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Hellsberg, Clemens#


* 28. 3. 1952, Linz


Musiker, Geiger
langjähriger Vorstand der Wiener Philharmoniker (a.D.)


Clemens Hellsberg
Goldenes Ehrenzeichen für Philharmonikervorstand Clemens Hellsberg, 2013
© Alex Halada / PID

Clemens Hellsberg wurde am 28. März 1952 in Linz in einer musikalischen Lehrerfamilie geboren. 1953 übersiedelte die Familie nach Wien, wo Clemens aufwuchs und die Schule besuchte.

Clemens erhielt schon mit fünf Jahren Violinunterricht von seinem Vater Eugen, einem Musikprofessor, mit sieben Jahren begann er Klavier und mit 14 Jahren Orgel zu spielen.

Nach der Matura 1970 am Schottengymnasium in Wien leistete er seinen Präsenzdienst beim Österreichischen Bundesheer, wo er eine Ausbildung im Jagdkommando absolvierte.
Ab 1971 studierte er an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien Violine bei Eduard Melkus und Alfred Staar und absolvierte daneben von 1971 bis 1975 ein Studium der Musikwissenschaft und der Alten Geschichte an der Universität Wien, wo er 1980 mit einer Dissertation über den Violinisten Ignaz Schuppanzigh zum Dr. phil. promovierte.

1976 wurde Clemens Hellsberg als Zweiter Violonist vom Orchester der Wiener Staatsoper engagiert, wo er 1978 zum Primgeiger avancierte.
1980 – nach Abschluss seines Studiums der Musikwissenschaft - wurde er in den Verein der Wiener Philharmoniker aufgenommen und zum Archivar des Historischen Archivs des Orchesters bestellt. Die Wiener Philharmoniker waren von da an sozusagen seine Heimat - er spielte die 1. Violine, war von 1990 bis 1993 und von 1996 bis 1997 Vizevorstand des Orchesters, ehe er 1997 schließlich zum Vorstand des Orchesters gewählt wurde. Diese Funktion hatte er bis 2014 inne; 2016 tritt Clemens Hellberg in die Ruhestand.

Außer im Orchester spielte bzw. spielt Clemens Hellsberg auch als Solist und in Kammer-Ensembles, etwa der Hofmusikkapelle, der er seit 1993 angehört, oder im "Trio Hellsberg" (mit seinen beiden Söhnen Dominik und Benedikt). Darüber hinaus war er als Universitäts-Rat des Salzburger "Mozarteums" tätig.

Als ehemaliger Archivar der Philharmoniker verfasste er ab 1985 zahlreiche Publikationen zu musikgeschichtlichen Themen, die zumeist in den Musikblättern der Wiener Philharmoniker und in diversen Fachzeitschriften und Schallplattenbeiheften erschienen. Zum 150. Geburtstag der Wiener Philharmoniker veröffentlichte Clemens Hellsberg 1992 mit dem Buch "Demokratie der Könige. Geschichte der Wiener Philharmoniker" eine Chronik des Orchesters, die zu einem viel verkauften Standardwerk wurde und mittlerweile in verschiedenen Übersetzungen - u.a. französisch und japanisch – erschienen ist.
(Im Buch wurden – als erste Aufarbeitung der NS-Vergangenheit - zum ersten Mal auch die dunklen Seiten der Geschichte der Philharmoniker beleuchtet. Seit 2011 wird zur Aufarbeitung dieser Zeit Informationsmaterial zu den NS-Opfern und den Exilanten der Wiener Philharmoniker zusammengetragen. 2013 wurde auf Hellsbergs Initiative hin eine unabhängige HistorikerInnengruppe von den Wienern Philharmonikern beauftragt, ihre bisherigen Forschungsergebnisse und Publikationen für die Website des Orchesters aufzubereiten – unter Verwendung der genannten neu gefundenen Unterlagen sowie von allen Archivalien des Archivs der Wiener Philharmoniker.)


2012 wurde Clemens Hellsberg als erstes Mitglied der Wiener Philharmoniker durch die Israelitische Kultusgemeinde Wien für seine Initiativen zur kritischen Aufarbeitung der Geschichte des Orchesters in der NS-Zeit und der Auseinandersetzung mit dem Thema in Veranstaltungen, Symposien und Vorträgen mit der "Marietta und Friedrich Torberg Medaille" ausgezeichnet.

Prof. Dr. Clemens Hellsberg ist verheiratet, Vater von 4 erwachsenen Kindern und lebt mit Familie in Wien.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Verleihung des Berufstitels "Professor", 2002
  • Marietta und Friedrich Torberg Medaille, 2012
  • Japanischer Orden der Aufgehenden Sonne am Halsband, goldene Strahlen (für seine Verdienste um den kulturellen Austausch und die Förderung des gegenseitigen Verständnisses zwischen Japan und Österreich), 2013
  • Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien, 2013
  • Ernennung zum "Chevalier de l’Ordre des Arts et Lettres", 2015
  • Wappenmedaille der Stadt Salzburg in Gold, 2015

Werke (Auswahl) #

  • Die Demokratie der Könige. Die Geschichte der Wiener Philharmoniker, 1996
  • Trotz des Tosens der Kanone: Frontbericht eines Virtuosen (mit O. Rathkolb), 2015
  • Wiener Philharmoniker: Die Welt zwischen den Auftritten, 2015

Weiterführendes#

Literatur#

  • F. Trümpi, B. Mayrhofer, "Orchestrierte Vertreibung. Unerwünschte Wiener Philharmoniker - Verfolgung, Ermordung und Exil, 2014

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl