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Lenz, Oskar#

* 13. 4.1848, Leipzig (Deutschland)

† 1925, Baden bei Wien


Forscher
Erforscher Angolas


Lenz, Oskar
© Österreichische Nationalbibliothek, Wien

Oskar Lenz- Haus in Timbuktu
Das Oskar Lenz-Haus in Timbuktu, Mali
© PIX Bildagentur, Wien (Foto Havlicek)

Obwohl in Deutschland geboren, war der Geologe und Forschungsreisende ein leidenschaftlicher Wahlösterreicher. Nach Abschluss seines Studiums ging er nach Wien an die Geologische Reichsanstalt und arbeitete dort unter Ferdinand von Hochstetter (geologische Sammlungen für den wissenschaftlichen Teil des Werks "Die Zweite Deutsche Nordpolarfahrt".

1874 erhielt er von der Deutschen Afrikanischen Gesellschaft in Berlin den Auftrag, sich an den Expeditionen nach Westafrika zu beteiligen, so erforschte er von 1874 bis 1877 Angola.

Auf seiner zweiten Expedition - wieder im Auftrag der Deutschen Afrikanischen Gesellschaft - in den Jahren 1879/80, erreichte er von Marokko aus als einer der erste Europäer das sagenumwobene Timbuktu im heutigen Mali, dereinst ein Handels- und Kulturmittelpunkt des islamischen Ostafrika.

Nach seiner Rückkehr 1881 war er Redakteur der Zeitschrift "Aus allen Weltteilen" und wurde in Wien zum Generalsekretär der Geographischen Gesellschaft ernannt.

In ihrem Auftrag trat er 1885 eine Reise in den Kongo an, um den Kongo bis zu den Stanleyfällen zu befahren, dann von hier nordostwärts die Wasserscheide gegen den Nil festzustellen.

Er versuchte als Leiter einer vom Kongo ausgehenden Expedition die durch den Mahdi-Aufstand im Sudan abgeschnittenen Europäer Junker, Cassati und Lupton zu befreien. Dieses Vorhaben misslang jedoch mangels Mitarbeit der Araber, die Genannten konnten sich glücklicherweise selbst über Uganda in Sicherheit bringen. Im April 1887 traf er wieder in Wien ein und wurde bald darauf Professor für Geographie an der Universität in Prag.

Im Osten Angolas
Im Osten Angolas
© Fritz Sitte, Villach

Aus seinem Buch einige Beobachtungen anläßlich des Aufenthalts in Timbuktu:

...Wir nähern uns immer mehr der vollständig offenen, von keiner Mauer umgebenen Stadt, ein Trupp Menschen zu Pferd und zu Fuß kommt uns entgegen, meist dunkle Gestalten mit verhülltem Gesicht und einige mit Speeren in der Hand. Wir wurden freundlich begrüßt und beglückwünscht zu der glücklichen Vollendung der Wüstenreise. Der ganze Zug bewegte sich nun durch eine Menge Straßen bis an das Haus des Kahia gewissermaßen des Bürgermeisters des Ortes. Die zahlreichen in den Straßen hockenden Negerweiber, welche Viktualien verkauften, begrüßten uns mit lautem Zuruf und jenem charakteristischen Geschrei, das man bei allen festlichen Gelegenheiten bei ihnen vernimmt... Am interessantesten waren mir natürlich die Tuarek, die zur Zeit einen größeren Einfluss in Timbuktu hatten als die Fulbe von Moassina. Sie haben etwas überaus Wildes in ihrem Erscheinen: das verdeckte Gesicht, die dunkelblaue Robe und die starke Bewaffnung: ein großes Schwert, einen kürzeren Säbel und einige Lanzen, die sie stets bei sich tragen und nie ablegen, dazu die rauhe, polternde Sprache und das selbstbewußte Auftreten das alles machte einen etwas unheimlichen Eindruck...

Eingeboren überqueren einen Fluß in Angola
Eingeborene überqueren einen Fluß in Angola
© Fritz Sitte, Villach

Werke (Auswahl)#

  • Skizzen aus Westafrika", Berlin 1878
  • Timbuktu. Reise durch Marokko, Sahara und Sudan", (Leipzig 1884; 2. Aufl. 1892)
  • Wanderungen in Afrika, Wien 1895

Literatur#

  • Lenz, Reise durch Marokko, die Sahara und den Sudan, Leipzig 1884

Quellen#

  • H.&W. Senft, Aufbruch ins Unbekannte, Stocker Verlag, Graz, 1999

Redaktion: Hilde und Willi Senft, I. Schinnerl