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Orth, Elisabeth#


* 8. 2. 1936, Wien


Kammerschauspielerin
Doyenne des Wiener Burgtheaters

Elisabeth Orth mit Paula Wessely in dem Fernsehspiel 'Fast ein Poet' von E. O'Neill, 1967. Foto, © Ch. Brandstätter Verlag, Klinger, Wien, für AEIOU
Elisabeth Orth mit Paula Wessely in dem Fernsehspiel "Fast ein Poet" von E. O'Neill, 1967. Foto
© Ch. Brandstätter Verlag, Klinger, Wien, für AEIOU

Elisabeth Orth wurde als Elisabeth Hörbiger am 8. Februar 1936 als älteste von drei Töchtern des berühmten Schauspielerehepaares Paula Wessely und Attila Hörbiger in Wien geboren. (Der Name Orth war der Familienname ihrer Großmutter mütterlicherseits, den sie später annahm.)

Sie trat – ebenso wie ihre Schwestern Christiane und Mares Hörbiger - in die Fußstapfen ihrer berühmten Eltern und absolvierte das Max-Reinhardt-Seminar.
Bereits während des Studiums war sie am Wiener Kellertheater engagiert, es folgte ein Engagement am Tourneetheater mit Oscar Werner.

Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie zunächst am Ulmer Theater, danach in Bad Hersfeld, am Kölner Theater und von 1964 bis 1968 am Bayerischen Staatsschauspiel.

1965 debütierte Elisabeth Orth am Wiener Burgtheater als Louise in Schillers "Kabale und Liebe" unter Leopold Lindtberg. Seit der Spielzeit 1969/70 ist sie Ensemblemitglied des Burgtheaters und spielte hier alle großen Rollen der Literatur, darunter Ibsens "Nora", das Klärchen in Goethes "Egmont" und seine "Iphigenie auf Tauris", Schillers Eboli in "Don Carlos", die Medea in Grillparzers "Das Goldene Vlies" und Brechts "Mutter Courage". Sie spielte in Achim Freyers "Woyzeck"-Inszenierung (1989), unter George Tabori 1990 die Emilia in "Othello", unter Zadek 1990 die Sawischna in "Iwanow" und 1992 unter Andrea Breth die Lizzie in O'Caseys "Das Ende vom Anfang".

In den Jahren 1995 bis 1999 war sie an der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin engagiert, danach kehrte sie wieder ans Burgtheater zurück. Auch bei den Salzburger Festspielen war Elisabeth Orth immer wieder zu sehen (u.a . in Schnitzlers "Der einsame Weg" oder "Das weite Land").

Neben ihrem Bühnenengagement war "die Orth" auch für Film und Fernsehen tätig: so spielte sie u. a. in Reinhard Schwabenitzkys "Der Einstand" (1977), in Michael Hanekes Zweiteiler "Lemminge" (1978) oder in den Schwarzenberger-Komödien "Single Bells" (1997) und "O Palmenbaum" (2000); im Kino war sie u.a. in Klaus Maria Brandauers "Georg Elser - Einer aus Deutschland" (1989), Stefan Ruzowitzkys preisgekröntem Heimatdrama "Die Siebtelbauern" (1997) sowie in Urs Odermatts Verfilmung von Taboris Hitler-Parabel "Mein Kampf" (2010) zu sehen.

Von 1979 bis 2000 war sie zudem als Kolumnistin der Wochenzeitung Die Furche tätig, von 1985 bis 1994 präsentierte sie auch die ORF-Sendung "Schatzhaus Österreich".


Elisabeth Orth engagiert sich auch sozialpolitisch und tritt vor allem gegen Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit auf: so war sie als Präsidentin der "Aktion gegen den Antisemitismus" ebenso aktiv wie als Mitinitiatorin der "Demokratischen Offensive" und nahm 1993 am Lichtermeer teil. Für ihr Engagement wurde mit dem Bundes-Ehrenzeichen für Toleranz und Menschenrechte des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur ausgezeichnet.

2015 folgte Kammerschauspielerin Elisabeth Orth der 2014 verstorbenen Annemarie Düringer als Doyenne des Burgtheaters nach.

("Doyenne" des Burgtheaters kann eine Schauspielerin werden, die mindestens zehn Jahre am Haus ist, das 50. Lebensjahr vollendet und die durch ihre hervorragenden künstlerischen Leistungen das Burgtheater als würdigste Vertreterin repräsentiert.
Nominiert wird die künftige Doyenne vom künstlerischen Leiter des Burgtheaters, in Absprache mit der Bundestheaterholding, dem künstlerischen Betriebsrat und der Ensemblevertretung. Beurkundet wird die Ehrenbezeugung dann durch das Ministerium.
)


Elisabeth Orth war drei Mal verheiratet: aus der 3. Ehe mit dem Schauspieler Hanns Obonya, mit dem sie bis zu dessen Tod 1978 verheiratet war, stammt ihr Sohn Cornelius Obonya, ebenfalls ein sehr erfolgreicher Schauspieler.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Großer Hersfeld-Preis, 1964
  • Ernennung zur Staatsschauspielerin, 1965
  • Ernennung zur Kammerschauspielerin, 1973
  • Kainz-Medaille, 1981
  • Grillparzer-Ring
  • Liselotte-Schreiner-Ring (übernommen von Judith Holzmeister), 2001
  • Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold
  • Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien, 2006
  • Bundes-Ehrenzeichen für Toleranz und Menschenrechte, bm:uk, Wien, 2009
  • ORF Hörspielpreis in der Kategorie Schauspieler/-in des Jahres, 2009
  • Ehrenmitglied des Wiener Burgtheaters, 2014
  • Doyenne des Wiener Burgtheaters, 2015
  • Nestroy als Beste Schauspielerin, 2015

Werke (Auswahl)#

Bücher
  • Märchen ihres Lebens. Meine Eltern P. Wessely und A. Hörbiger, 1975
  • Aus euch wird nie was". Erinnerungen. (aufgezeichnet von Norbert Mayer), 2015

Theaterrollen

  • Louise in "Kabale und Liebe", F. Schiller, 1965/66
  • Johanna in "Die heilige Johanna", G. B. Shaw, 1967/68
  • Michaline Kramer in "Michael Kramer", G. Hauptmann, 1969/70
  • Elisabeth Christine in "Armer alter Fritz", R. Linney, 1969/70
  • Klärchen in "Egmont", J. W. Goethe, 1970/71
  • Nora in "Nora oder Ein Puppenheim", Henrik Ibsen, 1971/72
  • Olga in "Drei Schwestern", A. Tschechow, 1975/76
  • Iphigenie in "Iphigenie auf Tauris", J. W. Goethe, 1977/78
  • Orsina in "Emilia Galotti", G. E. Lessing, 1978/79
  • Mae in Die Katze auf dem heißen Blechdach, T. Williams, 1980/81
  • Julie in "Dantons Tod", G. Büchner, 1981/82
  • Medea in "Das goldene Vließ", F. Grillparzer, 1983/84
  • Eurydike in "Antigone", Sophokles, 1984/85
  • Mutter Courage in "Mutter Courage und ihre Kinder", B. Brecht, 1985/86
  • Irina Nikolajewna Arkadina in "Die Möwe", A. Tschechow, 1986/87
  • Die Mutter in "Sechs Personen suchen einen Autor", L. Pirandello, 1992/93
  • Marja Wassiljewna Wojnizkaja in "Onkel Wanja", A. Tschechow, 1999/2000
  • Frau Hudetz in "Der jüngste Tag", Ö. v. Horváth, 2000/01
  • Katherine in "Der Jude von Malta", C. Marlowe, 2001/02
  • Maria in "Was ihr wollt", W. Shakespeare, 2003/04
  • Big Mama in "Die Katze auf dem heißen Blechdach", T. Williams, 2004/05
  • Margarethe von Österreich in "König Ottokars Glück und Ende", 2005/06
  • Gräfin Bork in "Prinz Friedrich von Homburg", H. v. Kleist, 2012/13
  • Ophelia, Polonius' Tochter in "Hamlet", W. Shakespeare, 2013
  • Die Alte in die "Unverheiratete", E. Palmetshofer, 2014/15
  • Die Großmutter in "Engel des Vergessens", M. Haderlap 2015/16

Film- und Fernsehrollen

  • Actis (TV-Film), 1964
  • Professor Bernhardi (TV-Film), 1964
  • Yerma (TV-Film), 1965
  • Des Meeres und der Liebe Wellen (TV-Film), 1965
  • Die Sylvesternacht - Überspannte Person, 1966
  • Die Mitschuldigen (TV-Film), 1967
  • Fast ein Poet (TV-Film), 1968
  • Nachtcafé (T-Film), 1968
  • Kurzer Prozeß (TV-Film) , 1969
  • Der Kurier der Kaiserin (TV-Serie, Folge "Geheimverhandlungen"), 1970
  • Libussa (TV-Film), 1972
  • Der Kommissar (TV-Serie, Folge „Tod eines Landstreichers), 1974
  • Der Raub der Sabinerinnen (T-Film), 1976
  • Der Einstand (TV-FIlm), 1977
  • Iphigenia auf Tauris (TV-Film), 1978
  • Lemminge (TV Mini-Serie, Folge "Arkadien"), 1979
  • Sommergäste (TV-Film), 1981
  • Triptychon (TV-Film) , 1981
  • Wiener Klatsch (TV Serie), 1985
  • Georg Elser - Einer aus Deutschland, 1989
  • Othello, der Mohr von Venedig (TV-Film), 1991
  • Ivanov (TV -Film), 1992
  • Die Siebtelbauern, 1998
  • Single Bells (TV-Film), 1998
  • O Palmenbaum (TV-FIlm), 2000
  • Kurze Begegnung, 2001
  • Emilia Galotti (TV-Film), 2003
  • Die Heilerin (TV-Film), 2004
  • Princesse Marie (TV-Film) , 2004
  • Bloch (TV Serie, Folge "Ein krankes Herz"), 2005
  • Don Carlos, Infant von Spanien (TV-Film), 2005
  • König Ottokars Glück und Ende (TV-Film), 2006
  • Die Heilerin 2 (TV-Film), 2008
  • Mein Kampf, 2009
  • Pepperminta, 2009
  • Tatort (TV Serie, Folge "Der traurige König"), 2012
  • Hannas Entscheidung (TV-Film) , 2012
  • Über-Ich und Du, 2014
  • Clara Immerwahr (TV-Film), 2014

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl