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Nöstlinger, Christine#

* 13. 10. 1936, Wien


Schriftstellerin, Kinder- und Jugendbuchautorin


Nöstlinger, Christine
Christine Nöstlinger. Foto, 1990
© Jugend & Volk-Edition Wien-Dachs Verlag (heute Dachs-Verlag, Wien) für AEIOU


Christine Nöstlinger wurde am 13. Oktober 1936 als Tochter eines Uhrmachers und einer Kindergärtnerin in Wien geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie mit den Eltern und ihrer großen Schwester im Wien der Nachkriegszeit.


Nach der Matura studierte sie Gebrauchsgrafik an der Akademie für Angewandte Kunst, dann schrieb sie für Tageszeitungen, Magazine und den ORF.


1961 heiratete sie den Journalisten Ernst Nöstlinger und bekam zwei Töchter. Als Nur-Hausfrau und Mutter begann sie sich zu langweilen und fing an zu schreiben: "Die feuerrote Friederike" (1970), die Illustrationen stammten von ihrer älteren Tochter Barbara. Das Buch war so erfolgreich, dass sie sich fortan dem Schreiben widmete.


Mit ihren ersten beiden Büchern, "Die feuerrote Friederike" und "Wir pfeifen auf den Gurkenkönig", läutete sie gewissermaßen eine neue Zeit in der Kinderliteratur ein. Beide Bücher stehen im Kontext der antiautoritären Bewegung nach 1968. In ihren folgenden Bänden führte Christine Nöstlinger konsequent das Durchbrechen sprachlicher und thematischer Tabus fort. Ihre Erzählungen zeichnen sich durch eine Sprache aus, die nah an der jeweiligen Zielgruppe ist, thematisch verarbeitet sie Alltagsgeschehen. Immer wieder tauchen aber auch das Aufbegehren gegenüber jeglicher Art von Autorität auf, das ungenierte Ansprechen von Sexualität und anderen Tabuthemen.


Als eine der ersten deutschsprachigen Autorinnen von Jugendbüchern reflektierte sie in den autobiografischen Romanen "Maikäfer, flieg" (1973) und "Zwei Wochen im Mai" (1981) Erinnerungen an die Kriegs- und Nachkriegszeit.


Ihre über 150 Erzählungen, Bilderbuchgeschichten und Romane wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt und international prämiert, zahlreiche Bücher wurden auch verfilmt.


Die höchst produktive "Buchstabenfabrik" (Nöstlinger über Nöstlinger) verfasste auch selbst Drehbücher, Hörspiele und Theaterstücke und arbeitete - unter anderem als Literaturkritikerin - für den Rundfunk und diverse Zeitungen und Magazine. Für den ORF kreierte sie unter anderem 1979 die Hörfunkserie "Dschi-Dschei-Wischer" und Rudi, den Radiohund.


Häufig wird Nöstlinger als literarische Anwältin der Kinder bezeichnet. Nicht von ungefähr war sie von 1997 bis 1999 Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation "SOS Mitmensch".


Aber auch für Erwachsene schreibt Christine Nöstlinger ab und zu: Bekannt sind ihre Dialektgedichte (u.a. Iba de gaunz oaman Kinda, Iba de gaunz oamen Fraun) und ihre Glossen in verschiedenen Zeitschriften.


Sie lebt als freie Schriftstellerin abwechselnd in Wien und im Waldviertel, ihre beide Töchter haben, so wie auch einst die Mutter, Nöstlinger-Bücher illustriert.

