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Mähr, Christian #

* 6. 2. 1952, Nofels, Feldkirch, Vorarlberg


Autor, Journalist


Christian Mähr wurde am 6. Februar 1952 in Feldkirch-Nofels in Vorarlberg geboren.

Nach der Matura am Bundesgymnasium Feldkirch studierte er Chemie an der Universität Innsbruck.

Nach seiner Promotion arbeitete er als Wissenschaftsredakteur beim Österreichischen Rundfunk. 1999 nahm er am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil.

Er ist Verfasser von Romanen und Hörspielen, die der 'Fantastischen Literatur' zugerechnet werden und lebt als Autor und Journalist in Dornbirn in Vorarlberg.


Mit seinem Buch "Semmlers Deal" hat er eine moderne Version des mittelalterlichen Teufelspakts geschrieben, in der er Kritik an materieller Orientierung der heutigen Gesellschaft mit einem ironischen Spiel rund um esoterische Glaubenssehnsucht verbindet.

Auszeichnungen, Preise (Auswahl)#

  • 1992 SFCD - Literaturpreis (für Science Fiction Literatur)
  • 1992 Kurt-Lasswitz-Preis
  • 1995 Ehrengabe des Landes Vorarlberg

Werke (Auswahl)#

Bücher
  • Magister Dorn. Roman. München: Heyne, 1987
  • Fatous Staub. Roman. München: Heyne, 1991
  • Stadt Feldkirch. Bildband. Feldkirch: Amt der Stadt Feldkirch, 1993
  • Simon fliegt. Roman. Köln: DuMont Buchverlag, 1998
  • Die letzte Insel. Roman. Köln: DuMont Buchverlag, 2001
  • Vergessene Erfindungen. Warum fährt die Natronlok nicht mehr? Köln: DuMont Buchverlag, 2002
  • Semmlers Deal. Roman. Wien: Deuticke, 2008
  • Alles Fleisch ist Gras. Wien: Deuticke, 2010

Hörspiele:

  • Futurum Exactum. Regie: Wolfgang Stendar. ORF, 1983
  • Das schwarze Loch. Regie: Frederik Ribell. ORF, 1984
  • Chlorophyll. Regie: Augustin Jagg. ORF, 1985
  • Die transplutonische Plage. Regie: Augustin Jagg. ORF, 1986
  • UFO. [Dialekthörspiel]. Regie: Augustin Jagg. ORF, 1999

Theaterstück:

  • Spengler oder Stiefel muss sterben (UA Vorarlberger Landestheater, 2008)


Leseprobe#

aus "Die letzte Insel"


Nun beginnt der schwierigste Teil meines Berichtes. Zuviel passierte gleichzeitig, und es passierte auch zuviel, von dem ich erst im Nachhinein erfuhr. Dies plausibel darzustellen, erfordert ein gefinkeltes Spiel von Schauplatzwechseln und ineinander verschränkten Erzählzeiten, damit der Leser mitbekommt, was erstens, zweitens, drittens kam; und genau dies kann ich nicht und konnte ich nie und werde ich nie können. Meine eigenen Plots habe ich natürlich immer so angelegt, daß höchstens eine Sache gleichzeitig passierte.
Während ich also auf dem Weg am Fuß des Abhangs heimwärts strebte und über das Problem nachdenken wollte, wie man Harald Eder, Jeanette Prskawetz und Angelika Venator dazu bringen konnte, in Pacos vermaledeites Boot zu steigen, wurde ich durch Lärm vom Hafen gestört. Den Lärm verursachten zwei Hubschrauber, die offenbar auf einem Riesenpott stationiert waren, der das Hafenbecken fast ausfüllte. Ein Kriegsschiff, aber ihne Tarnung, riesig, grau und in Festbeleuchtung. Auch die Hubschrauber hatten Scheinwerfer an und verzogen sich bald nach Nordwesten. Der Kai lag auf der anderen Seite des Hafens, ich beschleunigte den Schritt, blieb, so gut es ging, im Schatten der Felsen und erreichte bald die ersten Häuser. Von dort schlich ich mich in eine günstige Position, um die Kaiseite zu beobachten. Ich hatte rege Ladetätigkeit erwartet, das Ausfahren von Krankenwagen, geländegängigen Feldlazaretts und was weiß ich noch alles, aber da war gar nichts. Kein Zweifel, die Rächer der Enterbten und geschworenen Feinde allen irdischen Übels waren eingetroffen, aber mit der Bekämpfung ließen sie sich eher Zeit. Ihre bisherige Tätigkeit schien mit der Errichtung eines imposanten Drahtverhaus ausreichend beschrieben zu sein. Die Hubschrauber hatten sie auch noch ausgeschickt. Ich zog mich zurück und begann auf der Strandpiste zu rennen. Die Bekämpfer aller Viren und Bakterien waren wohl gerade erst angekommen. Ich pries ihre Vorsicht, erst die Lage zu erkunden. Das kam mir gelegen. Viel Zeit blieb mir allerdings nicht. Bald würden sie in dreischichtigen Schutzanzügen ausschwärmen, Leichen aufsammeln und Kranke isolieren. Und jeden erschießen, der ihnen näher als fünf Meter kam.

© 2001, DuMont, Köln.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.
Literaturhaus

Weiterführendes#

August, H.-J.: Natronloks und Teflonpfannen (Essay)

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl