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Mayröcker, Friederike#

* 20. 12. 1924, Wien


Dichterin, Schriftstellerin

Buchwoche, Wien 1974, Friederike Mayröcker
Friederike Mayröcker, Wien 1974
Foto: [w.]. Aus: Wikicommons unter CC

Friederike Mayröcker wurde am 20. Dezember 1924 in Wien geboren.

Nach der Volksschule besuchte sie die Hauptschule und anschließend die kaufmännische Wirtschaftsschule. Ab 1942 war sie als Luftwaffenhelferin eingezogen, daneben legte sie die Staatsprüfung in Englisch ab und arbeitete von 1946 bis 1969 als Englischlehrerin an verschiedenen Wiener Hauptschulen; 1950 legte sie die Externistenmatura ab und begann Studien der Germanistik und Kunstgeschichte.

Bereits 1939 - mit 15 Jahren - hatte Friederike Mayröcker mit ersten literarischen Arbeiten begonnen, 1946 - sieben Jahre später - folgten kleinere Veröffentlichungen von Gedichten in der Wiener Avantgarde-Zeitschrift "Plan" und 1956 ihre erste Buchveröffentlichung.

1954 lernte sie Ernst Jandl kennen, mit dem sie zunächst eine enge Freundschaft verband und dessen Lebensgefährtin sie später wurde. (Die beiden verband auch eine enge literarische Zusammenarbeit bis zu Jandls Tod im Jahr 2000).

Seit 1969 lebt sie als freie Schriftstellerin in Wien; 1970/71 und 1993 hielt sie sich im Rahmen des Berliner KünstlerInnenprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in West-Berlin auf.

Friederike Mayröcker ist Gründungsmitglied der Grazer Autorinnen Autorenversammlung, Mitglied der Akademie der Künste Berlin, des Forum Stadtpark Graz und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt.


Friederike Mayröcker veröffentlichte Lyrik und Prosa, Erzählungen und Hörspiele, Kinderbücher und Bühnentexte. Die Autorin einer bestimmten literarischen Landschaft zuzuordnen ist nahezu unmöglich.
Ihre Arbeiten sind beeinflusst vom Surrealismus; sie verzichtet auf Zusammenhänge von Zeit, Ort und Kausalität, stellt durch virtuose Montage, Dialog, Assoziation, Wiederholung und Ähnliches neue Bezüge her. Hauptthemen sind unter anderem Magie der Sprache, Wahrnehmungsphänomene und bildende Kunst.
"Vielleicht werden die Literaturhistoriker meine Art von Prosa als eine neue experimentelle Romanform bezeichnen“, meint sie selbst dazu.


Sie war bzw. ist aber auch als Zeichnerin tätig und hatte Ausstellungen u. a. in der Galerie Gerold Wien 1991, im Literaturhaus Wien 1992 und 1994, in Berlin, München und 1995 in Italien und Graz.

Ihr Vorlass befindet sich in der Wienbibliothek im Rathaus.


--> Historische Bilder zu Friederike Mayröcker (IMAGNO)

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Förderungspreis für Literatur des Theodor-Körner-Stiftungsfonds zur Förderung von Wissenschaft und Kunst, 1963
  • Ludwig-von-Ficker-Gedächtnispreis, 1964
  • Hörspielpreis des Bundes der Kriegsblinden Deutschlands, Bonn (gemeinsam mit Ernst Jandl), 1968
  • Würdigungspreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für Literatur, 1973
  • Preis der Stadt Wien, 1976
  • Georg-Trakl-Preis für Lyrik des Landes Salzburg, 1977
  • Anton-Wildgans-Preis der Österreichischen Industrie für Literatur, 1981
  • Großer Österreichischer Staatspreis des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst für Literatur, 1982
  • Roswitha-von-Gandersheim-Preis Bad Gandersheim, 1982
  • Preis des Südwestfunk-Literaturmagazins, 1985
  • Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien, 1985
  • Literaturpreis des Südwestfunks Baden-Baden, 1985
  • Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, 1987
  • Hans Erich Nossack-Preis der Deutschen Industrie, 1989
  • "Manuskripte"-Preis für das Forum Stadtpark des Landes Steiermark, 1993
  • Friedrich-Hölderlin-Preis, 1993
  • Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Künste, 1996
  • Else-Lasker-Schüler-Lyrikpreis, 1996
  • Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis, 1997
  • Georg-Büchner-Preis, 2001
  • Karl-Sczuka-Preis, 2001
  • Ehrenpromotion der Universität Bielefeld, 2001
  • Premio Internazionale, 2003
  • Ján Smrek-Preis, Bratislava, 2006
  • Hörspiel-Kritikerpreis (ORF), 2008
  • Hermann-Lenz-Preis, 2009
  • Peter-Huchel-Preis, 2010
  • Horst-Bienek-Preis, 2010
  • Bremer Literaturpreis, 2010
  • Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste Wien, 2010
  • Kulturpreis des Landes Niederösterreich, 2013
  • Buchpreis der Wiener Wirtschaft, 2014
  • Großes Goldenes Ehrenzeichen der Repubik Österreich mit Stern, 2014
  • Johann-Beer-Literaturpreis (für das Buch "Cahier"), 2014
  • Ehrenbürgerschaft der Stadt Wien, 2015
  • Ehrendoktorat der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, 2015

Werke (Auswahl)#

Lyrik:
  • metaphorisch, 1965
  • Tod durch Musen, 1966
  • Ausgewählte Gedichte 1944-78, 1979
  • Gute Nacht, guten Morgen, Gedichte 1978-81, 1982
  • Winterglück, Gedichte 1982-85, 1986
  • Zittergaul, Gedichte, 1989
  • Das besessene Alter, 1992
  • ziemlich Gedichtkopfkissen, presque oreiller - poème, Gedicht, zweisprachig, 1994
  • Den Fliegenschrank aufgebrochen, 1995
  • Notizen auf einem Kamel, 1996
  • Benachbarte Metalle, 1998
  • Mein Arbeitstirol. Gedichte 1996-2001, 2003
  • Gesammelte Gedichte. 1939 - 2003 (Hg.: Marcel Beyer), 2004 (zum 80. Geburtstag)
  • dieses Jäckchen (nämlich) des Vogel Greif. Gedichte 2004-2009, 2009
  • Von den Umarmungen. Gedichte, 2012
  • Poesiealbum 310, 2014

Prosa:

  • Minimonsters Traumlexikon, 1968
  • Fantom Fan, 1971
  • je ein umwölkter gipfel, 1973
  • Das Licht in der Landschaft, 1975
  • Fast ein Frühling des Markus M., 1976
  • HEILIGENANSTALT, 1978
  • Die Abschiede, 1980
  • Magische Blätter I-V, 1983-99
  • Reise durch die Nacht, 1984
  • Das Herzzerreißende der Dinge, 1985
  • Mein Herz, mein Zimmer, mein Name, 1988
  • Brütt oder Die seufzenden Gärten, 1998
  • Gesammelte Prosa 1947-75, 1989
  • Stilleben, 1991
  • Lection, 1994
  • Blättersitten, 1999
  • Requiem für E. Jandl, 2001
  • Gesammelte Prosa I-V, 2001
  • 1 Nervensommer (hg: Wilfried Seipel), 2002
  • Wildfieber, 2002
  • Die kommunizierenden Gefäße, 2003
  • Das Herzzerzreißende der Dinge. Roman, 2005
  • ich bin in der Anstalt. Fusznoten zu einem nichtgeschriebenen Werk, 2010
  • ich sitze nur GRAUSAM da, 2012
  • etudes, 2013
  • cahier, 2014

Kinder- und Jugendbücher

  • Sinclair Sofokles der Baby-Saurier (Ill.: Angelika Kaufmann), 1971
  • ich, der Rabe und der Mond (Ill.: Friederike Mayröcker), 1981
  • Das Alphabet der Friederike Mayröcker, 1993

Stücke

  • Nada. Nichts. Ein Konversationsstück (Regie: Reinhard F. Handl), 1991

Hörspiele

  • Fünf Mann Menschen (mit Ernst Jandl), 1968
  • Arie auf tönernen Füßen, 1969
  • Bocca della Verità, 1977
  • So ein Schatten ist der Mensch, 1983
  • Der Tod und das Mädchen, 1985
  • Variantenverzeichnis oder Abendempfindung an Laura, 1988
  • Nada. Nichts, 1991
  • Die Hochzeit der Hüte, 1995
  • Das zu Sehende, das zu Hörende, 1997
  • dein Wort ist meines Fuszes Leuchte oder Lied der Trennung, 1999
  • will nicht mehr weiden. Requiem für Ernst Jandl, 2001
  • Das Couvert der Vögel, 2002
  • Die Kantate oder Gottes Augenstern bist du, 2003
  • Gertrude Stein hat die Luft gemalt, 2005
  • Kabinett-Notizen. Nach James Joyce, 2008
  • Gärten, Schnäbel, ein Mirakel, ein Monolog, ein Hörspiel, 2008
Filme
  • Oh Scirocco nimm mich auf deine Zunge. Film über Friederike Mayröcker (Drehbuch, Regie: Gerhard Kleindl DOC.), 1975
  • 1 Häufchen Blume 1 Häufchen Schuh. TV-Film (Regie: Carmen Tartarotti; Assistenz: Bodo Hell), 1990
  • Das Schreiben und das Schweigen. Die Schriftstellerin Friederike Mayröcker (Regie: Carmen Tartarotti, Kamera: Pio Corradi. A/D/I), 2009

Literatur#

  • H. L. Arnold (Hg.), F. Mayröcker, 1984 (= Text und Kritik, H. 84)
  • S. J. Schmidt (Hg.), F. Mayröcker, 1984
  • M. Beyer, F. Mayröcker, 1992
  • D. Riess-Beger (Hg.), F. Mayröcker. Lebensveranstaltung, 1994
  • D. Riess-Beger, Lebensstudien, 1995
  • K. Kastberger (Hg.), In Böen wechselt mein Sinn, 1996
  • K. Kastberger, Reinschrift des Lebens. F. Mayröckers "Reise durch die Nacht", 2000


Hörprobe#


Österreichische Mediathek Hörprobe


Das Licht in der Landschaft.
Ausschnitt; Autorenlesung. Wien, 29.9.1975

Vorlesen

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl