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Messner, Reinhold#

* 17. 9. 1944, Brixen (Südtirol, Italien)

(Extrem-)Bergsteiger, Abenteurer
Naturschützer, Museeumsgründer, Grenzgänger, Erzähler und Bergbauer.


Reinhold Messner
Reinhold Messner auf der Frankfurter Buchmesse 2015.
Foto: Lesekreis. Aus: Wikicommons, unter CC BY-NC-SA 4.0

Messner
Messner nahe K2 in Pakistan im selben Jahr!
Photo Pixabay, 2015, unter PD

Reinhold Messner wurde am 17. September 1944 als als zweites von neun Kindern eines Lehrers in Brixen in Südtirol geboren.

Aufgewachsen im Villnöss-Tal in den Dolomiten, wurde er schon als Kind zum Bergsteigen und Klettern mitgenommen. So begann seine "Laufbahn" an einem 3000er, den er unter der Führung seines Vaters als 5-Jähriger bestieg.

In der Schulzeit entdeckte er endgültig das Bergsteigen für sich - Hunderte von Klettertouren in den Alpen brachten ihm schon zu dieser Zeit den Ruf eines extremen Abenteurers ein. Nach der Schule in seinem Heimatort Villnöss und der Matura 1966 in Bozen, absolvierte er ein Studium des Hoch- und Tiefbaus in Padua.

Neben seinen Bergtouren (1967 erste Begehung der Civetta-Nordwestwand und die erste Winterbezwingung der Agnèr-Nordkante, 1968 erste Begehung des Eiger-Nordpfeilers) begann Reinhold Messner, als Mathematiklehrer in der Mittelschule zu arbeiten.

Große Bekanntheit erlangte er vor allem durch seine einzigartigen Expeditionen in den Himalaja, wo er erstmals 1970 zusammen mit seinem jüngeren Bruder Günther ohne Sauerstoffgerät den Nanga Parbat (8.125 m) bezwang. (Der Erfolg war leider stark überschattet, da sein Bruder beim Abstieg tödlich verunglückte und Reinhold Messner selbst infolge von Erfrierungen sechs Zehen verlor.)

1971 kündigte er seine Lehrerstelle, um sich ganz seinen Expeditionen und deren Vermarktung zu widmen. 1972 bestieg er die Manaslu-Südwand (8.156 m), es folgten Expeditionen zum Nanga Parbat (1973), in die Anden (1974) und nach Pakistan (1974). Noch 1974 bezwang der Bergsteiger die Eiger-Nordwand in 10 Stunden.

Reinhold Messner setzte mit seinen (Achttausender-)Besteigungen besondere Maßstäbe: er machte die erste Gipfelbesteigung als Seilschaft im alpinen Stil (mit Peter Habeler 1975 am Hidden Peak bzw. Gasherbrum I); er bestieg den Mount Everest erstmals ohne künstlichen Sauerstoff (1978), machte die Erstbegehung der Nanga Parbat-Diamirflanke im Alleingang (1978) und auch die erste Doppel-Überschreitung (Gasherbrum I und II, 1984).

(Mit der Everest-Besteigung betraten Habeler und Messner Neuland - kaum einer hatte es vorher für möglich gehalten, dass eine solche Höhe ohne künstlichen Sauerstoff bewältigt werden kann.)

Weitere weltweite Aktivitäten folgten, darunter die Durchquerung der Antarktis, der Wüsten Gobi und Takla Makan sowie die Längsdurchquerung Grönlands. 1986 hatte Reinhold Messner als erster Mensch die 14 höchsten Gipfel der Erde bezwungen - jeweils ohne Flaschensauerstoff.

(Messer war meist mit Kameraden an den Achttausendern unterwegs - bekannte Bergsteiger wie Oswald Ölz, Peter Habeler und Wolfgang Nairz waren in seinem Team; die meisten Achttausender bestieg er jedoch gemeinsam mit dem Südtiroler Hans Kammerlander. Bei den 14 Achttausendern spitzte sich am Ende der "Wettlauf" mit dem Polen Jerzy Kukuczka zu. Kukuczka schaffte (mit deutlich weniger finanzieller Unterstützung) ein Jahr nach Reinhold Messner seinen letzten 8000er - er starb 1989 in der Lhotse Südwand. Würde man den Broad Peak Central als eigenständigen Gipfel anerkennen, dann wäre Jerzy Kukuczka der einzige, der alle 15 Achttausender bestiegen hat. Er ist auch der einzige Mensch, der drei der Achttausender im Winter bestieg. Umgekehrt hat Messner als Erster einen Achttausender im Alleingang (Nanga Parbat 1978) bestiegen.)


Reinhold Messner ging es nicht um Rekorde, sondern um ein Bergsteigen in möglichst unberührten Naturlandschaften – er verzichtete auf Bohrhaken, Sauerstoffmasken und Satellitentelefon. Über seine Extremerfahrungen berichtete er in zahlreichen Büchern, Fernsehauftritten, Vorträgen und (Dokumentar)- Filmen.

Reinhold Messner betätigte sich auch als Yetiforscher und war der festen Überzeugung, dass es diesen wirklich gibt. Er verfolgte die Yeti-Theorie recht hartnäckig und veröffentlichte Bücher und Texte zu dem Thema. (2014 wurde von Wissenschaftlern angeblich bewiesen, dass der Yeti doch ein nur ein übergroßer Polarbär ist.)

Neben seinen Expeditionen engagierte sich der Bergsteiger u. a. als Mitgründer von "Mountain Wilderness" auch für den Umweltschutz und für die Bergvölker, die er auf seinen Expeditionen kennengelernt hatte. Er war als Politiker für die Südtiroler Grünen aktiv und eine Legislaturperiode lang von 1999 bis 2004 als Parteiloser für die Grünen Abgeordneter im Europäischen Parlament, wo er sich für Umweltschutz und Bewahrung der Bergwelt engagierte.


Zwischen seinen Reisen lebt Reinhold Messner heute mit seiner Frau und Kindern (er ist 4-facher Vater) in Meran und auf Schloss Juval in Südtirol, wo er Bergbauernhöfe bewirtschaftet und Yaks züchtet. Seit einigen Jahren widmet sich Reinhold Messner seinem großen alpinen Museumsprojekt - dem MessnerMountainMuseum – und seiner Stiftung (MMF), die Bergvölker weltweit unterstützt.

Reinhold Messner schrieb Alpingeschichte und ist auch mit über 70 Jahren immer noch sehr aktiv - wenn auch nicht mehr in den hohen Bergen. Heute steht das Reisen nicht mehr im Mittelpunkt; vielmehr will der 'König der Berge' über sich und von seinen Abenteuer erzählen - er schreibt Bücher, plant Filmprojekte und widmet sich seinen sechs Bergmuseen.


Besteigungen, Expeditionen (Auswahl)#

  • 1. Begehung Ortler dir. N-Wand, 1965
  • 1. Winter-Begehung Monte Agnèr-Nordkante, 1967
  • 1. Begehung Civetta-NW-Wand "Weg der Freunde", 1967
  • 1. Alleinegehung Piz de Ciavazes-S-Verschneidung "Soldà", 1967
  • 1. Winter-Begehung Monte Agnèr-N-Kante, 1967
  • 1. Winter-Begehung Furchetta-N-Wand "Solleder", 1967
  • 1. Begehung Eiger-Nordpfeiler, 1968
  • 1. Begehung Heiligkreuzkofel-Mittelpfeiler, 1968
  • 1. Winter-Begehung Monte Agnèr N-Wand, 1968
  • 1. Begehung Marmolada di Penia Dir. S-Wand, 1968
  • 1. Alleinbegehung Droites N-Wand (4. Beg.), 1969
  • 1. Begehung Droites NO-Pfeiler, 1969
  • 1. Begehung Yerupaja Grande Nordostwand, 1969
  • 1. Alleinbegehung Civetta Punta Tissi NW-Wand "Philipp-Flamm", 1969
  • 1. Alleinbegehung Marmolada di Rocca dir. S-Wand, 1969
  • 1. Begehung Marmolada di Penia "Südtiroler Weg", 1969
  • 1. Begehung Langkofel N-Wand "Messner-Mayerl", 1969
  • 1. Begehung Heiligkreuzkofel "Große Mauer", 1969
  • 1. Begehung Furchetta-W-Wand, 1973
  • 1. Begehung Pelmo-NW-Wand, 1973
  • Eiger-Nordwand "Heckmair", 1974

  • 1. Begehung Aconcagua S-Wand, neue Route, 1974
  • 1. Begehung Hidden Peak (Gasherbrum I) NW-Wand (2. Best.), mit Peter Habeler, 1975
  • 1. Begehung Mount McKinley "Wand der Mitternachtssonne", 1976
  • Mount Everest, 1. Besteigung ohne künstlichen Sauerstoff, 1978
  • 1. Begehung Kilimandscharo Breach-Wall, 1978
  • 1. Achttausender Hattrick: Kangchendzönga, Gasherbrum II, Broad Peak, 1982
  • 1. Achttausender Doppelüberschreitung: Hiddenpeak bzw. Gasherbrum I und II, 1984
  • 1. Begehung Annapurna NW-Wand, 1985
  • 1. Begehung Dhaulagiri (8.167 m) Nordostsporn im Alpenstil
  • Tibet-Transversale mit Kailash-Erkundung
  • Besteigung von Makalu (8.485 m), Lhotse und Mount Vinson
  • Antarktis - Durchquerung (über den Südpol) zu Fuß, 1990
  • Chimborazo (6.310 m) - Besteigung
  • Durchquerung der Wüste Takla Makan in Sinkiang, 1992

Achttausenderbesteigungen

  • Nanga Parbat (8.125 m) (Bruder Günther starb), 1970
  • Manaslu (8.163 m), Südwand, 1972
  • Hidden Peak (8.080 m), erste Besteigung im Alpinstil, 1975
  • Mount Everest (8.848 m), ohne Flaschensauerstoff, 1978
  • Nanga Parbat (8.125 m), Alleingang, 1978
  • K2 (8.611 m), 1979
  • Mount Everest (8.848 m), Alleingang, 1980
  • Shishapangma (8.027 m), 1981
  • Kangchendzönga (8.586 m), 1982
  • Gasherbrum II (8.034 m), 1982
  • Broad Peak (8.051 m), 1982
  • Cho Oyu (8.188 m), 1983
  • Hidden Peak (8.080 m), 1984
  • Gasherbrum II (8.034 m), 1984
  • Annapurna, 8091 m, 1985
  • Dhaulagiri (8.167 m), 1985
  • Makalu (8.485 m), 1986
  • Lhotse (8.516 m), 1986

Publikationen (Auswahl)#

  • Alleingang Nanga Parbat, 1983
  • Yeti - Legende und Wirklichkeit, 2000
  • Everest Solo: »Der gläserne Horizont«, 2001
  • Der nackte Berg: Nanga Parbat - Bruder, Tod und Einsamkeit, 2003
  • Gobi: Die Wüste in mir, 2005
  • Die weiße Einsamkeit: Mein langer Weg zum Nanga Parbat, 2004
  • Antarktis: Himmel und Hölle zugleich, 2004
  • Mein Leben am Limit: Eine Autobiographie in Gesprächen mit Thomas Hüetlin, 2005
  • Die Freiheit, aufzubrechen, wohin ich will: Ein Bergsteigerleben 2012
  • Annapurna: Expeditionen in die Todeszone, 2008
  • Sturm am Manaslu: Drama auf dem Dach der Welt, 2008
  • Mein Weg: Bilanz eines Grenzgängers, 2009
  • Gebrauchsanweisung für Südtirol: Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe, 2010
  • Gasherbrum: Der leuchtende Berg, 2010
  • Torre: Schrei aus Stein, 2010
  • 13 Spiegel meiner Seele, 2012
  • Die rote Rakete am Nanga Parbat, 2012
  • Meine heiligen Berge (mit Ralf-Peter Märtin), 2013
  • Überlebt: Meine 14 Achttausender, 2013
  • Über Leben, 2014
  • Berge versetzen: Das Credo eines Grenzgängers, 2014
  • Bis ans Ende der Welt: Herausforderungen im Himalaja und Karakorum, 2014
  • Absturz des Himmels, 2015
  • Cho Oyu: Göttin des Türkis, 2015

Weiterführendes#

Literatur#

  • V. Caysa, W. Schmid, Reinhold Messners Philosophie: Sinn machen in einer Welt ohne Sinn, 2001
  • A. Boukreev, G. Weston DeWalt, Der Gipfel: Tragödie am Mount Everest, 2008
  • A.G. Hempel, Die Messner Mountain Museen: Architektur und Berge, 2011
  • U. Remanofsky, Wen die Götter lieben - Schicksale von elf Extrembergsteigern, 2011
  • J. Hemmleb, Nanga Parbat. Das Drama 1970 und die Kontroverse: Wie die Messner-Tragödie zum größten Streitfall der Alpingeschichte..., 2010
  • U. Auffermann, Entscheidung in der Wand - Marksteine des Alpinismus, 2010
  • A. Mokrejs, Yetischmaus mit Seilsalat - Die wirklich wahre Geschichte des Alpinismus in Kochrezepten, 2013

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl