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Hoke, Giselbert#


* 12. 9. 1927, Warnsdorf (Varnsdorf Varnsdorf , Tschechische Republik)

† 18. 4. 2015, Klagenfurt


Künstler, Maler


Giselbert Hoke wurde als zweites von sechs Kindern am 12. September 1927 im nordböhmischen Warnsdorf geboren. Nach der Aussiedlung 1945 übersiedelten die Eltern nach St. Marxen bei Kühnsdorf in Kärnten auf den Bürgerhof und ab 1946 in das Schloss Wolfsberg im Lavanttal.

Der junge Mann begann sich früh für das Schmiedehandwerk zu interessieren, wurde aber am Ende des zweiten Weltkrieges so schwer verwundet, dass er als erst 17-Jähriger den rechten Arm verlor.

Das neue Leben Hokes begann nach Lazarett und Kriegsgefangenschaft 1946 mit der Ablegung der Matura und dem Eintritt in die Akademie, der bildenden Künste in Wien, wo er u. a. bei Robin C. Andersen und Herbert Boeckl|AEIOU/Boeckl,_Herbert] studierte und im Kreise eines Lehmden, Avramidis, Hrdlička oder Hundertwasser seinen eigenen künstlerischen Weg begann. Seine ganze Natur mit ihrer inneren leidenschaftlichen Kraft, die ihn einst in die Schmiede, an das Material Eisen, gebracht hatte, verwirklichte er nun in großen Bildformaten.

1947 arbeitete er mit seinen Studienkollegen Kurt Absolon und Alfred Karger in einem Atelier in Wien zusammen. 1949 verzeichnete der junge Künstler seinen ersten großen Erfolg: Er gewann den Wettbewerb für die Gestaltung der Fresken am Klagenfurter Hauptbahnhof (2 Wände à 22 x 7 m). 1956 löste die Enthüllung der vom kubistischen Werk Picassos geprägten Fresken ("Wand der Kläger" und der "Wand der Angeklagten") den ersten Kunstskandal in der Zweiten Republik aus - und Hoke wurde schlagartig im ganzen Land bekannt, aber massiv von aufgebrachten Bürgern angefeindet.

Damals wurde sogar die und die Zerstörung der Kunstwerke verlangt, heute gelten die inzwischen denkmalgeschützten Fresken jedoch als "bedeutendes Beispiel der österreichischen Monumentalmalerei nach 1945".

Giselbert Hoke zog sich in der Folge nach Wien zurück, arbeitete 1953/1954 er mit einem Stipendium des französischen Staates in Paris. Erst 1962 kam er nach Kärnten zurück und erwarb das Schloss Saager, das er in den Jahren 1969 bis 1973 restaurierte und danach um ein "Werkhaus" – mit Werkstätten für Email- und Glasarbeiten, Lithografie und Malerei - ergänzte. (Bereits als junger Maler hatte der Künstler das Schloss nach dem Zweiten Weltkrieg bewohnt - auch wenn es damals weniger ein Schloss als eine zerfallene Unterkunft gewesen war). Doch der Skandal brachte auch zahlreiche weitere Aufträge: für Glaswände an der Wiener Universität, Fresken im Stift Rein oder einen "Sonnenturm" am Autobahnrastplatz Twimberg.

Ab 1958 arbeitete der Künstler immer öfter in Glas – es entstanden Glaswände u.a. für St. Florian in Wien, für die Verabschiedungshalle in Klagenfurt oder die Universität Wien.

Ab 1973 war Giselbert Hoke Mitglied der Sezession Graz. 1974 wurde er als Universitätsprofessor an die Technische Universität Graz, Fakultät für Architektur, berufen und mit der Gründung des Institutes für künstlerische Gestaltung beauftragt, das er bis zu seiner Emeritierung 1995 leitete. Darüber hinaus war er von 1979 bis 1983 Lehrer an der internationale Sommerakademie in Salzburg und unterrichtete ab 1999 an der internationalen Sommerakademie "Hortus Niger" in Schloss Halbenrain.

Im Mittelpunkt von Hokes vielschichtigem Werk, das Lithografien ebenso umfasst wie Tapisseriemalerei oder Architektur, standen vor allem Frauenakte und Landschaften. Ab 1980 widmete er sich hauptsächlich den Themen Toskana, inneres Spanien und seinem Werkhaus Saager. Die Frau als Zentrum seiner künstlerischen Arbeit wurde zunehmend von Landschaften abgelöst, die er teilweise in Spanien, Peru oder in seinem toskanischen Sommerdomizil schuf. In seinem letzten Lebensjahrzehnt reduzierten sich seine Bilder auf das Wesentlichste, wurden zu reiner Malerei - in seinem letzten Werkzyklus „Nada“ hatte er sich ganz dem Nichts, der großen Leere, verschrieben. Mit seinen momumentalen Wandmalereien hat Giselbert Hoke die österreichische Malerei der Nachkriegszeit maßgeblich geprägt, was auch zahlreiche Monografien, die über den Künstler erschienen sind, belegen.

Giselbert Hoke war zwei Mal verheiratet und hatte 5 Kinder. Am 18. April 2015 starb er im 88. Lebensjahr in Klagenfurt.

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Werke (Auswahl)#

Fresken
  • Wiener Staatsoper (195 Fresken)
  • Bahnhof Klagenfurt
  • Christkönigskirche Gloggnitz (Turmkapelle)
  • Pädagogische Akademie der Diözese Linz
  • Benedikt-Kapelle im Stift Rein bei Graz
  • Aufbahrungshalle Trofaiach, Steiermark
  • Bauernhof Krennmayr, Sipbachzell, Oberösterreich

Glasarbeiten

  • Neue Matzleinsdorfer Kirche in Wien 5
  • Pfarrkirche St. Bartholomäus, Köln-Bickendorf
  • Krematorium Wien-Simmering
  • 12-Apostel-Kirche Augsburg
  • Liebfrauenkirche Frankfurt-Oberursel

Emailarbeiten

  • UNO-City Wien
  • AKH Allgemeines Krankenhaus Wien
  • Bahnhof Leoben, Steiermark
  • „Lindwurmhaus“, Neuer Platz Klagenfurt
  • Forstseekraftwerk Kelag, Kärnten
  • "muro vecchio", Vorplatz Schloss Porcia, Spital an der Drau
  • Werkhaus Saager
  • Festung Montalcino (Italien)

Tapisserien, Gouachen, Frauenstudien, Landschaftszyklen

  • Kärntner Sonnenturm (A2 Südautobahn Rastplatz Twimberg mit Architekt Eugen Hein), 1986

Literatur#

W. Schmied, G. Hoke, 1983
G. Hoke. Ein Österreicher in Europa, 1994

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl