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Portisch, Hugo#

* 19. 2. 1927, Pressburg (Bratislava, Slowakische Republik)


Journalist, Publizist


Hugo Portisch. Foto, 1995, © Die Presse/Harald Hofmeister, für AEIOU
Hugo Portisch. Foto, 1995
© Die Presse/Harald Hofmeister, für AEIOU

Hugo Portisch wurde am 19. Februar 1927 im damaligen Preßburg (heute Bratislava) als Sohn des Chefs der "Preßburger Zeitung" - ein liberales Blatt, das 1939 verboten wurde - geboren. (Sein älterer Bruder Emil Portisch jun. wurde ebenfalls Journalist.)

1945 konnte Hugo Portisch gerade noch sein Maturazeugnis erlangen, danach verließ seine Familie Preßburg und übersiedelte zu Verwandten nach St. Pölten. Ab 1945 studierte er an der Universität Wien Geschichte, Germanistik, Anglistik und wechselte dann zum Studium der Publizistik, das er 1951 mit der Promotion zum Dr. phil. abschloss.

Seine journalistische Laufbahn begann er bereits während des Studiums - zuerst als Redaktionseleve in der Wiener Redaktion des St. Pöltner Pressvereins (1947), dann ab 1948 als Redaktionsaspirant bei der damaligen "Wiener Tageszeitung", wo er 1950 die Leitung des Ressorts 'Außenpolitik' übernahm. 1950 absolvierte er einen sechsmonatigen Journalistenkurs in den USA, der ihn auch in die Redaktionen der "New York Times", der "Washington Post", der "St. Louis Star and Times" und der "Cleveland Press" führte.

1953 wechselte er als stellvertretender Leiter des Österreichischen Informationsdienstes in New York in die Diplomatie. 1955 kehrt er nach Österreich zurück, wurde zunächst stellvertretender Chefredakteur und dann Chefredakteur des "Kurier", der damals größten Tageszeitung Österreichs.

Daneben verfasste er über seine weltweiten Reisen eine Reihe von Büchern, darunter die populäre "So sah ich ..." -Serie. " ("So sah ich China" und "So sah ich Sibirien" wurden in Deutschland, USA, Großbritannien, Spanien, Indien und Japan zu Weltbestsellern.)

Von 1961 bis 1968 war Hugo Portisch auch weltpolitischer Kommentator im Bayrischen Fernsehen. 1964 leitete er - in Zusammenarbeit mit parteiunabhängigen Zeitungen - das Rundfunkvolksbegehren ein – das erste in Österreich.

Nach zehnjähriger Chefredaktion beim Kurier wechselte Hugo Portisch 1968 zum ORF und wurde dessen Chefkommentator. Nun setzte er - gemeinsam mit Sepp Riff – seine Bücher auch für das Fernsehen um. Darüber hinaus war Hugo Portisch von 1971 bis 1972 als Sonderbevollmächtigter und von 1973 bis 1978 als Korrespondent für den "Kurier" und als Auslandskorrespondent für den ORF in London tätig.

Er berichtete vom Weltgeschehen in seiner unnachahmlichen Art - er verstand es, die kompliziertesten Zusammenhänge in verständliche Worte zu kleiden. Sein bleibendes Vermächtnis ist wohl die ORF-Geschichtsreihe "Österreich I" / "Österreich II" (die er nach zwanzig Jahren nochmals überarbeitete). Durch diese Serien, in denen er die Erste und Zweite Republik darstellte, wurde er sozusagen zum "Geschichtelehrer der Nation" - er erklärte den Österreicherinnenn und Österreichern geschichtliche und weltpolitische Zusammenhänge.
Gemeinsam mit Henry Kissinger, dem früheren Außenminister der USA, erstellte er die internationale Dokumentation "Der Zweite Weltkrieg - Ursachen und Hintergründe", die in vielen Sprachen synchronisiert und in insgesamt 32 Ländern ausgestrahlt wurde.

Der ORF betraute Hugo Portisch 1990 mit der Aufgabe, in einer weiteren historischen Dokumentation - in Anbetracht des Zusammenbruchs der kommunistischen Regime in Europa - die Geschichte des Sowjetkommunismus zu rekonstruieren. Die vierteilige Fernsehserie wurde unter dem Titel "Hört die Signale" in Österreich, Deutschland, der Tschechoslowakei, Polen, Griechenland und Italien ausgestrahlt. Im "Gedankenjahr 2005" lieferte er mit der vierteiligen Reihe "Die Zweite Republik - Eine unglaubliche Geschichte" einen weiteren Erfolg, ein spätes Meisterstück öffentlich-rechtlicher TV-Kultur.

(Im Buch "Friede durch Angst" schilderte Portisch die Atom-Arsenale der Supermächte, in "Die deutsche Konfrontation" die Spaltung Deutschlands und die Aussichten der möglichen Wiedervereinigung in "Kap der letzten Hoffnung" setzte er sich mit dem Apartheid-Regime in Südafrika und der Zukunft des gesamten südlichen Afrikas auseinander. Hugo Portisch war er auch Mitbegründer der School of Journalism an der Universität Nairobi, wo er auch immer wieder unterrichtete.)

Hugo Portisch, Autor zahlreicher Bücher, hätte 1991 als Kandidat zur Bundespräsidentenwahl (als Nachfolger Kurt Waldheims) antreten können, auch Ministerposten wurden ihm angeboten - er lehnte sie ebenso dankend ab wie höchste Führungsfunktionen in Zeitungen und ORF.

Das Faible von Hugo Portisch für Schwammerln ist mittlerweile fast ebenso bekannt wie sein Status als Experte österreichischer Zeitgeschichte. Gemeinsam mit Ehefrau Traudi Portisch brachte er das Buch "Pilze suchen - ein Vergnügen" heraus.


Hugo Portisch ist mit Gertraude Portisch verheiratet, Autorin von Kinderbüchern, die sie unter ihrem Geburtsnamen Traudi Reich veröffentlicht. Das Ehepaar lebt in Wien und der Toskana. Der gemeinsame Sohn Edgar lebte und arbeitete auf Madagaskar, wo er 2012 an den Folgen einer Tropenkrankheit starb.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Donauland Sachbuchpreis, 1983
  • Preis der Stadt Wien für Publizistik, 1986
  • Jakob Prandtauer-Preis für Wissenschaft und Kunst der Stadt St. Pölten, 1989
  • "Romy" als beliebtester Kommentator, 1990, 1992, 1993
  • Goldene Kamera (zwei Mal)
  • Fernsehpreis der Österreichischen Volksbildung (zwei Mal)
  • Axel-Corti-Volksbildungspreis
  • Dr.-Karl-Renner-Preis für Publizistik
  • Theodor-Innitzer-Preis für den wissenschaftlichen Film
  • Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln, 1996
  • Journalist des Jahres, 2005
  • Journalist des Jahres (Preis für das Lebenswerk), 2014
  • "Platin-Romy" für sein Lebenswerk, 2002
  • Concordia-Ehrenpreis, 2011
  • Julius-Raab-Medaille, 2012
  • Viktor-Frankl-Preis, 2015
  • Ehrenbürger von St. Pölten, 2016
  • Ehrenpreis des Viktor Frankl-Fonds, 2016

Publikationen (Auswahl)#

  • Augenzeuge der Weltpolitik
  • So sah ich die Sowjetunion, Afrika, Südamerika, 1964
  • Augenzeuge in Rotchina (oder "So sah ich China"), 1965
  • So sah ich Sibirien, 1967
  • Friede durch Angst. Augenzeuge in den Arsenalen des Atomkrieges, 1970
  • L'arsenal atomique américain. Dans le secret des arsenaux de la guerre atomique, 1971
  • Die deutsche Konfrontation. Gegenwart und Zukunft der beiden deutschen Staaten, 1974,
  • (Hg.) 25 Jahre Staatsvertrag. Protokolle des wissenschaftlichen Symposions, 16. und 17. Mai 1980, 1980
  • Kap der letzten Hoffnung. Das Ringen um den Süden Afrikas, 1981
  • Pilze suchen – ein Vergnügen. Die besten Speisepilze und ihre Doppelgänger (gem. m. seiner Frau Traudi Reich), 1982
  • Österreich II. Die Wiedergeburt unseres Staates, 1. Teil, 1985
  • Österreich II. Der lange Weg zur Freiheit, 2. Teil, 1986
  • Das audiovisuelle Gedächtnis der Nation, Schriftenreihe des österreichischen Filmarchivs, 1988
  • Österreich I - Die unterschätzte Republik, 1989
  • Hört die Signale. Aufstieg und Fall des Sowjetkommunismus, 1991
  • Österreich II. Jahre des Aufbruchs, Jahre des Umbruchs, 3. Teil, 1996
  • Österreich an der Schwelle zum 21. Jahrhundert, 2000
  • Die Olive & wir (gem.m.seiner Frau Traudi Reich), 2009
  • Was jetzt, 2011
  • Aufregend war es immer (Autobiographie), 2015

Weiterführendes#

Quellen#

Redaktion: I. Schinnerl