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Mutterer, Albin#

* 1806 Krotzingen, Großherzogtum Baden (Deutschland)

+ 3. Juli 1873 im Allgemeinen Krankenhaus, Wien 9

Fotopionier

Bild 'Fotografie'

An Stelle der Markthalle (Wien 9, Alserbachstraße 22) stand bis 1873 "Albin Mutterer's Fotografischer Glas-Pavilion". Weithin sichtbar befand sich darauf die Nachbildung einer Medaille, die der Besitzer auf der Wiener Weltausstellung.1873 erhalten hatte. Albin Mutterer wurde für "Sculpteur-Photographie" geehrt und war bekannt für seine Art, Tote wie Lebende zu fotografieren. Die in der Nähe wohnenden Wäscherinnen trugen ihre verstorbenen Säuglinge in Hutschachteln in sein Atelier, tote Erwachsene wurden per Fiaker gebracht. Dies entsprach dem Wunsch der Angehörigen, ein letztes Bild als Erinnerung zu besitzen. Wie noch vorhandene Talbotypien zeigen, wurden die Leichen in einen Lehnstuhl platziert. Ein Maler der nahen Porzellanfabrik retouchierte Augen und Hände. Der Geschäftszweig der Leichenportraits florierte nicht nur in Wien, sondern auch in anderen Großstädten Europas, und das noch durch Jahrzehnte. In Österreich veröffentlichte das Innenministerium 1891 eine Verordnung, in der das Photographieren von Leichen in Ateliers verboten wurde.

Mit 28 Jahren, am 4. Februar 1834, hatte der "Stiefelglanzwichserzeuger Albanus Mutterer" aus Krotzingen, Großherzogtum Baden (Deutschland), in der Lichtentaler Kirche (Wien 9) die 21-jährige Barbara Koller geheiratet. Ihr Vater war Stiefelholzschneider, ihre Mutter Katharina, entstammte der prominenten Porzellanmaler-Familie Anreiter von Zirnfeld. Gottfried Anreiter von Zirnfeld, Buntmaler in der K. K. Porzellanmanufaktur, fungierte als Trauzeuge. Am 18. Dezember 1834 wurde Joseph Anton Mutterer als erstes ihrer Kinder geboren (Rossau 93 - Porzellangasse 24). Im Taufbuch der Pfarre Rossau ist der Beruf des Vaters mit "Gewölb-Diener" angegeben. Als Berufsdaguerrotypist zählte er zu den ersten Mitgliedern der 1861 in Wien gegründeten "Photographischen Gesellschaft", der ersten im deutschsprachigen Raum.

Bei den weiteren Kindern stehen wechselnde Berufe des Vaters, als gleich bleibende Adresse Thury 67 "Zu den 5 Säulen"(Marktgasse 8)
* Barbara 18.10.1838 "Ölglanzerzeuger", + 24.10.1838 "Gewölbediener"
* Karl Julius 29.9.1840 "Großhandlungs-Hausknecht", + 23.5.1841 "Gewölbediener"
* Maria 8.9.1844 "Putzwarenhändler", + 5.10.1844 "Putzwarenhändler"
* Leopoldine Franziska Anna 15.11.1845 "Putzwarenhändler", + 9.4.1874
* Anna Johanna 12.2.1850 "Ölglanzwichserzeuger"
* Karoline 26.12.1852 "Daguerrotypist", + 30.5.1874 (Sie starb wenige Tage nach dem Tod ihrer notgetauften 2 Stunden alten Tochter * 14. Mai 1874)

Albin Mutterer kam nach einem Brand seines Ateliers ums Leben. Chemikalien hatten sich entzündet und waren explodiert. Ergebnislos versuchte er, zu löschen. Ein Feuerwehrmann rettete den 67-Jährigen unter Lebensgefahr. Der Fotograf erlag am 3. Juli 1873 im Allgemeinen Krankenhaus seinen Verbrennungen. Joseph Mutterer (1834-1909) führte das Atelier später - hier und an anderen Standorten - weiter. Ihm verdanken wir eine Vielzahl fotografischer Veduten der Stadt, als sich diese Ende des 19. Jahrhunderts in einem umfassenden Umwandlungsprozess befand.

Quellen#


Alfred Wolf: Alsergrund-Anekdoten (erscheint 2015)
Alfred Wolf: Albin und Josef Mutterer... in Das Heimatmuseum Alsergrund. Nr. 121, November 1989


Redaktion: hmw