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Leskoschek, Axl#


* 3. 9. 1889, Graz

† 12. 2. 1976, Wien


Graphiker, Maler, Illustrator
Holzschnitt- und Exlibriskünstler, Jurist


Axl Leskoschek (eigentlich Albert von Leskoschek) wurde am 3. September 1889 als Sohn eines Feldmarschallleutnants in Graz geboren. Nach dem Jusstudium (Doktorat 1917) war er Fliegerleutnant im Ersten Weltkrieg, aus dem er schwer verwundet zurückkehrte. Durch dieses einschneidende Kriegserlebnis verzichtete er in der Folge auf eine Justizkarriere und begann an der Landeskunstschule Graz bei Alfred Schrötter und an der Grafischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien zu studieren.

Gleichzeitig begeisterte Leskoschek sich für die politischen Umwälzungen und wirkte für die sozialdemokratische Tageszeitung "Arbeiterwille" bis 1934 als Kulturredakteur. Bereits 1920 entstand das erste von ihm mit Holzschnitten illustrierte Buch, dem bis zu seinem Tod über 50 weitere Bücher folgen sollten.

Er gehörte in Graz zu den Gründern des Werkbunds "Freiland" (1919) und der Sezession (1923), den für das steirische Kunstleben bestimmenden Vereinigungen der Zwanziger- und Dreißigerjahre. Mit Holzschnitten - so seinen Faust-Illustrationen - und expressionistischen Bildern trat er innerhalb der Sezession von Beginn an in Erscheinung und konnte erste Preise gewinnen. Leskoschek war aber nicht nur als Holzstecher und Schnitzer in all den Jahren tätig, sondern wirkte unter anderem auch zwischen 1928 und 1931 als Bühnenbildner am Stadttheater in Augsburg.

Als Mitglied des Schutzbundes beteiligte er sich am Arbeiteraufstand im Februar 1934, wurde kurz inhaftiert, schloss sich nach seiner Entlassung der illegalen KPÖ an und wurde 1936 neuerlich eingesperrt. Während seiner Haft 1936/37 im Anhaltelager Wöllersdorf malte er eine umfangreiche Folge allegorischer Blätter in expressiv-surrealem Stil, die zu den bedeutenden Manifestationen widerständiger Kunst in Österreich zählen.

1938 flüchtete Axl Leskoschek gemeinsam mit Herbert Eichholzer vor den Nationalsozialisten zuerst nach Triest und dann allein in die Schweiz. Er publizierte unter einem Pseudonym kritische Artikel über die Verhältnisse im Deutschen Reich. Deshalb von der Abschiebung bedroht, ging er gemeinsam mit seiner Frau, die er in der Schweiz kennengelernt hatte, 1940 ins Exil nach Brasilien.

In Brasilien entstand eine Reihe von Ölbildern, Aquarellen, Linol- und Holzschnitten, Pochoirs, Lithographien und Radierungen. Daneben unterrichtete er an der Akademie der Bildenden Künste in Rio de Janeiro Holzschnitt und Komposition und wurde so zum Lehrer einen ganzen Generation brasilianischer Künstler. Sein Ruf wurde zudem durch seine über 200 Illustrationen zu den Büchern Dostojewski begründet. Auch schuf Leskoschek in Brasilien die besten Holzstiche zu seinem graphischen Hauptwerk, dem autobiographischen Zyklus Odysseus. 1948 kehrte er nach Österreich zurück.

In der Zeit des Kalten Krieges trat er als kommunistischer Aktivist für den Realismus in der Kunst ein. Lange wurde sein Werk offiziell kaum beachtet, erst mit seinem Odysseus-Zyklus und dem Kain-Zyklus – seinem zweiten graphischen Hauptwerk, das er seinem Freund Herbert Eichholzer widmete - erlangte er durch internationale Ausstellungen in den 1960er Jahren eine gewisse Bekanntheit. In Österreich wurden Ausstellungen mit ihm boykottiert, wie jene 1954 zum Thema "Kunst und Widerstand", an der neben Leskoschek auch Picasso, Léger u.a.m. teilnahmen. Auch seine erste Personale wurde, wie er in seinem Lebenslauf schreibt, totgeschwiegen. Erst nachdem er 1968 in Folge der Niederschlagung des Prager Frühlings aus der KPÖ ausgetreten war, stellten sich erste Ehrungen ein.

Während er in Brasilien bereits in den Vierzigerjahren durch Ausstellungen entsprechend gewürdigt worden war, kam es erst 1971 bzw. 1974 in Graz und Wien zu größeren Ausstellungen, um ihn bald darauf wieder zu vergessen.

Kurz vor seinem Tod 1976 meinte er in einem Rückblick, es sei der größte Fehler seines Lebens gewesen, Brasilien zu verlassen, wo er so viele Freunde und Schüler hatte, um in sein Land zurückzukehren und dort weiterhin unbekannt, fast anonym zu bleiben.

Axl Leskoschek hat über 80 Werke der Weltliteratur illustriert und mehrere, zum Teil unveröffentlichte Kinderbücher geschaffen.


Die künstlerische Spannweite reichte von Andersens Märchen und Geschichten und den mittelalterlichen Märchen und Legenden aus den Gesta Romanorum über E.T.A. Hoffmann, Christoffel von Grimmelshausen, Heinrich von Kleist, Johann Nestroy, Peter Rosegger und Anzengruber bis zu Illustrationen zu Romanen der Weltliteratur in der Wiener Volksstimme - Victor Hugo, Henry Fielding, Daniel Defoe und Robert Louis Stevenson.

Seine Visualisierungen des geschriebenen Wortes begründeten auch seinen Ruf, einer der ganz Großen der "Kleinkunst" - der kleinen Holzschnitte und Stiche - dieses Jahrhunderts zu sein. In Brasilien hatte er - neben zeitgenössischen brasilianischen Autoren auch die brasilianische Werkausgabe von Dostojewski und Ulrich Bechers Versbuch Brasilianischer Romanzero illustriert.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Österreichischer Staatspreis für Grafik, 1925
  • Preis der Stadt Wien für Bildende Kunst, 1969

Werke (Auswahl)#

Etliche seiner Arbeiten befinden sich heute in öffentlichem Besitz, so u.a.

  • im Unterrichtsministerium
  • Gemeinde Wien
  • in der Albertina
  • in der Österreichischen Galerie im Belvedere
  • in der Akademie und im Unterrichtsministerium in Rio de Janeiro
  • in der Neuen Galerie Graz, hier als Geschenke des Künstlers die Ölbilder (auf Leinwand) "Industrieanlage", "Stilleben mit Flasche und Zitronen", "Der Doppelgänger" (Arbeiten von 1945-1948)
  • Stadtgemeinde in Graz, hier u. a. aus dem "Kain"-Zyklus die vierfarbigen Linolschnitte "Kain ist der Mörder schlechtweg", "Der Sieger" und "Friede"

Literatur#

  • Thieme-Becker, XXIII Vollmer, Lexikon der bild. Künstler des XX. Jahrhunderts, III
  • Walter Fischer, Eines Künstlers Weg: A. L., in "Tagebuch", 10. Wien, 1959
  • "Der Illustrator L.", mit einer Einführung von Ina Jun-Broda, Dresden 1961
  • Ernst Fischer, "Die Dostojewskij-Illustrationen von A. L.", in "Buchkunst", IV, Dresden 1963
  • Erich Fitzbauer, "Die Holzschnittillustration im 20. Jahrhundert" in "ögb bildungsfunkt." 1970, H. 111
  • R. List, "Expression und Schriftsymbol", in "Südost-Tagespost", 7. März 1971
  • Dietmar Polaczek, "Graphik von L. und Reichert", in "Neue Zeit", Graz, 7. März 1971
  • H. Schwarzbauer in "Kleine Zeitung", Graz, 7. März 1971
  • Hans Fenz in "Volksstimme", Wien (Grazer Ausg.), 1971
  • E. M., Stiller Jubilar, Kronenzeitung (Steir. Ausgabe), 15. Februar 1974
  • List, 2, 504-505

Quellen#



Holzschnitt Leskoschek, Foto: S. Hackl-Grümm
Holzschnitt Leskoschek, Foto: S. Hackl-Grümm
Holzschnitt Leskoschek, Foto: S. Hackl-Grümm
Holzschnitt Leskoschek, Foto: S. Hackl-Grümm
Holzschnitt Leskoschek, Foto: S. Hackl-Grümm
Holzschnitt Leskoschek, Foto: S. Hackl-Grümm
Holzschnitt Leskoschek, Foto: S. Hackl-Grümm
Holzschnitt Leskoschek, Foto: S. Hackl-Grümm
Holzschnitt Leskoschek, Foto: S. Hackl-Grümm
Holzschnitt Leskoschek, Foto: S. Hackl-Grümm
Holzschnitt Leskoschek, Foto: S. Hackl-Grümm
Holzschnitt Leskoschek, Foto: S. Hackl-Grümm
Holzschnitt Leskoschek, Foto: S. Hackl-Grümm
Holzschnitt Leskoschek,Foto: S. Hackl-Grümm
Foto: S. Hackl-Grümm
Holzschnitt Leskoschek, Foto: S. Hackl-Grümm

Alle Fotos: S. Hackl-Grümm

Redaktion: A. Geiger, I. Schinnerl