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Holzmeister, Clemens #


* 27. 3. 1886, Fulpmes (Tirol)

† 12. 6. 1983, Hallein (Salzburg)


Architekt

Clemens Holzmeister
Clemens Holzmeister. Foto, um 1950.
© Bildarchiv der ÖNB, Wien, für AEIOU
Holzmeisters Vater war der Sohn einer Tiroler Emigrantenfamilie in Brasilien. Durch den Aufschwung der Eisenindustrie verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation der Hammerschmieden in Europa zu Anfang des 19. Jahrhunderts stark. Der Großvater Holzmeisters sah sich wie mehrere hundert anderer Stubaitaler gezwungen, nach Brasilien in die Provinz Santa Leopoldina auszuwandern. Als der Großvater auf der Überfahrt an Cholera starb, musste sich die Großmutter alleine mit sieben Kindern in der Fremde durchschlagen. Alle profitierten von Zusammenhalt der Tiroler in der Kolonie und kamen durch Kaffeeanbau zu Wohlstand.

Nach mehreren schweren Schicksalsschlägen (alle sieben Kinder aus seiner ersten Ehe starben an Malaria) sah sich Holzmeister sen. genötigt, um 1876 wieder nach Tirol zurückzukehren. Nach der Geburt vier weiterer Kinder starb seine erste Frau. Aus der Ehe des Witwers mit seiner zweiten Frau, Maria Kirchstetter, entstammte Clemens Holzmeister.

Nach dem Tod des Vaters 1897 entschied Holzmeisters Mutter ihn entgegen der ursprünglichen Pläne und aufgrund seiner überdurchschnittlichen Begabung einen handwerklichen Beruf erlernen zu lassen.

1906 nach dem Besuch der Realschule in Innsbruck (Tirol), besuchte Holzmeister – besonders auf Zuraten eines befreundeten Architekturstudenten – die Technische Universität in Wien. Die anfänglich eher mäßigen Noten ließen Holzmeister oft zweifeln, ob er den richtigen Berufswunsch gewählt hatte.

Während Studienreisen nach Florenz und Rom kehrte er mit leeren Skizzenbüchern zurück, bis ihn ein Freund schließlich ermunterte zu zeichnen. Holzmeisters Skizzen waren sofort hoch begehrt. Durch den Verein 'Deutsche Heimat' erhielt er ein nur kleines Gehalt, jedoch große Verbreitung seiner Entwürfe. Durch das Interesse Erzherzog Franz Ferdinands, der damals in der Nähe wohnte wurden die Volksschule und das Kinderheim in Marbach (NÖ) nach Holzmeisters Plänen erbaut.

Sein Lehrer M. Ferstel ließ aufgrund des graphisch sehr gelungenen Entwurfes für ein Alpenhotel bei der zweiten Staatsprüfung (=Anschlussprüfung an der TU) Gnade vor Recht ergehen und ließ Holzmeister doch bestehen. Ab 1913 war Holzmeister Assistent in Ferstels Lehrkanzlei, wo der schüchterne Mann erstmals Kontakt zu anderen Baumeistern und Architekten fand.

Einige Jahre lang arbeitete Holzmeister auch als Assistent an der TU Wien bei Ferstel, Simony und Artmann.

Während der Ehe mit Judith Bridarolli-Guggenberger (Hochzeit 1913) wurden ihm 1914 sein Sohn Guido und 1920 Tochter Judith (österr. Theater- und Filmschauspielerin) geboren.

Sonderbriefmarke, 100. Geburtstag von Clemens Holzmeister
Sonderbriefmarke, 100. Geburtstag von Clemens Holzmeister

Nach dem Abschluss des Studiums und wegen fehlender Auftragslage, zog Holzmeister mit seiner Familie bald nach Innsbruck und wurde Lehrer an der dortigen Staatsgewerbeschule. Der Installationsbetrieb des Schwiegervaters Dominikus Bridarolli, den Holzmeister damals zeitweilig führte, befindet sich noch heute in Familienhand und wird von den Urenkeln Norbert und Thomas Engele geleitet.

Holzmeister begann an seiner Doktorarbeit über das Zisterzienserstift Stams (Tirol) zu arbeiten und promovierte 1919. Er gewann seine erste Architekturpreise (Entwürfe wurden nicht ausgeführt); es folgten seine ersten eigenen Bauten in Tirol und Vorarlberg. Obwohl er 1923 nur den dritten Platz bei einem Wettbewerb gewann, wurde das Krematorium in Wien – die so genannte "Feuerhalle Simmering" (siehe Foto unten) am Wiener Zentralfriedhof – schließlich doch nach Holzmeisters Plänen erbaut.

Dies war sein erster großer Durchbruch als Architekt. Holzmeister übersiedelte wieder nach Wien, da er als Professor, Leiter der Meisterschule und ins Rektorat der Wiener Akademie der bildenden Künste berufen worden war (1924-38). Zwischendurch von 1928-33 unterrichtete er auch an der Düsseldorfer Akademie als Meisterschulenleiter.

Holzmeister beschreibt das Wiener Lehrerkollegium als äußerst hochkarätig (u.a. R. Bacher, F. Schmutzer, J. Müllner und P. Behrens), bemängelt aber die zu der Zeit zu starke Zurückhaltung bei der Berufung junger Talente (z.B. von A. Egger-Lienz) (Holzmeister, 1976). Holzmeisters eigene Auswahlkriterien für seine Schüler waren ebenfalls sehr streng, wer ihnen genügte wurde jedoch von ihm noch über Jahre gefördert und meist zeitweise zu Assistenten in seinem Atelier gemacht.

Der erste Umbau des Festspielhauses Salzburg begann 1926 und sollte Holzmeister nach Jahrzehnte immer wieder beschäftigen. Durch seine Freundschaft zu Luis Trenker, einem Architekten, der schon damals erste Filmerfolge zu feiern begann, ergaben sich einige interessante Aufträge in Südtirol.

Im neu gegründeten österreichischen Ständestaat wurde Holzmeister kurzfristig politisch aktiv: er wird zuerst Stadtrat in der Gemeinde Wien und dann in den Staatsrat berufen. Diese Zeit fasst er als „erfüllt von Neid und Hass“ zusammen, alle Bemühungen etwas Positives zu schaffen vergebens (Holzmeister, 1976).

Auch international bekannt geworden erfolgte 1927 durch die Vermittlung von Mehmet Hamdi Bey, dem ersten Gesandten der türkischen Republik in Österreich, seine Berufung nach Ankara (Türkei), mit dem Auftrag für den Bau des türkischen Kriegsministeriums. Holzmeister beschreibt sich zu der Zeit als „ewig Reisender“ (Holzmeister, 1976), seinen Lebensmittelpunkt versuchte er stets in Wien zu halten, dennoch musste er die Projekte in Deutschland, Südtirol und der Türkei regelmäßig inspizieren.

Von 1932-38 war Holzmeister Präsident der Zentralvereinigung der Architekten und des neuen österreichischen Werkbundes, bis er durch die politischen Entwicklungen in Österreich (Anschluss an Nazi-Deutschland) 1938 aus der Wiener Akademie entlassen wurde.

Holzmeister ergriff das Angebot große Teile des Regierungsviertels in Ankara zu erbauen und emigrierte 1938-54 nach Istanbul (Türkei)(siehe Foto unten), wo er ab 1940 an der Technischen Hochschule lehrte. Er beschreibt diesen türkischen Auftrag als „in mehrfacher Hinsicht war Atatürks großer Auftrag für mich entscheidend“ (Holzmeister, 1976). Bis heute genießt Holzmeister in der Türkei sehr großes Ansehen.

Nach der Scheidung von seiner ersten Frau heiratete er 1939 Gunda Lexer; ihre gemeinsame Tochter Barbara wurde im selben Jahr in einem Sanatorium in Athen geboren.

1939 folgte eine kurze Schaffensperiode in Brasilien: nach Einladung des Präfekten von Rio de Janeiro mehrere Entwürfe zu bearbeiten, fanden diese zwar großen Anklang, aber Holzmeister wurde nach einem halben Jahr Verhandlungen mürbe und kehrte schließlich nach Tirol und wenig später nach Istanbul zurück. Erst 1951 konnte Holzmeister wieder nach Brasilien zurückkehren und doch noch zwei Kathedralen (in Brasilia und Rio) erbauen.

Es folgte abermals eine Anstellung als Dozent an der TU in Istanbul (1940-49), doch Holzmeister übersiedelte zwischenzeitlich nach Ankara und pendelte hernach zwischen Istanbul, Ankara und Wien, bis er 1954 schließlich endgültig nach Wien zog.

Sonderbriefmarke 75 Jahre Salzburger Festspiele.
Sonderbriefmarke 75 Jahre Salzburger Festspiele.

Von 1954-57 wurde Holzmeister zunächst zum zweiten Mal zum Professor an der Wiener Akademie der bildenden Künste und bald zu deren Rektor ernannt (1955-57).

Holzmeister blieb bis ins hohe Alter hinein äußerst aktiv. Auf Einladung des österreichischen Außenamtes machte Holzmeister anlässlich seines 85. Geburtstages eine Studienreise in die Türkei (1972). Noch 93-jährig hielt Holzmeister Vorlesungen an der TU Wien. Wiederholt betonte Holzmeister vehement, dass er ein strikter Gegner des U-Bahn-Baues in Wien sei.

Clemens Holzmeister ist auf dem Petersfriedhof in Salzburg begraben.

Stil#

„Bis heute habe ich es mir nicht abgewöhnt, das von mir zu entwerfende Bauwerk dem Stadt- und Landschaftsbild in Ausmaß und Grundhaltung anzupassen“ (Holzmeister, 1976). Holzmeister wurde teilweise wegen seines monumentalen Stils kritisiert und sagte ihm sogar „politische Wendigkeit und seine mangelnde Berührungsangst gegenüber autoritären Führern“ nach (Rigeles & Loewits, 2000).

Werke (Auswahl)#

Holzmeister schuf insgesamt 650 Projekte, von denen ein Großteil auch verwirklicht wurde.

Sakrale Bauten

Pfarrkirche Mariahilf in Bregenz-Vorkloster., Foto: F. Böhringer. Aus: Wikicommons
Pfarrkirche Mariahilf in Bregenz-Vorkloster.
Foto: F. Böhringer. Aus: Wikicommons, unter CC BY-SA 3.0

  • Pfarrkirche und Pfarrhaus in Batschuns (Vorarlberg; 1921-23)
  • Kriegergedächtniskirche (heute: Pfarrkirche) Mariahilf in Bregenz-Vorkloster (Vorarlberg; 1924-31)
  • Pfarrkirche St. Judas Thaddäus in der Krim (Wien XIX/ Döbling; 1924-32)
  • Kirche St. Martin in Nürnberg (Deutschland; 1926-27)
  • Zisterzienserkirche in Altenberg (Orgeleinbau 1928/30)
  • Pfarrkirche in Merchingen (1928-29)
  • Pfarrkirche St. Peter in Mönchengladbach-Waldhausen (Deutschland; 1928-33)
  • Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt in Maria Grün bei Hamburg-Blankenese (Deutschland; 1929/30)
  • Franziskanerkloster in Hermeskeil am Hunsrück (Deutschland; 1929-31; kriegsgeschädigt, aber nach alten Plänen wiederaufgebaut)
  • Umbau der romanischen Kirche St. Georg in Köln (Deutschland; 1929-30)
  • St. Hedwig-Kirche in Berlin (Deutschland; 1930-32; 1957-58, Wiederaufbau)
  • St. Adalbert-Kirche in Berlin(-Mitte) (Deutschland; 1930-33)
  • Christkönigskirche in Meran-Untermais (Italien; 1930-36; Neubau und Erweiterung; 1954-55, Fortsetzung)
  • Kirchenerweiterung St. Maria-Magdalena in Brotdorf (Deutschland; 1931)
  • Erweiterung der Pfarrkirche in St. Anton am Arlberg (Tirol; 1931-33)
  • Kardinal-Piffl-Kirche in Gloggnitz (1932-34)
Vorhalle der St. Georg-Kirche in Köln., Foto: H.P. Schaefer. Aus: Wikicommons
Vorhalle der St. Georg-Kirche in Köln.
Foto: H.P. Schaefer. Aus: Wikicommons, unter CC BY-SA 3.0
  • Christkönigskirche in Kleve am Niederrhein (Deutschland; 1932-34; 1944 kriegszerstört)
  • Klemens-Hofbauer-Kirche in Taßwitz (1932-33)
  • Dr. Seipel- Dr. Dollfuß- Gedächtniskirche (Kanzlerkirche) in Wien Vogelweidplatz (1932-34)
  • Pfarrkirche St. Erhard in Mauer bei Wien (1934-36; Erweiterung)
  • Johanneskapelle im Schottenstift (Wien; 1936-37)
  • Kathedrale Belo Horizonte (Brasilien; 1939)
  • Pfarrkirche in Tijuka (Brasilien; 1940)
  • Kathedrale in Rio de Janeiro (Brasilien; 1951-54)
  • Kirche St. Ludwig in Darmstadt (Deutschland; 1952-60)
  • Pfarrkirche Hl. Grab in Fulpmes (1952)
  • Pfarrkirche Copacabana in Rio de Janeiro (Brasilien; 1953-56; nicht ausgeführt)
  • Pfarrkirche in Erpfendorf (Tirol; 1954-57)
  • Christkönigskirche in Gloggnitz (1956-62)
  • Stiftskirche in Seckau (1956-64; Chorerneuerung)
  • Pfarrkirche in Telfes (Tirol; 1956-57; Altarraumgestaltung)
  • Schutzengel-Kapelle in der Schlick im Gemeindegebiet von Telfes (Tirol; 1956-59)
  • St. Bernhard-Kapelle am Hahnenkamm in Kitzbühel (1958)
  • Pfarrkirche in Obergurgl (1958-67; Erweiterung)
  • St. Ulrichs-Kirche am Walchensee (1958-67)
Christkönigskirche in Wien 15., Foto: W. Glock. Aus: Wikicommons
Christkönigskirche in Wien 15.
Foto: W. Glock. Aus: Wikicommons, unter CC BY-SA 3.0
  • Allerheiligenhöfe der Pfarrkirche St. Georg in Hötting bei Innsbruck (Tirol; 1960-65; 1964 vollendet)
  • Evangelische Kirche in Kitzbühel (1960-62)
  • Pfarrkirche und Kindergarten „Zu den heiligen 12 Aposteln“ in Augsburg-Hochzoll (Augsburg-Süd) (Deutschland; 1961-67)
  • Unterkirche in Breitenfurt (1962-70)
  • Pfarrkirche Galtür (1962-68, Erweiterung)
  • Kirche St. Johann in Volders (1962-65, Erweiterung)
  • St. Pontianus-Kapelle in Bairbach bei Telfs (1964-66)
  • Pfarrkirche, Haus und Jugendheim zur Hl. Familen (Wien; 1964-66)
  • Pfarrkirche und –haus in Zwölfaxing bei Wien (1965-68)
  • Pfarrkirche und Friedhofskapelle in Navis (1966-67 bzw. 1967)
  • Pfarrkirche in Pertisau (1966-67)
  • Pfarrkirche in Mayrhofen (1968-69, Erweiterung)
  • Pfarrkirche in Pians (1968-73, Erweiterung)
  • Pfarrkirche in Mösern (1968)
  • Pfarrkirche Niederau (1969-70, Erweiterung)
  • Pfarrzentrum Leopoldau (1970-72)
  • Pfarrkirche hallein (1974, Erweiterung)
  • Pfarrkirche St. Stephan in Gmünd (NÖ; 1981-82 Erweiterung)


Weltliche Bauten

Durch die Errichtung einiger Gebäude im Regierungsviertel in Ankara errang Holzmeister großes internationales Ansehen. Seine wichtigsten österreichischen Werke waren zweifelsohne das alte und neue Festspielhaus in Salzburg und das Funkhaus in der Argentinierstrasse in Wien.

Hotel Adler in St. Ulrich in Gröden (Südtirol)., Foto: Moroder. Aus: Wikicommons
Hotel Adler in St. Ulrich in Gröden (Südtirol).
Foto: Moroder. Aus: Wikicommons, unter CC BY-SA 3.0

  • Volksschule in Marbach an der Donau (1913/14) (Erstlingswerk!)
  • Hotel/ Gasthof ‚Steinböck’ in Steinach am Brenner (1923-25; wurde 1986 abgerissen)
  • Hotel ‚Aquila’ (Adler) in St. Ulrich in Gröden (Südtirol; 1925, Neubau und Umbau)
  • Volks- und Hauptschule in Jenbach (Tirol; 1927-28)
  • Bürgerschule (heute: Hauptschule und Mesmerhaus) Landeck (1927-29)
  • Sanatorium Mehrerau in Bregenz (Vorarlberg; 1922-23)
  • Volkswohnhaus Rottstrasse (Wien; 1924-26)
  • Trink- und Wandelhalle in Bad Hall (1926-27)
  • Kreuzschwesternschule in Linz (OÖ; 1926-28) (Volksschule, Internat, Schulkapelle und Festsaal)
  • Umbauten des ‚Kleinen’ Festspielhauses in Salzburg (1. Umbau 1926; Phase ‚Faust I’ 1933; 2. Umbau 1936-38; Umbau 1960) und Bau des Großen (‚Neuen’) Festspielhaus in Salzburg (1956-60)
  • Landesverteidigungsministerium (Kriegsministerium) in Ankara (Türkei; 1927-30)
  • Kurmittelhaus in Bad Ischl (1927-31)
  • Hotel ‘Post’ in St. Anton am Arlberg (1923 Entwurf; 1927-28 Bau)
  • Landhaus Eichmann am Attersee (OÖ; 1927/28; zusammen mit M. Fellerer)
  • Kurmittelhaus in Bad Ischl (OÖ; 1927-31; zusammen mit M. Fellerer)
Sanatorium Mehrerau in Bregenz., Foto: F. Böhringer. Aus: Wikicommons
Sanatorium Mehrerau in Bregenz.
Foto: F. Böhringer. Aus: Wikicommons, unter CC BY-SA 3.0
  • Generalstabsgebäude in Ankara (Türkei) (1928-30)
  • Bräuhotel am Lofer (1928-30; Saalzubau)
  • Arbeitsministerium in Ankara (Türkei; 1929-34)
  • Kriegsschule und Offizierskasino in Ankara (Türkei; 1930-35)
  • Parlament in Ankara (ab 1930 wiederholt Studien, blieben unausgeführt)
  • Berghaus C. Holzmeister am Hahnenkamm in Kitzbühel (1930)
  • zwei Keinhäuser in de Werkbundsiedlung (Wien Lainz) (1930-32)
  • Neulandschule in Wien XIX (1930-31; 1959-64, Erweiterung)
  • Merkez-Bank in Ankara (Türkei; 1931-33)
  • Palais Atatürk in Ankara (Türkei; 1931-32)
  • Palastanlage für König Faisal in Bagdad (1931; nicht ausgeführt)
  • Innenministerium in Ankara (Türkei; 1932-34)
  • Fauststadt in Salzburg (1932-33; kriegszerstört)
  • Kardinal-Piffl-Studentenheim in Wien VIII, Pfeilgasse (1932-33)
  • Emlak-Bank in Ankara (Türkei; 1933-34)
  • Oberster Gerichtshof in Ankara (Türkei; 1933-34)
  • Gebäude der Österreichischen Gesandtschaft in Ankara (Türkei; 1933-34)
Modell der Fauststadt in der Felsenreitschule
Modell der Fauststadt in der Felsenreitschule, Salzburger Festspiele (1933).
© Bildarchiv der ÖNB, Wien, für AEIOU
  • Wirtschafts- und Landwirtschaftsministerium in Ankara (Türkei; 1933-35)
  • Regierungsviertel in Ankara (1933-35 Studienprojekte mit H. Jansen, blieben unausgeführt)
  • Reichsbrücke in Wien (1933)
  • Platz der Vilayets in Ankara (Türkei; 1933-35, teilweise ausgeführt)
  • Einbau einer Freilichtbühne in der Arena in Pola (1933)
  • Haus Eisner in Kitzbühel (1934)
  • Felsenreitschule in Salzburg (1934; Überdachung)
  • Haus Dr. Atzwanger in Arzl bei Innsbruck (Tirol; 1935-36)
  • Funkhaus Argentinierstraße (RAVAG-Gebäude) in Wien (1935-39)
  • Assanierungsbau Rechte Wienzeile 7 (Wien; 1935-37)
  • Parlamentsgebäude (Ministerratspräsidium und Nebengebäude) in Ankara (Türkei; 1938-63)
  • Idealtheater und Freilichttheater in Istanbul (Türkei; 1941; beide nicht ausgeführt)
  • Mausoleum Atatürk in Ankara (Türkei; 3 Entwürfe 1942; keiner ausgeführt)
  • Haus Eckert- Emigran am Bosporus (Türkei; 1943)
  • Projektentwürfe für den Wiener Karlsplatz (1946, 1953, 1966, 1968 und 1971; keiner ausgeführt)
  • Röhrenwerke für das Solbad hall (1947-50)
Türkisches Parlament (Luftaufnahme)., Foto: Ankaralı Turgut. Aus: Wikicommons
Türkisches Parlament (Luftaufnahme).
Foto: Ankaralı Turgut. Aus: Wikicommons, unter CC BY-SA 3.0
  • Entwurf für die Staatsoper Wien (1947; unausgeführtes Projekt für Wettbewerb)
  • Entwurf für das Burgtheater Wien (1948; unausgeführtes Projekt für Wettbewerb)
  • Haus C. Holzmeister in Salzburg (1952-62)
  • Entwürfe für die Dogana in Innsbruck (1952-69; unausgeführte Projekte für Wettbewerbe)
  • Bau der Kammerspiele und Landestheater in Linz (1953-56 bzw. 1953-58)
  • Felsenreitschule in der Don-Giovanni-Stadt in Salzburg (1953-56; 1966, Überdachung)
  • Werkgenossenschaft in Fulpmes (1954)
  • Entwurf für die Madrider Oper (Spanien; 1962; unausgeführtes Projekt für Wettbewerb)
  • Salesianer Schülerheim in Fulpmes (1963)
  • Haus Guido Holzmeister in Sao Paulo (Brasilien; 1963 Grundskizze)
  • Volks- und Hauptschule in Grafenstein (1966-71)
  • Finanzamt in Braunau (1970)
  • Aufbahrungshalle in St. Kanzian (Kärnten; 1970-72)
  • Hotel Belvedere in Campos (Brasilien; 1972; nicht ausgeführt)
  • Krematorium des Zentralfriedhofes (‚Feuerhalle’) in Simmering (Wien; 1921-24; 1958-69, Erweiterung)
  • Kriegerdenkmal an der Pfarrkirche in Feldkirch (1928-29)
Krematorium Zentralfriedhof (Wien-Simmering)., Foto: Invisigoth67. Aus: Wikicommons unter CC
Krematorium Zentralfriedhof (Wien-Simmering).
Foto: Invisigoth67. Aus: Wikicommons unter CC, unter CC BY-SA 3.0
  • Schlageter-National-Denkmal in Düsseldorf-Golzheimer Heide (Deutschland; 1929-31)
  • Emniyet-Denkmal (Denkmal der Sicherheit) in Ankara (Türkei; 1931-36; in Zusammenarbeit mit dem österr. Bildhauer A. Hanak)
  • Bühnenbilder für Florian Geyer am Burgtheater, André Chenier und Othello an der Staatsoper und das Passionsspiel des Zirkus Renz (alle in Wien; alle 1933)
  • Dollfußdenkmal in Fulpmes (1934)
  • Bühnenbild für Passion am Burgtheater (Wien; 1934)
  • Mahnmal am Fuscher Törl der Großglockner-Straße (1935)
  • Bühnenbild für Fidelio an der Staatsoper (Wien; 1935)
  • Kaiser-Franz-Josef-Denkmal am Michaelerplatz (Wien; 1936; Wettbewerb; gemeinsam mit Bildhauer H. Andre ausgeführt)
  • Kaiser-Franz-Josef-Denkmal am Heldenplatz (Wien; 1936; Wettbewerb)
  • Beteiligung an der internationalen Ausstellung in Paris (1937)
  • Bühnenbild für Euryanthe in Salzburg (1937)
  • Bühnenbild für Heilige Elisabeth am Burgtheater (Wien; 1937)
  • Bühnenbild für Faust I in Ankara (1940)
  • Bühnenbild für Don Giovanni am Festspielhaus und Verschwender am Landestheater in Salzburg (beide 1950)
  • Gedenkbrunnen am Gräberfeld in Hallstatt (OÖ; 1955-56)
  • Bühnenbild für Fidelio an der Staatsoper (Wien; 1955)
  • Denkmal der Militärakademie in Wiener Neustadt (1959)
  • Bühnenbild für Esther am Burgtheater (Wien; 1963)
  • Innenarchitektur der Verbindungsräume der Studentenverbindung ‚Norica (Wien; 1963-66)
  • Friedhofsanlage in Grafenstein (1964-66)
  • Fassade der Universitätsbibliothek in Innsbruck (1964-65)
  • Bühnenbild für Ein Bruderzwist in Habsburg im Burgtheater (Wien; 1964)
  • Bühnenbild für Sappho im Burgtheater (Wien; 1965)
  • Julius-Raab-Denkmal am Burgring (Wien; 1965-67)
  • Leopold-Figl-Denkmal am Tulbinger Kogel (1966-67)
  • Kriegerdenkmal in Lienz (1924; gemeinsam mit dem österr. Maler A. Egger-Lienz)


Publikationen

  • Neue Werkkunst (1927), F. Ernst Hübsch-Verlag, Berlin, Leipzig & Wien
  • Clemens Holzmeister. Bauten, Entwürfe und Handzeichnungen (1937), Verlag A. Pustet, Salzburg-Leipzig, 456 S.
  • Kirchenbau ewig neu (1951), Verlag Tyrolia, Innsbruck, 103 S.
  • Bilder aus Anatolien. Höhlen und Hane in Kappadokien (1955), C. und Gunda Holzmeister mit R. Fahrner, Verlag der Österreichischen Staatsdruckerei, Wien, 134 S.
  • Architekt in der Zeitenwende – Selbstbiographie & Werkverzeichnis (1976), Verlag Das Bergland-Buch, Salzburg, 295 S.
Sonderbriefmarke 50 Jahre Salzburger Festspiele.
Sonderbriefmarke 50 Jahre Salzburger Festspiele.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Ehrendoktorat der Technischen Universität Graz, 1952
  • Großer Österreichischer Staatspreis, 1953
  • Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, 1957
  • Ehrenring des Landes Salzburg, 1960
  • Ehrenring der Stadt Wien und Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste in Wien (nach Holzmeisters Pensionierung), 1961
  • Ehrendoktor der Technischen Hochschule in Istanbul (Türkei), 1963
  • Ehrendoktor der Technischen Universität Wien, 1965
  • Wappenmedaille der Stadt Salzburg, 1966
  • Ehrenbürger der Stadt Salzburg, 1976


Text aus dem Buch "Große Österreicher":#

Clemens Holzmeister (1886-1983)

Er wäre so gerne 100 Jahre alt geworden. Er hat das Leben geliebt, in dem er fest mit beiden Beinen stand. Clemens Holzmeister, der große Architekt, war zugleich ein barocker Mensch in jeder Bedeutung des Wortes. Er war nicht der weltfremde Künstler, der kontaktscheue Esoteriker, einer, der sich abschloß, um in der Studierstube Werke für die Ewigkeit zu schaffen. Clemens Holzmeister, trinkfest und sangesfreudig, feierte die Feste, wie sie fielen. Alle runden und halbrunden Geburtstage, bis hinauf zum Fünfundneunziger, beging er inmitten von Hunderten seiner Schüler in der Wachau, und es dauerte dann immer sehr lange - so, wie es lange gedauert hatte, wenn Holzmeister an Akademiefesten teilnahm. Er war ein Vollblut - als Künstler und als Mensch. Er starb, als er 97 Jahre alt war. Si monumentum requiris, circumspice! steht in der Londoner Westminster Abbey auf dem Grabstein des berühmten Architekten Christopher Wren. Ähnliches ist für Clemens Holzmeister zu sagen: Suchst du sein Denkmal, blicke um dich! 650 Projekte hat er in seinem langen Leben entworfen und zum Großteil verwirklicht. Er war Ehrenbürger von Wien und Salzburg - und ist doch da wie dort umstritten, zeitweilig angefeindet gewesen. Er schienselbstsicher und war doch auch sensibel. Er hat sich oft gekränkt - wer tut dies nicht, wenn er lange lebt? Er hat viele Freunde gehabt - und viele Gegner, Neider, doch auch Fachleute, die für sein künstlerisches Schaffen kein Verständnis aufbrachten. Man sah ihn schon zu Lebzeiten bisweilen überaus kritisch, mit der Distanz schwindet auch der Mythos, durch die Brille der Objektivität sieht manches anders aus. Man hat ihm vorgeworfen, zu sehr den Mächtigen gedient zu haben: er habe bauliche Inszenierungen für die Macht geschaffen. In der Tat sind Holzmeisters Bauten, die er für Atatürk in Ankara entwarf, so etwas wie »politische Architektur« gewesen. Auch daß er nach 1934 im autoritär regierten Österreich Staatsrat für Kunst gewesen ist, daß er für den Ballhausplatz das neue Zentralgebäude der Vaterländischen Front projektierte, warf man ihm vor - in den fünfziger Jahren, als die Diskussion um die Verbauung des Ballhausplatzes neu aufflammte, war Holzmeister traurig, daß sein damaliger, nicht verwirklichter Entwurf nicht wieder aktualisiert wurde.

Er hat indes auch mit Kritik selbst nicht gespart. Er hat die Neugestaltung des Karlsplatzes in Wien und den Bau der U-Bahn in der Innenstadt verdammt. Unter dem Titel »Leid um Wien« hat er noch 1977 in einer Wiener Zeitschrift geschrieben: »Fischer von Erlach hat sein vielgliedriges Meisterwerk der Karlskirche auf einer Anhöhe der vorbeifließenden Wien geplant und gebaut. So erhöhte und betonte diese Substruk-tion die Monumentalität. Aber dann kamen die Stadtregulierer der achtziger Jahre und ebneten diese herrliche Landschaft zu einem langweiligen Plateau in der Höhe der Eingangstreppe. Und dann kamen die U-Bahn-Ingenieure und verhinderten, jenes von Fischer geschaffene plastisch gestaltete Vorgelände wiederherzustellen, wie es in vielen Entwürfen der letzten Wettbewerbe auch um den Platz vor der Karlskirche vorgesehen war. Und dann kam die Jury. Sie wählte einen bisher auch in seinem Land wenig bekannten Gartenarchitekten. Und dieser setzt nun ein Bassin vor das Werk, hoch genug gelegen, auf daß dieses in seinem Wasser (auch zur Winterszeit?) sich spiegle. Ich bin darüber als 'Bürger von Wien' auf das tiefste erschüttert.«

Noch krasser ist Holzmeisters Urteil über die U-Bahn gewesen: sie gehöre nicht ins Stadtinnere, postulierte er. »Es gab eine überaus überzeugende Lösung für die Trassierung der U-Bahn, nach welcher diese den inneren Stadtkern mit ihren Stationen vielfach im Parkgelände umfährt und in ausreichendem Maße den Strom in das Zentrum ermöglicht. Dieses Maß ist nun weit überschritten, und die Folgen beginnen sich wie in diesem Fall schon abzuzeichnen. Meine durch Jahre immer wieder vergeblichen Bemühungen, als Architekt und Präsident des österreichischen Kunstsenats diesen Übeln entgegenzusteuern, haben mich nicht zuletzt veranlaßt, von Wien den Abschied zu nehmen.« Solchem Groll hat Holzmeister auch in späten Interviews, ja auch in öffentlichen Vorträgen, die er bis ins höchste Alter hielt, die Zügel schießen lassen. Etwa, wenn er an der Technischen Universität sprach. »Wer sich unter einem Dreiundneunzigjährigen einen Greis vorstellt, der zittrig das Kipferl in sein Schalerl Milchkaffee tunkt und die Welt nur noch durch das Fernglas der Erinnerung betrachtet, der kennt Clemens Holzmeister nicht!« schrieb im Dezember 1979 die Wiener »Arbeiter-Zeitung«. Er habe den überfüllten Festsaal der Technischen Universität »in der Pose eines römischen Triumphators« betreten, »wobei der Stock, auf den er sich stützte, beinahe wie die neckische Koketterie eines älteren Herrn wirkte, der mit solcher hölzerner Gehhilfe auf sein Alter aufmerksam machen möchte, weil man es ihm sonst nicht ansieht«. Und doch ruhte das erwähnte Fernglas der Erinnerung auch in Clemens Holzmeisters Rocktasche, bereit, jederzeit herausgenommen und benützt zu werden. Es zeigte viel und rang den jungen österreichischen Architekten - man teilte sie, wie Friedrich Achleitner einmal schrieb, in »Holzmeister-Schüler und Nicht-Holzmeister-Schüler ein«, wobei der Meister seinen Schülern nicht nur zeichnen, sondern wie sie sagten, auch essen und trinken beibrachte - stets Bewunderung ab. Die freilich, je mehr die Zeit fortschritt, bisweilen auch mit Skepsis gemischt war und gerade deshalb eine fruchtbare Mischung ergab - konstruktive Distanz zu einem großen Lehrer gewissermaßen. Clemens Holzmeister ist in Fulpmes als Tiroler mit brasilianischer Staatsbürgerschaft auf die Welt gekommen. Sein Großvater, einer Hammerschmiedfamilie entstammend, war nach Brasilien ausgewandert, er starb jedoch während der Schiffsreise an der Cholera. Die Witwe und sieben Kinder - das älteste, damals 12 Jahre alt, wurde später Holzmeisters Vater - landete in Südamerika, Holzmeister senior wuchs heran, baute Kaffee an, heiratete - und sieben Kinder starben an Malaria. Vater Holzmeister nahm seine Familie und kehrte ins heimatliche Tirol zurück, wo ihm seine Frau vier weitere Kinder gebar; als sie starb, heiratete der rüstige Hammerschmied-Sproß und spätere brasilianische Kaffeepflanzer ein zweites Mal - und nochmals vier Kinder folgten.

Der Zweitälteste Bub, der in Tirol zur Welt kam, war Clemens. Er wurde nach Innsbruck an die Realschule geschickt, kam so recht und schlecht durch, ließ sich von einem Münchner Freund für die Baukunst begeistern - und ging nach Wien an die Technische Hochschule. Auch hier hatte er Schwierigkeiten, bei der zweiten Staatsprüfung wäre er, wie er später erzählte, beinahe durchgefallen, weil er nicht einmal das spezifische Gewicht für Sand habe angeben können. Ein Hotelentwurf, in alpine Landschaft eingepaßt, habe ihn »gerettet«, berichtete Holzmeister. Es folgte eine unruhige Zeit: Erst war der frischgebackene Architekt Assistent bei Max von Ferstel, dann ging er auf Italienreise, schließlich arbeitete er - ohne großen Erfolg - in verschiedenen Architekturbüros. Im Ersten Weltkrieg muß er, als brasilianischer Staatsbürger, nicht einrücken, er promoviert - mit einer Arbeit über das Stift Stams - zum Doktor der technischen Wissenschaften, wird Lehrer an der Staatsgewerbeschule in Innsbruck, reist und wandert mit dem Architekten (und »Filmemacher«) Luis Trenker und wartet auf den Durchbruch.

Der kommt, als die Gemeinde Wien, die einen Wettbewerb für den Bau des städtischen Krematoriums beim Zentralfriedhof ausschreibt, Holzmeisters Entwurf annimmt und verwirklicht, obwohl ihm nur der dritte Preis zuerkannt worden war. Mit einem Schlag wird der Tiroler bekannt, wenig später ist er berühmt. Die Verwirklichung seines Feuerhallenprojekts durch die (sozialistische) Kommune der Bundeshauptstadt verschafft ihm Probleme. »Ich mußte erst meine Seele reinwaschen«, gestand der Tiroler Katholik später einmal. In der Tat ist er deswegen in seinem Heimatland angefeindet worden - nicht zuletzt deshalb, weil Holzmeister gleichzeitig mit dem Krematorium in Wien eine Kirche in Vorarlberg baute - und dies zu einer Zeit, da die Feuerbestattung für gläubige Katholiken noch streng verpönt war. Erst ein Gutachten der Theologischen Fakultät beendete die Tiroler »Anti-Holzmeister-Kampagne« . Dafür gab es in Wien die »Pro-Holzmeister-Bewegung«. Auf Grund seines eigenwilligen Krematoriumentwurfs wurde er als Lehrer an die Akademie berufen, als Leiter der Meisterklasse für Architektur. Es begann eine über viele Jahre währende, nur durch den Krieg - und die Emigration - unterbrochene fruchtbare Tätigkeit als »Meister« einer immer größer werdenden Schar von Schülern.

Gleichzeitig wird Holzmeister schrittweise zum führenden, zum bekanntesten Architekten des kleingewordenen Österreich. In Salzburg hat Max Reinhardt die Festspiele begründet, um den Anspruch der jungen Republik, zumindest auf dem Gebiet der Kultur weiter Großmacht zu bleiben, auch an der Salzach zu demonstrieren. Als es darum geht, für diese Festspiele ein imponierendes Quartier zu schaffen, greift man nach dem Tiroler in Wien: Clemens Holzmeister erhält den Auftrag, die Sommerreitschule der Fürsterzbischöfe in ein Festspielhaus umzubauen. Seither ist der Salzburger Festspielbezirk mit dem Namen Holzmeister untrennbar verbunden: 1926 Bau des Alten Festspielhauses, 1937-1938 Umbau, 1956-1960 Bau des »Neuen« Festspielhauses, 1968-1970 Adaptierung der Felsenreitschule - es ist eine ununterbrochene Kette von Großaufträgen, die Holzmeister in Salzburg erhält, die ihm freilich (vor allem beim Bau des neuen Hauses) auch viele Gegner und Neider bringt. Denn der Bau stellt sich wesentlich teurer als ursprünglich veranschlagt, er verschlingt Unsummen. Der Salzburger Landeshauptmann freilich hat seinerzeit alle Kritik an dem berühmten Architekten mit einem einzigen Satz entwaffnet: »Wer denn hätte es bauen sollen?« Der Drang hin zum Theatralischen, zur baulichen Inszenierung ist Holzmeister sein ganzes Leben lang treu geblieben. Ob es die berühmte »Fauststadt« gewesen ist, die er für eine Reinhardt-Produktion in Salzburg zauberte, oder auf ganz anderer Ebene das Regierungsviertel in Ankara, ob es der Entwurf für die Kathedrale von Belo Horizonte in Brasi¬lien war oder die Dollfußkirche in Wien - Clemens Holzmeister hat sich stets auf das verstanden, was man »Bauen als gesellschaftlich-politische Machtrepräsentation« bezeichnet hat. Er wollte imponieren, im kleinen wie im großen, und das ist ihm gelungen. Nicht mit allem hatte er Erfolg. Die Großfeldsiedlung in Wien gilt heute als das Negativbeispiel einer Besiedlung der »grünen Wiese« schlechthin. Sein Entwurf zum Umbau des (alten) kleinen Festspielhauses ist nie verwirklicht worden. Manche Kritiker haben sein Regierungsviertel in Ankara »Österreichs Rache für die Türkenbelagerung« genannt. In der Türkei freilich ist Clemens Holzmeister hoch geehrt gewesen. Als er 1938 nach Istanbul ging, um dort politisch zu »überwintern«, wies man ihm, der als Lehrer an der Technischen Hochschule wirkte, eine palastartige Villa als Residenz zu. 1950 ist Holzmeister an die Akademie nach Wien zurückgekehrt, bis 1957 hat er hier gelehrt, ein, wie es einer seiner Freunde formulierte, »Frühaufsteher und Spätschlafengeher«, ein Patriarch, der von seinen Schülern sagte: »Wenn sie Ideen haben, können sie machen, was sie wollen, wenn sie keine haben, müssen sie sich nach mir richten.« Diese Schüler, Generationen von Architekten, haben ihn geliebt, auch wenn sie ihn bisweilen kritisierten. Sie wußten, daß da einer vom »Dreiklang der Künste« begeistert war: Malerei, Architektur, Bildhauerei. Sie wußten, daß da einer war, der mit Herz und Seele baute. Und der, bei aller Robustheit und allem Selbstbewußtsein, sensibel war. Holzmeister hat seinen Lebensabend in Salzburg verbracht, weil er meinte, daß Wien ihn gekränkt habe. »Nach dem Krieg habe ich hier kaum mehr einen großen Auftrag bekommen - nur Ehrenbürger bin ich geworden«, hat er einmal geklagt. Aber wenn er kam, um Vorträge zu halten, wurde er umjubelt. Wie gesagt - er wäre gerne 100 Jahre alt geworden. Und er hätte diesen Geburtstag, so wie die vorhergehenden, in der Wachau gefeiert. Ob Wien, Salzburg, Innsbruck - dem weltberühmten Architekten ist das »Land am Strome« überall am nächsten gestanden. Er hat, mit seinen Mitteln, versucht, es schöner zu machen.

Literatur#

  • Clemens Holzmeister. Werke für das Theater (1953), C. Holzmeister und erweitert von J. Gregor, Verlag der Österreichischen Staatsdruckerei, Wien, 47 S.
  • Architekt in der Zeitenwende – Selbstbiographie & Werkverzeichnis (1976), C. Holzmeister, Verlag Das Bergland-Buch, Salzburg, 295 S.
  • Clemens Holzmeister und Salzburg (1966), P. Becker, Residenz Verlag, Salzburg, 95 S.
  • Clemens Holzmeister (2000), (Hrsg.) G. Rigele & G. Loewit; Innsbruck, 207 S. (erschien anlässlich der Ausstellung „Clemens Holzmeister" auf der RLB Kunstbrücke, Raiffeisen-Landesbank Tirol), Haymon-Verlag
  • Personenlexikon Österreich (2002), (Hrsg.) E. Bruckmüller, Buchgemeinschaft Donauland (u.a.), Wien, 575 S.
  • Clemens Holzmeister. Das architektonische Werk (1976), M. Knofler, Dissertation, Univ. Innsbruck, Innsbruck, 27 S.
  • Große Österreicher: 100 Portraits von bekannten Österreichern (1994), (Hrsg.) T. Chorherr unter Mitarbeit von F. Endler, Ueberreuter, Wien, 256 S.
  • Clemens Holzmeister: Architektur zwischen Kunst und Politik (2005), W. Posch, 1. Aufl., Molden Verlag, Wien, 280 S.

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: N. Miljković