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Hochstetter, Ferdinand von#

* 30. 4.1829, Esslingen am Neckar

† 18. 7. 1884, Wien


Geologe, Prähistoriker
Erforscher der Geologie Neuseelands


Ferdinand Hochstetter, © Österreichische Nationalbibliothek, Wien
Ferdinand Hochstetter
© Österreichische Nationalbibliothek, Wien

Hochstetter nahm an der "Weltumsegelung der "Novara" teil und gilt als erster Erforscher der geologischen Verhältnisse Neuseelands.

Er war Professor für Mineralogie und Geologie am Polytechnischen Institut in Wien und nahm ab 1857 an der "Novara"-Weltumsegelung teil.

Auf Ansuchen der Regierung von Neuseeland trennte er sich aber 1858 von der Expedition und durchforschte bis 1859 äußerst erfolgreich die beiden Inseln. Gemeinsam mit dem deutschen Geographen Julius Ritter von Haast, der bereits auf Neuseeland weilte, wur­den ausgedehnte Kohlelager und Goldvorkommen entdeckt; entscheidend aber waren die geologischen Grundlagenkarten, die Hochstetter konzipierte.


1876 wurde er Direktor des Naturhistorischen Museums in Wien und errichtete die anthropologisch-ethnographische Abteilung. Als Präsident der Geologischen Gesellschaft regte er die Schaffung der Prähistorischen Kommission der Österreichi­schen Akademie der Wissenschaften an (1878).


Nach ihm sind der "Hochstetter-­Dom" auf Neuseeland und der "Hochstetter-Fjord" auf Grönland benannt.


In Neuseeland konnte Hochstetter den Vulkanismus eingehend studieren:


Aus dem Buch "Neu-Seeland" eine Leseprobe#

Solfatare des Vulkans Rotomahana
Solfatare des Vulkans Rotomahana auf der Nordinsel
© Archiv Senft

...Gasquellen, Schlammvulkane und heiße Quellen bilden eine Gruppe zum Teil mit dem Vulkanismus eng verbundener oder doch nahe verwandter Erscheinungen, welche, wo sie an vulkanische Gegenden gebunden sind, als Nachwirkungen intensiverer vulkanischer Tätigkeit zu betrachten sind. Fumarolen sind Gasquellen, bei welchen Wasserdampf das vorwaltende Material der Exhalationen bildet. Der Wasserdampf ist dann freilich häufig das Vehikel für andere flüchtige Stoffe, für Chlorverbindungen schwefelige Säure, Salzsäure, bisweilen auch für Borsäuren, wie im tätigen Krater der Insel Volkano. Reich an heißen Wasserdampfquellen ist besonders Oberitalien und die Nordinsel von Neu-Seeland. Im Otumaheka-Tale in der Nähe des Taupo-Sees auf der Nordinsel von Neu-Seeland liegt zwischen kochenden Schlammtümpeln die von den Eingeborenen Karapiti d. h. umschlossen kreisförmig genannte Dampfquelle welche aus einem kraterähnlichen, trichterförmigen Loch unter lautem Zischen und Brausen einen heißen Wasserdampfstrahl von solcher Gewalt entsendet, daß leichte Gegenstände, Zweige, Farnbüschel und dgl., die man in den Trichter wirft, 20 bis 30 Fuß hoch in die Luft geschleudert werden. Solfataren nennt man Dampfquellen, die ein Gemisch von Wasser- und Schwefeldämpfen (oder auch von Schwefelwasserstoff und schwefeliger Säure) zu Tage fördern und an deren Ausströmungsstellen sich Schwefel absetzt. Der Name wurde zuerst auf den alten Krater bei Puzzuoli unweit Neapel angewendet an dessen tiefstem Punkte in der Bocca grande mit großer Gewalt heiße Dämpfe mit einer Temperatur von 50-72°C. ausströmen. Deville wies in diesen Dämpfen Wasserdampf, Sauerstoff, Stickstoff, Kohlensäure, Schwefelwasserstoff und schwefelige Säure nach. Die Seitenwände der Bocca sind mit vielfarbigen Sublimationsprodukten bedeckt: Schwefel, Realgar, Borsäure, Salmiak. Die vulkanischen Gebiete von Island, von Java und Neu-Seeland sind reich an Solfataren, da diese Erscheinung hauptsächlich in den Kratern erloschener oder tätiger Vulkane im Zustande der Ruhe stattfindet. Mofetten nennt man Kohlensäuregas-Quellen, wie sie hauptsächlich in vulkanischen Gegenden auftreten. Das Wort ist ursprünglich eine Lokalbezeichnung für die nach den Eruptionen des Vesuvs in der Gegend von Neapel vorübergehend eintretenden Aushauchungen von Kohlensäure. Vermöge seiner größeren spezifischen Schwere hält sich das tödliche Gas in den Vertiefungen des Bodens, in Grotten, Tälern u.s.w. unvermischt mit der Luft. Tiere, welche zufällig in die Gasschichte geraten, werden dadurch betäubt und sterben. Am bekanntesten ist die Mofette der "Hundsgrotte" am Lago di Agnano in den phlegräischen Feldern bei Neapel, wo dem Besucher die tödliche Wirkung der Kohlensäure an dem Hund des Wächters der Grotte vor Augen geführt wird.

Mount Cook und der Hochstetter-Eisfall
Mount Cook und der Hochstetter-Eisfall
© Foto Senft

Werke (Auswahl)#

  • Neu-Seeland, 1863
  • Reise der österreichischen Fregatte Novara um die Erde, Geologischer Teil, 3 Bände, 1864-66

Literatur#

  • Hochstetter, Die ausgestorbenen Riesenvögel von Neu-Seeland, Wien 1862
  • Neu-Seeland, Stuttgart 1863
  • Paläontologie von Neu-Seeland, Wien 1863
  • Geologie von Neu-Seeland, Wien 1864
  • Allgemeine Erdkunde, Prag 1875
  • Österreichisches Biographisches Lexikon
  • Neue Deutsche Biographie.

Weiterführendes#

Quellen#

  • AEIOU
  • H.&W. Senft, Aufbruch ins Unbekannte, Stocker Verlag, Graz, 1999


Redaktion: Hilde und Willi Senft