Auszeichnungen, Preise (Auswahl)#

  • Friedrich- Bödecker-Preis, 1973
  • Deutscher Jugendliteraturpreis, 1973, 1988
  • Österreichischer Kinder- und Jugendliteraturpreis, 1974, 1979, 1984, 1987
  • Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien, 1981, 1982, 1987, 1990, 1991, 2007
  • Hans-Christian-Andersen-Medaille, 1984
  • Johann-Nestroy-Ring der Stadt Wien, 1986
  • EA-Generali-Sonderpreis des Hans-Czermak-Preises des Verbands Wiener Volksbildung für gewaltfreie Erziehung, 1994
  • Friedenspreis des österreichischen Buchhandels, 1998
  • Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis, 2003
  • Buchliebling Lifetime Award, 2011
  • Großes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, 2011
  • Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch für ihr Gesamtwerk, 2011

Werke (Auswahl)#

  • Die feuerrote Friederike, 1970
  • Die 3 Posträuber, 1971
  • Die Kinder aus dem Kinderkeller, 1971
  • Mr. Bats Meisterstück oder Die total verjüngte Oma, 1971
  • Ein Mann für Mama, 1972
  • Wir pfeifen auf den Gurkenkönig, 1972
  • Pit und Anna entdecken das Jahr, 3 Bde., 1972
  • Der schwarze Mann und der große Hund, 1973
  • Der kleine Herr greift ein, 1973
  • Simsalabim, 1973
  • Maikäfer flieg!, 1973
  • Iba de gaunz oaman Kinda, 1974
  • Achtung! Vranek sieht ganz harmlos aus, 1974
  • Der Spatz in der Hand und die Taube auf dem Dach, 1974
  • Gugerells Hund, 1974
  • Ilse Janda, 14 oder Die Ilse ist weg, 1974
  • Konrad oder Das Kind aus der Konservenbüchse,1975
  • Der liebe Herr Teufel, 1975
  • Stundenplan, 1975
  • Rüb-rüb-hurra, 1975
  • Die verliebten Riesen, 1976 (oder Pelinka und Satlatsch)
  • Das Leben der Tomanis, 1976
  • Das will Jenny haben, 1977
  • Lollipop, 1977
  • Der kleine Jo, 1977, zus. mit Bettina Anrich-Wölfel
  • Andreas oder Die unteren 7 Achtel des Eisbergs, 1978
  • Die Geschichte von der Geschichte vom Pinguin, 1978
  • Luki Live, 1978
  • Der Rosa Schlüpfer, 1979
  • Dschi-Dsche-i-Dschunior, 1979
  • Gestapo ruft Moskau, 1980
  • Einer, 1980
  • Der Denker greift ein, 1981
  • Rosalinde hat Gedanken im Kopf, 1981
  • Pfui Spinne!, 1981
  • Zwei Wochen im Mai, 1981
  • Gretchen Sackmeier, 1981
  • Das Austauschkind, 1982
  • Dicke Didi, fetter Felix, 1982
  • Iba de gaunz oaman Fraun, 1982
  • Ein Kater ist kein Sofakissen, 1982
  • Jokel, Jula und Jericho, 1983
  • Anatol und die Wurschtelfrau, 1983
  • Gretchen hat Hänschen-Kummer, 1983
  • Hugo, das Kind in den besten Jahren, 1983
  • Jokel, Jula und Jericho, 1983
  • Am Montag ist alles ganz anders, 1984
  • Liebe Susi! Lieber Paul!, 1984
  • Olfi Obermeier und der Ödipus, 1984
  • Die grüne Warzenbraut, 1984
  • Prinz Ring, 1984
  • Jakob auf der Bohnenleiter, 1984
  • Vogelscheuchen, 1984
  • Der Wauga, 1985
  • Haushaltsschnecken leben länger, 1985
  • Liebe Oma, Deine Susi, 1985
  • Geschichten für Kinder in den besten Jahren, 1986
  • Man nennt mich Ameisenbär, 1986
  • Der Bohnen-Jim, 1986
  • Der geheime Großvater, 1986
  • Oh, du Hölle, 1986
  • Susis geheimes Tagebuch, 1986
  • Iba den gaunz oaman Mauna, 1987
  • Der Hund kommt!, 1987
  • Wetti & Babs, 1987
  • Werter Nachwuchs! Die nie geschriebenen Briefe der Emma K., 75. 1. Teil, 1988
  • Der neue Pinocchio, 1988
  • Echt Susi, 1988
  • Gretchen, mein Mädchen, 1988
  • Der Zwerg im Kopf, 1989
  • Einen Löffel für den Papa, 1989
  • Sepp und Seppi, 1989
  • Anna und die Wut, 1990
  • Der gefrorene Prinz, 1990
  • Klicketick, 1990
  • Mein Tagebuch, 1990
  • Manchmal möchte ich ein Single sein, 1990
  • Nagle einen Pudding an die Wand!, 1991
  • Eine mächtige Liebe, 1991
  • Sowieso und überhaupt, 1991
  • Wie ein Ei dem anderen, 1991
  • Ein und alles, 1992
  • Spürnase Jakob Nachbarkind, 1992
  • Salut für Mama, 1992
  • Liebe Tochter, werter Sohn. Die nie geschriebenen Briefe der Emma K., 75. 2. Teil, 1992
  • Susis geheimes Tagebuch/Pauls geheimes Tagebuch, 1993 ISBN 3-900763-03-8
  • Einen Vater hab ich auch, 1993
  • Management by Mama, 1994
  • Der TV-Karl, 1995
  • Mama mia, 1995
  • Von weißen Elefanten und den roten Luftballons, 1995
  • Villa Henriette, 1996
  • Iba de gaunz oaman Leit, 1996
  • Mein Gegenteil, 1996 (Gedichte für Kinder)
  • Bonsai, 1997
  • Lillis Supercoup, 2004
  • Pudding-Pauli rührt um, 2009
  • Die Sache mit dem Gruselwusel, 2009
  • Pudding-Pauli deckt auf, 2010
  • Lumpenloretta, 2010
  • Pudding-Pauli serviert ab, 2011

  • Geschichten vom Franz (Serie)
    • Geschichten vom Franz
    • Neues vom Franz
    • Schulgeschichten vom Franz
    • Feriengeschichten vom Franz
    • Neue Schulgeschichten vom Franz
    • Krankengeschichten vom Franz
    • Liebesgeschichten vom Franz
    • Weihnachtsgeschichten vom Franz
    • Fernsehgeschichten vom Franz
    • Babygeschichten vom Franz
    • Opageschichten vom Franz
    • Hundegeschichten vom Franz
    • Fußballgeschichten vom Franz
    • Pferdegeschichten vom Franz
    • Quatschgeschichten vom Franz
    • Neue Fußballgeschichten vom Franz
    • Allerhand vom Franz (Best of der ersten Bücher)
    • Franz auf Klassenfahrt
    • Detektivgeschichten vom Franz
    • Freundschaftsgeschichten vom Franz
  • Mini (Serie)
    • Mini trifft den Weihnachtsmann
    • Mini fährt ans Meer
    • Mini muss in die Schule
    • Mini und Mauz
    • Mini wird zum Meier
    • Mini ist die Größte
    • Mini als Hausfrau
    • Mini bekommt einen Opa
    • Mini muss Schi fahren
    • Mini erlebt einen Krimi
    • Mini ist kein Angsthase
    • Mini ist verliebt
    • Mini feiert Geburtstag
    • Mini unter Verdacht
  • Dani Dachs (Serie)
    • Dani Dachs will eine rote Kappe
    • Dani Dachs will sich wehren
    • Dani Dachs hat Monster-Angst
    • Dani Dachs holt Blumen für Mama


Im Oktober feiert Christine Nöstlinger ihren 75. Geburtstag. Ein Besuch bei der Autorin.#

TEXT: KARIN CERNY, FOTOS: RITA NEWMAN

Christine Nöstlinger – Foto: RITA NEWMAN
Christine Nöstlinger
Inmitten von Balkonpflanzen leuchtet eine kleine goldene Figur in der Sonne. „Das ist ein Preis für mein Lebenswerk", sagt Christine Nöstlinger nicht sonderlich begeistert. „Ich habe noch nie etwas so Schiaches gesehen", merkt sie mit charmantem Dialekteinschlag und einem breiten Grinsen an.

Man muss Nöstlinger recht geben: Die Statue wirkt wie ein Alien und nicht wie ein lesender Mensch. Die meisten Preisträger würden sich allerdings einfach nur geehrt fühlen und kämen gar nicht auf die Idee, sich über die Gestaltung einer solchen Trophäe lustig zu machen. Christine Nöstlinger ist anders, sie sagt, was sie denkt. Und sie sagt es so pointiert, dass man darüber schmunzeln muss. Wahrscheinlich liegt ihr an den vielen Auszeichnungen, die sie inzwischen verliehen bekommen hat, ohnehin nur eine wirklich am Herzen: nämlich der Astrid-Lindgren-Preis, mit dem sie 2003 geehrt wurde. „In der Begründung steht ausdrücklich, dass ich den Preis bekommen habe, weil ich eine Anti-Pädagogin bin", sagt Nöstlinger, aber diesmal nicht ironisch, sondern durchaus mit Stolz. Erziehen wollte sie mit ihren Kinder-und Jugendbüchern nämlich nie. Pädagogik ist ihr ein Gräuel. Sie zitiert in solchen Fällen am liebsten Karl Valentin, der einmal meinte: „Was hilft denn die ganze Erziehung, die Kinder machen einem doch ohnehin alles nach." Über ihre eigenen beiden Töchter sagt sie: „Ich habe meine Kinder nie erzogen, die Humanität wächst einem schon von selber zu." Über hundert Bücher hat sie in den letzten vierzig Jahren wohl geschrieben, von einer typischen Nöstlinger-Figur zu sprechen fällt deshalb schwer. Trotzdem finden sich in ihrem umfangreichen Werk, in dem Figuren vom Arbeiter- bis zum Journalistenkind quer durch die gesellschaftlichen Schichten vorkommen, durchaus gewisse Konstanten. Ihre Kinder haben einen eigenen Kopf, sie lassen sich nicht verbiegen, aber selbst wenn sie frech auftreten, sind sie im Kern irgendwie edel - das aber auf eine völlig un-verkitschte Art. Kitsch liegt Nöstlinger nämlich ebenso wenig wie Pathos. Ihre Figuren zeichnet vor allem eines aus -und das scheint direkt von der Autorin abgeschaut: ein umwerfender Schmäh. Sie sind wahrlich nicht auf den Mund gefallen. Warum Christine Nöstlinger so stolz auf ihren Astrid-Lindgren-Preis ist, hat nicht nur inhaltliche Aspekte. Lindgren hat die Sprache der Kinderbücher revolutioniert. Nichts Geringeres ist auch Nöstlinger gelungen. Sie zeigt mit ihren Büchern, dass Ironie und Understatement auch im Kinderbuch Platz haben. Dass Witz wichtig und Dialekt möglich ist. Sie hat den Kindern und Jugendlichen aufs Maul geschaut und sie nicht in ein biederes Hochsprachenkorsett gesteckt. Anfangs stieß ihre unverblümte Sprache, die immer ganz ohne ein Blatt vor dem Mund ausgekommen ist, noch auf Kritik, mittlerweile ist ihr pointierter Kunstdialekt längst klassisch. An die Kindheit geht Nöstlinger ohnehin unsentimental heran: „Jede Kindheit war schon und schrecklich", sagt sie.

Am 13. Oktober wird Christine Nöstlinger 75, Man merkt ihr das Alter nicht an: Sie ist wach und neugierig wie ein junger Mensch. In den letzten Jahren ist sie innerhalb von Wien einige Male umgezogen. Jetzt wohnt sie in der Nahe des multikulturellen Hannovermarktes im 20. Wiener Gemeindebezirk: „Ich wollte immer im Ausland wohnen", sagt sie -und schon sitzt ihr wieder der Schalk im Nacken: „Jetzt lebe ich hier in der Türkei." Beim Besuch in ihrer hellen Dachgeschoßwohnung sticht der große Holztisch im Essbereich der offenen Küche ins Auge. Daraufliegen ein neues iPhone und ein altmodisches Notizbuch. Beide Welten verbindet die Autorin locker. Neuer Technik gegenüber war sie schon immer aufgeschlossen. Als ihr Handy jüngst nicht funktionieren wollte, goo-gelte Nöstlinger einfach im Internet nach Ratschlägen von anderen Benutzern. Selbst ist die Frau. Lust, ihren Geburtstag zu feiern, hat sie allerdings keine: „Was soll ich denn feiern?", fragt sie: „Dass ich 75 werde? Das ist doch auch nicht anders als 74. Ich hoffe halt, dass ich noch 76 werde." Sie hat zweimal Krebs hinter sich und mittlerweile ein schwaches Herz. „Ich komme mir aber nicht so alt vor wie ich wirklich aussehe", sagt sie: „Deshalb schau ich in letzter Zeit einfach nicht so oft in den Spiegel." Den großen Tisch braucht sie aber auch, um Gäste zu bewirten. Nöstlinger ist eine passionierte Köchin. In den letzten Jahren hat sie einige sehr originelle Kochbücher geschrieben (etwa: „Mit zwei linken Kochlöffeln"). Ihre Liebe zum Herd hat einen einfachen Grund: „Gut zu kochen ist die simpelste Art, sieh Zuneigung zu erwerben", meint sie. Bei ihren beiden Töchtern hätte sie diesbezüglich ein hartes Training absolviert: „Meine älteste Töchter wollte jeden Tag Linsen, 30 Tage lang, immer das Gleiche - seither hat sie allerdings nie mehr Linsen gegessen." Dabei isst Nöstlinger selbst gar nicht sonderlich gern. „Ich gehöre zu den seltenen Menschen, die gut kochen, aber nicht gern essen", gesteht sie: „Ich bin eine Meisterin im Verstecken von Essensresten, mein Magen ist inzwischen so klein, dass ich nach der Vorspeise schon satt bin."

KINDHEIT IN WIEN. #

Christine Nöstlinger wurde 1936 in Wien-Hernals geboren. Sie stammt aus einer Arbeiterfamilie, ihr Vater war Uhrmacher, ihre Mutter Kindergärtnerin. Ihr Elternhaus war sozialistisch eingestellt. Nöstlinger sagt selbst, sie habe als Kind immer aufbegehrt und nie den Mund gehalten. Ihre große Schwester hätte sie oft auch körperlich angegriffen. Aber: „Wie soll man sich denn als Kleine wehren?" Das Kinderbild ihrer Mutter hat sie auf jeden Fall nicht geprägt, die meinte nämlich immer, dass sich Kinder vertragen sollen. Heute sagt Nöstlinger: „Mir ist es wahnsinnig gut gegangen, ich habe nie eine Ohrfeige bekommen, und das war damals eine Rarität." Ihre eigene Kindheit während des Zweiten Weltkrieges hat sie unter anderem in den Büchern „Maikäfer flieg!" und „Zwei Wochen im Mai" aufgearbeitet.

Christine Nöstlinger gelingen in ihren Büchern lebensnahe Außenseiterfiguren, Kinder, die ihre liebe Not mit der Umwelt haben. Gerade das aber ist nicht autobio-grafisch: Die Autorin war als Kind enorm beliebt, weil sie die ganze Klasse unterhalten konnte. „Man sagt zwar, das Mobbing wäre heute erfunden worden", meint sie trocken. „Aber das stimmt nicht: Ich war ziemlich gnadenlos, und ich frage mich heute noch, warum mich das so befriedigt hat, von anderen Kindern Lacher zu bekommen." Ihre feinfühlige Sieht auf Außenseiter kommt auf jeden Fall nicht aus Selbsterfahrung. Eher im Gegenteil: „Vielleicht ist es ein gewisses Schuldgefühl, dass ich mich denen gegenüber so schlecht benommen habe."

Zum 75. Geburtstag von Christine Nöstlinger gibt der Residenz Verlag eine Auswahl ihrer humorvollsten, ironischsten und bissigsten Glossen als Buch heraus:

„Eine Frau sein ist kein Sport. Das Hausbuch für alle Lebenslagen", 240 Seiten, € 21,90.

Quelle#

morgen 5/11

Quellen#



Redaktion: I. Schinnerl