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Hauer, Franz von#

* 30. 1. 1822, Wien

† 20. 3. 1899, Wien


Geologe und Paläontologe


Nach Studien an der Bergakademie von Schemnitz hielt er auf Initiative Wilhelm Haidingers 1844 erste paläontologische Vorlesungen am Montanistischen Museum in Wien.


Einer seiner Schüler war Eduard Suess; ein erstes "Vorlesungsscriptum" blieb unveröffentlicht.


1845 gründete er die "Freunde der Naturwissenschaften", die sich aus jüngeren Männern zusammensetzten und wöchentlich unter dem Vorsitz Wilhelm Haidingers zusammentraten. Die Reaktion der etablierten Wissenschaft führte 1847 zur Gründung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (Böhm 1899). Hauer gehörte seit der Gründung zu den deren ersten "correspondierenden" Mitgliedern (ordentliches Mitglied 1860).


Hauers Schlüsselwerk "Die Cephalopoden des Salzkammergutes aus der Sammlung seiner Durchlaucht des Fürsten von Metternich" kam 1847 als Privatdruck heraus.

Ab 1846 erschienen die Berichte der Freunde der Naturwissenschaften in der Wiener Zeitung, von 1847 bis 1851 gab Wilhelm Haidinger die "Berichte über die Mitteilungen von Freunden der Naturwissenschaften" heraus, worin Hauer zahlreiche Beiträge veröffentlichte. (Bereits der erste Band von Haidingers großformatigen "Naturwissenschaftlichen Abhandlungen" enthielt vier paläontologische Arbeiten Hauers; im ersten Jahr erschienen nicht weniger als 15 paläontologische Arbeiten.)

1849 war Hauer mit der Stelle des Ersten Geologen der neu gegründeten Geologischen Reichsanstalt (Geologische Bundesanstalt) betraut und zum k.k. Bergrath ernannt worden. 1858 erschien der einzige Band seiner "Beiträge zur Palaeontographie von Österreich". 1867 bis 1885 leitete Hauer als Direktor die Geologische Reichsanstalt.

Ab 1885 wurde er Nachfolger des früh verstorbenen Ferdinand Hochstetter als Intendant des k.k. Naturhistorischen Hofmuseums, das er bis 1896 leitete.

Franz von Hauer hat mit seiner Dynamik den Anschluss an west- und mitteleuropäische Standards der Paläontologie hergestellt, zusammen mit seinem Förderer und Mentor Wilhelm Haidinger konnte er auch die Gunst der Stunde nutzen (persönliche Beziehungen zu Reichskanzler Metternich, zu Minister Ferdinand von Thinnfeld; 1848 Aufhebung der Zensur).

Franz von Hauer, der Mitbegründer der wissenschaftlichen Geologie in Österreich, muss als der eigentliche Begründer der "Wiener Schule" der Paläontologie gelten.

Sein Name ist über die Regeln der Zoologischen Nomenklatur mit einer Reihe von Taxa (als Einheit erkannte Gruppe von Lebewesen) verbunden:

Kleine Auswahl an Ammoniten:

  • Ammonites metternichi HAUER 1947, Typusart zu Pinacoceras MOJSISOVICS
  • Ammonites haberfellneri HAUER, Typusart zu Barroisiceras GROSSOUVRE
  • Ammonites neubergicus HAUER, Typusart zu Pachydiscus ZITTEL
  • Choristoceras marshi HAUER, Typusart zu Choristoceras HAUER
  • Rhabdoceras suessi HAUER 1860, Typusart zu Rhabdoceras HAUER 1860
  • Cochloceras fischeri HAUER 1860, Typusart zu Cochloceras HAUER 1860
  • Hauerites (MOJSISOVICS 1893)
  • Hauericeras (GROSSOUVRE 1894)
  • Barroisiceras haueri HYATT 1903

Weiterführendes#

Werke (Auswahl)#

  • Die Cephalopoden des Salzkammergutes, 1846
  • Geologische Übersichtskarte Österreich-Ungarns 1 : 576.000 in 12 Blättern, 1872
  • Die Geologie und ihre Anwendung auf die Bodenbeschaffenheit der Österreichisch-ungarischen Monarchie, 1875

Literatur#

  • M. Leutner, Wissenschaftstheoretische Fallstudien zur Entwicklung der erdwissenschaftlichen Forschung in Österreich. * W. Haidninger - F. von Hauer - O. Ampferer, 1999
  • Österreichisches Biographisches Lexikon
  • Tietze, E. 1900. Jahrb. G.R.A. 49: 679-827.
  • Vacek M. 1899. Franz Ritter von Hauer. Nachruf. - Verh. Geol. R.A. 1899/4,p.119-126.
  • Toula, F. 1900. Leopoldina 36: 117-121, 137-142.
  • Böhm, A. 1899. Abh. Geogr. Ges. 1: 9

Quellen#



Redaktion: I. Schinnerl