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Jürgens, Udo#

eigentlich Udo Jürgen Bockelmann


* 30. 9. 1934, Ottmanach (Kärnten)

† 21. 12. 2014, Münsterlingen (Schweiz)


Sänger, Komponist

Udo Jürgens. Foto, 2001, © IMAGNO/Ullstein
Udo Jürgens. Foto, 2001
© IMAGNO/Ullstein

Bruder von Manfred Bockelmann

Udo Jürgens wurde am 30. September 1934 als Udo Jürgen Bockelmann in Klagenfurt geboren.

Seine Mutter stammte aus Schleswig-Holstein, der Vater war Landwirt und wurde in Moskau geboren. Ein Onkel mütterlicherseits war der berühmte Dadaist Hans Arp, sein Großvater väterlicherseits war bis zur Russischen Revolution 1917 Chef der deutschen "Bank Junker" in Moskau, sein Onkel Werner Bockelmann war Frankfurter Oberbürgermeister (1907-68) und Präsident des deutschen Städtetages.

Udo wuchs zusammen mit den Brüdern John und Manfred im elterlichen Schloss Ottmanach in Kärnten auf.

Das Klavierspielen brachte er sich anfangs selbst bei, 1948 begann er neben dem Besuch des Gymnasiums am Klagenfurter Konservatorium in den Fächern Klavier, Harmonielehre, Komposition und Gesang sein Musikstudium.

Duke Ellington, Count Basie, Benny Goodman, Fletcher Henderson und Tommy Dorsey machten großen Eindruck auf den jungen Musikstudenten, Udo begann seine ersten Lieder zu schreiben.

Als Sechzehnjähriger gewann er mit dem Lied "Je t´aime" einen Komponisten-Wettbewerb, 1951 brach er die Schule ab und hatte als "Udo Bolan" einen ersten Auftritt mit seiner "Udo Bolan Band" in einem Gasthof in Klagenfurt. Die Combo spielte amerikanischen Swing, neu gefasste Tanzmusik und Eigenkompositionen von Udo.


Ab 1952 konnte er als Komponist, Dirigent, Klavier-, Akkordeon- und Vibraphonspieler, als Arrangeur und als Sänger beim Radiostudio Klagenfurt mitarbeiten und war Moderator und Musiker bei der wöchentlichen Radioshow des britischen Militärsenders BFN (British Forces Networks).

Mit verschiedenen eigenen Combos und Gruppen hatte er Auftritte in Kärnten, Wien, Salzburg und München und machte sich einen Namen als hervorragender Jazzpianist. 1956 erhielt er seinen ersten Plattenvertrag von Heliodor/Polydor - der erste Plattentitel hieß "Es waren weiße Chrysanthemen" und war ein Mißerfolg.


Udo Jürgens bei der Generalprobe des Großen Schlagerpreis der Eurovision in Luxemburg. Foto, 4.März 1966, © IMAGNO/Ullstein
Udo Jürgens bei der Generalprobe des Großen Schlagerpreis der Eurovision in Luxemburg. Foto, 4.März 1966
© IMAGNO/Ullstein
Udo legte sich einen neuen Künstlernamen zu und wurde zu "Udo Jürgens". 1958 übersiedelte er nach München in das Künstlerviertel Schwabing und trat bald bei vielen 'Bunten Abenden' im Vorprogramm von gerade aktuellen Schlagerstars auf.

Er schrieb Songs für Shirley Bassey, Rex Gildo und viele andere, arbeitete als Filmdarsteller in Filmchen wie "Unsere tollen Tanten", "Unsere tollen Nichten" oder "Drei Liebesbriefe aus Tirol".


Da sein Plattenvertrag von Polydor nicht verlängert wurde, wechselte er zu H.R. Beierleins "Montana".

1964 nahm er erstmals beim Eurovision Song Contest für Österreich teil und erreichte mit "Warum nur, warum?" den 5. Platz; im Jahr darauf nahm er abermals am Eurovision Song Contest teil und erreichte mit "Sag ihr, ich laß sie grüßen" der 4. Platz.
Bei seiner 3. Teilnahme 1966 gewann er mit "Mercie Cherie" in Luxemburg für Österreich den "Grand Prix Eurovision".


Das war gleichzeitig sein internationaler Durchbruch: es folgten eine triumphale Deutschland-Tournee, und eine 266-Städte-Tournee durch Österreich, Schweiz, Holland, Belgien, Luxemburg, Polen, Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien.

1967 wechselte er zur Plattenfirma Ariola; er nahm seine Kompositionen in verschiedenen Sprachen auf (u.a. auf japanisch) und absolvierte auch Tourneen durch Japan.

1974 trat er gemeinsam mit Shirley Bassey vor 40.000 Zuschauern in Rio de Janeiro auf, 1975 wurde sein Lied "Griechischer Wein" der Hit des Jahres – Udo wurde dafür sogar vom griechischen Ministerpräsident Karamanlis in Athen empfangen.


Neben unzähligen Tourneen durch Japan, Brasilien, Griechenland, Polen, Australien, Deutschland, Kanada und die USA verdienen in den 1970er Jahren seine Auszeichnungen Beachtung: "Deutscher Schallplattenpreis", "Goldene Europa", "Sänger des Jahres", "Goldene Kamera" u.v.m.


Udo Jürgens. Foto, 1985, © Die Presse/Harald Hofmeister, für AEIOU
Udo Jürgens. Foto, 1985
© Die Presse/Harald Hofmeister, für AEIOU
In den 1980ern zählte Udo Jürgens zu den meistgespielten deutschsprachigen Künstlern und seither ist er fixer Bestandteil der deutschen Schlager- und Liedermacherszene mit mehr als 1.000 Liedern, über 50 Plattenalben und millionenfach verkauften Tonträgern, Hunderten von Konzerten.

Er stand aber auch bei der "Open-Air-Symphonie 1992" gemeinsam mit 110 Klassikinterpreten auf der Bühne; sein breit gefächertes Schaffen umfasst auch symphonische Kompositionen (die z.B. mit den Berliner Philharmonikern aufgenommen wurden); 2007 hatte das Musical "Ich war noch niemals in New York" im Operettenhaus Hamburg Weltpremiere (alle Lieder darin stammen von Udo Jürgens und seinen Textdichtern).

In den 1990er Jahren war er in den Fernsehserien "Das Traumschiff" und "Ein Schloß am Wörthersee" als Nebendarsteller zu sehen; 2011 kam mit "Der Mann mit dem Fagott" (nach seiner gleichnamigen Biographie) ein Film über Udo Jürgens und sein Leben ins Fernsehen.


Udo Jürgens engagiert sich auch sozial - so gründete er 1998 eine Stiftung für Waisen und Kinder ohne Bezugspersonen sowie zur Förderung von Nachwuchskünstlern.

Udo Jürgens war zweimal verheiratet und hat aus seiner ersten Ehe zwei erwachsene (und daneben noch zwei uneheliche) Kinder. 2007 erhielt er die Schweizer Staatsbürgerschaft und war somit österreichisch-schweizer Doppelbürger.


Prof. Udo Jürgens lebte seit langem im schweizerischen Zumikon, hatte sein Studio in Zürich, verbrachte aber auch viel Zeit in Klagenfurt, wo er auch zum Ehrenbürger ernannt wurde.

Der Sänger, Komponist und Entertainer Udo Jürgens starb am 21. Dezember 2014 - im 81. Lebensjahr und kurz nach dem Auftakt seiner neuen Österreich-Tournee - in Münsterlingen (Schweiz) an Herzversagen.


--> Udo Jürgens: Merci Chérie (Musik-Lexikon)
--> Historische Bilder zu Udo Jürgens (IMAGNO)

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Bambi, 1970/ 1984 / 1999
  • Wiener Faschingsgesellschaft, Bruderschaft "Lieber Augustin", 1971
  • Goldenes Ehrenzeichen der Stadt Wien, 1981
  • Robert Stolz Ehrenurkunde, 1981
  • Deutscher Schallplattenpreis , 1976 / 1978/ 1983
  • Verleihung des Ehrentitels "Professor", 1985
  • Goldener Landesorden von Kärnten, 1991
  • Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Pörtschach am Wörthersee, 1994
  • Ehrenring der Stadt Wien, 1994
  • Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, 1994
  • Grosses Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, 1995
  • Goldene Kamera, 1988 / 1995
  • Ehrenbürgerschaft der Stadt Klagenfurt, 2001
  • Amadeus-Preis, 2000 / 2001 / 2003
  • Romy für das Lebenswerk, 2011
  • Ehrenmedaille "Stadttaler der Stadt Zürich", 2014

Werke (Auswahl)#

Filme
  • Die Beine von Dolores, 1957
  • Lilli, ein Mädchen aus der Großstadt, 1958
  • ...und du mein Schatz bleibst hier, 1961
  • Unsere tollen Tanten, 1961
  • Drei Liebesbriefe aus Tirol, 1962
  • Tanze mit mir in den Morgen, 1962
  • Unsere tollen Nichten, 1962
  • Unsere tollen Tanten in der Südsee, 1963
  • Das Spukschloß im Salzkammergut, 1965
  • Siebzehn Jahr, blondes Haar, 1966
  • Der Mann mit dem Fagott, 2011

Tourneen

  • "Udo Jürgens singt seine Welterfolge" (50 Konzerte), 1967
  • "Udo Jürgens singt seine Welterfolge" (neues Programm, (75 Konzerte), 1968
  • "Udo 70" (266 Konzerte), 1970
  • "Ich bin wieder da" (59 Konzerte), 1972/73
  • "Udo 75" (63 Konzerte), 1975
  • "Udo live 77" (68 Konzerte), 1977
  • "Ein Mann und seine Lieder" (44 Konzerte), 1978
  • "Udo 80 – Das Jubiläumskonzert" (110 Konzerte), 1980
  • "Udo live" (Lust am Leben) (123 Konzerte), 1982/1983
  • "Udo live & hautnah" (130 Konzerte), 1984/1985
  • "Deinetwegen" (106 Konzerte), 1987
  • "Udo Jürgens Konzert – Ohne Maske" (107 Konzerte), 1989/1990
  • "Geradeaus" und "Open Air Symphony" (87 Konzerte), 1989/1990
  • "140 Tage Größenwahn"(138 Konzerte), 1989/1990
  • "Gestern Heute Morgen – Tournee 1997" (111 Konzerte), 1997
  • "Udo 2000 – Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an" (107 Konzerte), 2000/2001
  • "Ein Soloabend" (13 Konzerte), 2002
  • "Es lebe das Laster – Live" (103 Konzerte), 2003/2004
  • "Udo spielt Jürgens – Solokonzert" (19 Konzerte), 2005
  • "Jetzt oder nie – Tournee 2006" (78 Konzerte), 2006
  • "Ein Mann & sein Klavier" (15 Konzerte), 2007
  • "Tournee 2009 – Einfach ich"(63 Konzerte), 2009
  • "Der Soloabend 2010" (12 Konzerte), 2010
  • "Der Ganz Normale Wahnsinn"“, 2012

Alben

  • Portrait in Musik, 1965
  • Was ich dir sagen will, 1967
  • Portrait in Musik - 2. Folge, 1967
  • Chansons, 1967
  • International, 1967
  • Udo Jürgens, 1968
  • Mein Lied für Dich, 1968
  • Udo, 1968
  • Wünsche zur Weihnachtszeit, 1968
  • Udo '70, 1969
  • Udo 71, 1970
  • Zeig mir den Platz an der Sonne, 1971
  • Jonny & Jenny, 1971
  • So weit die Züge gehn, 1971
  • Ich bin wieder da, 1972
  • Let's Sing, 1973
  • Es ist Zeit für die Liebe, 1973
  • Jonny & Jenny - Alle Kinder dieser Welt, 1973
  • Meine Lieder,1974
  • Udo heute,1974
  • Wenn es Weihnachten wird, 1974
  • Griechischer Wein, 1975
  • Udo 75 - Ein neuer Morgen, 1975
  • Meine Lieder 2, 1976
  • Lieder, die auf Reisen gehen, 12.1977
  • Meine Lieder '77, 1977
  • Buenos dias Argentina, 1978
  • Die Blumen blüh'n überall gleich, 1979
  • Nur ein Lächeln, 1979
  • Udo '80, 1980
  • Meine Lieder sind wie Hände (LIVE), 1980
  • Willkommen in meinem Leben, 1981
  • Leave A Little Love, 1981
  • Silberstreifen, 1982
  • Traumtänzer, 1983
  • Hautnah, 1984
  • Treibjagd, 1985
  • Deinetwegen, 1986
  • Das blaue Album, 1988
  • Ohne Maske, 1989
  • Sempre Roma, 1990
  • Geradeaus!, 1991
  • Open Air Symphony (LIVE), 1992
  • Café Grössenwahn, 1993
  • Zärtlicher Chaot, 1995
  • Udo Live - Lust am Leben (LIVE), 1996
  • Gestern - heute - morgen Live '97 (LIVE), 1997
  • Ich werde da sein, 1999
  • Mit 66 Jahren - Live 2001 (LIVE), 2001
  • Es lebe das Laster, 2002
  • Es werde Licht - Meine Winter- und Weihnachtslieder, 2003
  • Es lebe das Laster - Udo live (LIVE), 2004
  • Jetzt oder nie, 2005
  • Der Solo-Abend - Live am Gendarmenmarkt (LIVE), 2006
  • Jetzt oder nie - Live (LIVE),2006
  • Einfach ich, 2008
  • Einfach ich - Live 2009 (LIVE), 2009
  • Der ganz normale Wahnsinn, 2011
  • Unzählige Singles, Alben-Mixes, eine DVD

Autobiographie

  • ... unterm Smoking Gänsehaut, 1994
  • Der Mann mit dem Fagott (gem. m. Michaela Moritz), 2004


Hörprobe#


Österreichische Mediathek Hörprobe


Merci Chérie
© BMG Ariola 74321 21553 2, 1994 (Ausschnitt)

Musik spielen

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl