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Lissauer, Ernst #

* 10. 12. 1882, Berlin

† 10. 12. 1937, Wien


Schriftsteller, Literaturkritiker


Ernst Lissauer wurde am 10. Dezember 1882 als Sohn einer alteingessenen Berliner Fabrikantenfamilie in Berlin geboren und wuchs dort als assimilierter Jude auf.

Er studierte deutsche Literaturwissenschaften in Leipzig und München, danach kehrte er nach Berlin zurück und ließ sich dort als Literaturkritiker und freier Schriftsteller nieder.

Als Mitarbeiter der Zeitschrift "Literarisches Echo" - später unter dem Titel "Die Literatur" erschienen - schrieb er hervorragende Kritiken, besonders auf dem Gebiet der Lyrik.

Von 1905 bis 1907 arbeitete er in Dachau als Schriftsteller, anschließend lebte er wieder in München und gab dort eine deutsche Schriftenauswahl heraus.

Während des ersten Weltkriegs redigierte er die "Deutsche Karpathenzeitung" und war Herausgeber der Feldzeitung "Front".


Leidenschaftlicher Patriotismus bewog ihn 1914 zu seinem Gedicht "Hassgesang gegen England". Er distanzierte sich zwar später wieder davon, trotzdem wurde ihm immer wieder vorgeworfen, dieses Gedicht bewusst als Hetz- und Propaganda-Gedicht verfasst zu haben. Aus dem ehemals deutschesten aller jüdischen Dichter wurde ein jüdischer Dichter, der kritisch beobachtet wurde.

Er wandte sich nun dem Drama zu und schrieb Werke über historische Persönlichkeiten, unter anderem über Thomas Münzer.

Ab 1924 lebte er in Döbling bei Wien und komponierte eine Reihe von Lobeshymnen auf das Österreich der Ersten Republik in seinem Reisebuch Glück in Österreich (1926).

Das Buch liest sich, als ob der junge Franz Werfel Anton Wildgans' Rede über Österreich in ein Prosa-Oratorium umgearbeitet hätte. Der österreichische Mensch wird in einen wahren Beseelungshimmel versetzt; nur wenige Österreicher haben ihre Heimat lyrisch so hochgespielt wie dieser Zugereiste. (William M. Johnston, Der Österreichische Mensch, Wien, 2009)


In seinem lyrischen Werk setzte er sich mit seinen Problemen als deutscher Jude im Wien der Zwischenkriegszeit auseinander.

Werke (Auswahl)#

  • Gewalt (Komödie), 1924
  • Glück in Österreich. Bilder und Betrachtungen, 1926

Gedichte

  • Der Acker, 1907
  • Der Strom, 1912
  • Der brennende Tag, 1916
  • Bach, 1919
  • Der inwendige Weg, 1920
  • Gloria Anton Bruckners (mit Prosa), 1921
  • Flammen und Winde, 1922
  • Zeitenwende, 1936

Dramen

  • Yorck, 1921
  • Eckermann, 1921
  • Das Weib des Jephta, 1928
  • Luther und Thomas Münzer, 1929
  • Der Weg des Gewaltigen, 1931
  • Die Steine reden, 1936

Quellen#



Redaktion: P. Diem, I. Schinnerl