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Marboe, Ernst Wolfram#

* 10. 8. 1938, Wien

† 12. 1. 2012, Wien


Journalist, Regisseur, Autor
Landes-, Fernseh- und Programmintendant ORF

Marboe, Ernst Wolfram
Ernst Wolfram Marboe. Foto, 1990
© Die Presse/Harald Hofmeister, für AEIOU
Ernst Wolfram Marboe - Sohn von Ernst Marboe, Bruder von Peter Marboe - wurde am 10. August 1938 in Wien geboren.

(Sein Vater Ernst Marboe leitete in den 1950er Jahren die Bundestheaterverwaltung, war Mitglied des Direktoriums der Salzburger Festspiele und Gründer der Austria Wochenschau.)

Ernst Wolfram Marboe absolvierte nach dem Realgymnasium ein Regie- und Schauspielstudium am Max-Reinhardt-Seminar und begann ein Studium der Theaterwissenschaften und Germanistik an der Universität Wien. Bereits während seines Studiums leitete er von 1962 bis 1964 das Wiener Studententheater, war als Assistent und Inspizient bei den Bregenzer und den Salzburger Festspielen tätig und Mitarbeiter an den Opernhäusern in Stuttgart, Hamburg und Frankfurt.

Ab 1961 war Ernst Wolfram Marboe als Autor und Regisseur als freier Mitarbeiter im ORF tätig. 1971 wurde er zum Leiter der Abteilung Hörspiel und Literatur im Landesstudio Niederösterreich und 1976 zu dessen Intendanten bestellt. 1978 wurde er Intendant des ORF-Fernsehsenders FS 2 und 1984 Fernseh-Programmintendant. Nach 9jähriger Tätigkeit wurde er (nach Differenzen wegen einer TV-Produktion) 1993 vom ORF-Kuratorium abberufen.

In seiner Zeit als Programmintendant erfand Ernst Wolfgang Marboe - neben vielen anderen Formaten - die Diskussionssendung "Café Central" und machte die Radio-Spendenaktion "Licht ins Dunkel" zu dem großen österreichischen TV-Spenden-Event, der er heute ist – die größte europäische Sozialaktion. Er verhalf der Kultur im Fernsehen zu einem neuen Stellenwert – er reaktivierte u.a. die TV-Übertragungen aus der Wiener Staatsoper und aus den größten Opernhäusern der Welt.

Er produzierte das erste interaktive Fernsehspiel - "Raimunds „Barometermacher auf der Zauberinsel" (mit Bluebox-Technik für eine virtuelle Kulisse!), setzte aber auch neue Maßstäbe mit dem interaktiven Fernseh-Wunsch-Programm "Wurlitzer" und der "Lieben Familie", einer Stegreif-TV-Serie, bei der Tagesaktualität in die live produzierte Handlung integriert wurde. Er förderte aber zugleich die typisch österreichischen Volkskultur und räumte auch ausgefalleneren Kulturangeboten in der Reihe "Kunst-Stücke" einen fixen Sendeplatz ein.

Mit seiner letzten großen Arbeit im ORF, der TV-Umsetzung von Raimunds "Der Diamant des Geisterkönigs", nutzte er erstmals digitale Techniken und beschritt mit dem erstmaligen Einsatz von HDTV absolutes Neuland - Jahrzehnte bevor die Technik Eingang in den TV-Alltag fand.

Nach seinem Ausschieden aus dem ORF leitete er von 2000 bis 2007 die Raimundfestspiele Gutenstein und inszenierte in dieser Zeit alle acht Theaterstücke Ferdinand Raimunds.

Ernst Wolfram Marboe war langjähriger Präsident des österreichischen Behindertensportverbandes und stellvertretender Präsident von den Special Olympics Österreich. Von 1996 bis 2005 war er Präsident des Österreichischen Akademikerbundes.

Ernst Wolfram Marboe war als Student der "Bajuvaria" (Katholisch Akademische Verbindung Bajuvaria, K.A.V. Bajuvaria zu Wien) beigetreten und war von 1973 bis 1976 war Leiter des Academia-Amtes und somit Herausgeber der Zeitschrift des Cartellverbandes.

Ernst Wolfram Marboe war verheiratet und Vater von vier Kindern. Er verstarb am 13. Jänner 2012.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Goldene Kamera (für die Sendung "Licht ins Dunkel“), 1978
  • Großes Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
  • Raimund-Ring der Raimund-Gesellschaft (für den „Verschwender für Kinder“), 1995
  • Großes Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
  • Ehrenzeichen der Bundesländer Niederösterreich, Salzburg, Wien und Steiermark
  • Ehrenbürger von Gutenstein
  • Verleihung des Berufstitels „Professor“, 2006

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl