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Kinzl, Hans#

* 5. 10. 1898, St. Florian am Inn (OÖ)

† 23.10. 1979, Innsbruck


Geograph, Hochgebirgs- und Gletscherforscher
Erforscher und Kartograph der peruanischen Anden


Kinzl, Hans
Kinzl, Hans
© Archiv Senft

Hans Kinzl wurde am 5. Oktober 1898 in der Innviertler Gemeinde St. Florian am Inn (bei Schärding) in Oberösterreich geboren.

Als ältester Sohn eines wohlhabenden Bauern wäre er als Hoferbe in Frage gekommen, doch die Eltern ließen ihn studieren. Wie andere begabte Buben aus ländlichen Gemeinden wurde er in das Bischöfliche Gymnasium Petrinum in Linz geschickt, einer kirchlichen Internatsschule, deren Absolventen größtenteils als Priester in den Dienst der Kirche traten.

Nach der Matura, die er während des Ersten Weltkrieges im Mai 1916 ablegte, nach dem Kriegsdienst als Einjährig-Freiwilliger und studierte anschließend an der Universität Innsbruck Geographie und Geschichte. Er begann seine wissenschaftliche Laufbahn 1928 in Heidelberg und kehrte 1935 als Professor an die Universität Innsbruck zurück.

In den dreißiger Jahren hatte sich Hans Kinzl als Expeditionsleiter bei den Kundfahrten des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins in die peruanische Anden als hervorragender Organisator bewährt.

1932 führte er die erste Expedition in die Cordillera Blanca (Erstbesteigung des 6.768 m hohen Huascaran durch Erwin Schneider). In den Jahren 1936 und 1939 leitete Kinzl die zweite und dritte Expedition in die Cordillera Blanca und die Cordillera Huayhuash.

Seine genauen Landkarten über diese beiden Gebirgsstöcke trugen dazu bei, dass diese Hochgebirge zu den glaziologisch und siedlungskundlich am besten erforschten Außereuropas wurden. Wegen des Kriegsausbruchs musste er bis 1941 in Peru bleiben, wo er seine wissenschaftlichen Arbeiten vertiefte.

Nach dem Krieg kehrte wieder an die Universität Innsbruck zurück, deren Rektor er 1958/59 war.

Prof. Hans Kinzl hat die Entwicklung des Instituts für Geographie an der Universität Innsbruck außerordentlich geprägt und war im ersten Jahrzehnt des Bestehens auch mit dem Zweigverein Innsbruck der Österreichischen Geographischen Gesellschaft, wie die Innsbrucker Geographische Gesellschaft damals hieß, eng verbunden.

In den letzten 20 Jahren seines Lebens hat Hans Kinzl mit der historischen Kartographie beschäftigt: neben kleineren Veröffentlichungen besorgte er im Jahre 1974 den Faksimiledruck des berühmten 'Atlas Tyrolensis' des Peter Anich. 1976 gab er einen Band über diesen bedeutenden Bauernkartographen heraus.,

Jahua Cocha (Peru)
Der See Jahua Cocha in der Cordillera Huayhuash, Peru © Foto Senft


Daraus eine Leseprobe:

...Die Gletscher: Die Weiße Kordillere ist ein schmales und steiles Gebirge, wegen ihrer Höhe ist sie aber doch so stark vergletschert wie kein anderes Gebirge der Tropenzone. Zwar liegt die Schneegrenze im Mittel in über 5.000 m Seehöhe, aber die Gipfel ragen noch bis 7.500 m und mehr über sie empor. Die Vergletscherung schließt sich unmittelbar an die Kämme und Wände an. So ausgedehnte flache Firnbecken wie in den Alpen sind nicht vorhanden. Die Eisströme gelangen auf kurzem Weg tief unter die Firnlinie herunter, wo sie rasch abschmelzen. Eine Anstauung der Eismassen, die in den Alpen zu Eisdicken bis zu 750 m führt ist in der Weißen Kordillere nicht möglich. Die Gletscher bilden nur eine dünne Eisdecke über dem Felsgrund. Sie sind stark zerspalten und reißen an den Steilstufen leicht ab. Selbst die flacheren Zungen sind meist schwer begehbar, die steileren oft überhaupt ungangbar. Zu den Besonderheiten der Gletscher gehören, um oben zu beginnen, die gewaltigen Wächten, die sich unter dem Einfluß der Ostwinde an den Gipfeln und Graten gegen Westen hin vorbauen. Am Nevado Alpamayo haben sie die Form gewaltiger Schneerollen, am Nevado de Copa die einer riesigen Zwiebel. Überall sind sie trügerisch und gefährlich. Die zweite Besonderheit ist der an den höchsten und steilsten Wänden ausgebildete Rillenfirn. Form und Anordnung deuten auf bestimmte Luftströmungen hin. Es ist sicher kein Zufall, daß man den Rillenfirn besonders auf der Leeseite der wasserscheidenden Hauptkämme findet, die dem Anprall der Ostwinde besonders ausgesetzt sind...

Literatur (Auswahl)#

  • Kinzl/Schneider, Cordillera Blanca, Innsbruck 1950
  • Bergbauernfrage und Gebirgsentsiedlung in Tirol, 1956
  • Südtirol - geographisch betrachtet, 1965

Quellen#

  • H.&W. Senft, Aufbruch ins Unbekannte, Stocker Verlag, Graz, 1999
  • Uni Innsbruck

Redaktion: Hilde und Willi Senft