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Lhotsky, Alphons#

* 8. 5. 1903, Wien

† 21. 6. 1968, Wien


Historiker


Alphons Lhotsky wurde am 8. Mai 1903 als Sohn eines Offiziers in Wien geboren.

Er studierte in Wien und absolvierte von 1923 bis 1925 das Institut für österreichische Geschichtsforschung.

Für seine ersten größeren Werke, darunter eine Kanzleigeschichte Kaiser Karls IV. und eine Habsburger-Ikonographie fanden sich keine Verleger, erst 1930 wurde er Vertragsangestellter im Bundesministerium für Unterricht.

1938 wurde er dem Kunsthistorischen Museum in Wien zugewiesen und hatte dessen Geschichte zu schreiben. Wenig später kam der zweite große Auftrag: Alphons Lhotsky sollte die Österreichische Chronik des Thomas Ebendorfer für die Monumenta Germaniae Historica herausgeben.

Ende des zweiten Weltkriegs war die Geschichte der Sammlungen fertig, die Vorarbeiten zu Ebendorfers Chronik waren abgeschlossen, und Lhotskys Ruf als Gelehrter war endgültig gefestigt. Noch 1945 habilitierte sich Lhotsky an der Universität Wien für Österreichische Geschichte und Geschichte des Mittelalters.

1946 wurde er auf den Lehrstuhl für Österreichische Geschichte in Wien berufen und 1950 wurde er Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Von 1960 bis 1968 war er Präsident des Instituts für Österreichkunde.

"Der große Mediävist und strenge Methodologe hat seine Kollegen wahrscheinlich ziemlich überrascht, als er im Frühjahr 1967 die Historikertagung in St. Pölten mit einem Vortrag über "Das Problem des österreichischen Menschen" konfrontierte. Der Text ist eine Fundgrube der synthesierenden Überblicke und der persönlichen Anekdoten, die "das Weltbild des hypothetischen oder destillierten Begriffes" in der Geschichte der Nationalerziehung seit 1620 verwurzelt. Kein anderer Historiker nach ihm hat diese Aufgabe weiter verfolgt. Lhotsky war der einzige Autor, der auf den Beitrag Hugo Hassingers für den Diskurs zum Österreichertum hinwies. Er zitierte eine Passage von Seite 37 aus Hassingers Buch Die Tschechoslowakei (1925), ohne den Titel, wohl aber das Erscheinungsjahr zu erwähnen." (William M. Johnston, Der Österreichische Mensch, Wien, 2009)

Werke (Auswahl)#


  • Festschrift des Kunsthistorischen Museums, 2 Bände, 1941/45 (Baugeschichte und Geschichte der Sammlungen)
  • Privilegium maius, 1957
  • Thomas Ebendorfer, 1957
  • Österreichische Historiographie, 1962
  • Quellenkunde zur mittelalterlichen Geschichte Österreichs, 1963
  • Umriß einer Geschichte der Wissenschaftspflege in Niederösterreich, 1964
  • Die Wiener Artistenfakultät, 1965
  • Geschichte Österreichs seit der Mitte des 13. Jahrhunderts (1281-1358), 1967
  • Cronica Austriae, 1967 (Hg.)
    Gesammelte Aufsätze, 5 Bände, 1970-76 (z.B. über die Bedeutung von AEIOU)

Vorträge:

  • "Österreichs Kultur von 1900 bis 1918", Vortrag am 8. April 1963, in: Aufsätze
und Vorträge, 5 (Wien: Verlag für Geschichte und Politik 1976), S 220-241
  • "Das Problem des österreichischen Menschen", Vortrag am 22. März 1967, in : Aufsätze und Vorträge 4 (1974), S 308-331

Literatur#

  • Nachruf von E. Zöllner in Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 76, 1968
  • O. Brunner, in: Alm. d. Österr. Ak. d. Wiss. 118, 1968, S. 286-300

Quellen#

  • AEIOU
  • Neue Österreichische Biographie
  • Neue Deutsche Biographie


Redaktion: P. Diem