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Kehlmann, Daniel #


* 13. 1. 1975, München, Deutschland


Schriftsteller; Hörspielautor


Daniel Kehlmann
Daniel Kehlmann auf der Leipziger Buchmesse
Foto unter CC Lizenz aus der Wikipedia

Daniel Kehlmann wurde am 13. Jänner 1975 als Sohn des Regisseurs Michael Kehlmann und der Schauspielerin Dagmar Mettler in München geboren.

Die Familie zog 1981 nach Wien, wo er das Kollegium Kalksburg (Jesuitengymnasium) besuchte und ab 1993 Philosophie und Germanistik an der Universität Wien studierte.

Bereits als 22-Jähriger veröffentlichte der Student 1997 seinen ersten Roman "Beerholms Vorstellung"; darauf folgten Mahlers Zeit" (1999) und "Der fernste Ort" (2001). Seinen internationalen Durchbruch als Schriftsteller schaffte er 2003 mit seinem vierten Roman "Ich und Kaminski".

Sein Roman "Die Vermessung der Welt", in bisher vierzig Sprachen übersetzt, wurde zu einem der erfolgreichsten deutschen Romane der Nachkriegszeit.

2001 war Kehlmann Gastdozent für Poetik an der Universität Mainz, 2005 an der FH Wiesbaden und 2006 an der Universität Göttingen. Kehlmann ist Mitglied der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur.

Daniel Kehlmann lebt als freier Schriftsteller in Wien und Berlin.


Kehlmanns epische Werke schlagen eine Brücke zwischen naturwissenschaftlicher Welterfahrung und philosophischer Welterschließung.
In "Mahlers Zeit" etwa erzählt Kehlmann über den Physiker David Mahler, in "Ich und Kaminski" geht es um die geplante Biographie der Malers Manuel Kaminski von einem jungen Kunsthistoriker.
In "Die Vermessung der Welt" porträtiert er zwei deutsche Geistesgrößen: den Mathematiker Carl Friedrich Gauß und den Universalgelehrten Alexander von Humboldt. Im Zentrum steht ein Treffen der beiden 1828 in Berlin auf einem Naturforscherkongress. Der Roman kann sich auf knapp 300 Seiten Leben und Werk der beiden allerdings nur schlaglichtartig widmen, skizzenhaft und kurzweilig erfährt man von wichtigen Stationen ihres Schaffens, Fakten und Fiktion werden gemischt. Die Komik des Romans beruht nicht nur auf den ironisch beleuchteten Charakteren von Gauß und Humboldt, sondern auch auf der Mischung zwischen Größe und Lächerlichkeit.

Auszeichnungen, Preise (Auswahl)#

  • 1998 Förderpreis des Kulturkreises beim BDI
  • 2000 Stipendium des Literarischen Colloqiums in Berlin
  • 2005 Candide-Preis
  • 2006 Preis der Konrad Adenauer Stiftung
  • 2006 Heimito von Doderer-Preis
  • 2006 Kleist-Preis
  • 2007 "Welt"-Literaturpreis Berlin
  • 2008 Per-Olov-Enquist-Preis
  • 2008 Thomas-Mann-Preis der Stadt Lübeck


Werke (Auswahl):

  • Beerholms Vorstellung. Roman , 1997
  • Unter der Sonne. Erzählungen, 1998
  • Mahlers Zeit. Roman, 1999
  • Der fernste Ort. Novelle, 2001
  • Ich und Kaminski. Roman, 2003
  • Die Vermessung der Welt. Roman, 2005
  • Wo ist Carlos Montufar? Essays, 2005
  • Diese sehr ernsten Scherze. Poetikvorlesungen, 2006
  • Ruhm, 2009


Leseprobe#

aus Daniel Kehlmann - "Die Vermessung der Welt"


Die Reise

Im September 1828 verließ der größte Mathematiker des Landes zum erstenmal seit Jahren seine Heimatstadt, um am deutschen Naturforscherkongreß in Berlin teilzunehmen. Selbstverständlich wollte er nicht dorthin. Monatelang hatte er sich geweigert, aber Alexander von Humboldt war hartnäckig geblieben, bis er in einem schwachen Moment und in der Hoffnung, der Tag käme nie, zugesagt hatte.

Nun also versteckte sich Professor Gauß im Bett. Als Minna ihn aufforderte aufzustehen, die Kutsche warte und der Weg sei weit, klammerte er sich ans Kissen und versuchte seine Frau zum Verschwinden zu bringen, indem er die Augen schloß. Als er sie wieder öffnete und Minna noch immer da war, nannte er sie lästig, beschränkt und das Unglück seiner späten Jahre. Da auch das nicht half, streifte er die Decke ab und setzte die Füße auf den Boden.

Grimmig und notdürftig gewaschen ging er die Treppe hinunter. Im Wohnzimmer wartete sein Sohn Eugen mit gepackter Reisetasche. Als Gauß ihn sah, bekam er einen Wutanfall: Er zerbrach einen auf dem Fensterbrett stehenden Krug, stampfte mit dem Fuß und schlug um sich. Er beruhigte sich nicht einmal, als Eugen von der einen und Minna von der anderen Seite ihre Hände auf seine Schultern legten und beteuerten, man werde gut für ihn sorgen, er werde bald wieder daheim sein, es werde so schnell vorbeigehen wie ein böser Traum. Erst als seine uralte Mutter, aufgestört vom Lärm, aus ihrem Zimmer kam, ihm in die Wange kniff und fragte, wo denn ihr tapferer Junge sei, faßte er sich. Ohne Herzlichkeit verabschiedete er sich von Minna; seiner Tochter und dem jüngsten Sohn strich er geistesabwesend über den Kopf. Dann ließ er sich in die Kutsche helfen.

(S. 7f)

© 2005, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.
LITERATURHAUS

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl