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Prinz, Friedrich#

* 1950, Wien

Physiker

Prinz
Fritz Prinz

Friedrich "Fritz" B. Prinz wurde 1950 in Wien geboren und studierte Physik an der Universität Wien, wo er 1975 promovierte.

Er erhielt ein Fulbright-Stipendium in den USA und war anschließend von 1976 bis 1980 als Assistent an der Universität Wien und am MIT (Massachusetts Institute of Technology) tätig. 1981 übersiedelte er in die USA, wo er an der Carnegie Mellon University (in Pittsburgh, Pennsylvania) zunächst Assistenzprofessor wurde und von 1987 bis 1994 als Professor am "Department of Mechanical Engineering" tätig war und hier auch von 1989 bis 1994 als Direktor dem "Engineering Design Research Center" (NSF-ERC) vorstand.

1994 wechselte er an die renommierte Stanford-Universität, wo er von 1994 bis 2010 die "Rodney H. Adams-Professur" inne hatte und seit 2007 auch den "Robert-Bosch-Chair" in der "School of Engineering“ am Department of Mechanical Engineering hält.


Sein Fokus liegt auf der Mikro- und Nano-Forschung im Energie- und Biologiebereich - er forscht an neuen Materialien und Methoden zur effizienten Umwandlung und Speicherung von Energie. Sein Team untersucht u.a. den Zusammenhang zwischen Größe, Beschaffenheit und Kinetik des Transfers von elektrischen Ladungen. Dabei wird auch versucht, von der Natur zu lernen (Bionik) - besonders wie Elektronen in Pflanzenzellen transportiert werden.

Prof. Dr. Fritz Prinz lebt seit langem in den USA und ist hier als Forscher fest etabliert, trotzdem ist er seiner Heimat mit seiner Staatsbürgerschaft treu geblieben. Seit 1996 ist er korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und war von 2009 bis 2013 auch Vorsitzender des Forschungskuratoriums der ÖAW.

Seit Jahresbeginn 2013 ist Prof. Prinz auch Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Austria-Forums.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Sir Christopher Hinton Lecture, Royal Academy of Engineering, 1991
  • Engineer-of-the-Year, American Society of Mechanical Engineers, Pittsburgh, PA Section, 1991-1992
  • korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1996
  • Literati Club Awards for Excellence, 2002
  • Most 'Outstanding Paper' in the 2001 volume of the Rapid Prototyping Journal, 2002
  • The AM Strickland Prize for Best Paper in 2005 (The Institution of Mechanical Engineers, London), 2005
  • Tedori-Callinan Lecture (University of Pennsylvania), 2006
  • Mitglied der American Association for the Advancement of Science (AAAS), 2007
  • Woodruff Colloquium Speaker (Georgia Institute of Technology, Atlanta), 2008
  • Munushian Lecture (University of Southern California), 2009
  • Christie Distinguished Lecture Series (Johns Hopkins University, Baltimore), 2010
  • Wilhelm Exner Medaille (Österreichischer Gewerbeverein), 2012

Werke (Auswahl)#

Bücher
  • Nanoscale Technology in Biological Systems (mit R. S. Greco, R. L. Smith), 2005
  • Fuel Cell Fundamentals (mit R. O’Hayre, S.W. Cha, W. Colella),, 2006
  • Fuel Cell Fundamentals (mit R. O’Hayre, S.W. Cha, W. Colella), 2. Auflage, 2009

unzählige Publikationen in Fachzeitschriften


Essay#

Freistoß zur Weltveränderung#

Im Wissenschafts- und Wirtschaftszentrum Silicon Valley kommen Spitzenleistungen zustande - warum?#


Von der Wiener Zeitung (Dienstag, 22. Oktober 2013) freundlicherweise zur Verfügung gestellt

Von

Eva Stanzl


Besuch in Stanford, einer der forschungsstärksten Universitäten.#

pple-Gründer Steve Jobs und Intel-Gründer Robert Noyce
Apple-Gründer Steve Jobs und Intel-Gründer Robert Noyce: Der Ältere hat die moralische Pflicht, dem Jüngeren zu helfen.
wikicommons

Wenn sie Besuchern den Campus zeigen, gehen die Studenten der US-amerikanischen Spitzenuniversität Stanford in großen Schritten rückwärts. Die witzige Gangart könnte dem Sketch "The Ministry of Silly Walks" der britischen Komikergruppe Monty Python entnommen sein. In Wirklichkeit aber entspringt sie einer Haltung von Höflichkeit und Einigkeit: Besucher sind dieser Universität, die sich als nach außen gewandt versteht, willkommen. Man sollte ihnen nie den Rücken kehren.

Doch anders als bei Gläubigen in indischen Tempeln, die ihren Göttern aus Demut stets das Gesicht zuwenden, werden bei Stanford-Studenten auch eigene Ambitionen großgeschrieben. "Ich will mein eigenes Unternehmen gründen", stellt der 20-jährige Peter, der an diesem Morgen die österreichische Delegation durch das Universitätsgelände führt, schnell klar. Rund 15 Prozent der Studierenden hier werden innovative Gründer, viele erfolgreich. Denn wer in Stanford studiert und lebt, hat es geschafft. Firmengründung wird hier als Kreativität begriffen und außerdem als Frage des Glaubens - auch an die Anwesenheit möglicher Geldgeber.

Scheitern als Erfahrung#

Die Leland Stanford Junior University liegt rund 60 Kilometer südöstlich von San Francisco und in Gehdistanz zum Städtchen Palo Alto. Sie wurde vom ehemaligen Gouverneur Kaliforniens, Leland Stanford, und seiner Frau Jane 1891 im Andenken an ihren früh an Typhus verstorbenen Sohn gegründet. Heute betreuen 2000 Professoren rund 16.000 Studenten. Es werden alle Fächer angeboten, von Medizin über Informatik und Ingenieurswesen bis hin zu Mathematik, Rechts-, Geistes- und Naturwissenschaften. Stanford ist eine der forschungsstärksten Universitäten der Welt. Mehr als 20 Fakultätsangehörige haben bisher den Nobelpreis bekommen.

Mit einem Stiftungsvermögen von 19 Milliarden Dollar ist Stanford eine der reichsten Hochschulen. Die Studiengebühren liegen bei rund 50.000 Dollar (36.000 Euro) im Jahr. Studenten, deren Eltern weniger als 60.000 US-Dollar verdienen, sind davon befreit. Von 39.000 Bewerbern wurden für heuer nur 1700 aufgenommen. Entscheidungskriterien sind der Schulerfolg, Empfehlungen der Lehrer, das Bewerbungsschreiben, soziales Engagement und etwaige Erfindungen. "Die Zulassung erfolgt unabhängig vom Geld", unterstreicht der österreichische Physiker Fritz Prinz. Er hat die Robert-Bosch-Professur für Mechanical Engineering an der Stanford School of Engineering inne. Neben grundlegenden Experimenten forscht sein Institut für Konzerne. Von ihnen gibt in der Umgebung viele.

Silicon Valley ist eines der bedeutendsten IT- und Hightech-Zentren. Das Tal erstreckt sich über die Bucht um San Francisco und ist mit den Universitäten Stanford und Berkeley ein Magnet für Wissenschafter und Unternehmer. "Unsere Studenten überlegen sich, wie sie die Welt verändern können. Der zentrale Gedanke ist, einen Beitrag zu leisten", erklärt Prinz der Delegation unter der Leitung des Aufsichtsratspräsidenten des Austrian Institute of Technology, Hannes Androsch. Das Ziel der Reise war, zu sehen, wie im Wissenschafts- und Wirtschaftszentrum Silicon Valley "Spitzenleistungen zustande kommen und organisiert werden", so Androsch. Unternehmen wie Hewlett Packard, Intel, Google und Facebook wurden von Stanford-Absolventen gegründet.

Der Denker von Auguste Rodin
Der Denker von Auguste Rodin konzentriert sich vor den Pforten der Stanford University.
© Robert Holmes/Corbis

Wie sich zeigte, sind die Umstände in Österreich jedoch nicht mit jenen in Silicon Valley zu vergleichen. Denn während Stanford ein Jahresbudget von 3,47 Milliarden Euro hat, müssen alle heimischen Unis mit 2,5 Milliarden pro Jahr auskommen. Stanford beschäftigt zudem 300 Personen für Fundraising, die jährlich Spenden von einer Milliarde Dollar lukrieren. Unter Stanford-Alumni gilt es als moralische Pflicht, einen Teil ihres Vermögens an Uni und Jungunternehmer zu spenden.

"In Österreich ist die Angst vor dem Scheitern viel größer. Wir haben außerdem kaum Venture Capital und es fehlt am steuerlichen Rahmenwerk", betont Edeltraud Stiftinger, Geschäftsführerin der heimischen Förderbank AWS. All das ist im Silicon Valley im höchsten Ausmaß gegeben. "Ein Scheitern gilt hier als Erfahrung", sagt der achtmalige Firmengründer Steven Blank.

Einzigartig sind auch die Umstände der Entstehung des Hightech-Zentrums. Ohne US-Militär gäbe es nämlich kein Silicon Valley. "Heute gibt die US-Regierung 125 bis 150 Milliarden Dollar für Forschung aus, von denen 30 Milliarden in Forschungsuniversitäten fließen. Bis zum Zweiten Weltkrieg gab es aber keine staatlich finanzierten Unis", erklärt Blank, außerordentlicher Professor in Stanford.

Unis entwickelten Waffen#

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs stellte die US-Regierung fest, dass ihre Militär-Labors zu schlecht ausgerüstet waren, um neue Waffen zu entwickeln. Die Unversitäten Harvard, Columbia, Johns Hopkins, Caltech und das Massachusetts Institute of Technology (MIT) erhielten je eine halbe Milliarde Dollar zur Entwicklung von Nuklearwaffen, Radarsystemen und Raketen. Stanford bekam nur 50.000 Dollar für Lehrerausbildung. Ihr Dean of Engineering, Frederick Termin, wurde nach Harvard berufen, um dort ein Waffenlabor aufzubauen.

Nach Kriegsende kehrte Termin als Top-Experte nach Stanford zurück und gründete das Engineering Department. "Obwohl er Stanford zu einer Art militärischem Kraftwerk machte, ließ Termin nur Prototypen fertigen. Er ermutigte seine Forscher, Firmen zum Bau von Militärwaffen im Valley zu gründen", erzählt Blank. Das kurbelte die Wirtschaft an. Nachdem 1958 die erste russische Sputnik-Rakete das Rennen ins All gewann, sorgte sich der US-Kongress erneut um einen Innovationsmangel und begann, die Gründung technologieintensiver Unternehmen mit Venture-Dollars zu fördern. Anfang der 1960er erfanden Privatunternehmer neue Formen des Venture Capital, indem sie Geld von Begüterten sammelten und ihnen dafür Beteiligungen versprachen. Die Proteste gegen den Vietnamkrieg zwangen die Militärforschung aus den Universitäten. Schließlich brachte die Computertechnologie die Wellen der Innovation ins Rollen. 40 Prozent des US-Risikokapitals oder 11 Milliarden Dollar werden heute in Silicon Valley investiert.

"Silicon Valley ist eine Kreuzung von verrückten Unternehmen und verrückten Geldgebern", sagt Blank. "Start-ups kann man nicht mit bekannten Geschäftsmodellen zum Erfolg führen, da sie mit Ungewissheiten arbeiten. Sie hanteln sich von Scheitern zu Scheitern so lange, bis es passt. Wir sind nicht schlauer als andere. Wir genehmigen uns nur mehr Freistöße zum Tor."

Das Kärntner Unternehmerpaar Silke Telsnig und Emanuel Pirker hat getroffen. Im Rahmen der Initiative "Go Silicon Valley" zahlte die Wirtschaftskammer den Gründern der Softwarefirma Stratodesk drei Monate lang die Büromiete im Silicon Valley. Heute beschäftigt das Paar fünf Mitarbeiter in San Francisco. "Viele andere sind zurückgegangen. Wir aber hatten ein fertiges Produkt und mussten nur Kunden finden", sagt Telsnig. Risikokapital war jedoch nicht zu bekommen. Vom Vermittlungsunternehmen Plug and Play hatten sie zwar "Pitching" beigebracht bekommen - ein Speed Dating für Gründer, bei dem das Unternehmensziel in 15 Minuten dargelegt wird. "Es hörte aber niemand zu", sagt Pirker.

Ende der Blütezeit#

Denn viele bekommen nicht einmal die Chance, zu scheitern. "Gründer müssen uns aus guter Quelle empfohlen werden. Für uns zählt zudem die Leistungsbilanz", sagt Flip Ganos, Partner der Venture Capital Firma Inter West. Wer zu oft abgewiesen wird, müsse eben einen anderen Job machen. Egal, was er glaubt.

Vielleicht muss sich Silicon Valley selbst bald andere Geschäftsfelder einfallen lassen. Der jüngste Quartalsbericht des Chip-Riesen Intel weist Gewinnrückgänge aus und Hardwarefirmen wie Cisco oder IBM fallen gegenüber Google und Apple zurück. Doch auch sie müssen sich Gedanken machen, wie lange sie auf bessere Apps, Suchmaschinen und Smartphones setzen wollen, wo deren Teile doch nun in China erzeugt werden.

Wiener Zeitung, Dienstag, 22. Oktober 2013

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl