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Oberhummer, Heinz#


* 19. 5. 1941, Bischofshofen

† 24. 11. 2015, Wien


Physiker
a.o.Univ.-Prof. i.R., Mitglied der "Science Busters"

Heinz Oberhummer
Heinz Oberhummer
Aus: Wikicommons unter CC

Heinz Oberhummer wurde am 19. Mai 1941 in Bischofshofen geboren und wuchs in Obertauern (als Sohn des "Oberlehrers Oberhummer in Obertauern") auf.

Nach der Hauptschule in Radstadt ging er als 14-Jähriger zu einer Gastfamilie in die USA, wo er auch die High School in Los Gatos (Santa Clara Valley, Kalifornien) besuchte. Nach zweijährigem Aufenthalt kehrte er nach Österreich zurück und besuchte ein Gymnsium in Salzburg, wo er auch maturierte. Anschließend studierte er Physik und Mathematik in Graz und München.

1970 promovierte Heinz Oberhummer an der Universität Graz und war hier als Universitätsassistent tätig. Forschungsaufenthalte führten ihn nach Zürich, Straßburg, Leuven, Bergen und in die USA.

1973 erhielt er eine Anstellung als Universitätsassistent am Atominstitut der Österreichischen Universitäten an der Technischen Universität Wien. Hier habilitierte er sich 1980, wurde 1988 außerordentlicher Professor für Theoretische Physik und 1999 Vorstand des Atominstituts der TU Wien.

Seine Forschungsgebiete umfassten nukleare Astrophysik, Kernphysik und Didaktik der Physik. Eingehend beschäftigte er sich mit der Nukleosynthese: Dieser Prozess beschreibt die Entstehung von schweren Atomkernen, die im Inneren von Sternen durch die Verschmelzung leichterer Kerne gebildet werden. Heinz Oberhummer konnte zeigen, dass wir die Entstehung von Kohlenstoff- und Sauerstoffatomen, aus denen wir auch selbst bestehen, einem ganz bemerkenswerten glücklichem Umstand verdanken. Wäre die Feinstrukturkonstante, mit der man die Kraft der elektromagnetischen Wechselwirkung angibt, nur ein bisschen größer oder kleiner, könnte dieser Kernprozess nicht ablaufen, es gäbe kaum Kohlenstoffatome und kohlenstoffbasiertes Leben wäre nicht möglich.

Darüber hinaus war er Projektleiter und Koordinator von mehr als 30 Projekten und schuf sich in der Fachwelt einen Namen - mit über 400 Vorträgen, mehr als 160 wissenschaftlichen Arbeiten und als Initiator der Konferenz "Nuclei in the Cosmos", einer Konferenz über nukleare Astrophysik, die seit 1990 alle zwei Jahre auf einem anderen Kontinent stattfindet.


Ein besonderes Anliegen war ihm immer die Popularisierung wissenschaftlicher Inhalte insbesondere mit Hilfe der neuen Medien.
(So nahm er etwa schon gemeinsam mit Werner Gruber und Martin Puntigam an der TU Hollywood-Filme und TV-Serien unter die Lupe und analysierte, inwieweit die dort dargestellten Szenen physikalisch tatsächlich nachvollziehbar sind. Später wurde das Projekt auch auf Schulen ausgedehnt - Schüler sollten anhand von "Erin Brockovich" Chemie verstehen, mit "Deep Impact" Astronomie lernen und anhand von "Stirb langsam" die Gravitation verstehen lernen.)


2006 trat Heinz Oberhummer in den Ruhestand und formierte mit seinem Forscherkollegen Werner Gruber und dem Kabarettisten Martin Puntigam die "Science Busters". Diese Gruppe - eine Art Wissenschafts-Kabarett – versuchte, Naturwissenschaft und physikalische Phänomene auf möglichst einfache und unterhaltsame Art zu präsentieren und zu erklären.

Ihr gleichnamiges erstes Programm war 2007 im Wiener Rabenhof Theater zu sehen. Seither absolvierte die Gruppe dort mehr als 250 Auftritte und gastierte in verschiedenen Theatern in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Die "Science Busters" hatten Radio-Auftritte auf FM4 und TV-Gastspiele zunächst in "Dorfers Donnerstalk" und dann in eigenen ORF-Sendungen.

2008 landete Heinz Oberhummer mit seinem populärwissenschaftlichen Buch "Kann das alles Zufall sein?" in den Bestsellerlisten. Im Jahr darauf wurde es zum "Wissenschaftsbuch des Jahres" gekürt. Mit den "Science Busters" brachte er weitere höchst erfolgreiche Bücher heraus und wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet.


Daneben engagierte sich Heinz Oberhummer in religionskritischen Initiativen: er war im wissenschaftlichen Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung, im Wissenschaftsrat der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften und des Freidenkerbund Österreichs. Er war bis Mai 2011 Vorsitzender des Zentralrats der Konfessionsfreien Österreichs sowie bis Mai 2010 Vorsitzender der Gesellschaft für kritisches Denken (der österreichischen Regionalgruppe der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften). Er gehörte zu den Initiatoren der Initiative gegen Kirchenprivilegien, war Obmann der Initiative ‚Religion ist Privatsache’ und setzte sich auch dafür ein, die Gesetzeslage in Richtung pro Suizidhilfe zu verändern.


Heinz Oberhummer wohnte in Wetzlarn, einem kleinen Ort in Niederösterreich. Der theoretische Physiker, Wissenschaftskabarettist, Bestsellerautor und Stimme für Wissenschaft, Rationalität und kritisches Denken, verstarb am 24. November 2015. (Seinem Wunsch entsprechend wird sein Körper der Wissenschaft zur Verfügung gestellt.)


Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Wissenschaftsbuch des Jahres (in der Kategorie Naturwissenschaft/Technik: "Kann das alles Zufall sein - Geheimnisvolles Universum", 2009
  • Kommunikator des Jahres (mit den "Science Busters"), 2010
  • Buchliebling des Jahres (Science Busters: "Wer nichts weiß, muss alles glauben"), 2011
  • Preis der Stadt Wien für Volksbildung (mit den "Science Busters"), 2012
  • Österreichischer Kabarettpreis (mit den "Science Busters"), 2013
  • Wissensbuch des Jahres (für "Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln"; gem. m. Martin Puntigam und Werner Gruber), 2013
  • Radiopreis der Erwachsenenbildung (mit den "Science Busters"), 2013
  • Deutscher Kleinkunstpreis (mit den "Science Busters"), 2016
  • Zu seinem Andenken wird ab 2016 jährlich der "Heinz-Oberhummer-Award" an nationale und internationale Wissenschaftskommunikatorinnen und -kommunikatoren verliehen.


Werke (Auswahl) #

  • Kerne und Sterne: Einführung in die Nukleare Astrophysik, 1993
  • Kann das alles Zufall sein? - Geheimnisvolles Universum, 2008
  • Gedankenlesen durch Schneckenstreicheln - Was wir von Tieren über Physik lernen können (mit M. Puntigam, W. Gruber), 2012
  • Wer nichts weiß, muss alles glauben (mit M. Puntigam, W. Gruber), 2012
  • Das Universum ist eine Scheißgegend (mit M. Puntigam, W. Gruber), 2015


Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl