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Krenn, Kurt#

* 28. 6. 1936, Rannariedl (Gemeinde Neustift im Mühlkreis, Oberösterreich)

† 25. 1. 2014, Gerersdorf (Niederösterreich)


Theologe, geistlicher Würdenträger (Bischof)

Kurt Krenn. Foto, 1994, © Pressereferat der Diözese St. Pölten, für AEIOU
Kurt Krenn. Foto, 1994
© Pressereferat der Diözese St. Pölten, für AEIOU
Kurt Krenn wurde am 28. Juni 1936 in Rannariedl (OÖ) als zweites von sechs Kindern des Ehepaares Karl und Leopoldine Krenn geboren.

Nach der Matura am Realgymnasium in Schlierbach trat er 1954 in das Priesterseminar Linz ein und begann das Studium in Linz und Rom, wo er am 7. Oktober 1962 auch zum Priester geweiht wurde. In einer Pfarre bei Rom startete er seine Tätigkeit als Seelsorger.

Nach Studienaufenthalten in Tübingen und München, wo er von 1966 bis 1970 als Assistent an der theologischen Fakultät wirkte, war er von 1970 bis 1975 Professor für Philosophie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Linz. 1975 wurde er als ordentlicher Professor auf den Lehrstuhl für Systematische Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Regensburg berufen, wo er jahrelang zeitgleich mit dem emeritierten Papst Benedikt XVI. tätig war.

Kurt Krenn war von 1987 bis 1991 Weihbischof der Erzdiözese Wien und von 1991 bis 2004 Diözesanbischof von St. Pölten. Im Zusammenhang mit der Affäre um Kinderpornos und Homosexualität im Priesterseminar trat er im Herbst 2004 auf Wunsch des damaligen Papstes Johannes Paul II. zurück.

Die gesamte Amtszeit des "streitbaren Bischofs" war überschattet von heftigen Kontroversen um seine Person, seinen Stil und viele seiner Aussagen. Er selbst hat die Kritik an ihm stets zurück gewiesen: streitbar zu sein gehöre für ihn zum "Wesen eines vernünftigen Menschen", sagte er einmal.

Als positiver Höhepunkt seiner Amtszeit gilt der Papstbesuch im Juni 1998. Johannes Paul II. zelebrierte damals einen Gottesdienst im St. Pöltner Regierungsviertel.

Die Konflikte mit Kurt Krenn waren aber weit über St. Pölten hinausgegangen: Auslöser dafür war in erster Linie der Fall des früheren Wiener Erzbischofs Kardinal Hans Hermann Groer, gegen den im Frühjahr 1995 Vorwürfe laut geworden waren, er habe in seiner früheren Tätigkeit als Erzieher Buben sexuell missbraucht. Die nie wirklich aufgeklärten Anschuldigungen führten zur Absetzung Groers. Die Folge war die schwerste Krise der katholischen Kirche in Österreich nach 1945, auf das Kirchenvolks-Begehren reagierte die Amtskirche mit dem "Dialog für Österreich". Bischof Kurt Krenn lehnte beides ab, versagte aber Groer im Gegensatz zu seinen Amtsbrüdern niemals die Unterstützung.

Nach seinem Rücktritt lebte er völlig von der Öffentlichkeit zurückgezogen und hatte zunehmend mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Em. Diözesanbischof Prof. Dr. Kurt Krenn starb am 25. Jänner 2014 nach langer Krankheit im Kloster der "Dienerinnen der Immaculata" in Gerersdorf bei St. Pölten, wo er in den letzten Jahren gepflegt worden war.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Großes Goldenes Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich, 2001

Werke (Auswahl)#

  • Das "Systematische" in der Theologie. In: Theologie und Glaube 66, 1976
  • Katholizismus und die Philosophie des deutschen Idealismus. In Albrecht Langner (Hrsg.): Katholizismus und philosophische Strömungen in Deutschland, 1982
  • (m. E. Möde) Priesterausbildung und Tiefenpsychologie. (Ed. Psychosymbolik), 1990
  • Gottes Abbild im Nichts? In U. Zöller (Hrsg.:) Die Zukunft unseres Lebens. Antworten auf den Tod, 1991
  • Worte auf dem Weg. Gedanken eines Hirten der Kirche (zusammengestellt u. herausgegeben v. W.Schmid), 1999
  • Capax Dei. Die Gott-Fähigkeit des Menschen. Philosophische Aspekte, 2013

Literatur#

  • Hubert Wachter: Kurt Krenn. Gottes eherne Faust. Orac Verlag, 1993
  • N. Stanzel, Die Geißel Gottes, 1999
  • Josef Kreiml u. a. (Hrsg.): Der Wahrheit verpflichtet. Festschrift für em. Diözesanbischof Prof. Dr. Kurt Krenn zum 70. Geburtstag, 2006

Weiterführendes#

Quellen#



Redaktion: I. Schinnerl