Vaterspiel. Roman, 2000
  • Klasse Burschen. Essays, 2001
  • Leben mit Novalis, Paderborner Universitätsreden, 2002
  • Am Ende der Sprachkultur. Über das Schicksal von Schreiben, Sprechen und Lesen, 2004
  • Austrian Spirit. Politische Destillate aus der Heimat der Freunderlwirtschaft., 2004
  • Zugvögel. Erzählungen, 2006
  • Phi Phi Island. Ein Bericht, 2007
  • Jáchymov. Roman, 2011
Theater und Performances
  • Karfreitag, 1. Mai. Eine politische Revue. Regie: Bernd Palma, Musik: Georg Herrnstadt. Kulisse, Wien: Neue Volkskomödie Wien, 1.5.1988
  • Die Entdeckung Amerikas. Ein Reise-Epos für eine statarische Stimme und zwei zügellose Zugposaunisten. Posaune: Bertl Mütter, Werner Puntigam. Musik: Werner Puntigam. Messepalast, Wien: Ensemble Theater, 1992

Herausgeberschaft

  • (m. Karl-Markus Gauß) Hugo Sonnenschein: Die Fesseln meiner Brüder, 1984
  • Rot- Weiss-Buch, 1988

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl