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Pucher, Wolfgang#

* 31. 3. 1939, Hausmannstätten bei Graz


Pfarrer


Pfarrer Wolfgang Pucher
Wolfgang Pucher
© Wiener VinziWerke

Wolfgang Pucher wurde am 31. März 1939 in Hausmannstätten bei Graz geboren und wuchs in Armut mit zwei Geschwistern in der Oststeiermark auf.


Mit zehn Jahren beschloss er, Priester zu werden und trat 1949 in den Lazaristenorden ein.
(Die Lazaristen sind eine 1625 von Vinzenz von Paul gegründete Weltpriestergemeinschaft, die sich den Armen verpflichtet hat.)


1963 wurde er zum Priester geweiht, von 1963 bis 1966 war er als Erzieher in einem Bubeninternat, von 1966 bis 1969 als Kaplan Graz (Pfarre zur schmerzhaften Mutter), von 1969 bis 1973 als Erzieher und Internatsleiter am österreichischen St. Georgs-Kolleg in Istanbul tätig, wo er sich auch um Straßenkinder kümmerte.

Seit 1973 ist er Pfarrer der Gemeinde St. Vinzenz in Graz. Bei seiner ersten Predigt wussten manche nicht recht, was er meinte, als er sagte: "Ich werde für alle Menschen da sein – aber in erster Linie für diejenigen, die mich am meisten brauchen."



Der Jungpfarrer selbst aber wusste rasch, wo man ihn am meisten brauchte: seine Lehrjahre als "Rebell der Nächstenliebe" absolvierte er in der Delogierten-Siedlung in der Grazer Heßgasse. Er machte 1978 die Stadtpolitik auf die Situation aufmerksam - vor allem war es den dortigen Bewohnern nur sehr schwer möglich, mit dieser Adresse Arbeit zu finden. (Die Gasse wurde 1986 aus sozialpolitischen Gründen aus dem Stadtplan gelöscht!)


Als nächstes setzte er sich das Ziel, die Obdachlosigkeit in Graz zu bekämpfen: 1991 startete er mit dem Vinzibus, der jeden Abend Lebensmittelspenden an Bedürftige verteilte; 1993 eröffnete er in Graz das sogenannte VinziDorf, ein Dorf aus Baucontainern für obdachlose Menschen.


Es entstanden zahlreiche Projekte, die der streitbare Pfarrer allesamt den Armen gewidmet hat. Inzwischen ist sein Engagement für die Ärmsten der Armen längst legendär. Ob VinziBett, VinziHaus, VinziHelp, VinziMarkt, VinziMed, VinziNest, VinziSchutz, VinziShop, VinziTel, VinziPort oder VinziPasta – Pfarrer Wolfgang Pucher hat eine soziale Marke kreiert, die sich in Form von Verpflegungsbussen, medizinischen Einrichtungen, Notschlafstellen und Sozialmärkten an den Bedürfnissen der Hilfesuchenden orientiert und auch über die Grenzen Österreich hinauswirkt.


31 VinziWerke sind insgesamt aus Pfarrer Puchers Initiativen hervorgegangen. Sie geben täglich 450 Personen Unterkunft und versorgen mehr als 500 Menschen mit Essen oder mit Arbeit: in Hostice, jenem slowakischen Dorf, aus denen Familien nach Graz zum Betteln fuhren, entstand 2007 mit VinziPasta eine Nudelproduktion. Frauen können seitdem mit Arbeit statt mit Betteln ihre Familien unterstützen.

Mit seinen Projekten gelingt es Pfarrer Pucher täglich, sozial benachteiligten und obdachlosen Menschen zu helfen.



Mit seinem Einsatz für die AußenseiterInnen der österreichischen Gesellschaft polarisierte und polarisiert er sein Umfeld immer wieder heftig. Er wandte sich jenen zu, die, wie er sagt, von "hässlicher Armut" betroffen sind – also jenen, die selbst öffentliche Einrichtungen nicht mehr aufnehmen (können). Seit im Jahre 2011 das Land Steiermark ein Bettelverbot erließ, bekämpft er dieses auch juristisch.




Am 2. Juni 2012 wurde Wolfgang Pucher vom Unternehmer Martin Essl und dessen Frau Gerda für sein Engagement im Kampf gegen die Obdachlosigkeit in Österreich mit dem "Essl Social Prize 2012" ausgezeichnet. Mit dem Preisgeld von 1 Million Euro soll sein neues innovatives Sozialprojekt "Housing First" in der Stadt Salzburg umgesetzt werden.


(Dies wird ein Wohnmodell für Obdachlose nach US-Vorbild, das auch schon in Amsterdam und Helsinki erfolgreich umgesetzt wird. Langzeit-Obdachlose erhalten dabei leistbare, über die ganze Stadt verstreute Mietwohnungen und werden dabei von Sozialarbeitern betreut. Innerhalb von drei Jahren soll den Menschen so wieder ein eigenständiges Leben ermöglicht werden.)

Quellen#



Redaktion: I. Schinnerl