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Mauthner, Ludwig Wilhelm, Ritter von Mauthstein#

* 14. 10. 1806, Raab (heutiges Ungarn)

† 8. 4. 1858, Wien


Arzt und Kinderarzt


Mauthner, Ludwig
Ludwig Mauthner, um 1880
Aus: Wikicommons

Ludwig Wilhelm Mauthner begann 1823 ein Medizinstudium in Wien und trat 1825 in die Josephs-Akademie ein.

1831 promovierte er und wurde als Oberfeldarzt zum Assistenten der Akademieklinik ernannt.
Er erwarb sich während der Wiener Cholera-Epidemie und der Thyphus-Epidemie in Galizien große Verdienste, was auch seinen Aufstieg zum Regimentsarzt beschleunigte.
Er beendete 1837 allerdings die militärische Laufbahn und ließ sich in Wien nieder, um sich speziell der Pädiatrie zu widmen.

Seine Anliegen waren sowohl die Verbesserung der medizinischen Fürsorge für akut erkrankte Kinder armer Eltern als auch das wissenschaftliche Interesse an den Krankheiten im Kindesalter.

Die Verbindung von sozial engagierter Grundversorgung und medizinischer Forschung motivierten ihn zur Gründung einer Klinik zur kostenlosen Behandlung armer kranker Kinder, die er am 26. August 1837 mit 12 Betten eröffnete - er finanzierte die Miete für das Haus, die Kosten für einen Assistenzarzt und zwei Pflegerinnen und die Verpflegungs- und Heilmittelkosten.


Durch populäre Vorlesungen über Diätetik und Kindererziehung machte er sich und sein Anliegen bekannt und erlangte prominente Unterstützung, nicht zuletzt durch Kaiserin Maria Anna, die die Patronanz für das Kinderspital und sechs sogenannte Bettenstiftungen, d.h. Behandlungskosten, übernahm. Schon drei Jahre später ermöglichten Spenden eine Erweiterung: 20 Betten, Räume für die ambulante Behandlung und ein eigenes Behandlungszimmer für Kinder mit Ausschlägen. Mauthner erhielt die Bewilligung zur Behandlung zahlender PatientInnen, eine regelmäßige Dotierung aus öffentlichen Geldern allerdings nicht.

1842 wurde ein privater Wohlfahrtsverein gegründet, der die Finanzierung des Krankenhauses (St. Anna-Kinderspital) mit Mitgliedsbeiträgen und Spenden übernahm. 1843 wies das Spital bereits 36 Betten auf, auch eine Isolierabteilung entstand in dieser Zeit - so konnten jährlich 600 Kinder stationär und mit Hilfe von 2 Hilfsärzten auch 2000 ambulant behandeln werden.

St. Anna Kinderspital, Wien
St. Anna Kinderspital, Wien
Foto: GuentherZ. Aus: Wikicommons unter CC

Neben Kinderspitälern setzte sich Mauthner auch für Fortbildung von medizinischem Personal ein: 1844 eröffnete er in einer Kinderklinik auch eine Hebammen- und Kinderpflegerinnen-Schule, eine Neuheit in der damaligen Zeit.

Von Mauthners Neuerungen begeistert, wurde 1848 auf kaiserliche Veranlassung ein Neubau mit 120 Betten in der Kinderspitalgasse errichtet. Mauthner wurde mit deren Leitung betraut und zum Professor für Kinderheilkunde ernannt (Lehrstuhl für Pädiatrie).

1849 wurde Mauthner als Ritter von Mauthstein in den Adelstand erhoben und mit dem Orden der eisernen Krone ausgezeichnet.

Am 8. April 1858 starb Ludwig Wilhelm Mauthner, Ritter von Mauthstein, und hinterließ dem St. Anna Kinderspital eine ansehnliche Dotation, seine Biblothek und seine Präparatensammlung.

Was von Mauthners Wirken bestehen blieb, sind sein humanitärer Einsatz und seine organisatorischen Leistungen. Aus seinen Vorträgen und Schriften zur Diätetik spricht der sozial engagierte Kämpfer gegen Aberglauben und Engstirnigkeit in der Kinderpflege und -erziehung.

Univ. Prof. Dr. Ludwig Wilhelm Mauthner, Ritter von Mauthstein, ruht in einen Ehrengrab am Hietzinger Friedhof (Gr. 6, Nr. 17)

Werke (Auswahl)#

  • Die Heilkräfte des kalten Wasserstrahls, 1837
  • Die Krankheiten des Gehirns und Rückenmarks bei Kindern: durch Krankheitsfälle aus dem ersten Kinder-Spitale erläutert (1844), Verlag A. Strauss Witwe & Sommer, Wien, 446 S.
  • Kinder-Diätetik. Anleitung zur naturgemäßen Pflege und Erziehung des Kindes, 1853
  • zahlreiche Aufsätze in medizinischen Zeitschriften


Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl:

  • Zu Lebzeiten in den Ritterstand erhoben
  • In Wien wurde ihm zu Ehren die Mauthnergasse im Alsergrund (9. Bezirk) benannt

Quellen#

  • Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten Jahrhunderts (1901), J. L. Pagel, Urban & Schwarzenberg Verlag, Berlin & Wien, 433 S.
  • Das große Buch der Österreicher – 4500 Personendarstellungen in Wort und Bild (1987), ed. W. Kleindel & H. Veigl, Verlag Kremayr & Scheriau, Wien, 615 S.
  • Das Kind und sein Arzt. 150 Jahre St. Anna Kinderspital (1987), P. Krepler, In: Kinderarzt 18, S. 1429-1441
  • St. Anna Kinderspital
  • Vienna Torurist Guide
  • Straßenverzeichnis


Redaktion: von N. Miljković, I. Schinnerl