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Hell, Bodo #


* 15. 3. 1943, Salzburg


Schriftsteller; Hörspielautor

Bodo Hell
Bodo Hell
Foto: amourfou.at

Bodo Hell wurde am 15. März 1943 in Salzburg geboren.

Nach der Schule folgten Studien am Salzburger Mozarteum (Orgel), an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien (Film und Fernsehen) sowie an der Universität Wien (Philosophie, Germanistik und Geschichte).
Nach verschiedensten Gelegenheitsarbeiten kam Bodo Hell als freier Mitarbeiter zum ORF.

Hell, Bodo
Bodo Hell. Foto, 1995
© Bodo Hell privat
Foto Jutta Lehner, für AEIOU

Seit den 1970er Jahren publiziert Bodo Hell experimentelle Prosa und Hörspiele, Text-Foto-Bände, Fotos, Filme, Musik. Er arrangiert aus Werbeinhalten, Wissenschaftssprache, umgangssprachlichen Elementen und öffentlichen Beschriftungen kunstvolle Text-Montagen und baut Wortschöpfungen in neue, poetische Zusammenhänge ein. Als Autor steht Hell in der Tradition der "Wiener Gruppe"; er arbeitete mit Friederike Mayröcker, Ernst Jandl, Liesl Ujvary, Bady Minck und Hil de Gard zusammen. Ein besonderes Anliegen Hells war und ist das Zusammenspiel von Text, Vortrag und Dramaturgie bei öffentlichen Lesungen. Darüber hinaus ist er für Gemeinschaftsprojekte mit Bildenden Künstlern und Fotografen bekannt, in denen sich Bild und Text wunderbar ergänzen.

Bodo Hell schrieb aber auch Beiträge für Zeitungen, u.a. "Die Presse" und "Falter" sowie für den ORF und beschäftigte sich mit zeitgenössischer französischer Literatur.

Bodo Hell lebt einerseits - den Winter über - als Schriftsteller in Wien, andererseits bewirtschaftet er seit 17 Jahren jeden Sommer die Grafenberg-Alm auf dem Dachstein. (Unter den steirischen Bergbauern und unter Käsekennern hat sich der Schriftsteller Anerkennung für die Arbeit und den eigenhändig und mit Leidenschaft zubereiteten Hell'schen Schaf- und Ziegenkäse erworben.)

Auszeichnungen, Preise#

  • Rauriser Literaturpreis des Landes Salzburg, 1972
  • Staatsstipendium des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für Literatur, 1973
  • Förderungspreis für Literatur des Theodor-Körner-Stiftungsfonds zur Förderung von Wissenchaft und Kunst, 1975
  • Förderungsbeitrag des Wiener Kunstfonds der Zentralsparkasse Wien für Literatur, 1976
  • Förderungspreis der Stadt Wien für Literatur, 1981
  • Buchprämie des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst, 1986, 1987 und 1993
  • Förderungspreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für Erzählungen, 1988
  • Elias-Canetti-Stipendium der Stadt Wien, 1989-90
  • Erich Fried-Preis, 1991
  • Kulturpreis der Marktgemeinde St. Johann im Pongau, 1991
  • Literaturpreis der Stadt Wien, 1999
  • Projektstipendium für Literatur des BKA, 1999/2000
  • Preis der Literaturhäuser, 2003
  • Hausautor der Therme Vals (Schweiz), 2004
  • Telekom-Austria-Preis Klagenfurt (Preis der Jury des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs), 2006
  • THEATERlandPREIS des Landes Steiermark beim bestOFFstyria-Theaterfestival (mit den Rabtaldirndln), 2014

Werke (Auswahl)#

Bücher
  • Dom Mischabel Hochjoch, 3 Bergerzählungen, 1977
  • Stadtschrift, Fotos und Text Linie 13A, 1983
  • Der Donner des Stillhaltens / Larven Schemen Phantome (mit Friederike Mayröcker), 1986
  • 666. Erzählungen (111 Fotografien), 1987
  • Die wirklichen Möglichkeiten, Ernst Jandl/Bodo Hell: 2 Reden, 1992
  • Gang durchs Dorf: Fingerzeig/Blumenwerk,, 24 Panoramafotos Deinzendorf, 1992
  • Frauenmantel (zu Fotografien von K.H. Waggerl), 1993
  • Mittendrin, Erzählungen, Stickbilder von Hil de Gard, 1994
  • An der Wien (bibliophiles Künstlerbuch mit Linde Waber), 1997
  • die Devise lautet, Erzählung, 1999
  • im Prinzip gilt, Erzählung, 2001
  • Ria nackt Ariadne im Garn (Opernbuch mit R. Deppe und O. Schmiderer), 2002
  • Tracht: Pflicht, Lese- und Sprechtexte, 2003
  • Yppenplatz 4356m2 (Bilder von Linda Wolfsgruber), 2005
  • Frost relaunched (zu Motiven von Th. Bernhard; mit Norbert Trummer und Renate Welsh-Rabady), 2006
  • Herbe Garbe, Weiberkittel, Von Heiligen, Pflanzen und Substanzen (mit Elsbeth Wallnöfer, Wolfgang und Peter Kubelka), 2008
  • Nothelfer, 2010
  • Immergrün Sudarium/Calendarium (mit Linda Wolfsgruber), 2011
  • Nachsuche 3 Erzählungen (mit Ingrid Schreyer, 2012
  • Bodo Hell Omnibus, exemplarische Texte und Kommentare, 2013
  • Kunstschrift. Verni- Midi- Finissagen ..., 2013
  • Im Flug der Tage (Texte von Bodo Hell zu Tageszeichnungen von Linde Waber, 199 nummerierte Exemplare), 2013
  • Landschaft mit Verstoßung (Klangbuch mit Friederike Mayröcker und Martin Leitner, mit Auerhahn-BonusTrack), 2014
  • Matri Mitram, Engelsgespräche/Bildersturm (mit Zeichnungen von Norbert Trummer), zur Restaurierung der Wallfahrtskirche Frauenberg bei Admont, 2014

Theater:

  • Herr im Schlaf (Graz/Schwerin), 1995
  • Tassen im Schrank (Salzburg), 1996
  • Gold im Mund (Salzburg), 1999
  • Mohr im Hemd (Rauris), 2000
  • Tracht: Pflicht (Graz), 2003
  • siebe(n) Texte zu einem Tanzstück (Wotrubakirche), 2014
  • feminin/masculin (dramagraz), 2014

Filme:

  • Linie 13 A (Saarländ. RF 1981, 6')
  • 1 Häufchen Blume 1 Häufchen Schuh (Portrait Friederike Mayröcker, mit Carmen Tartarotti, (Preis der Literavision München 1991, 45'); ORF 1990
  • mobile stabile (zur Autobahn, Simultantext, Regie: O. Schmiderer und H. Friedl, Video 42'), 1992
  • Am Stein (Leben im Hochgebirgssommer, Darsteller, Mitkonzept), Regie: Othmar Schmiderer, 16 mm, 110', 1996
  • Im Anfang war der Blick, Darsteller im AnimationsFilm von Bady Minck, 35 mm, 45', Cannes 2003

Ausstellungs-/Symposiumskonzeptionen, Fotoausstellungen, HörspieleCDs

Hörprobe#

Österreichische Mediathek Hörprobe

Diagonal - Radio für Zeitgenossen - Mittendrin - Zur Person Bodo Hell
Eine Radio-Show von der Alm, ORF 3.9.1994

Vorlesen

Leseprobe#

aus Bodo Hell und Otto Saxinger - "Augenklappe"

vielen Stühlen, die aber geflissentlich übersehen werden, niedrigste Instinkte zutage, das will ich jetzt ergattern, du bist nicht besser als alle anderen, raunte er seinem Spiegelbild zu, und wenn schon, hatte Batya abgewunken, gibt es ein System, hörte er sich fragen, willst du mir eine Therapie vorschlagen, verspottete er ihn, nichts ist einerlei, hatte Michael insistiert, darum geht es nicht, beschwichtigte er sie, zwei der wichtigsten Fälle dieser sogenannten Unterlassungsdelikte (Unterlassung der Hilfeleistung, Imstichlassen eines Verletzten) sind in den §§ 94 und 95 StGB geregelt und können für jeden von uns im Alltag relevant werden, es geht in diesem Stück also um die Erotik zwischen Lieblosen: um Gespensterliebe, zumutbar bedeutet: daß jemand, der sich durch seine Hilfeleistung selbst einer Gefährdung seines Lebens aussetzt, zu ihr auch nicht verpflichtet ist, zwischen den Beteiligten rauscht der Schwall der Worte nur so, und das äußerste, wozu sich die Akteure hinreißen lassen, ist das Delikt der Maulhurerei, liegt eine solche Gefahr für Leib und Leben des Hinzugekommenen jedoch nicht vor, ist die Judikatur durchaus streng, was das zumutbare Ausmaß der Hilfeleistung angeht: so sind Tätigkeiten wie ungefährliches Absichern der Unfallstelle, leicht vollziehbares Bergen eines Verletzten aus dem Gefahrenbereich, Verständigung von Rettung oder Arzt sowie gutes Zureden jedenfalls zumutbar, könnte es nicht sein, daß wir nach einer Phase der Gewöhnung sogar davon absehen, daß ein ständig mitgeführter und ins Bild gehaltener Gegenstand dieses stört, wie die Probanden nach ein paar Tagen mit KonversBrille die Welt wieder aufwärts stehend sehen und gar auf die Martinswand zum Klettern geschickt werden

© 2000, Blattwerk, Linz.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.
Literaturhaus

Weiterführendes#

Literatur#

  • B. Steiner, B. Hell - Der Erzähler und sein Verschwinden in Zeit und Raum, 1999.

Quellen#

Redaktion: I. Schinnerl