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Mallitsch, Ferdinand#

* 3. 7. 1820, Graz

† 10. 11. 1900, St. Leonhard (Untersteiermark)


Genre- und Porträtmaler


Ferdinand Mallitsch begann nach seiner Matura in Graz zuerst ein Jusstudium, ehe er seine künstlerische Ausbildung 1841 an der ständischen Zeichnungsakademie bei Josef Tunner aufnahm und von 1842 bis 1848 die Akademie der bildenden Künste in Wien absolvierte.
Als Lehrer beeinflussten ihn Waldmüller, Kuppelwieser und Cogniet. Auch die Schule von Barbizon ist in seinem Schaffen spürbar.


Er musste seine Studien aber beenden, um die Verwaltung des elterlichen Gutes zu übernehmen.

Einen ersten großen Erfolg hatte er 1852 mit seinem Bild "Der Findling". Mit Mühe ermöglichte er sich 1854 einen Aufenthalt in Paris, der ihn mit den bahnbrechenden Bestrebungen der damaligen französischen Malerei (Corot, Rousseau) in enge Beziehung gebracht haben muss.
Ab 1855 bewirtschaftete er jahrelang das Familiengut bei Marburg in der Untersteiermark und musste auf die berufsmäßige Ausübung der Malerei verzichten. Nach dem Verkauf des Hofes übersiedelte er nach St. Leonhard.
Erst Mitte der 1860er Jahre, als er sich vermählte und Vater wurde, wandte er sich wieder verstärkt der Malerei zu. Thematisch standen nun seine Familie und die Landschaft der nächsten Umgebung im Mittelpunkt.

Fern des städtischen Kunstbetriebes in großer Zurückgezogenheit lebend, gelangte er unter Verarbeitung seiner Eindrücke (Frankreich, Barbizon) zu sehr eigenständigen Lösungen.
Während Mallitsch in seinem Frühwerk deutlich unter dem Einfluss der Wiener Biedermeiermalerei stand, was ihm die Bezeichnung eines steirischen Waldmüller eingebracht hatte, suchten seine späteren Werke neue Ausdrucksformen. Besonders die intimen Familienszenen in den Räumen seines Hauses sind von großem malerischen Reiz.

Das Licht fließt warm und tonig durch die Räume und löst jede Schwere auf. Das Interesse konzentriert sich in seinen Landschaftsbildern auf die Wiedergabe der Gegenstandsfarben und durch das Spiel von Licht und Schatten.

Mallitsch ist einer der interessanten österreichischen Künstler des 19. Jahrhunderts, dessen stimmungsvolle Natursicht und aufgelockerte malerische Formen einen wichtigen Beitrag zur Kunst lieferten. Da er sich aber fast nie an Ausstellungen beteiligte, blieb sein Werk Zeit seines Lebens unbekannt und ohne Wirkung. Eine Kollektivausstellung nach seinem Tod 1901 brachte ebenfalls nur kurzen Erfolg und erst die Gegenwart ist daran, seine Leistung zusammenzufassen und gerecht zu würdigen.

Werke (Auswahl)#

Reicher Bestand an Mallitsch-Bildern in der Neuen Galerie in Graz (außer dem ursprünglich fürs Belvedere angekauften und nun als Leihgabe in Graz vorhandenen "Findling")
  • Selbstporträt in jungen Jahren (Brustbild, Öl, Lwd.)
  • spätere Selbstportäts (Öl, Papier, und Öl, Drillich)
  • Selbstporträt vor grünem Ofen (Öl, Papier)
  • Bildnis der Mutter des Künstlers und zweier der Gattin des Künstlers (Brustbilder, Öl, Lwd.)
  • Bildnis des Malers Waldmüller von 1853
  • Studienkopf eines graubärtigen Mannes, der eines alten Bauern (aus der Frühzeit)
  • Porträts Othmar Mallitsch (1873)
  • J. P. Bauer mit Tochter
  • Hedwig Pauer mit Söhnchen, einer Dame, eines kleinen Bauernmädchens (von 1857)
  • der Familie Mallitsch in der Wohnstube und ein weiteres Familienporträt
  • Frau Mallitsch, am Fenster nähend
  • zwei männliche Porträtköpfe
  • ein männliches Porträt (Brustbild)
  • Schlafstube des Künstlers
  • Alter Winzer von 1866
  • Ländliches Idyll
  • Bergstraße vor Mondaufgang
  • Daheim"
  • Untersteirisches Bauernhaus
  • Sommerlandschaft in Gornik
  • An der Tränk
  • Mädchen mit Kind vor einem Bauernhaus
  • Der Leichnam Christi, von Engeln umgeben
  • Abendstimmung an der Pößnitz
  • ... und mehrere unbestimmte Landschaften

Einige erfolgreiche Früharbeiten:

  • Schwerer Entschluß, 1853 (vom österr. Kunstverein angekauft)
  • Kinderstube, 1854 (vom Pester Kunstverein erworben)
  • Der kleine Rekrut, in der Pariser Zeit des Studiums bei Leon Cogniet entstanden; Reproduktion seines Aquarells (von Gräfin Elise Batthyanyi angekauft)

Literatur#

  • Festschrift 150 Jahre Joanneum 1811 bis 1961, Abb. 10 der Beilage nach 204.
  • Feuchtmüller in "Kunst in Öst.", II, 178 (Durch Josef Tunner, Christian Moser und F. M. war "Graz neben Wien das bedeutendste Kunstzentrum des Biedermeier")
  • Trude Aldrian, F. M., in Carinthia I, 146. 1956, 712 ff.
  • F. M., Ein Gedenkblatt, in Grazer Tagblatt, 1901, Nr. 311 und 313
  • List, 2, 544-545
  • Fuchs, H.: Die österr. Maler des 19. Jahrhunderts. - Wien. 3. L-R. 1973, S. K35

Quellen#



Redaktion: A. Geiger, I. Schinnerl