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Loley, Maria#


* 22. 11. 1924, Poysdorf

† 4. 2. 2016, Laa an der Thaya


Sozialarbeiterin, Flüchtlingshelferin


Maria Loley wurde am 22. November 1924 als ältestes von fünf Kindern in Poysdorf im Weinviertel geboren, wo sie aufwuchs und die Schule besuchte.

In der Zeit des Zweiten Weltkriegs nahm sie Gelegenheitsarbeiten bei Bauern, in Büros und in Haushalten an, das Studium war ihr und ihren Geschwistern von den Nationalsozialisten verboten worden.

Zu Kriegsende erlebte Maria Loley 1945 die Flüchtlingstragödie im benachbarten Südmähren. Gemeinsam mit anderen Einheimischen kümmerte sie sich in Poysdorf um die Versorgung der Flüchtlinge und Überlebenden des "Brünner Todesmarsches" und infizierte sich dabei selbst mit Ruhr, Typhus und Tuberkulose.

1945 ging sie nach Wien, um Medizin zu studieren - da ihr aber die Matura fehlte, entschloss sie sich zu einer Ausbildung zur Fürsorgerin. Trotz Unterbrechung wegen einer schweren und langwierigen Lungentuberkulose konnte sie die Ausbildung 1949 mit der Staatsprüfung abschließen.

Anschließend arbeitete sie in einem Flüchtlingslager in der Steiermark; danach war sie von 1956 bis 1959 als Fürsorgerin in St. Johann im Pongau und von 1959 bis 1975 im Jugendamt von Mistelbach tätig. Von 1976 bis 1979 war sie am Aufbau des Psychosozialen Dienstes im Weinviertel und der Sozialstation in Poysdorf beteiligt.

1981 startete sie privat organisierte Hilfsprojekte für Polen - und baute 1992 nach Ausbruch der Kämpfe in Jugoslawien in Poysdorf (Bezirk Mistelbach) ein Hilfsnetz für Flüchtlinge aus den Jugoslawienkriegen auf. (Ihr und ihrem Team von 50 ehrenamtlichen Helfern gelang es, in der Gemeinde mit damals 5.500 Einwohnern 145 Flüchtlingsfamilien zu integrieren. Insgesamt konnten 580 Flüchtlinge privat untergebracht werden.)

Das Projekt "Flüchtlingshilfe Poysdorf" erhielt 1994 den erstmals ausgeschriebenen - und mit 100.000 Schilling dotierten - Preis des UNO-Hochkommissariats für Flüchtlingshilfe (UNHCR). 1995 wurde Maria Loley für ihre beispielhafte Arbeit mit dem Kreisky-Anerkennungspreis für Menschenrechte ausgezeichnet und vom ORF-Landesstudio Niederösterreich zur "Frau des Jahres 1994" gewählt.

Im selben Jahr - am 16. Oktober 1995 - wurde Maria Loley Opfer einer Briefbombe von Franz Fuchs. Sie wurde schwer verletzt und verlor einen Zeigefinger. Maria Loley wurde damit aber nicht gestoppt – sie gründete darauf den Verein "Bewegung Mitmensch".

1996 übersiedelte sie nach Wien in das Priesterseminar der Erzdiözese und setzte sich mit ihrem Verein "Bewegung Mitmensch – Hilfe für Menschen in Not" weiterhin für die Flüchtlinge von Poysdorf sowie für In- und AusländerInnen in Not und Schwierigkeiten ein.

Maria Loley wohnte ab 2003 im Heim "Mater Salvatoris" in Pitten. Am 4. Februar 2016 starb die "Pionierin der Nächstenliebe" im 92. Lebensjahr in Laa an der Thaya.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Preis des UNO-Hochkommissariats für Flüchtlingshilfe (UNHCR), 1994
  • Ehrenring der Stadtgemeinde Poysdorf, 1995
  • Anerkennungspreis der Bruno-Kreisky-Stiftung für Verdienste um die Menschenrechte, 1995
  • "Frau des Jahres 1994", gewählt vom ORF-Landesstudio Niederösterreich, 1994
  • "Frau des Jahres" des Fernsehsenders ARD, 1996
  • Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich, 1998
  • Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, 2003
  • Stephanusorden in Gold der Erzdiözese Wien, 2004
  • Liese-Prokop-Frauenpreis, 2007
  • Auszeichnung der Islamischen Föderation, Wien


Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl