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Kapellari, Egon#


* 12. 1. 1936, Leoben (Steiermark)


Jurist, geistlicher Würdenträger
em. Bischof


Egon Kapellari wurde am 12. Jänner 1936 als Sohn eines Bergarbeiters (und späteren Postbediensteten) in Leoben geboren, wo er aufwuchs und 1953 maturierte.

Anschließend absolvierte er an der Universität Graz zunächst ein Studium der Rechtswissenschaften, das er 1957 mit der Promotion zum doctor iuris abschloss. Danach widmete er sich dem Studium der Theologie in Salzburg und Graz und wurde 1961 zum Priester geweiht. Nach mehreren Jahren als Kaplan (der Grazer Pfarre Kalvarienberg) übernahm er 1964 das Amt des Hochschulseelsorgers in Graz, wurde Geistlicher Assistent der dortigen Katholischen Hochschuljugend und wurde auch Leiter des Afro-asiatischen Instituts (AAI). Ab 1968 war er auch Mitglied des Leitungskollegiums im Grazer Priesterseminar. 1973 wurde Egon Kapellari von Papst Paul VI. zum Monsignore (= Kaplan Seiner Heiligkeit) ernannt.

Im Jänner 1982 wurde er zum Bischof der Kärntner Diözese Gurk-Klagenfurt ernannt. In seiner Zeit als Kärntner Bischof setzte er zahlreiche Initiativen, die noch heute in guter Erinnerung sind - dazu zählen u.a. der Besuch von Papst Johannes Paul II in Gurk, die Initiative zur völkerverbindenden Dreiländerwallfahrt, die Begründung der "St. Georgener Gespräche" (mit Referenten wie Joseph Ratzinger, Karl Lehmann, Hans Urs von Balthasar oder Johann Baptist Metz) sowie zahlreiche Ausstellungen. Darüber hinaus setzte sich Bischof Kapellari in besonderer Weise für das gute Miteinander der beiden Volksgruppen in Kärnten ein: er lernte Slowenisch und stellte seinen öffentlichen Reden oft Grußworte in slowenischer Sprache voran – ein zu damaliger Zeit bemerkenswertes Zeichen.

Von 1982 bis 1992 war Kapellari österreichischer "Jugendbischof" und zwei Funktionsperioden lang auch Mitglied des früheren Päpstlichen Rates für den Dialog mit den Nichtglaubenden.

Knapp zwei Jahrzehnte später erfolgte seine Rückkehr nach Graz, wo er im März 2001 die Nachfolge von Johann Weber als Bischof der Diözese Graz-Seckau antrat. Egon Kapellari war ab 1992 Referent für Fragen von Liturgie, Europa und Kultur in der Österreichischen Bischofskonferenz und als deren stellvertretender Vorsitzender seit 2001 auch für Medienfragen zuständig. Ab 1997 vertrat Kapellari die österreichischen Bischöfe auch in der Kommission der Bischofskonferenzen des EU-Raumes (ComECE).

Als Diözesanbischof stand Kapellari für spirituelle Tiefe, soziales Engagement und kulturelle Offenheit; er hatte eine wesentliche Rolle als ein Brückenbauer zwischen Kirche und Kunst. Als Autor veröffentlichte Egon Kapellari 21 Bücher zu den Themen Kirche und Theologie und zahlreiche Artikel zu den Themen Kunst, Literatur, Europa, Politik und Wirtschaft.

An seinem 75. Geburtstag 2011 hatte er seinen Rücktritt eingereicht, d.h. den Papst um "Entpflichtung gebeten", der dieses Gesuch "nunc pro tunc" ("jetzt für später") annahm, aber zugleich seine Amtszeit um zwei Jahre verlängerte.

Nach vierjährigem erfolglosen Warten auf seine altersbedingte Abberufung gab Bischof Egon Kapellari am 24. Jänner 2015 - am 33. Jahrestag seiner Bischofsweihe – in einem Hirtenbrief seinen endgültigen Rücktritt bekannt. Der Papst kam diesmal seiner eindringlichen Bitte um Entpflichtung wenige Tage später nach. Bis zur Ernennung eines Nachfolgers übernahm der bisherige Generalvikar Heinrich Schnuderl die bischöflichen Aufgaben, am 14. Juni 2015 wurde Wilhelm Krautwaschl zum Bischof der Diözese Graz-Seckau geweiht.

Mit dem Rücktritt endeten auch Kapellaris Ämter innerhalb der Österreichischen Bischofskonferenz.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Kärntner Landesorden in Gold
  • Ehrenring des Landes Steiermark
  • Ehrenmitgliedschaft der K.Ö.St.V. Karantania im MKV, seit 1994
  • Mitglied der K.Ö.L. Ferdinandea zu Graz im KÖL, 1997
  • Ehrenring der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee, 2001
  • Ehrenring der Stadt Villach, 2002
  • Großer Leopold-Kunschak-Preis, 2005
  • Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse, 2006
  • Ehrendoktorat der Karl-Franzens-Universität Graz, 2006

Werke (Auswahl)#

Bücher
  • Zünd an des Lichtes Schein. Ein Bischof schreibt zur Firmung, 1991
  • Glanz strahlt von der Krippe auf. Weihnachtsbetrachtungen, 1991
  • Ein Fest gegen die Schwerkraft. Osterbetrachtungen, 1993
  • Worauf warten wir? Adventgedanken, 1993
  • Geheimnisvoll erstrahlt das Kreuz. Betrachtungen über das Leiden Christi, 1994
  • Heilige Zeichen in Liturgie und Alltag, 1997
  • Zu Pfingsten in Jerusalem. Ein Bischof schreibt zur Firmung, 1999
  • Aber Bleibendes stiften die Dichter. Gedanken zum Tag, 2001
  • Menschenzeit in Gotteszeit – Wege durch das Kirchenjahr, 2002
  • Begegnungen unterwegs. Eine Nachlese, 2003
  • Die Breitenauer Bilderbibel (mit Texten von Diözesanbischof Dr. Egon Kapellari), 2003
  • Und dann der Tod... Sterbe-Bilder, 2005
  • Bis das Licht hervorbricht. Fragen zwischen Kirche und Kunst, 2006
  • Seit ein Gespräch wir sind ..., 2007

Zahlreiche Publikationen über die Theologie der Symbole und über das Kirchenjahr
sowie zahlreiche Aufsätze in Sammelwerken, Zeitschriften und Zeitungen, vor allem über Fragen zwischen Kirche, Kunst, Politik und Wirtschaft

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl