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Mischkulnig, Lydia #

* 2. 8. 1963, Klagenfurt


Schriftstellerin


Lydia Mischkulnig wurde am 2. August 1963 in Klagenfurt, Kärnten, geboren.


Sie studierte ab 1981 an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz und Wien und ab 1985 auch an der Filmakademie Wien (Bühnenbild und Film).
Lydia Mischkulnig lebt mit ihrer Familie in Wien und ist seit 1991 literarisch tätig.

Sie publizierte Erzählungen, Romane, Hörspiele und zahlreiche Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften.

Gemeinsam mit Sabine Scholl gründete sie 2007 die literarische Bewegung "Tinternational Textunternehmen" (http://www.tinternational.net). Erstes Ergebnis der Zusammenarbeit ist die auf fünf Bände angelegte »Die Böhmische Bibel. Unheilige Schrift für Puppen«. Bisher erschienen: "Fiona" (erster Band, 2008), "Libuse" (zweiter Band, 2008), "Herminator" (dritter Band, 2009).

Auszeichnungen, Preise (Auswahl)#

  • 1994 Literaturförderungspreis des Forum Stadtpark Graz
  • 1995 Max-von-der-Grün-Anerkennungspreis für "Literatur zur Arbeitswelt" der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Oberösterreich und der Stadt Linz
  • 1995 Österreichisches Staatsstipendium für Literatur
  • 1996 Bertelsmann-Literaturpreis des Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs
  • 2002 "manuskripte"-Preis
  • 2006 3. Preis des "Floriana"-Literaturpreises, Oberösterreich

Werke (Auswahl):

Bücher:

  • Halbes Leben. Roman. Graz, Wien: Droschl, 1994.
  • Hollywood im Winter. Roman. Innsbruck: Haymon, 1996.
  • Sieben Versuchungen. Erzählungen. Stuttgart: DVA, 1998.
  • Umarmung. Roman. Stuttgart, München: DVA, 2002.

Hörspiele:

  • Lärm der Stille. Regie: Reinhard F. Handl. ORF, 1994
  • Erich, der Erich. Regie: Nikolaus Scholz. ORF, 1996


Leseprobe#


aus "Umarmung"

Als ich mich abends hinsetzte, um das Buch von Ernst H. Kantorowicz über "The King's Two Bodies. A Study in Mediaeval Political Theology" endlich in die Hand zu nehmen und durchzuackern, und mir einen Schwarztee einschenkte, der mich über das muffig madige Wort Bergamotte nachdenken ließ, während sich das Aroma wie ein Geist aus der Kanne entfaltete, der mir das Lesen der Studie so behaglich wie möglich gestalten sollte, um so lange wie möglich durchzuhalten, läutete es plötzlich an der Tür.
Erst wollte ich mich nicht bemerkbar machen. War froh, allein zu Hause zu sein, hatte eine anstrengende Nacht und einen anstrengenden Tag hinter mir. Draußen wüteten heftige, ja katastrophenartige Schneefälle. Wer schlittert bei solchen Witterungsverhältnissen ausgerechnet zu mir? Die Haustür hatte offen gestanden, das Schloß funktionierte nicht. Deshalb das Geläute gleich heroben an meiner Tür. Ich horchte und konnte nichts hören. Da ich noch im Velourskleid steckte, das mir wie eine zweite Haut paßte, die ich nicht ausbeulen wollte durch das Herumlungern auf dem Sofa, also ohnehin noch einmal hätte aufstehen müssen, um mich umzuziehen, und da ich auch noch nicht angefangen hatte, mich mit den "Two Bodies" dieser unauflöslichen Körpergemeinschaft einer persona ficta und non ficta zu beschäftigen, nichts mehr essen wollte, mich aber unterhalten und vielleicht meine Neugier stärker war als jedes Interesse, schlug ich das Buch zu und legte es neben den Earl Grey, erhob mich und ging und öffnete die Tür.
(S. 7)

© 2002, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, München. Literaturhaus

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl