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Puschnig, Wolfgang#


* 21. 5. 1956, Klagenfurt (Kärnten)


Komponist, (Jazz-) Musiker


Wolfgang Puschnig wurde am 21. Mai 1956 in Klagenfurt geboren, wo er auch aufwuchs und die Schule besuchte. Bereits während der Schulzeit spielte er als Flötist in der Jazz-Folk-Formation "Sokrates Sixtinic Bongoloids" und gehörte auch einer Amateur-Theatergruppe an.

Nach der Matura 1974 ging er nach Wien, wo er Musikwissenschaft an der Universität sowie Saxophon und Flöte am Konservatorium und an der Musikhochschule Wien sudierte. Wolfgang Puschnig lernte die noch junge Wiener Jazz-Szene kennen, wo er zunehmend als Saxophonist tätig war.1977 traf er mit dem Schweizer Pianisten und Wahlwiener Mathias Rüegg zusammen – sie gründeten gemeinsam das "Vienna Art Orchestra" (VAO), in dem er bis 1989 aktiv war. Bereits Ende der 1970er Jahre konnte sich diese Big Band VAO mit Alben wie "Tango from Obango" nachhaltig in der internationalen Jazz-Szene etablieren.

Zeitgleich zu seiner Tätigkeit in der Big Band spielte Wolfgang Puschnig mit einigen ihrer Mitglieder auch in diversen kleineren Formationen zusammen - das Quintett "Part of the Art" mit Herbert Joos, Uli Scherer, Jürgen Wuchner und Wolfgang Reisinger wurde ebenso zu einer neuen musikalischen Heimat wie "Pat Brothers" mit Linda Sharrock und Wolfgang Mitterer oder "Air Mail" mit Harry Pepl und Mike Richmond. Er arbeitete auch mit Ernst Jandl zusammen, mit dem bis 1991 drei Alben aufnahm ( "Bist Eulen?", "Vom Vom Zum Zum" und "Lieber ein Saxophon").

Carla Bley, Galionsfigur des progressiven Big-Band-Sounds, holte Puschnig 1985 in ihr Ensemble, mit dem er Klassikern wie der Jazz-Oper "Escalator over the Hill" live seinen Stempel aufdrückte. Zahlreiche Platteneinspielungen mit Bley folgten.

Auf seinem ersten Solo-Album "Pieces of a Dream" finden sich musikalische Dialoge mit Carla Bley, Jamaaladeen Tacuma, Hans Koller, Linda Sharrock, Hiram Bullock und Harry Pepl. 1989 verließ Puschnig nach zwölf Jahren das VAO, um sich weiteren Projekten zu widmen - zu diesen gehörten das 1991 gegründete Saxophonquartett "Saxofour", die Zusammenarbeit mit dem koreanischen Percussion-Quartett "Samul Nori" oder mit dem Bassisten Jamaaladeen Tacuma (unter dem Namen "Gemini-Gemini"). Aufsehen erregte auch das Langzeitprojekt "Alpine Aspects" mit der Amstettner Trachtenmusikkapelle. (Volksmusik war und ist stets in seinem gesamten Schaffen präsent.) Mit Willi Resetarits alias Ostbahn-Kurti veröffentlichte er 2000 das Album "Almost Blue". Seit 2009 widmet er sich dem Projekt "Room", mit dem er sich unterschiedlichsten Stilrichtungen öffnet, die er perfekt in ein buntes und vielfältiges Hörerlebnis zusammenführt.

Insgesamt wirkte Wolfgang Puschnig bei mehr als 100 Plattenaufnahmen mit, als Bandleader bzw. Co-Leader veröffentlichte er mehr als 30 Alben. Seit 1988 lehrt er außerdem als Professor an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.

Wolfgang Puschnig ist (neben Joe Zawinul) sicher der bedeutendste aktive Jazzmusiker aus Österreich. Sein Ruf als brillanter Solist und Virtuose ist Grund dafür, dass er immer wieder als Gastmusiker zu internationalen Projekten eingeladen wird. Vor allem aber sind die Vielzahl der von ihm gegründeten Ensembles und seiner musikalischen Projekte Ausdruck seiner künstlerischen Offenheit, Neugierde und Experimentierlust.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Hans-Koller-Preis für den "Jazzmusiker des Jahres", 1998
  • Würdigungspreis des Landes Kärnten, 2003. Zudem wurde Wolfgang Puschnig 2004, als erstem Musiker überhaupt, die
  • Ehrendoktorat der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt, 2004

Werke (Auswahl)#

  • Bist Eulen (mit E. Jandl), 1984
  • Obsodero (mit W. Mitterer), 1986
  • Pieces of a Dream (1988)
  • Alpine Aspects, 1991
  • Then Comes the White Tiger, 1993
  • Mixed Metaphors (1995)
  • Journey Into The Gemini Territory (mit J. Tacuma), 1996
  • Roots & Fruits (1997)
  • The Hans Koller Concept (mit H. Koller und P. Urbanek), 2000
  • 3 & 4 Ob'n Unt'n / Austrian Songs, 2002
  • Chants, 2001
  • Late Night Show Pt. I + II (2006)
  • Things Change, 2006

Quellen#

Redaktion: I. Schinnerl