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Herbert, Johann Michael, Freiherr von#

* 2. 10. 1726, Klagenfurt

† 4. 9. 1806, Klagenfurt


Unternehmer, Industrieller


Johann Michael von Herbert wurde am 2. Oktober 1726 in Klagenfurt geboren.


Im Alter von 23 Jahren heiratete er im 1749 Maria Fux, die Tochter des Wiener Großkaufmannes Paul Fux. 1750 erhielt er die Kärntner Landstandschaft und bekleidete ab 1754 in der Kärntner Zentralstelle eine Ratsstelle.


Es war die Zeit, als Kaiserin Maria Theresia ihre Untertanen aufrief, Industriebetriebe zu gründen und das Land in eine wirtschaftlich gesicherte Zukunft zu führen.

Auch Johann Michael von Herbert wollte seinen Beitrag zur Wirtschaftsbelebung leisten und wurde so selbst ein Pionier der Industrie. Gegen Ende der 1750er Jahre fasste er den Entschluss, aus heimischem Blei, dessen Absatz in jener Zeit zu wünschen übrig ließ, Malerfarben herzustellen - solche Produkte mussten bis dahin importiert werden.


Herbert informierte sich in England und Holland über die Produktionsverfahren und gründete die erste Bleiweißfabrik Österreichs; 1761 kaufte er das Klagenfurter Schloss Ehrental, 1762 ging die Fabrik in Betrieb.


Die Herstellung basierte auf dem althergebrachten holländischen Verfahren (Einsetzen von Bleiplatten in kleine glasierte "Holländer-Töpfe", Bier als Gärflüssigkeit, Erhaltung der für den Vorgang günstigen Temperatur durch "Mistlogen").


Die Produktion lief bestens, die Qualität war gut und die Nachfrage stieg stetig. 1763 kaufte der Klagenfurter Unternehmer in St. Veit an der Glan sogar eine Papiermühle, weil er blaues Packpapier zum Einschlagen der Bleiweißhütchen brauchte.


Die steigende Nachfrage ermutigte ihn 1765 zur Verlegung der Produktionsstätte und zum Bau eines zweigeschoßigen Fabriksgebäudes in größerer Stadtnähe (am Beginn der heutigen Radetzkystraße), dem er bald einen weiteren Gebäudeflügel anfügte. An die Stelle der Töpfe traten gemauerte große Kammern, in die Wasserdampf, Kohlensäure und Essigsäure eingeleitet wurden.


Die erzeugten Produkte waren in drei Sorten unterteilt: die feinste war das "Kremser Weiß", dann folgten Bleiweiß und Bleizucker.


Die Fabrik erlangte europäischen Ruf und wurde 1765 sogar von Kaiserin Maria Theresia mit den Söhnen Leopold und Josef besucht. Maria Theresia belohnte seine Verdienste zwei Jahre später durch die Ernennung zum "Freiherrn".



Sein Sohn und Erbe Franz Paul von Herbert übernahm 1781 die Fabrik, wurde aber vor allem als Kunstmäzen bekannt.
(Er unterstützte Friedrich Schiller finanziell - dies dürfte auch der Grund für die mehrfache Erwähnung Kärntens in "Wallenstein" sein.)

Quellen#



Redaktion: I. Schinnerl