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Mayer-König, Wolfgang#

* 28. 3. 1946, Wien


Autor, Hochschulprofessor, Delegierter, Repräsentant


Wolfgang Mayer-König
Wolfgang Mayer-König beim Hamburger Autorenverband, August 2008.
Foto: DirkBecker. Aus: Wikipedia unter CC

Er widmete sich bereits in jungen Jahren der Literatur. 1968 wurde er als Student von der Österreichischen Hochschülerschaft zum fraktionsungebundenen Bildungs- und Kulturreferenten gewählt, kurz darauf auch zum gesamtösterreichischen Bildungs- und Kulturreferenten. 1967 bis 1970 hat er mit vielen namhaften Kulturschaffenden eine Seminartätigkeit in Ergänzung zum bestehenden Vorlesungsbetrieb geschaffen und damit unberücksichtigte Lehrinhalte angeboten. Diese allgemein zugänglichen Veranstaltungen übten einen wesentlichen Einfluss auf die Praxisorientiertheit und Aktualität bestehender Forschung und Lehre aus. Damit aktivierte er - wie Hilde Spiel in "Kindlers Literaturgeschichte der Gegenwart" schreibt - "das bis dahin mäßige Interesse an der Gegenwartsdichtung, verschaffte unveröffentlichten Texten Gehör und konnte dafür zuweilen achthundert Zuhörer auf akademischen Boden im Namen der Literatur versammeln.

1968 gründete er einen Literaturpreis, welcher im ersten Jahr Elfriede Jelinek für ihre allerersten, noch unveröffentlichten Texte zuerkannt wurde.

Mayer-König gründete 1968 in Wien das Universitätsliteraturforum Literarische Situation. Es bestand bis 1977. Später errichtete er Filialen in den österreichischen Bundesländern. Er holte Elias Canetti, Erich Fried, Martin Walser, Rudolf Hagelstange, Holthusen, Hans Erich Nossack, Günter Eich, Karl Krolow, Walter Jens, Heinz Piontek, Horst Bienek, Peter O. Chotjewitz erstmals an die Universität Wien, um mit Werkseminaren und Textberatungen gemeinsam mit jungen und noch unveröffentlichten Autoren und Hörern nutzbringenden Einfluss auf den bestehenden Kulturbetrieb nehmen zu können. Elfriede Jelinek, Wolfgang Bauer, Klaus Hoffer, Joseph Zoderer, Peter Henisch, Gert Jonke, Heidi Pataki konnten ihre ersten Arbeiten an diesen Orten der Begegnung vorstellen, weiterentwickeln und Veröffentlichungsmöglichkeiten realisieren.

1978 gründete er mit Lev Detela die Literaturzeitschrift "LOG". Die UNESCO hat dieses einzige deutschsprachige aus Österreich stammende Repräsentativwerk der UNESCO in Paris herausgegeben. Als Autor von Gedicht-, Prosa- und Essaybänden ist Wolfgang Mayer-König als Autor bekannt und seine Werke wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

1971 wurde er in das Kabinett von Bundeskanzler Bruno Kreisky aufgenommen. 1972 verfasste er den Gesetzesentwurfe zur Regelung des Zivildienstes. Mayer-König wurde im selben Jahr auch zum ordentlichen Hochschulprofessor für die Lehrtätigkeit an der Universität Linz ernannt.

1972 hatte Wolfgang Mayer-König die Funktion des Generalsekretärs des von der österreichischen Bundesregierung einberufenen Internationalen Kongresses „Die Zukunft von Wissenschaft und Technik“ inne. In der Folge wurde gemeinsam mit Walter Kohn und Carl F. Cori ein Modell für eine engere Zusammenarbeit industrieller und universitärer Forschung ausgearbeitet und praktisch angewandt. Ab diesem Zeitpunkt kooperierte Mayer-König auch intensiv mit dem industriellen Sektor. Im Dezember 1975 wurde Mayer-König seitens des Bundeskanzlers mit Verhandlungen zur Freilassung der Geiseln im Anschluss an den Terror-Überfall ausländischer Terroristen auf die Tagung des Ministerrates der Organisation erdölexportierender Länder in Wien betraut. Von 1978 bis 1990 war Mayer-König als Geschäftsführer der Transportbeton Gesellschaft in der Privatwirtschaft tätig. Von 1978 bis 1983 bekleidete Wolfgang Mayer-König die Funktion eines Direktors und Gesamtprokuristen der Allgemeinen Baugesellschaft A. Porr AG und war ab 1983 im Vorstand dieser Gesellschaft. Mayer-König war 1992 als ständiger Delegierter und Repräsentant bei den Vereinten Nationen tätig. Er ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Accademia Cosentina in Cosenza, ordentliches Mitglied der Accademia Tiberina in Rom sowie der Burckhardt Akademie, St. Gallen, Mitglied des Österreichischen P.E.N.-Zentrums des Internationalen und Ehrenobmann der Literarischen Gesellschaft St. Pölten.

Auszeichnungen#

  • Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Ägypten für kulturelle Verdienste, 1973
  • Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, 1976
  • Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich, 1981
  • Ordre des Arts et des Lettres der französischen Republik, 1987
  • Große Ehrenzeichen des Landes Steiermark, 2006
  • Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse, 2006
  • Kulturmedaille des Landes Österreich, 2006
  • Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien, 2007

Werke (Auswahl)#

  • Sichtbare Pavillons, Gedichte, Wien 1968
  • Stichmarken, Long Poem, Bern 1968, 1969
  • Psychologie der Literatursprache, Essay zu Gottfried Benns Morgue, Kentucky 1974
  • Texte und Zeichnungen, Wien 1976
  • Sprache – Politik - Aggression, Prosa, Riverside California 1978
  • Johann Caspar Goethes „Viaggio per l´ Italia“ und Johann Wolfgang Goethes „Italienische Reise“, Ein Vergleich, Wien 1978
  • Karl Kraus als Theaterkritiker und Schauspieler, Wien 1978
  • Robert Musils Möglichkeitsstil, Wien 1978
  • In den Armen unseres Wärters, Gedichte, Marburg an der Lahn, 1979
  • Schreibverantwortung, Literarische Essays, Wien 1985
  • Vorläufige Versagung, Gedichte, München-Wien, 1985
  • Chagrin non dechiffre, Gedichte in französischer Sprache, Paris 1986
  • Colloqui nella stanza, Gedichte und Prosa in italienischer Sprache, Calliano-Trento 1986
  • Ein komplizierter Engel, Wien 1989
  • Colloquios nel cuarto, spanische Gedichte, Wien-Madrid 1989
  • A hatalom bonyolult angyala, Gedichte und Prosa in ungarischer Sprache, Budapest 1989
  • Siirleri, Gedichte in türkischer Sprache, Ankara-Wien 1990
  • Guter Mond, Gedichte in arabischer Sprache, Kairo-Wien 1991
  • Verzögerung des Vertrauens, Gedichte und Prosa, Bukarest 1995
  • Behind desires deficits, New York 1999
  • Vom Himmel abgekommen, Bekenntnisse eines zornig liebenden Europäers, Wien 2000
  • Verkannte Tiefe, Gedichte, Hühnfeld-Rhön 2005
  • Verzögertes Vertrauen, Prosa, Bozen It. 2006
  • Grammatik der Seele, Prosa, Bratislava 2006
  • Eine Grammatik der Seele, Prosa, Wien 2006
  • Schutzloses Kind - vaterlose Gesellschaft, Prosa Graz 2007
  • Runkelsteiner Elegien, Bozen It. 2007
  • Das zerrissene Kind, Prosa, Wien 2009

Quellen#



Redaktion: K. Ziegler